undefined. undefined NaN · Dienstag

Auf den Punkt.

Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium — mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.

Lesung · Apg 11,19-26Evangelium · Joh 10,22-30

Erste Lesung — Apg 11,19-26

Nach der Hinrichtung des Stephanus zerstreute sich die Jerusalemer Urgemeinde und ihre Mitglieder gelangten bis nach Phönizien (heutiger Libanon), Zypern und Zyrene (in Lybien) und Antiochia. Die in Jerusalem verbliebene Restgemeinde – die Apostel – wurde nicht vertrieben, da die Apostel als Juden noch weiter den Tempel besuchten. Doch trotzdem wurde die allgemeine Entwicklung nicht ohne Sorge betrachtet und man sandte Barabas als Visitator nach Antiochia. Er befürwortete die hellenistische Mission dort und trieb sie sogar noch weiter voran. In Antiochia – es muss um das Jahr 44 gewesen sein – erhielten die Jünger Christi zum ersten Mal den Namen „Christen“. Dieser wurde ihnen von der römischen Behörde gegeben, als Gruppe einer verbrecherischen Organisation, deren Oberhaupt als Verbrecher am Kreuz hingerichtet wurde. Der Namen „Christ“ wurde damit zu einem Titel des Strafrechts: Wer diesen Namen trug, der war als todeswürdig überführt. Merkwürdig ist, dass die Christen selbst diese Bezeichnung übernahmen, die sie doch dem Tod auslieferte. Grund dafür war der Glaube, dass in der Beteiligung an Jesu Tod erst das wahre Leben gefunden werden kann. Wenn wir uns heute Christen nennen, dann ist dieses Bekenntnis im Stillen noch immer enthalten. Wie viele Christen sind sich heute noch bewusst, dass Christsein, den Weg der Nachfolge, Tod und neues Leben bedeutet? Nicht nur den körperlichen Tod mit Auferstehung zu neuem Leben, sondern auch den Tod des Egoismus, mit einem Leben für den Nächsten.

Evangelium — Joh 10,22-30

Jesus hält sich wieder einmal im Tempel auf, es war kurz vor dem Tempelweihfest. Bei dieser Gelegenheit „umringen“ ihn die Juden und fragen ihn: „Wie lange noch willst du uns hinhalten? Wenn du der Christus bist, sag es uns offen!“ Jesus antwortet: „Ich habe es euch gesagt …, aber ihr glaubt nicht, weil ihr nicht zu meinen Schafen gehört“ (Joh 10,24.26). Wir sind doch alle Kinder Gottes, was könnte nun der Grund dafür sein, nicht zu Jesus zu gehören und somit den sicheren Einlass in die Ewigkeit infrage zu stellen? Der Grund für das „Nichtdazugehören“ zu seiner Herde besteht meist darin, dass wir Gefangene von etwas sind, das uns daran hindert, weitere Schritte zum Heil zu tun. Dieses Etwas ist wie eine schwere eiserne Kugel an unserem Fuß, die uns an Ort und Stelle festhält. Dieses Etwas ist unsere Vorliebe zum Materiellen, zum Reichtum, Egoismus, Starrsinn, zur Trägheit und Weltlichkeit. Dies alles bindet uns und raubt uns Freiheit. Aber ohne Freiheit kann man Jesus nicht nachfolgen. Nachfolge erfordert Unabhängigkeit, Einsicht in die Dinge der Welt und der Ewigkeit sowie die Bereitschaft, sich dem Geist Gottes mit offenem Herzen zu fügen. Doch selbst in Abhängigkeit der Weltlichkeit dürfen wir uns alle über etwas sehr Trostreiches freuen: Jesus, der gute Hirt, wird uns nicht abschreiben. Als guter Hirt wird er uns Verlorenen nachgehen und uns suchen, bis er uns gefunden hat, selbst dann, wenn wir von seiner Nähe nichts wissen möchten. Er gibt uns nicht auf, bis zu unserem letzten Tag, an dem es dann als letzte Chance an uns liegt, uns für ihn zu entscheiden.