undefined. undefined NaN · Montag

Auf den Punkt.

Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium — mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.

Lesung · Dan 9,4b-10Evangelium · Lk 6,36-38

Erste Lesung — Dan 9,4b-10

Das Buch Daniel zählt zu einer Gruppe von Schriften, die man „apokalyptisch“ nennt. Inhaltlich begegnet uns in dieser Erzählung die aufregendste und zugleich schwierigste Epoche des jüdischen Volkes, nämlich die Zeit von der Eroberung Jerusalems durch König Nebukadnezzar (587 v.Chr.) und dem Exil. Das Buch hat seine heute vorliegende Form im zweiten Jahrhundert v.Chr. erhalten, in einer Zeit, als das tägliche Opfer am Jerusalemer Tempel unmöglich geworden und damit die Gottesbeziehung für die Gläubigen schwer gestört war. Ein Nachdenkprozess, wie es zu dieser Situation kommen konnte, führte zur endgültigen Form dieses Buches, das im Laufe der Geschichte immer mehr angewachsen war und nicht in einem Stück verfasst wurde. Einen konsequenten Handlungsablauf gibt es nicht, die einzelnen Kapitel stehen eher für sich, was sie zusammenhält, ist die Figur des Daniel. In der seinerzeitigen . schwierigen Lage für das Volk Israel versucht Daniel über das Buch Jesaja, in welchem von einer 70-jährigen Gefangenschaft in Babylon gesprochen wird, genaueren Aufschluss über die Ereignisse zu gewinnen und bittet Gott in einem stellvertretenden Bußgebet für sein Volk um Gottes Barmherzigkeit. Wie oft bekennen wir uns zur Buße und suchen Zuflucht im Bittgebet? Wir haben ein Leben lang mit der Sünde zu kämpfen und müssen daher regelmäßig vor Gott um Vergebung bitten. Das uns von Gott geschenkte Sakrament der Buße – die Beichte – gerät jedoch zunehmend in Vergessenheit. Doch nur mit einer reinen und unbefleckten Seele werden wir in den Genuss des Reiches Gottes kommen.

Evangelium — Lk 6,36-38

Wir alle kennen die Redewendung „Geben ist seliger als nehmen“ (Apostelgeschichte 20,35). Interessanterweise überzeugt viele Menschen dieses Prinzip, ob sie nun gläubig sind oder nicht. Warum sind so viele davon überzeugt? Dieses „Geben“ strömt aus der Empathie, dem Mitgefühl am Verlust, den der andere erlitten hat oder in dem er sich aktuell befindet. Als Christen verpflichtet uns dieses Mitgefühl dazu, etwas zu tun: Ausgleich wiederherzustellen und für Gerechtigkeit zu sorgen. Hindern daran könnte uns nur unsere Selbstsucht, welche den Anderen eben einen anderen sein lässt, mit dem man sich nicht identifizieren, mit dem man nichts zu tun haben möchte und dem man sich nicht verpflichtet fühlt. Solange der Mensch so denkt, kommen Liebe und Gerechtigkeit zu kurz, die Liebe zum Nächsten mutiert zur Eigenliebe und entfernt sich von der wahren Liebe. Dazu sagt Jesus: „Deine Liebe wird erst zur wahren Liebe, wenn du dich in den anderen hineinversetzt und dich fragst: Wenn ich er wäre, was wünschte ich, dass mir geschehe?“ Orientierst du dich bei deiner Antwort auf diese Frage an christlichen Werten, am Evangelium, an der Geschwisterlichkeit aller Menschen, dann strahlt aus dir das seit deiner Geburt in dir verankerte Göttliche aus – du wirst mehr und mehr zum Ebenbild des Vaters. Was hat dieser uns nicht schon alles gegeben? Zuletzt seinen Sohn, damit wir gerettet werden und das ewige Leben erhalten, weil wir in unserer von Gott geschenkten Freiheit zu schwach sind, am Weg, der zum Leben führt, zu bleiben.