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22. Juni 2026 · Montag

Auf den Punkt.

Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.

Lesung · 2 Kön 17,5-8.13-15a.18Evangelium · Mt 7,1-5

Erste Lesung – 2 Kön 17,5-8.13-15a.18

Die mächtige Festung Samaria ist im Jahr 721 v.Chr. gefallen. Damit wird das Nordreich vollends in das assyrische Provinzsystem eingegliedert und ein Teil der Bevölkerung abermals umgesiedelt. Diese Katastrophe erschüttert den Glauben Israels zutiefst. Wie konnte das geschehen? Das Volk des Nordreiches ist dem schlechten Beispiel seiner Könige gefolgt, hat sich vom Herrn abgewandt, obwohl der Herr ihm schon vor Generationen Gebote gegeben hat, die ein gutes Leben in einem dauerhaften Bund mit Gott ermöglichen sollen. Doch schon die Vorfahren nahmen dieses Angebot Gottes nicht an. Tödlich war dabei die Hinwendung zu nichtigen Götzen, die zu Nichtigem verführten (Jer 2,5), die Verehrung des Baals und von selbstgegossenen Kälbern. Der Herr wurde darüber zornig (V.18) und vom gesamten Stamm Israels blieb nichts übrig als Juda, das Südreich. Doch Gott hatte immer über Propheten vor diesem Schicksal gewarnt. Immer wieder lesen wir im Alten Testament vom Zorn Gottes. Da stellt sich rasch die Frage: Darf Gott zornig sein – kann das eine Eigenschaft Gottes sein? Nun, der Zorn Gottes richtet sich gegen Ungerechtigkeiten, gegen Satan. Er richtet sich gegen das Böse, das viele Menschen als Eigenschaft annehmen. Gott will Gerechtigkeit bringen, sein Zorn bringt Heil, radiert das Böse weg, sodass wieder ein weißes Blatt zum Vorschein kommt.

Evangelium – Mt 7,1-5

„Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!“. Den zweiten Teil dieses Satzes wollen wir als Christen nicht mehr hören, denn wir haben uns ein Gottesbild zurechtgelegt, in dem Gott nur noch der „Liebe Gott“ sein darf und zu allem Ja sagt, was wir im Leben so anstellen. „Richte nicht!“, sagen wir daher in erster Linie zu Gott, er darf kein Richter mehr sein, er muss am Ende alles verstehen und alles gut ausgehen lassen. Dabei vergessen wir, dass Christus seine Seligpreisungen mit dem Ruf zur Umkehr eingeleitet hat, doch von wahrhaftiger Umkehr sind wir meist weit entfernt. Anstelle dieser lieben wir es, andere nach unseren Maßstäben zu richten und zu verurteilen. An einer anderen Stelle im Evangelium heißt es: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie“ (Joh 8,7). Jesus sagt es uns immer wieder: Niemand von uns ist perfekt, niemand ist frei von Schuld und Sünde. Bevor du also jemand verurteilst, prüfe dich selbst, geh in dich und frag dich täglich: Wo habe ich heute gefehlt? Du wirst bemerken, dass es gar nicht leicht ist, auch nur einen einzigen Tag ohne Verfehlungen zu leben, denn selbst deine Gedanken können unrein sein. Natürlich kann einer unserer Nächsten in einer Angelegenheit uns gegenüber schuldig geworden sein. Doch lassen wir uns dabei nicht dazu verleiten, ihn zu richten. Wir können ihn auf sein Vergehen hinweisen, aber dürfen im Herzen keine Verurteilung aussprechen, denn Verurteilung bedeutet meist Ausschluss, Erniedrigung oder Selbsterhöhung. Würde Gott uns nach unseren Verfehlungen ihm gegenüber richten, wäre unsere Zukunft von Dunkelheit geprägt.