28. Juli 2026 · Dienstag
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung – Jer 14,17b-22
Die heutige Lesung ist aus einem Prophetenwort und einem Klagelied des Volkes zusammengesetzt. Unmittelbarer Anlass war eine große Dürre. Jeremias weint über die Not, die über das Volk gekommen ist und darüber, dass Gott noch Schlimmeres ankündigt, denn das Volk verharrt weiter im Ungehorsam und will nicht umkehren. Gott ist entschlossen, sein Volk durch Schwert, Hunger und Pest zu vernichten. Anstelle des Volkes bekennt nun Jeremias die Schuld seiner Zeitgenossen und die der frühen Generationen. Er fragt Gott, ob er Juda ganz verworfen hat und bittet gleichzeitig, der Herr möge an seinen Namen, an seinen Tempel in Jerusalem denken sowie an den Bund, den er mit Israel geschlossen hat. Der Herr möge sein Volk nicht vernichten, sondern retten, denn wer sonst als Gott könnte helfen? Der Prophet glaubt an Gottes Treue über alle Untreue des Volkes hinweg. Gott ist und bleibt ein treuer Gott, auch wenn seine Treue zu uns immer wieder grenzwertig strapaziert wird. Aber die Treue Gottes ist eben eine göttliche Eigenschaft, in der sich seine Liebe spiegelt, im Gegensatz zur unvollendeten menschlichen Treue und Liebe. Aus diesem Grund können wir in unserer Menschlichkeit nicht an Gottes Liebe und Treue heranreichen. Wir können nur versuchen, uns ständig weiterzuentwickeln, in der Hoffnung, dass Gott diese Versuche eines Tages respektieren wird.
Evangelium – Mt 13,36-43
Die heutige Gleichnisrede Jesu endet mit den Worten: „Dann werden die Gerechten im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten“. Die Rede ist von Menschen, die sich dem Licht geöffnet haben und von denen selbst auch Licht ausgeht. Blicken wir stets auf diese Menschen, in denen Gott Gestalt gewonnen hat. An ihnen können wir sehen, wer Gott wirklich ist und von ihnen können wir wieder Mut empfangen, unser Menschsein mit all seinen Facetten zu ertragen und anderen tragen zu helfen, denn jedes Leben ist vor Gott wertvoll, nicht belanglos, und wir sind keine unbedeutenden, winzigen Lebewesen in diesem unendlich weiten Universum. Gott hat für jeden von uns seinen Plan, seine Idee, die es gilt, mit all unseren von ihm erhaltenen Talenten zu nutzen. Einst wird er uns daher die Frage stellen: „Was hast du mit deinem Leben gemacht, hast du die Gaben, die ich dir geschenkt habe, angenommen und zur Frucht bringen lassen?“ Glaub nicht, du kannst im Leben nichts bewirken. Keiner ist überflüssig, auch wenn es manchmal so aussehen mag. Gott steht hinter jedem von uns – hinter dem nur scheinbar Unwichtigen, den Leidenden oder jenen, die nichts mehr tun können. Verweigere dich daher nicht deinem Schöpfer! Jede Verweigerung bringt mehr Dunkelheit, nicht nur für dich, sondern für das Ganze und wird beim letzten Gericht, wenn du vor dem Herrn stehst und Rechenschaft über dein Leben ablegen wirst, ans Tageslicht kommen. Doch es gibt einen Weg, um furchtlos dem Gericht entgegenzugehen: Werde ein Freund des Richters, sodass er dich kennen wird und du ihn. (Frei nach einer Predigt von Joseph Ratzinger, gehalten am 19. Juli 1981)