Bibel in einem Jahr · Tag 6 von 365

Gen 16–18

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Genesis 16

1Sarai nun, Abrams Weib, hatte keine Kinder geboren; da sie aber eine Magd, eine Ägypterin, Namens Agar, hatte, 2sprach sie zu ihrem Manne: Siehe, der Herr hat mich verschlossen, dass ich nicht gebäre; gehe also zu meiner Magd ein, vielleicht erhalte ich doch aus ihr Kinder. Und da er ihrer Bitte nachgab, 3nahm sie Agar, ihre ägyptische Magd, nachdem sie zehn Jahre im Lande Chanaan gewohnt hatten, und gab sie ihrem Manne zum Weibe. 4Und er ging zu ihr ein. Als diese aber sah, dass sie empfangen hatte, verachtete sie ihre Gebieterin. 5Da sprach Sarai zu Abram: Du handelst unrecht an mir; ich habe meine Magd in deinen Schoß gegeben, da sie nun aber sieht, dass sie empfangen hat, verachtet sie mich; der Herr richte zwischen mir und dir! 6Abram aber antwortete ihr, und sprach: Siehe, deine Magd ist in deiner Gewalt, verfahre mit ihr, wie es dir gutdünkt. Da nun Sarai sie härter behandelte, ergriff sie die Flucht. 7Da fand sie der Engel des Herrn in der Wüste, an der Wasserquelle, welche auf dem Berg nach Sur in der Wüste ist, 8und sprach zu ihr: Agar, Magd Sarais! woher kommst du? und wohin gehst du? Sie antwortete: ich fliehe vor Sarai, meiner Gebieterin. 9Und der Engel des Herrn sprach zu ihr: Kehre um zu deiner Gebieterin und demütige dich unter ihre Hand. 10Und wiederum sprach er: Ich will deine Nachkommenschaft überaus zahlreich machen, dass sie vor Menge unzählbar wird. 11Und hierauf sprach er: Siehe, du hast empfangen und wirst einen Sohn gebären; den sollst du Ismael nennen, weil der Herr auf deine Bedrängnis gehört hat. 12Er wird ein wilder Mensch sein, seine Hand gegen alle, und aller Hand gegen ihn; und allen seinen Brüdern gegenüber wird er seine Zelte aufschlagen. 13Da nannte sie den Namen des Herrn, der mit ihr geredet: Du Gott, der mich gesehen. Denn, sagte sie, fürwahr! hier habe ich dem nachgesehen, der mich sah. 14Darum nannte man jenen Brunnen den Brunnen des Lebendigen und des mich Sehenden. Er ist zwischen Kades und Barad. 15Und Agar gebar Abram einen Sohn, und dieser nannte seinen Namen Ismael. 16Abram war sechsundachtzig Jahre alt, als Agar ihm Ismael gebar.

