Bibel in einem Jahr · Tag 362 von 365

2 Makk 4–6 · Offb 20

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das 2. Buch der Makkabäer 4

1Der vorerwählte Simon aber, der Verräter des Schatzes und des Vaterlandes, verleumdete den Onias, als hätte dieser selbst den Heliodorus dazu angereizt und als wäre er der Urheber alles Unglücks, 2und den, der ein Wohltäter der Stadt, ein Verteidiger seines Volkes und ein Eiferer für das Gesetz Gottes war, wagte er einen Gegner des Reiches zu nennen. 3Als nun die Feindschaft sich derart steigerte, dass sogar durch einige Vertraute Simons Morde verübt wurden, 4erwog Onias, wie gefährlich dieser Streit werden könne, und dass Apollonius als Statthalter von Cölesyrien und Phönizien durch sein Wüten die Bosheit Simons mehre, und begab sich zum Könige, 5nicht um seine Mitbürger zu verklagen, sondern bei sich erwägend, was zum gemeinsamen Nutzen des ganzen Volkes gereiche. 6Denn er sah ein, dass es ohne königliche Vorsorge unmöglich sei, den Frieden wiederherzustellen, und dass Simon von seiner Torheit nicht ablassen werde. 7Als aber nach des Seleukus Tode Antiochus, mit dem Beinamen der Erlauchte, die Regierung übernahm, strebte Jason, der Bruder des Onias, nach dem Hohenpriestertume. 8Er begab sich also zum Könige und versprach ihm dreihundertundsechzig Talente Silber, sowie achtzig Talente aus anderen Einkünften. 9Überdies versprach er noch andere hundertundfünfzig, wenn ihm gestattet würde, sowohl eine Übungsschule und eine Ephebie zu errichten, wie auch den Bewohnern von Jerusalem das Bürgerrecht von Antiochia zu verleihen. 10Da der König dies bewilligt und er so die Herrschaft erlangt hatte, suchte er alsbald unter seinen Landsleuten heidnische Sitten einzuführen. 11Er schaffte ab, was von den Königen aus Milde den Juden zugestanden war. Durch Vermittlung des Johannes, des Vaters jenes Eupolemus, der an der rechtmäßigen Gesandtschaft an die Römer um Freundschaft und Bundesgenossenschaft teilgenommen hatte, und die rechte der Bürger beiseite setzend, führte er gesetzwidrige Sitten ein. 12Denn er war so keck, gerade unterhalb der Burg eine Übungsschule zu erbauen und die ausgezeichnetsten Jünglinge an unsittliche Orte zu führen. 13Dies war aber nicht bloß ein Anfang, sondern ein Anwachsen und ein Fortschritt zu heidnischer fremder Sitte infolge des gottlosen, unerhörten Frevels des unpriesterlichen Jason, 14so dass die Priester sich nicht mehr den Dienst des Altares angelegen sein ließen, sondern den Tempel verachtend und die Opfer vernachlässigend, hinwegeilten, um an dem gesetzwidrigen Schauspiel der Kampfschule und dem Werfen mit der Scheibe teilzunehmen. 15Die vaterländischen Ehrenstellen achteten sie für nichts, die griechischen Auszeichnungen aber für sehr rühmlich. 16Dieserwillen ergriff sie ein gefährlicher Wetteifer, denn sie ahmten die Gebräuche derer nach und suchten denen in allem ähnlich zu werden, die zuvor ihre Feinde und Mörder gewesen waren. 17Denn wider die göttlichen Gesetze freveln, bleibt nicht ungestraft, doch die Folgezeit wird dies lehren. 18Als aber das fünfjährige Kampfspiel zu Tyrus gefeiert ward und der König dabei zugegen war, 19sandte der verruchte Jason ruchlose Männer von Jerusalem dorthin, um dreihundert Doppeldrachmen von Silber für ein Opfer des Herkules zu überbringen. Die Überbringer baten jedoch selbst, man möchte das Geld nicht zu den Opfern gebrauchen, da sich dies nicht gezieme, sondern zu andern Ausgaben verwenden. 20So wurde es zwar von dem, der es gesandt hatte, als Gabe zum Opfer des Herkules dargebracht, aber der Überbringer wegen zum Bau der Dreiruderer verwendet. 21Als hierauf Apollonius, der Sohn des Mnestheus, wegen der großen des Königs Ptolemäus Philometor nach Ägypten gesandt ward und Antiochus erfahren hatte, dass derselbe seiner Herrschaft feindlich geworden sei, kam er, auf seinen eigenen Vorteil bedacht, nach Joppe und von da nach Jerusalem. 22Hier wurde er von Jason und der Stadt prächtig empfangen, hielt seinen Einzug unter Fackelschein und Freudengeschrei und zog von da mit seinem Heere nach Phönizien. 23Nach einem Zeitraum von drei Jahren sandte Jason den Menelaus, den Bruder des vorerwähnten Simon, um das Geld dem Könige zu überbringen und dringende Geschäfte zu Ende zu führen. 24Dieser erwarb sich die Gunst des Königs, indem er sich den Anschein eines einflussreichen Mannes gab, und brachte das Hohepriestertum selbst an sich, indem er den Jason um dreihundert Talente Silbers überbot. 