15. Juli 2026 · Heiliger Bonaventura
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung – Eph 3,14-19
Der erste Teil des Briefes an die Epheser schließt mit einem feierlichen Gebet, einer Fürbitte des Autors für seine Leser. Sie richtet sich auf die Festigung des „inneren Menschen“ (V.16), wobei der Hauptakzent auf die notwendige Erkenntnis Gottes gelegt wird. Der Mensch, die Gemeinde, müssen in dieser Erkenntnis wachsen, damit es zu einer Ahnung von der Größe Gottes und der Liebe Christi komme. Durch die Gotteserkenntnis, die Glaube und Liebe zugleich ist, wohnt Christus im Herzen der Menschen, in jener tiefen Mitte, aus der alles Erkennen und Lieben hervorquillt. Fehlt die Gotteserkenntnis, herrschen Sünde und Laster. Erst die Erkenntnis ist der Weg zur Erlösung und zum Heil. Mit der Erkenntnis können wir auch, wie in Vers 18 dargestellt, die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe, mit der Christus uns liebt, erahnen. Dies bleibt aber ein lebenslanges Unterfangen, denn Gott in seiner Ganzheit erkennen werden wir vielleicht erst nach unserer eigenen Auferweckung. Ein guter Weg, um in der Erkenntnis zu wachsen, ist die Nächstenliebe, die Zuwendung zu unseren Nächsten. Und wenn sich unser Nächster uns selbst zuwendet, können wir erahnen und fühlen, wie Gott uns liebt.
Evangelium – Mt 23,8-12
Jesus mahnt in seiner Rede, jede Art von Herrschsucht abzulegen: Keiner soll sich Rabbi oder Lehrer nennen lassen und niemand soll jemanden Vater nennen, denn nur einer ist der Meister, Christus, und nur einer ist der Vater, nämlich der im Himmel. Niemand hat das Recht, sich selbst zu erhöhen, denn wir sind vor Gott alle Schwestern und Brüder, mit denselben Rechten und Pflichten. Wir alle sollen in brüderlicher Gemeinschaft verbunden sein und diese Verbindung sichern, pflegen und wo sie fehlt, wieder herstellen. Wir bilden eine Familie mit Gott und dieser ist das Familienoberhaupt. Ist uns bewusst, dass wir auf dieser Welt alle Geschwister sind? Wir bewohnen alle dasselbe Haus, ernähren uns von den Früchten dieser Welt und haben alle denselben Vater im Himmel. Warum fällt es uns so schwer, zu verstehen, dass wir geschwisterlich leben sollen? Meist stellt sich einer über den anderen, oft geht es um Macht, Absicherung der eigenen Position und des eigenen Ansehens. Profitdenken und Egoismus regieren diese Welt. Wir müssen lernen, diese Welt und unser Dasein auf dieser Welt, aus einem kosmischen Blickwinkel zu betrachten. Wie klein wird dann diese Welt und wir in diesem unendlichen Gefüge? Wie groß wird dann der Schöpfer? In unserer Klein- und Schwachheit müssen wir zusammenhalten, als Starke die Schwächen der Kleinen ausgleichen, als bevorzugte des Lebens uns auf die Seite der Benachteiligten begeben und zeigen, dass wir Geschwister sind.