9. Juli 2026 · Donnerstag
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung – Hos 11,1-4.8a.c-9
Die heutige Schriftstelle ist das theologische Zentrum des Buches Hosea. Sie gewährt uns einen Blick in das liebende Vaterherz Gottes. Gott hat immer fürsorglich für sein Volk gehandelt, hat es aus Ägypten herausgeholt, doch Israel hat Gottes Liebe immer wieder abgelehnt. Die Hinwendung zu den Baalen ist unbegreiflich. Gott wird nun zwischen Liebe und Gerechtigkeit hin- und hergerissen. Seine brennende Liebe zu seinem Volk hindert ihn daran, es völlig zu vernichten. Seine Barmherzigkeit, sein Erbarmen und Mitfühlen erlangen die Oberhand und er nimmt die ursprünglich beabsichtigte Vernichtung zurück. Gott ist eben anders. Sein Herz „blutet“ für uns Menschen, Strafe entspricht nicht seinem Willen. In seinem Innersten ist er kein strafender, sondern ein liebender, barmherziger Gott. Auch wenn sich die Menschheit nicht bekehrt, gibt es dennoch Rettung durch Jesus Christus, der selbst ganz Mensch war und jetzt zur Rechten des Vaters sitzt, um von dort für uns einzutreten. Die Eintrittskarte zum Himmelreich ist die Reue. Selbst dann, wenn es einem Menschen ein Leben lang nicht gelingt, zur Gänze umzukehren, aber wenn er Reue zeigt, wird sich der Herr erbarmen und die Pforten zu seinem Reich, dem ewigen Heil, öffnen.
Evangelium – Mt 10,7-15
Die Auswahl und Ausbildung des engsten Kreises seiner Nachfolger war ein besonders wichtiger Teil von Jesu Sendung. Die Zwölf, genannt Apostel, was soviel wie „Gesandter“ oder „Bote“ bedeutet, hatten die Aufgabe, auch nach dem Tode Jesu, die Botschaft von ihm weiterzugeben. Um dieser Aufgabe gewachsen zu sein, mussten sie mit ihm im Land umherziehen, damit ihr Glaube am Erlebten wachsen und sich festigen konnte. Dieses persönliche „mit Jesus sein“, ist aber auch für uns heute im dritten Jahrtausend nach Christus möglich. Wir können in den Armen und Kranken, den Verlassenen und Fremden immer wieder dem Herrn begegnen. Jesus hat dazu gesagt: „Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40). Wir können heute in der Begegnung mit den geringsten Brüdern das Evangelium verkünden, so wie es die Jünger damals getan haben. Jesus hat seine zwölf Jünger aufgefordert, hinauszugehen und das Evangelium zu verkünden. Das ist der Sendungsauftrag des Glaubens, der uns alle betrifft. Der Glaube muss missionarisch gelebt werden, sonst ist es kein Glaube. Der Glaube ist nicht nur eine Sache für einen selbst, er muss vermittelt und mit dem persönlichen Zeugnis verkündet werden. Doch bedeutet das weder, dass wir in ferne Länder missionieren sollen, noch, andere von ihrem Glauben abzuwerben. Es bedeutet, im eigenen Umfeld einen Schatz anzubieten und diesen mit anderen zu teilen. Es bedeutet, den eigenen Glauben transparent mit offenen Türen zu leben und zu zeigen, was Christsein bedeutet.