24. Juni 2026 · Geburt Johannes‘ des Täufers
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung – Jes 49,1-6
Im zweiten Gottesknechtlied überdenkt der Gottesknecht die bisherige Geschichte seiner Sendung, beginnend im Mutterleib und später ausgestattet mit Waffen, die vielleicht sogar auf den doppelten Auftrag hinweisen: das Schwert für den Nahkampf und der Pfeil für die Wirksamkeit in der Ferne, um als „Licht der Völker“ mit den Worten des Herrn gerüstet zu sein. In diesem Lied wird der Knecht Gottes „Israel“ genannt. Die Auslegung kennt hier zwei Deutungen: Israel ist das gesamte Volk selbst bzw. eine Einzelperson. Jedenfalls soll Israel das Volk Israel zurückbringen und viele aus der Diaspora überzeugen, sich wieder auf den Heimweg zu machen. Diese Aufgabe ist keine einfache, der Erfolg gering. Auch die Aufgabe von Johannes dem Täufer war eine schwierige und endete zuletzt in dessen Tod. Es kann schon entmutigend sein, sich für die Sache Gottes einzusetzen, Misserfolge gehören zur Tagesordnung, Erfolge sind meist spärlich gesät. Aber Gott freut sich schon über eine einzige Seele, die gerettet wird. Und vielleicht wird in Folge gerade von dieser Seele eine weitere gewonnen. Bereits eine einzige Seele kann zu einem guten Nährboden für das Wachstum von Gottes Reich auf Erden werden. Lassen wir uns daher nicht entmutigen, Seelsorge und Verkündigung sind eben kein leichter Job.
Evangelium – Lk 1,57-66.80
Lukas berichtet uns von der Geburt Johannes des Täufers. Die Eltern von Johannes waren beide nicht mehr jung. Die Mutter, Elisabet, eine Verwandte von Maria, war unfruchtbar, was für das Ehepaar großes Leid bedeutete. Eines Tages verrichtete Zacharias im Tempel seinen Dienst, als ihm ein Engel erschien und ihm die Geburt eines Sohnes ankündigte. Doch Zacharias konnte nicht glauben und zweifelte. Aus diesem Grund wurde er vom Engel bis zur Geburt seines Sohnes mit Stummheit geschlagen. Wie oft und wie lange werden die Eltern von Johannes in ihrem Leben um Nachwuchs gebeten haben? Wie viele Tränen werden geflossen sein, wie viele dunkle Stunden wird Elisabet durchlebt haben. Und dann, als es schon aussichtslos war, im Alter, sollte sich ihr Wunsch unerwarteterweise erfüllen: Sie gebar Johannes, genannt den Täufer. Nicht immer erfüllen sich im Leben unsere Wünsche, nicht immer werden unsere Gebete erhört. Manchmal stellt man dazu im Nachhinein fest, dass es eigentlich besser war, dass ein Wunsch nicht in Erfüllung gegangen ist. Daher: Verschließen wir uns nicht in Traurigkeit, wenn etwas nicht nach unserem Wunsch geschieht. Denn die Traurigkeit lieb zu gewinnen, ist uns als Christ nicht würdig. Die Traurigkeit ist vielmehr ein Virus, der alles verseucht und blockiert, der jede Tür verschließt, der verhindert, das Leben neu zu entfalten und einen anderen Weg einzuschlagen. Vergessen wir nicht: Der Herr ist immer mit uns, auch in unseren dunklen Stunden.