25Nachdem er nun die königlichen Befehle erhalten hatte, kam er, ohne eine des Hohenpriestertums würdige Eigenschaft, wohl aber die Wut eines grausamen Tyrannen und den Grimm eines wilden Tieres besitzend. 26So wurde Jason, der seinen eigenen Bruder überlistet hatte, selbst hintergangen und musste fliehen und entwich in das Land der Ammaniter. 27Menelaus erhielt nun zwar die Würde, aber er entrichtete das Geld nicht, das er dem Könige versprochen, obwohl Sostratus, der Befehlshaber der Burg, die Bezahlung einforderte, 28denn diesem lag die Eintreibung der Abgaben ob. Darum wurden beide vor den König geladen. 29Menelaus ward des Hohenpriestertums entsetzt und Lysimachus, sein Bruder, trat an seine Stelle, Sostratus aber ward Statthalter von Cypern. 30Während dies vorging, begab es sich, dass die Einwohner von Tharsus und Mallus sich empörten, weil sie an die Antiochis, des Königs Nebenweib, als Geschenk vergeben waren. 31Eilends kam der König herbei, den Aufruhr zu stillen, und ließ den Andronikus, einen aus seiner Umgebung, als Statthalter zurück. 32Jetzt glaubte Menelaus eine günstige Gelegenheit erlangt zu haben, entwendete einige goldene Gefäße aus dem Tempel und schenkte sie dem Andronikus, andere aber verkaufte er in Tyrus und den benachbarten Städten. 33Als Onias dies zuverlässig erfahren hatte, rügte er ihn scharf, nachdem er sich in eine Freistätte Antiochias bei Daphne zurückgezogen hatte. 34Daher wendete sich Menelaus an Andronikus und bat ihn, den Onias zu töten. Andronikus begab sich zu Onias, reichte ihm unter eidlichen Versicherungen die Hand und überredete ihn (obwohl dieser gegen ihn Verdacht hegte), aus der Freistätte herauszugehen, worauf er ihn alsbald, ohne Scheu vor dem, was recht ist, tötete. 35Darüber waren nicht bloß die Juden, sondern auch andere Völker aufgebracht und nahmen die ungerechte Ermordung eines so großen Mannes mit Unwillen auf. 36Als nun der König aus den Gegenden von Cilicien zurückkam, begaben sich die Juden von Antiochia sowie auch die Griechen zu ihm und führten über die ungerechte Ermordung des Onias Klage. 37Antiochus ward innig betrübt um Onias und vergoss, von Mitleid ergriffen, Tränen, da er der Selbstbeherrschung und der Bescheidenheit des Hingeschiedenen gedachte. 38Und von Zorn entbrannt, ließ er Andronikus des Purpurgewandes entkleiden, ihn in der ganzen Stadt herumführen und den Verruchten an demselben Orte, wo er den Frevel an Onias begangen, töten. So vergalt der Herr jenem mit wohlverdienter Strafe. 39Inzwischen hatte Lysimachus aus Anraten des Menelaus viele Beraubungen an dem Tempel begangen und das Gerücht davon hatte sich verbreitet, deshalb scharte sich die Menge gegen Lysimachus zusammen, nachdem schon viel Gold fortgeschleppt war. 40Als nun die Volkshaufen sich voll Ingrimm erhoben, bewaffnete Lysimachus gegen dreitausend Mann und brachte zuerst ungerechterweise Gewalt unter Anführung eines gewissen Tyrannus, eines Mannes, der bereits im Alter, aber nicht minder in der Ruchlosigkeit vorgeschritten war. 41Kaum sah das Volk das gewalttätige Beginnen des Lysimachus, als die einen Steine, die anderen dicke Prügel ergriffen, während noch andere Staub auf Lysimachus warfen. 42Viele wurden verwundet, manche auch getötet, alle aber in die Flucht geschlagen, den Tempelräuber selbst aber erschlugen sie bei der Schatzkammer. 43Über all dies wurde nun eine Untersuchung wider Menelaus eingeleitet. 44Als nämlich der König nach Tyrus kam, legten drei von den Ältesten gesandte Männer ihm die Sache vor. 45Schon sah sich Menelaus überführt, da versprach er dem Ptolemäus viel Geld, um den König für ihn günstig zu stimmen. 46Ptolemäus nahm also den König mit sich in einen Vorhof, da sollte er sich abkühlen, und sprach mit ihm und stimmte ihn um. 47So sprach er den Menelaus, der doch aller Bosheit schuldig war, von den Beschuldigungen frei; die armen Männer aber, die, wenn sie auch den Scythen ihre Sache vorgebracht hätten, für unschuldig erklärt worden wären, verurteilte er zum Tode. 48So erduldeten alsbald die, welche für die Stadt, das Volk und die heiligen Geräte eingetreten waren, ungerechte Strafe. 49Aus diesem Grunde darüber aufgebracht, ließen die Tyrer ihr Leichenbegängnis möglichst prunkvoll abhalten. 50Menelaus aber blieb wegen der Habsucht der Gewalthaber in seiner Würde und nahm zu an Bosheit, seinen Mitbürgern Nachstellungen zu bereiten.

