28. Juni 2026 · Sonntag
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung – 2 Kön 4,8-11.14-16a
Elischa hat keinen festen Wohnsitz, ist ständig unterwegs und kommt auf seinen Wegen des Öfteren bei einer reichen, aber kinderlosen Ehefrau vorbei, die seine Heiligkeit erkennt und ihm stets Gastfreundschaft gewährt. Sie und ihr Mann beschließen eines Tages, Elischa auf dem Dach ihres einstöckigen Hauses eine gemauerte Kammer zu errichten, damit er sich auf seinen Wegen darin zurückziehen könne. Für gewöhnliche Gäste errichtete man dort lediglich eine Hütte aus Reisig. Als nun Elischa wieder eines Tages von ihr aufgenommen wird, will dieser seine Dankbarkeit erweisen und fragt sie, was er für sie tun könne. Aber sie bleibt bescheiden und klagt lediglich über ihre Kinderlosigkeit. Elischa erbarmt sich ihrer und versichert ihr, dass sie sich in einem Jahr an einem Sohn erfreuen werde. Und der Herr erfüllte, was Elischa prophezeit hatte. Die Frau war anfangs skeptisch, aber Gott schenkt denen, die seinen Boten weiterhelfen, himmlischen Lohn. Wünsche werden mitunter erfüllt, an die man nicht mehr zu hoffen gewagt hat. Hilfst du Gott, so hilft er dir. Sein Ziel ist es, sein Reich auf dieser Welt wachsen zu lassen und deshalb unterstützt er dich in allen deinen Bemühungen, dieses Ziel für ihn zu erreichen. Selbst Aussichtloses kann gelingen, wenn du dich dem Geist Gottes anvertraust, denn für diesen ist nichts unmöglich.
Evangelium – Mt 10,37-42
Am Weg nach Jerusalem klärt Jesus abermals ein Missverständnis: Nachfolge ist weder friedlich noch um jeden Preis „familienfreundlich“. Was Jesus in Bezug auf die Nachfolge von jedem von uns erwartet, ist absolute Freiheit von sich selbst, von den eigenen Begierden, vom Egoismus und der Abhängigkeit von weltlichen Wertvorstellungen. Diese Freiheit ist notwendig, um nicht das wahre Leben zu verlieren: Das von Gott jedem Menschen geschenkte und für die ewige Vollendung im Reich Gottes gedachte Leben. Schwer ist es, dieses Leben zu finden und zu erlangen, aber leicht, es zu verlieren. Jesus definiert das erstrebenswerte Leben nicht als ein ausschließlich weltliches Dasein mit dem primären Ziel, es voll mit all seinen Angeboten und Vorteilen auszukosten. Das Leben hat auch Schattenseiten und viele Menschen leben dort, meist unfreiwillig und leidend. In solchen Situationen sind wir als Christen gefragt und gefordert. Wenn wir Jesus tatsächlich nachfolgen wollen, müssen wir uns von der Sonnenseite abwenden und uns in die dunklen Bereiche menschlichen Leids hineinbegeben. Erfüllst du dort als Christ deine Pflicht, wirst du, so wie Jesus es gesagt hat, das wahre Leben finden und in Besitz nehmen können.