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Auf den Punkt.

Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium — mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.

Lesung · 1 Kön 3,4-13Evangelium · Mk 6,30-34

Erste Lesung — 1 Kön 3,4-13

Als Sohn des Königs David und der Batseba besteigt Salomo nach dem Tod seines Vaters den Königsthron und festigt zunehmend seine Herrschaft. Eine Wallfahrt zur Kulthöhe von Gibeon ist eine seiner ersten Regierungshandlungen, da das zentrale Heiligtum in Jerusalem noch nicht existierte. Salomo weiß, dass er sein Königtum aus der Hand Gottes erhalten hat, fühlt sich aber im Vergleich zu seinem Vater, dem „großen“ David, noch unsicher und dieser Aufgabe noch nicht zur Genüge gewachsen. Aus diesem Grund bittet er Gott um ein weises und verstehendes Herz. Für ihn sind Reichtum, eine lange Herrschaftsdauer sowie der Niedergang seiner Widersacher weniger bedeutend als Einsicht, um auf das Recht zu hören und so der Armut, Not und Unterdrückung in seinem Reich, keinen Platz zu schaffen. Gott gewährt ihm im Traum diese Bitte und gibt ihm sogar ein paar „Kleinigkeiten“ dazu: Reichtum, Ehre und ein langes Leben. Doch nur unter der Voraussetzung, dass Salomo weiterhin auf Gottes Wegen bleibt. Die Vorstellung einer Regierung, die sich an Recht und Gerechtigkeit orientiert und das friedvolle Miteinander sucht, ist weiterhin aktuell. Auf dem Hintergrund heutiger totalitärer Systeme und dem Wissen um Korruption und Missachtung der Menschenwürde bekommt dieser alte Text eine neue Bedeutung. Einen weiteren Sinngehalt bekommt er auf der persönlichen Ebene mit der Frage: Worum bitte ich Gott, wenn ich mein Leben anschaue, welche Prioritäten setze ich?

Evangelium — Mk 6,30-34

Jesus hatte Mitleid mit den vielen Menschen, die ihm mit Vertrauen und in Erwartung der frohen Botschaft gefolgt waren. Für ihn waren sie alle wie suchende und herumirrende Schafe, die keinen Hirten hatten. Er erbarmte sich ihrer, lehrte sie und zeigte Mitleid. Das Mitleid ist die Sprache Gottes. In der Bibel war es Gott, der zu Moses sagte: „Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen und ihre laute Klage über ihre Antreiber habe ich gehört. Ich kenne sein Leid“ (Ex 3,7). Mitleid ist die Schwäche Gottes, aber auch seine Stärke. Es war sein Mitleid, das ihn dazu bewegte, seinen Sohn zu uns zu senden. Mitleid ist jedoch nicht zu reduzieren auf ein einfaches Gefühl des Leid-Tuns. Mitleid heißt, sich auf das Problem des anderen einzulassen und das eigene Leben ins Spiel zu bringen. Auch Jesus setzte sein Leben ein, um am Kreuz die Schuld für uns zu übernehmen und zu tilgen. Wenn die Sprache Gottes das Mitleid ist, so ist unsere Sprache oft die Sprache der Gleichgültigkeit, des Wegschauens, des Egoismus und der eigenen Behaglichkeit. Verantwortung übernehmen liegt uns oft fern, wir verschließen gerne unsere Türen und unsere Herzen. Verschlossene Herzen sind jedoch harte Herzen, die kaum imstande sind, das Wort des Herrn aufzunehmen bzw. etwas Gutes aus den Herzen strömen zu lassen. Erst das Mitleid führt uns auf den Weg der wahren Gerechtigkeit und daher müssen wir stets denen etwas zurückgeben, die ein bestimmtes Recht haben, welches ihnen aber bis jetzt verwehrt wurde.