Das 2. Buch der Makkabäer 5

1Um diese Zeit unternahm Antiochus einen zweiten Zug nach Ägypten. 2Da begab es sich, dass in der ganzen Stadt Jerusalem vierzig Tage lang durch die Lust jagende Reiter, mit goldenen Gewändern angetan und mit Lanzen bewaffnet, scharenweise erschienen, 3dazu Abteilungen von Reitern, in Ordnung aufgestellt, Angriffe von beiden Seiten, Schildergewoge, eine Menge von Gepanzerten mit gezückten Schwertern, Abschießen von Geschossen, Funkeln von goldenen Waffen und Panzern jeglicher Gattung. 4Daher beteten alle, dass die Wunderzeichen etwas Gutes bedeuten möchten. 5Aals sich aber ein falsches Gerücht verbreitete, als sei Antiochus gestorben, überfiel Jason mit nicht weniger als tausend Mann plötzlich die Stadt. Die Bürger liefen zwar auf die Mauern, doch die Stadt ward zuletzt genommen und Menelaus flüchtete in die Burg. 6Jason begann schonungslos unter seinen Mitbürgern zu morden, ohne zu bedenken, dass Kriegsglück gegen Stammverwandte das größte Unglück ist; wähnte er doch, Sieges beute von Feinden und nicht von Mitbürgern davonzutragen. 7Aber dennoch erlangte er die höchste Würde nicht, sondern die ganze Frucht seiner hinterlistigen Verräterei war Schande; er musste wieder flüchten und ging in das Land der Ammaniter zurück. 8Jetzt kam sein Ende herbei, denn er ward von Aretas, einem Herrscher der Araber, gefangen; doch entfloh er und irrte von Stadt zu Stadt; von allen als Abtrünniger von dem Gesetze gehasst und als Feind des Vaterlandes und der Mitbürger verabscheut, wurde er nach Ägypten ausgestoßen. 9Er, der so viele aus dem Vaterlande verbannt hatte, musste selbst außerhalb desselben umkommen, als er sich zu den Lacedämoniern begeben hatte, um bei ihnen wegen ihrer Verwandtschaft eine Zufluchtsstätte zu erhalten; 10und er, der so viele hatte unbegraben hinwerfen lassen, blieb selbst unbeklagt und ward unbegraben hingeworfen, ohne ein Begräbnis bei den Fremden oder ein Grab bei seinen Vätern zu erhalten. 11Durch diese Vorfälle ward der König auf die Vermutung gebracht, die Juden wollten abfallen, daher brach er mit grimmiger Wut von Ägypten auf und nahm die Stadt mit Waffengewalt ein. 12Und er befahl den Kriegern, alle, die ihnen begegnen würden, ohne Schonung niederzumachen, ja, die in die Häuser flüchten würden, zu ermorden. 13Da wurden Jünglinge und Greise hingeschlachtet, Weiber und Kinder, Jungfrauen und Säuglinge niedergemetzelt. 14Während dieser drei Tage wurden achtzigtausend gemordet, vierzigtausend zu Gefangenen gemacht und nicht weniger als Sklaven verkauft. 15Aber nicht genug damit! Er wagte auch, in den Tempel, den heiligsten Ort der ganzen Erde, einzudringen, unter Führung des Menelaus, welcher an den Gesetzen und dem Vaterlande Verräter geworden war. 16Und er nahm die heiligen Gefäße in seine frevelhaften Hände und behandelte die von andern Königen und Städten zum Schmucke und zur Verherrlichung des Ortes hingebrachten Weihegeschenke unwürdig und entweihte sie. 17So bedachte der unsinnige Antiochus nicht, dass Gott wegen der Sünden über die Einwohner der Stadt nur kurze Zeit erzürnt sei und dass darum den Tempel solche Schmach treffe. 