undefined. undefined NaN · Darstellung des Herrn

Auf den Punkt.

Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium — mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.

Lesung · Mal 3,1-4Evangelium · Lk 2,22-40

Erste Lesung — Mal 3,1-4

Der Prophet Maleachi wirkte in der Zeit zwischen 460 und 430 v. Chr. Der Tempel war zwar wieder aufgebaut, aber Judäa nur eine unbedeutende persische Provinz. Die Zeiten waren hart und die Menschen desillusioniert aufgrund des harten Regimes der Besatzungsmacht. Die von anderen Propheten angekündigten großen Veränderungen sind ausgeblieben. Leicht konnte man alle Hoffnung verlieren und viele meinten, Gott habe sie aufgegeben. Die Gottesdienste entarteten zu oberflächlichen Einhaltungen von liturgischen Regeln und Traditionen, das Gesetz Gottes wurde nach Möglichkeit umgangen. Gott wurde vorgeworfen, er schütze die Gottlosen mehr als alle anderen, die Reichen wurden immer reicher, die Armen mehr. Darum auch die Frage an Gott, warum er nicht eingreife. Durch Maleachi lässt Gott dem Volk ausrichten, dass er es noch immer liebt und in Kürze handeln werde: Der Tag des Herrn wird kommen, das Volk wird geläutert und gereinigt werden, damit Israel wieder ein „heiliges“ Volk werde. Bevor dies geschieht, wird noch ein Bote ausgesandt, um dem Herrn den Weg zu bereiten. Das Neue Testament sieht in diesem Boten Johannes den Täufer. Viel hat sich seit damals nicht auf dieser Welt verändert. Die Reichen werden nach wie vor noch reicher, die Armut wächst und Gottesdienste – werden zumindest bei uns – nur mehr halbherzig gefeiert. Es wird Zeit, dass wir umkehren, als Menschheit aber auch als Einzelner, jeder von uns. Denn der Tag des Herrn steht unmittelbar vor uns. Jeder wird dereinst – und die Zeit sowie die Jahre vergehen sehr schnell – vor dem Herrn stehen und Rede und Antwort über sein Leben stehen müssen.

Evangelium — Lk 2,22-40

Maria und Josef pilgern mit dem 40 Tage alten Jesus in den Tempel. Dieser Tag ist ein Festtag für die junge Familie. Aber in gewisser Weise wird es auch ein Fest für die beiden Alten die sie dort treffen sollten: Simeon und Hanna. Es ist ein Fest der Begegnung: Das kleine Baby, Gottes Fleisch gewordenes Wort, Jesus Christus, trifft auf die Tradition des Tempels. Altes Testament trifft Neues Testament. Diese Begegnung beginnt mit dem Gesetzesruf zum Tempel und gipfelt in einer Zurschaustellung Jesu, dem neuen Weg Gottes mit uns. Damit dies geschehen kann ist aber noch ein zweiter Ruf notwendig. Es ist der Ruf des Heiligen Geistes an Simeon und Hanna, im Tempel nach dem leibhaftigen Gott, nach dem Beginn des neuen Weges Gottes mit uns Menschen zu suchen. Es ist der Ruf: Geht und sucht Gott, ihr werdet ihn erkennen! Was bedeutet dieser zweifache Ruf des Gesetzes und des Geistes für unser Leben? Er besagt, dass wir alle zu einem zweifachen Gehorsam gerufen sind: Einem Gehorsam zum Gesetz, zu den zehn Geboten Gottes, welche dem Leben eine gute Ordnung geben, und einem Gehorsam dem Geist gegenüber, der von unseren Herzen Besitz ergreifen möchte, um im Leben, im Alltag, im Umgang mit unseren Mitmenschen, in der Nächstenliebe, Gott sichtbar werden zu lassen. Gott wird so durch uns sichtbar, so wie der Erlöser für Simeon und Hanna sichtbar wurde. Folgen wir diesen Rufen? Wenn wir das tun, dann geschieht überall, was im Tempel geschah: Das Leben erkennt seinen Zweck in der Ausrichtung auf Gott und das Zusammenleben wird wieder harmonisch.