Genesis 17

1Nachdem er aber in sein neunundneunzigstes Jahr getreten war, erschien ihm der Herr und sprach zu ihm: Ich bin Gott, der Allmächtige, wandle vor mir und sei vollkommen. 2Und ich will meinen Bund zwischen mir und dir errichten, und will dir überaus zahlreiche Nachkommen geben. 3Da fiel Abram nieder auf sein Angesicht. 4Und Gott sprach zu ihm: Ich bin es, und mein Bund ist mit dir, und du sollst der Stammvater vieler Völker werden. 5Fortan sollst du nicht Abram heißen, sondern Abraham soll dein Name sein; denn ich habe dich zum Stammvater vieler Völker bestimmt. 6Und ich will machen, dass deine Nachkommen sich mehren über die Maßen und zu Völkern anwachsen, und Könige sollen von dir abstammen. 7Und ich will meinen Bund zwischen mir und dir aufrichten, und zwischen deinen Nachkommen nach dir in ihren Geschlechtern, als einen ewigen Bund, dass ich dein Gott sei, und deiner Nachkommen nach dir. 8Und ich will dir und deinen Nachkommen das Land, in dem du als Fremdling weilst, das ganze Land Chanaan, zum ewigen Besitze geben, und ich will ihr Gott sein. 9Und Gott sprach abermals zu Abraham: So halte also auch du meinen Bund, du und deine Nachkommen nach dir in ihren Geschlechtern. 10Dies ist mein Bund, den ihr halten sollt, zwischen mir und euch, und deinen Nachkommen nach dir; alles, was männlich ist unter euch, soll beschnitten werden. 11Und zwar sollt ihr das Fleisch eurer Vorhaut beschneiden, dass dies das Zeichen des Bundes sei zwischen mir und euch. 12Wenn es acht Tage alt ist, soll alles was männlich unter euch ist, beschnitten werden, Geschlecht für Geschlecht; sowohl der im Hause geborene, als der angekaufte Knecht soll beschnitten werden, und jeder, der nicht von eurem Stamme ist. 13So soll mein Bund an euerm Fleische sein als ein ewiger Bund. 14Ein jeder männlichen Geschlechtes, der am Fleische seiner Vorhaut nicht beschnitten ist, dessen Leben soll ausgetilgt werden aus seinem Volke, weil er meinen Bund gebrochen hat. 15Und weiter sprach Gott zu Abraham: Sarai, dein Weib, sollst du nicht mehr Sarai nennen, sondern Sara. 16Und ich will sie segnen und will dir von ihr einen Sohn schenken, den ich segnen werde; und er wird der Stammvater von Völkern werden, und Könige von Völkern werden von ihm hervorgehen. 17Da fiel Abraham auf sein Angesicht, und lachte, und sprach zu seinem Herzen: Sollte wohl einem Hundertjährigen ein Sohn geboren werden, und sollte Sara, die Neunzigjährige, noch gebären? 18Und er sprach zu Gott: Möchte doch Ismael am Leben bleiben vor dir! 19Da sprach Gott zu Abraham: Sara, dein Weib, wird dir einen Sohn gebären, dessen Namen sollst du Isaak nennen, und ich will meinen Bund mit ihm errichten, als einen ewigen Bund, und mit seinen Nachkommen nach ihm. 20Auch wegen Ismael habe ich dich erhört. Siehe, ich will ihn segnen, und ihn fruchtbar machen, und seine Nachkommen über die Maßen mehren. Zwölf Fürsten wird er zeugen, und ich will ihn zu einem großen Volke machen. 21Meinen Bund jedoch werde ich mit Isaak schließen, den dir Sara gebären wird um diese Zeit im nächsten Jahre. 22Und als die Rede dessen, der mit ihm sprach, geendet war, fuhr Gott auf von Abraham. 23Da nahm Abraham seinen Sohn Ismael, und alle in seinem Hause geborenen Knechte, sowie alle, die er erkauft, und alles, was männlich war unter allen Leuten seines Hauses, und sogleich an eben diesem Tage beschnitt er das Fleisch ihrer Vorhaut, wie Gott ihm geboten hatte. 24Abraham war neunundneunzig Jahre alt, da er das Fleisch seiner Vorhaut beschnitt. 25Und Ismael, sein Sohn, war zur Zeit seiner Beschneidung dreizehn Jahre alt. 26An einem und demselben Tage wurden Abraham und Ismael, sein Sohn, beschnitten. 27Und alle Männer seines Hauses, sowohl die im Hause Geborenen, als die Erkauften und Fremden, wurden gleicherweise beschnitten.

