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15. Juni 2026 · Montag

Auf den Punkt.

Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.

Lesung · 1 Kön 21,1-16Evangelium · Mt 5,38-42

Erste Lesung – 1 Kön 21,1-16

Der Jesreeliter Nabot besitzt einen Weinberg, den er von seiner Familie geerbt hat. Erbbesitz gilt nach Lev 25,8-28 als unveräußerlich, weil er der Anteil der einzelnen Familie an dem von Gott verliehenen Land ist. So weigert sich Nabot, dem Wunsch des Königs zu entsprechen, ihm diesen Weinberg zum Zwecke der Anlage eines Gemüsegartens zu veräußern. Es zeigt sich hier die Grenze der Machtbefugnisse der israelitischen Könige. Doch König Ahab schmollt, verweigert die Nahrungsaufnahme und zwingt so seine Frau Isebel zu handeln. Sie lässt sich auf eine Intrige gegen Nabot ein, sodass dieser gesteinigt wird und der Weinberg in den Besitz des Königs gelangen kann. Für Gott ist in erster Linie Ahab schuldig am Tod des Nabot, denn Ahab kennt die Gesetze und hätte nicht seine Frau dazu verleiten dürfen, Nabot zu beseitigen. Ahab wird gerichtet werden. Gott schweigt nicht zu ausgeführtem Unrecht. Zwar mag es den Anschein erwecken, dass Übeltäter ungestraft davonkommen, aber nach einer gewissen Zeit werden sie ihrem gerechten Urteil zugeführt. Bis jetzt noch jeder. Aber natürlich stellt sich die Frage: Warum lässt Gott Unschuldige leiden? Es ist nicht Gott, der leiden lässt, es ist der Mensch, verführt vom Drachen aus der Offenbarung. Und jeder, der sich dem Drachen unterwirft, wird eines Tages die Rechnung dafür erhalten und jeder der unschuldig leidet wird erhöht werden im Reich Gottes.

Evangelium – Mt 5,38-42

Jesus zitiert das Gesetz des Alten Bundes: „Auge für Auge und Zahn für Zahn“ (Lev 24,20). Für die damalige Zeit war es ein Fortschritt, Streitfälle durch Ausgleich und Schadenersatz zu beenden. Aber trotzdem geht Jesus weit darüber hinaus, wenn er sagt: „Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand …“ (Mt 5,39) und „Liebt eure Feinde …“ (Mt 5,44). Wir sollen auch diejenigen lieben, die uns Böses antun? Was ist der Grund dafür? Der Grund ist, dass der Vater, unser aller Vater, immer und ausnahmslos alle liebt, auch wenn diese Liebe nicht erwidert wird und sogar ins Böse umschlägt. Das ist christliche Neuheit. Wir müssen nicht nur jene lieben, die uns mögen, sondern ausnahmslos alle, denn wir sind alle Geschwister des einen Vaters und darüber hinaus kennt Jesu Liebe keine Grenzen und Schranken. Das Maß Jesu ist Liebe ohne Maß. Doch wie rasch gelangen wir da an unsere eigenen Grenzen? Können wir Mörder, Kriegsverbrecher und Kriegstreiber lieben? Wäre in solchen Fällen der Hass nicht eine gerechtfertigte Emotion? Jesus weiß, dass auf dieser Welt viele Dinge nicht funktionieren. Darum bittet er uns, für solche Menschen zumindest zu beten und unser Bestes zu versuchen, sie wieder auf den richtigen Weg zurückzuführen. Er weiß, dass man das Böse nur mit dem Guten besiegen kann. So hat er auch uns gerettet: Nicht mit dem Schwert, sondern mit dem Kreuz. Das ist das Revolutionäre am Christentum: Vom Feind, den man hasst, zum Feind, dem man verzeiht, für den man betet, wenn wahre Liebe nicht möglich ist.