undefined. undefined NaN · Karfreitag

Auf den Punkt.

Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium — mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.

Lesung · Jes 52,13-53,12Evangelium · Joh 18,1-19,42

Erste Lesung — Jes 52,13-53,12

Das vierte und letzte Lied über den Knecht Gottes ist in der christlichen Tradition das bekannteste, weil man in ihm den Leidensweg Jesu und seine Erhöhung am deutlichsten vorgebildet sieht. Der künftige Retter und Heiland, der Messias, wird als Leidender vorgestellt, der verachtet und von Menschen gemieden sowie geschlagen wird. Er entspricht weder unseren Schönheitsvorstellungen noch denen von einem glücklichen und erfüllten Leben. Doch er ist es, an dem Gott Gefallen hat, an dem sich Gottes Handeln zeigt, der daher am Ende Erfolg hat und hocherhoben wird. Als Mensch soll er seine ihm auferlegte Aufgabe erfüllen, als Mensch uns gleich, etwas Unverständliches für viele Menschen, damals und heute. Als Mensch war für ihn, so wie für uns, der Tod unausweichlich. Und indem Jesus qualvoll stirbt, wird er zum Pol für all das Leid auf der Welt. Der Leidensweg Jesu fasst somit zusammen, was Menschen leiden können und was es an Leid gibt. In Jesu Leiden finden wir alles wieder, was dem Menschen und seiner Sehnsucht nach Leben entgegensteht. Aber warum musste der Knecht Gottes so viel Leid ertragen? Das Lied vom Gottesknecht spricht es aus: Das Volk ist die Ursache dessen. Der Gottesknecht trägt in Folge als Unschuldiger die Schmerzen und die Sünden des Volkes nicht nur mit, er trägt sie auch für sein Volk. Und für die, die das erkennen und sich dazu bekennen, wird der Weg zur Versöhnung mit Gott frei, im Durchleiden des eigenen Leids und im Vertrauen auf den, der allein aus dem Tod rettet.

Evangelium — Joh 18,1-19,42

Der Karfreitag ist der Tag der Stille, der Tag von Jesu Tod und zugleich die vorwegnehmende Stille des eigenen Todes. Bei Johannes steht dieser Tag der Leidensgeschichte Jesu zusätzlich unter dem Stichwort der Verherrlichung und Erhöhung Jesu. Es beginnt damit, dass diejenigen, die ihn verhaften sollen, vor ihm, dem Höchsten, zu Boden fallen (Joh 18,6) und auch in den nachfolgenden Verhören vor Hannas und Pilatus erstrahlt die göttliche Erhabenheit des Herrn vor den ihn befragenden Autoritäten. Zuletzt führt Jesus, in dem durch Menschenhand bewirkten Tod, das Werk des Vaters zu Ende und wird, sichtbar für alle, am Kreuz erhöht, zum Spott, aber auch zur Verherrlichung. Seine Liebe für uns findet dort oben am Holz ihre Vollendung und damit erfüllt sich auch der Satz Jesu aus dem Gespräch mit Nikodemus: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat“ (Joh 3,16). Gottes Wahrheit und Liebe sind in Jesus in diese Welt gekommen. Selbst Hass, Leid und der Tod können diese Liebe nicht aufhalten. Die Liebe ist immer stärker als die Dunkelheit der Welt. Sie ist die stärkste Kraft im Leben. Sie kann alles zum Guten wenden, sie kann alles verbinden, sie ist zeitlos und vergeht nicht. Wer die Liebe wählt, bekommt ein zeitloses Geschenk: das ewige Leben. So wird der Tag der Stille, der Karfreitag, zum Tag der Hoffnung und der Freude, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.