undefined. undefined NaN · Freitag
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium — mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung — Ez 18,21-28
Der Prophet Ezechiel befindet sich im Exil und setzt sich dort mit der Frage der Gerechtigkeit bzw. Ungerechtigkeit Gottes auseinander. Im Raum steht die Frage: Bestraft Gott für Vergehen der vorigen Generation? Ezechiels Antwort darauf lautet: Jede Generation haftet für sich selber, jeder Einzelne trägt selbst die Verantwortung für seine Schuld. Jeder der sündigt, wird bestraft werden, doch durch Umkehr zu Gott wird die eigene Schuldverstrickung wieder gelöst. Umkehr rettet Leben, denn Gott ist an Umkehr und Leben interessiert. Im umgekehrten Fall, wenn sich der Gerechte von seinem bisherigen Leben abwendet und zum Sünder wird, wird er sein Leben verlieren, denn Gott richtet und begnadet den Menschen nur nach dem, was er ist, und nicht nach dem, was er früher war. Schuld und Schuldfolge werden hier noch im Lichte des Alten Testamentes gesehen, von Gottes Gnade und Vergebung ist noch nicht die Rede. Doch lesen wir im Vers 23: „Habe ich etwa Gefallen am Tod des Schuldigen – Spruch des Herrn – und nicht vielmehr daran, dass er umkehrt von seinen Wegen und am Leben bleibt?“ Darum: Kehr um, solange du noch Zeit dazu hast, denn es ist nie zu spät, sich für das Reich Gottes zu entscheiden. Bis hin zu deinem letzten Tag kannst du umkehren, Reue zeigen und dein Herz für den Herrn öffnen. Selbst dem Schächer am Kreuz hat Jesus nach seiner Bitte um Rettung, noch zugesprochen: „Wahrlich, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lk 23,43).
Evangelium — Mt 5,20-26
Jesus beginnt eine Rede über die Erfüllung der Weisung Gottes mit den Worten: „Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen!“ (Mt 5,17b). Er sagt damit klar, dass er vom bestehenden Gesetz nichts wegnehmen wird, es bleibt weiterhin gültig. Er ist jedoch gekommen, um zu erfüllen. Was erfüllt er? Er erfüllt die Gerechtigkeit, jene, der wir unterstellt sind und letzten Endes auch ausgeliefert werden, wenn wir Jesu erlösendes Wirken nicht annehmen und nicht versuchen, ihm nachzufolgen. Über dieser Gerechtigkeit gibt es keine höhere mehr. In dieser Gerechtigkeit vereinen sich Gottes Liebe und Barmherzigkeit. So muss auch unsere Gerechtigkeit von einem Übermaß geprägt sein, sie darf nicht berechnend oder kleinlich sein. Sie darf nicht so sein wie die Haltung derer, die nur sich selbst retten oder sich selbst absichern möchten. Die vollkommene Gerechtigkeit besteht darin, dass sie ausgleichend und selbstlos gebend ist. Darum warnt Jesus vor der bis in die Wurzel des Menschenwesens hinabreichende Eitelkeit, Selbstgefälligkeit und Selbstsucht. Nicht einmal vor dir selbst sollst du deine Gerechtigkeit hervorheben und ins Licht der Selbstschätzung stellen. Das Gute, das du tust, hat seinen Sinn in sich selbst. Bedrohe nicht den sittlichen Wert deiner Nächstenliebe mit dem Lohngedanken. Übe dich in Demut, denn auch im Tun des Guten stehst du unter Gottes Urteil.