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Auf den Punkt.

Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium — mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.

Lesung · Jes 49,3.5-6Evangelium · Joh 1,29-34

Erste Lesung — Jes 49,3.5-6

Die heutige Lesung berichtet aus dem sechsten Jahrhundert v. Chr., aus einer Zeit, in welcher das Königreich Juda zerschlagen, der Tempel verbrannt, Jerusalem ein trostloser Trümmerhaufen und ein Großteil der Bevölkerung bereits seit Jahrzehnten in der Fremde in Babylonien im Exil war. In diese Situation hinein spricht der Herr zu seinem Knecht: „Zieht aus Babel aus, flieht aus Chaldäa!“ (Jes 48,20). Der Herr gibt seinem Volk den Auftrag, in die Heimat zurückzukehren und erwartet, dass sich alle diesem Wunsch fügen. Doch die große Mehrheit der Exilanten war in Babel geblieben und hatte sich nach drei Generationen in der Fremde mit ihrer Diaspora-Identität arrangiert sowie eine Existenz weit ab der Heimat aufgebaut. Aus diesem Grund lesen wir in Jes 48,8-9: „Denn ich wusste, dass du völlig treulos bist, man nennt dich abtrünnig vom Mutterleib an. Doch um meines Namens willen halte ich meinen Zorn zurück“. In der Heimkehr des Knechtes sollen alle Völker die Rettung durch den Herrn erkennen – nur beim Herrn gibt es Rettung, gibt es Heil. Das Neue Testament sieht dies erst durch Jesus Christus erfüllt: „Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel“ (Lk 2,30-32). Hast du dieses Licht schon erkannt und wenn ja, aufgenommen in dein Herz? Nimm es an, lass es in dir wachsen, damit du es an deine Nächsten, die noch nichts von diesem Licht wissen, weitergeben kannst. Und selbst, wenn du dieses Licht mit anderen teilst, wird es nicht weniger oder kleiner in dir, sondern es wird sich auf wundersame Weise vermehren und so alle Dunkelheiten auflösen.

Evangelium — Joh 1,29-34

Johannes ruft in der Wüste die Menschen zur Umkehr und tauft mit Wasser als ein diese Umkehr bekräftigendes Zeichen. Gleichzeitig damit stellt er klar, dass er nicht der Messias ist, sondern lediglich dessen Vorläufer und Wegbereiter. Eigenartigerweise lässt sich der Messias in Folge dann von diesem Johannes taufen. Er stellt sich damit in die Reihe von uns schwachen Menschen, er sagt: „Ich bin einer von euch, ich bin mit euch und nicht gegen euch! Denn ich bin gekommen, um euch zu retten.“ Gott, der Vater, ist zugegen bei Jesu Taufe und der Geist Gottes schwebt auf den Sohn herab wie eine Taube. Johannes verschließt sich dieses Geschehen nicht und so kommt er zur Erkenntnis und Überzeugung: Dieser ist der Sohn Gottes! Viele Menschen wehren sich bis heute gegen diese Gnade der Erkenntnis. Die Weltlichkeit mit all ihren Egoismen hat von ihnen Besitz ergriffen und so wollen sie auch nichts anderes erkennen und leben als diese Weltlichkeit – ganz im Sinne des Antichristen. Um das Geschenk dieser erkennenden Gnade empfangen zu können, bedarf es oft nur eines kleinen Schrittes heraus aus der Befangenheit. Wehre dich nicht gegen Gottes Stimme in deinem Inneren, beobachte das Gute, welches in seinem Namen geschieht und frage dich, welchen Sinn das Böse hat, was hingegen Jesus lehrt und wie er selbst in seinem irdischen Dasein als Sohn Gottes bezeugt wurde. Stellst du dich dieser Herausforderung, gelangst auch du zur Erkenntnis: Dieser ist der Sohn Gottes! Diese Erkenntnis darf aber nicht als Lippenbekenntnis in dir ruhen, sie muss im Leben umgesetzt werden, durch barmherzige Werke der Nachfolge und Nächstenliebe.