26. Mai 2026 · Dienstag
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung – 1 Petr 1,10-16
In seinem Brief an die Christusgläubigen heidnischer Herkunft definiert Petrus das Ziel unseres Glaubens und den Gegenstand unserer Hoffnung als die Vollendung des Heils bei der Offenbarung Jesu Christi. Auf diesen haben schon die Propheten im Alten Testament hingewiesen und erwartungsvoll nach dem Zeitpunkt seines Kommens Ausschau gehalten. Nach Jesus Christus zu leben, beinhaltet aber Verpflichtungen für die Gegenwart. Aus diesem Grund spricht Petrus drei Mahnungen aus. Erste Mahnung: Wir sollen zum Aufbruch bereit sein, womit Petrus jedoch eine spirituell-geistige Bereitschaft, zur Bewältigung der Alltagsherausforderungen, meint. Zweite Mahnung: Wir sollen enthaltsam leben, uns fernhalten von Verhaltensweisen, die den geistigen Blick trüben. Und in der dritten Mahnung appelliert Petrus, unser Leben „in Heiligkeit“ zu führen, denn es steht geschrieben: „Seid heilig, weil ich heilig bin“. Würden wir diese Mahnungen stets ernst nehmen und sie zu Leitmotiven in unserem Leben machen, wäre uns unser Heil gewiss. Doch als Menschen mit freiem Willen sind wir nicht immer bereit zum Gehorsam. Träge Herzen, Bequemlichkeit sowie Selbstbezogenheit sind uns immer wieder Hindernisse auf unserem Weg. Doch mit Vertrauen und tiefem Glauben an den Herrn, an sein Erlösungswerk und seine Auferstehung dürfen wir mit frohen Herzen in unsere Zukunft blicken, auch wenn wir uns oft vom Herrn und seinem Weg abwenden und eigene Pfade beschreiten.
Evangelium – Mk 10,28-31
Auf dem Weg nach Judäa wird abermals das Thema der Nachfolge angesprochen: Wie muss diese erfolgen, um das Himmelreich zu erlangen? Jesu Antwort darauf fällt sehr drastisch aus: „Geh, verkaufe, was du hast, gib es den Armen und du wirst einen Schatz im Himmel haben!“ (Mk 10,21). Erschrocken über diese Aussage stellt Petrus fest: „Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt“ (Mk 10,28). Daraufhin steigert Jesus seine Antwort: „Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus oder Bruder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Acker verlassen hat, wird das Hundertfache dafür empfangen“ (Mk 10,29). LSUB, die heutige Perikope aus dem Evangelium provoziert und fordert: Was auch immer den ersten Platz in deinem Leben einnimmt, also den Platz, der eigentlich Gott zusteht, muss auch Platz für Gott zulassen. So muss dein Herz frei werden von allem Begehren, von aller Angst um Besitz oder Unterhalt. All dein Denken und all deine Bemühungen müssen Gott und dem Nächsten gelten. Doch fordert uns Jesus tatsächlich mit dem Schriftwort nach Mk 10,29 dazu auf, Familie und Besitztum zu verlassen, um ihm zu dienen? Ruht unser Blick nur auf der Oberfläche des Gesagten, so könnte man diese Vermutung bestätigt finden. Doch wie möchtest du Jesus dienen, wenn du zu Hause auf deinem Sofa bleibst, lähmende TV-Serien verfolgst und dabei die Welt mit ihrer Armut vor deiner Haustüre vergisst? Darum sagt Jesus: „Verlasse deine Wohlfühloase, es gibt so viel an Leid zu bekämpfen; nach getaner Arbeit kannst du wieder zurück und dich erholen!“ Handelst du danach, wird dein Lohn im Himmelreich unermesslich sein, denn wer kann schon die Ewigkeit messen?