11. Juli 2026 · Heiliger Benedict von Nursia
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung – Spr 2,1-9
Das Buch der Sprichwörter ist Zeugnis einer Lebensweisheit als „internationale“ altorientalische Lebenskunde. Es möchte seine Leser auf die Fährte der Weisheit setzen bzw. auf dem Weg der Weisheit voranbringen. Als weise galt ein Mensch, der die Ordnung des Lebens und der Welt kennt und sein Leben danach ausrichtet. Doch Weisheit zu erlangen, kostet Mühe und Anstrengung. Wer aber die Weisheit gefunden hat, bei dem entfaltet sie ihren fünffachen Segen: (1) Sie schenkt Gotteserkenntnis; (2) Sie schenkt Einsicht in das, was recht ist im Zusammenleben der Menschen; (3) Sie bewahrt vor schlechtem, verderblichem Umgang; (4) Sie bewahrt vor Unzucht und (5) verhilft zu einer richtigen Lebensführung. Ziel einer weisheitlichen Bildung ist eine umfassende religiöse Erhellung im Sinne eines verstehenden Glaubens und einer gereiften Frömmigkeit. Wer versucht, dieses Ziel zu erreichen, darf gewiss sein, dass sich aus Wissen ein Gewissen bilden wird, das Recht und Unrecht zu unterscheiden lernt und danach verlangt, das Rechte zu tun. Wir wissen, Gott hat die Erde durch und in seiner Weisheit gegründet (Spr V.3,19). Unsere Welt ist die Manifestation von Gottes Weisheit. Darum müssen wir stets nach dieser suchen, denn in ihr können wir Gott erkennen. Die Annahme der Weisheit befähigt uns erst zu einem rechten Leben, wobei diese Annahme ein lebenslanger Prozess ist, denn wir als „kleine“ Menschen werden nie zur Gänze Gottes Weisheit in uns aufnehmen und leben können.
Evangelium – Mt 19,27-29
Auf dem Weg zu seiner Passion in Jerusalem spricht Jesus über das Unvermögen eines Reichen in den Himmel zu kommen. Erschrocken darüber beteuert Petrus, für die Nachfolge alles verlassen zu haben und nun erhoffe er sich doch eine Belohnung dafür. Was bedeutet es, Jesus nachzufolgen? Es bedeutet, dem vorausgehenden Herrn ähnlich zu werden, sein Wort ins Leben aufzunehmen und umzusetzen – ohne Wenn und Aber! Wir müssen sein Wort immer wieder betrachten und befolgen, was er uns sagt. Dabei ist es ratsam, den Weg der kleinen Schritte zu gehen, denn nur dieser Weg ist uns möglich und nur so werden wir vorwärtskommen. Dazu müssen wir jedoch auch bereit sein, alles, was uns weltlich bindet oder versucht zu binden, zurückzustellen, denn auch Gott ist besitzlos und verschenkt sich uns zur Gänze. Verschenke dich daher deinem Nächsten. Versuche, dich selbst zu verleugnen, denn wer sich selbst verleugnet, kann nicht den Herrn verleugnen. Bist du mit dem Herrn bereits einen Bund eingegangen, ihm nachgefolgt und hast sein Wort in die Tat umgesetzt, schenkt dir der Vater das von Jesus für dich erworbene Heil des ewigen Lebens. Das ewige Leben ist keine einfache Verschönerung oder bessere Fortsetzung dieses irdischen Lebens, es übersteigt deine Vorstellungskraft, weil Gott mit seiner Macht, Liebe und Erbarmen weit über unsere gedankliche Vorstellungskraft wirkt. Denke bei allem, was du im Leben tust an dieses wunderbare Geschenk Gottes. Leicht kann man es verlieren, wenn die Stimme Gottes im Leben unerhört bleibt und dir die Nachfolge Jesu kein Anliegen ist.