Genesis 18

1Der Herr aber erschien ihm im Tale Mambre, während er gerade zur heißen Tageszeit an dem Eingange seines Zeltes saß. 2Und als er seine Augen erhob, erschienen ihm drei Männer, nahe bei ihm stehend; und da er sie sah, lief er ihnen von dem Eingange seines Zeltes entgegen und neigte sich bis zur Erde. 3Und er sprach: Herr! habe ich Gnade in deinen Augen gefunden, so gehe nicht an deinem Knechte vorüber. 4Ich will ein wenig Wasser bringen, lasset eure Füße waschen und ruhet aus unter dem Baume. 5Auch will ich einen Bissen Brot vorlegen, dass ihr euch stärket, darnach möget ihr weiter ziehen; denn deswegen seid ihr vom Wege zu eurem Knechte gekommen. Und sie sprachen: Tue, wie du gesagt hast. 6Da eilte Abraham in das Zelt zu Sara und sprach zu ihr: Knete eilends drei Maß Weißmehl und backe Aschenkuchen! 7Er selbst aber lief zu der Herde, nahm das zarteste und beste Kalb und übergab es dem Diener, welcher es eilig zubereitete. 8Sodann nahm er Butter und Milch, und das Kalb, das er zubereitet hatte, und setzte es ihnen vor; er selbst aber stand bei ihnen unter dem Baume. 9Nachdem sie gegessen hatten, sprachen sie zu ihm: Wo ist Sara, dein Weib? Er antwortete: Dort im Zelte ist sie. 10Er sprach zu ihm: Ich werde zu dir zu dieser Zeit, wenn das Leben vorhanden, wiederkommen, und Sara, dein Weib, wird einen Sohn haben. Da Sara dies hörte, lachte sie hinter dem Eingange des Zeltes. 11Beide aber waren alt und hoch betagt, und der Sara erging es nicht mehr, wie es Frauen zu geschehen pflegt. 12Da lachte sie für sich und sprach: Nun, da ich alt geworden und mein Herr auch alt ist, soll ich der Lust pflegen? 13Der Herr aber sprach zu Abraham: Warum lacht Sara und spricht: Sollte ich wirklich, nachdem ich alt geworden, noch gebären? 14Sollte wohl Gott etwas schwer sein? Wie ich gesagt, werde ich zu eben dieser Zeit wieder zu dir kommen, wenn das Leben vorhanden, und dann wird Sara einen Sohn haben. 15Da leugnete Sara und sprach: Ich habe nicht gelacht; denn sie war sehr erschrocken. Der Herr aber sprach: Nicht also ist es, sondern du hast gelacht. 16Da machten sich die Männer auf von da und wandten ihre Augen gegen Sodoma; und Abraham ging mit ihnen, sie zu geleiten. 17Und der Herr sprach: Kann ich etwa Abraham verbergen, was ich tun will, 18da er doch der Stammvater eines großen und sehr mächtigen Volkes werden wird, und in ihm alle Völker der Erde gesegnet werden sollen? 19Denn ich weiß, dass er seinen Kindern und seinem Hause nach ihm gebieten wird, den Weg des Herrn zu halten und Recht und Gerechtigkeit zu üben, damit der Herr um Abrahams willen alles kommen lasse, was er zu ihm gesprochen hat. 20Da sprach der Herr: Das Geschrei über Sodoma und Gomorrha hat sich gemehrt, und ihre Sünde ist allzuschwer geworden. 21Darum will ich niedersteigen und sehen, ob sie nach dem Rufe, der zu mir gedrungen ist, getan haben, oder ob es nicht also ist, dass ich es wisse. 22Und sie wandten sich von dannen und gingen nach Sodoma zu; Abraham aber stand noch vor dem Herrn. 23Und er nahte sich ihm und sprach: Wirst du den Gerechten mit dem Gottlosen verderben? 24Wenn fünfzig Gerechte in der Stadt sind, sollten auch sie mit umkommen? und wirst du des Ortes nicht um der fünfzig Gerechten willen schonen, die darin sind? 25Fern sei es von dir, solches zu tun, den Gerechten mit den Gottlosen zu töten, und dass es dem Gerechten wie dem Gottlosen ergehe, das ist fern von dir; der du die ganze Welt richtest, nimmer wirst du ein solches Urteil vollziehen. 26Der Herr sprach zu ihm: Wenn ich in Sodoma fünfzig Gerechte finde inmitten der Stadt, so werde ich um ihretwillen dem ganzen Orte vergeben. 27Da begann Abraham wiederum und sprach: Weil ich einmal mich unterfangen habe, so will ich zu meinem Herrn reden, obwohl ich Staub und Asche bin. 28Wie? wenn fünf Gerechte weniger denn fünfzig da sind, wirst du, weil nur fünfundvierzig da sind, die ganze Stadt vernichten? Er sprach: ich werde sie nicht vernichten, wenn ich daselbst fünfundvierzig finde. 29Und wiederum sprach er zu ihm: Wenn sich aber vierzig daselbst finden, was wirst du tun? Er sprach: Ich werde um der vierzig willen nicht strafen. 30Und Abraham sprach: Ach, zürne nicht, Herr, wenn ich rede. Wie? wenn sich dreißig darin finden? Er antwortete: Wenn ich dreißig darin finde, will ich es nicht tun. 31Und er sprach: Weil ich einmal begonnen, will ich zu meinem Herrn reden. Wie? wenn sich zwanzig darin finden? Er sprach: Ich will sie nicht töten, um der zwanzig willen. 32Da sprach er: Ich bitte, zürne nicht, mein Herr, wenn ich noch einmal rede. Wie? wenn sich zehn darin finden? Er sprach: Ich werde sie nicht vertilgen um der zehn willen. 33Und der Herr ging hinweg, nachdem er das Gespräch mit Abraham geendet, dieser aber kehrte wieder zu seinem Wohnorte zurück.