18. Juli 2026 · Samstag
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung – Mi 2,1-5
Der Prophet Micha war ein Zeitgenosse von Jesaja und bekämpfte, so wie dieser, die sozialen Missstände seiner Zeit. Die reichen Unterdrücker nutzten damals schamlos, durch Kreditgeschäfte und Einfluss auf das Abgabewesen der kleinen Bauern, ihre Macht aus. Der Prozess der Verarmung und damit die Zerstörung der Solidargemeinschaft schritt kontinuierlich voran. Dagegen protestierte Micha im Namen Gottes, war es doch ein klarer Verstoß gegen das entsprechende Gebot (Ex 20,17). Micha protestierte aber nicht nur, er kündigte den Großgrundbesitzern Sklaverei und Deportation an, was sich dann auch tatsächlich vollziehen sollte. Nach dem Exil würden die Reichen keine Grundstücke und Äcker mehr erhalten, das Joch Gottes wird sie niederdrücken und ihren Stolz brechen. Es wird lautes Jammern und Klagen geben. Auch wir heute haben den Sinn für brüderliche Verantwortung verloren. Unsere Wohlstandskultur, die uns dazu bringt, nur mehr an uns selbst zu denken, macht uns unempfindlich gegen die Klagen der anderen. Wir haben uns schon an das Leiden der anderen gewöhnt, es betrifft uns nicht, oft interessiert es uns nicht, es geht uns nichts an. Die Schere zwischen Armut und Reichtum geht auch heute immer weiter auseinander. Reiche können oftmals nicht mehr genug bekommen, Arme müssen immer mehr ums Überleben kämpfen. Was würde Micha sagen, wenn er uns heute sehen würde?
Evangelium – Mt 12,14-21
Jesus heilt an einem Sabbat in der Synagoge die verdorrte Hand eines Mannes. Die anwesenden Pharisäer fassen daraufhin – wegen Jesu Übertretung des Sabbatgebotes – den Beschluss, ihn umzubringen. Doch dieser kann sich ihnen entziehen, heilt weiter, verbot aber allen davon zu berichten, damit sich die Verheißung des Jesaja über den von Gott eingesetzten und erwählten Knecht erfüllen könnte. Aber wer ist dieser Knecht, von dem im ersten Lied vom Gottesknecht bei Jesaja 42,1-9 berichtet wird? Das Evangelium offenbart ihn uns: Es ist Jesus von Nazaret, der bei seiner Taufe zum Messias erklärt wird – das heißt, zum König der Welt. Die Taufe im Wasser des irdischen Flusses wird dabei zusammen mit der kundgetanen Sohnschaft Jesu zum Symbol des Leidens, des Todes und des Heils. Sie erklärt darüber hinaus die polare Stellung Jesu als Knecht und zugleich als König, denn seine Herkunft fordert jenen Dienst, der im „Leiden aus Liebe“ verwirklicht wird. Bei der Erfüllung dieser Pflicht wird Jesus lt. Mt 12,20 „Das geknickte Rohr nicht brechen und den glimmenden Docht nicht löschen“. D.h.:Er wird nicht richten, sondern aufrichten, Weisung geben und Befreiung bringen. Er handelt damit so, wie es den Rechtsordnungen der Welt widerspricht. Im Zitat des heutigen Evangeliums finden wir eine Art Zusammenfassung der Frohen Botschaft: Gott sendet seinen Knecht, um den Menschen das Heil zu bringen. Sind wir bereit, dieses Heil zu empfangen? Richten wir unser Leben nach dem verheißenen Ziel aus? Ist Jesus unser Herr?