undefined. undefined NaN · Dienstag
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium — mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung — Jes 1,10.16-20
Der Prophet Jesaja wirkte in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts v.Chr., in einer Zeit größter militärischer Bedrohung durch die Assyrer, deren Expansionspolitik 732 v.Chr. Damaskus und das Nordreich mit seiner Hauptstadt Samaria zum Opfer fielen. Jesaja gehörte zur führenden Oberschicht und schien dem Hof in Jerusalem nahegestanden zu haben. Jesaja warnte vor Bündnissen mit anderen gegen die Assyrer und mahnte stattdessen, auf Gottes Hilfe zu vertrauen und ihn handeln zu lassen. Dafür war es aber notwendig, wieder auf den rechten Weg zurückzukehren, denn das Verhalten Jerusalems war gottwidrig und unsozial geworden. Er belegte die Wortführer und das Volk mit den Namen der verdorbenen Städte Sodom und Gomorra, kritisierte lieblose Gottesdienste und forderte Buße. An dieser Stelle richtete Gott selbst sein Wort an das Volk: Israel darf sich nicht weiter auflehnen, muss von göttlicher Vergebung überzeugt sein, dann wird Zion wieder erlöst werden. Wie nachdenklich können die Worte Jesajas, ausgesprochen vor ca. 2 800 Jahren stimmen: Die Einstellung des Volkes zu Gottesdiensten, kränkelndes Sozialverhalten, Sodom und Gomorra auf allen Ebenen, mangelnde Gerechtigkeit … Auch wir müssen als Gesellschaft wieder umkehren, uns wieder neu auf Gott ausrichten, ansonsten werden wir auf Gottes Hilfe verzichten müssen.
Evangelium — Mt 23,1-12
Angekommen in Jerusalem setzt Jesus einen scharfen Angriff auf die Schriftgelehrten und die Pharisäer. Ihre religiöse Fassade, ihre Haarspalterei sowie ihr selbstgerechter Stolz, zwingen ihn gerade dazu. Was ihnen fehlt, ist die Selbsterkenntnis und die Demut. Aber, wie schwer fällt es uns oft selbst, demütig zu sein. Wir meinen, der Demütige sei schwach, weil er sich alles gefallen lässt und man mit ihm tun kann, was man möchte. In Wahrheit aber zeigt der Demütige Stärke. Er bekämpft erfolgreich seinen Egoismus und überlässt die Gerechtigkeit dem Schöpfer. Wenn du es manchmal nicht schaffst, demütig zu sein, dann nimm dir Jesus zum Vorbild und denk daran, wie demütig er sein vorbestimmtes Schicksal getragen und ertragen hat. Vielleicht fällt es dir dann leichter, deinen Egoismus zu unterdrücken. In einer Zeit, in der alles darauf ankommt, seine Persönlichkeit zu entfalten und sich selbst zu verwirklichen, hat die Demut einen schweren Stand. Auch lehrt uns die Geschichte, dass Stolz, Strebertum, Eitelkeit und Prahlerei die Ursachen vieler Übel sind. Die Demut ist hingegen so wie die Liebe, eine Tugend, die für das Zusammenleben in der Gemeinschaft wesentlich ist; steht sie doch den irdischen Gesetzen des Machtkampfes völlig entfremdet gegenüber. Wenn wir vor Gott eine demütige Haltung einnehmen, dann erhört er uns und beugt sich über uns, um uns zu erhöhen. Der Platz den Gott uns dann gibt, ist nahe seinem Herzen und sein Lohn ist das ewige Leben.