13. Juli 2026 · Montag
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung – Jes 1,10-17
Das Buch Jesaja steht am Beginn der Bücher der Propheten, des dritten großen Abschnitts des Alten Testaments. Es steht nicht zu Unrecht an dieser führenden Stelle, denn nichts kommt der gewaltigen Vision von Gott und der herrlichen Zukunft für sein Volk gleich, bis wir die Worte der Offenbarung, dem letzten Buch des Neuen Testaments, in uns aufnehmen können. Der Überlieferung nach ist Jesaja das Werk eines einzigen Autors, andere sehen hingegen das Buch als Sammlung verschiedener Prophezeiungen Jesajas und seiner Nachfolger. Der Prophet lebte im 8. Jahrhundert v.Chr. in Jerusalem. Er war verheiratet – seine Frau wird als „die Prophetin“ bezeichnet und übte vielleicht seine Berufung zusammen mit ihm aus. Gleich zu Beginn seiner Schrift stoßen wir auf harte Kritik Gottes an seinem Volk. Das Volk Juda sah offenbar in seinem reibungslos funktionierenden Opferkult den Beweis dafür, dass sein Verhältnis zu Gott in Ordnung war. Dieses Missverständnis muss der Prophet im Auftrag Gottes aufdecken. Ausschließlich ritueller Gottesdienst kann nicht als Gottesdienst am Menschen und so auch an Gott gesehen werden. Wahrer Gottesdienst beinhaltet die Einhaltung der Gebote und insbesondere der sozialen Verpflichtungen gegenüber dem Nächsten. Gottes Gebote geben erst dem Zusammenleben Halt, Ordnung und zeigen den Weg auf, der zum Frieden und so auch zu Gott führt.
Evangelium – Mt 10,34-11,1
Am Weg nach Jerusalem klärt Jesus abermals ein Missverständnis: Nachfolge ist weder friedlich noch um jeden Preis „familienfreundlich“. Was Jesus in Bezug auf die Nachfolge von jedem von uns erwartet, ist absolute Freiheit von sich selbst, von den eigenen Begierden, vom Egoismus und der Abhängigkeit von weltlichen Wertvorstellungen. Diese Freiheit ist notwendig, um nicht das wahre Leben zu verlieren: Das von Gott jedem Menschen geschenkte und für die ewige Vollendung im Reich Gottes gedachte Leben. Schwer ist es, dieses Leben zu finden und zu erlangen, aber leicht, es zu verlieren. Jesus definiert das erstrebenswerte Leben nicht als ein ausschließlich weltliches Dasein mit dem primären Ziel, es voll mit all seinen Angeboten und Vorteilen auszukosten. Das Leben hat auch Schattenseiten und viele Menschen leben dort, meist unfreiwillig und leidend. In solchen Situationen sind wir als Christen gefragt und gefordert. Wenn wir Jesus tatsächlich nachfolgen wollen, müssen wir uns von der Sonnenseite abwenden und uns hineinbegeben in die dunkeln Bereiche menschlichen Leids. Erfüllst du dort als Christ deine Pflicht, wirst du, so wie Jesus es gesagt hat, das wahre Leben finden und in Besitz nehmen können.