18Denn wären sie nicht in so vielen Sünden verstrickt gewesen, so würde auch er, wie der von dem Könige Seleukus zur Beraubung des Schatzes gesandte Heliodorus, beim Vordringen alsbald gegeißelt und von seiner Vermessenheit sicherlich abgebracht worden sein. 19Aber Gott erwählte nicht um des Tempels wegen das Volk, sondern um des Volkes wegen den Tempel. 20Deswegen hat nun auch der Tempel Anteil an dem Unglücke des Volkes erhalten, wie er nachmals an seinem Glücke Anteil erhielt und der, welcher jetzt bei dem Zorne des allmächtigen Gottes verlassen ist, wird, wenn der große Herrscher versöhnt ist, wieder zur höchsten Herrlichkeit erhoben werden. 21Antiochus nun nahm aus dem Tempel tausendachthundert Talente weg und zog eilends nach Antiochia zurück, indem er in seinem Übermut wähnte, das Land schiffbar und das Meer wegbar machen zu können, vor Hochmut des Herzens. 22Er ließ auch Aufseher zurück, um das Volk zu plagen: in Jerusalem den Philippus, einen Phrygier von Abkunft, noch grausamer an Gemütsart als der, welcher ihn eingesetzt hatte; 23in Garizim den Andronikus und Menelaus, welche die Mitbürger noch härter behandelten als die übrigen. 24Und da er über die Juden erbittert war, sandte er den verhassten Heerführer Apollonius mit einem Heere von zweiundzwanzigtausend Mann und befahl ihm, alle Erwachsenen niederzumachen, die Frauen und Jünglinge aber zu verkaufen. 25Dieser kam nach Jerusalem und hielt sich, Friedlichkeit heuchelnd, ruhig bis an den heiligen Tag des Sabbats; dann aber befahl er, als er die Juden feiern sah, seinen Leuten, die Waffen zu ergreifen 26und ließ alle, welche zur Feier hinausgegangen waren, niedermachen, worauf er selbst die Stadt mit bewaffneten durchzog und eine ungeheure Menge ermordete. 27Judas, der Machabäer, aber entwich mit neun andern in die Wüste und lebte daselbst unter den Tieren auf dem Gebirge mit den Seinigen, sich von Kräutern nährend, um nicht an der Befleckung teilzunehmen.

Das 2. Buch der Makkabäer 6

1Nicht lange darnach sandte der König einen alten Antiochener, welcher die Juden zwingen sollte, von den Gesetzen ihrer Väter und Gottes abzufallen, 2den Tempel zu Jerusalem zu verunreinigen, ihn nach dem olympischen Jupiter zu benennen und den zu Garizim nach dem gastlichen Jupiter, gemäß der Eigenschaft der Bewohner des Ortes. 3So stürzte über das ganze Volk eine schreckliche Flut der schlimmsten Übel herein, 4denn der Tempel war mit Schwelgerei und Lustgelagen der Heiden erfüllt, welche mit Buhlerinnen Unzucht trieben, die Weiber aber drängten sich frech in die heiligen Orte und trugen ungebührliche Dinge hinein. 5Der Altar war mit unerlaubten Dingen angefüllt, die von dem Gesetze verboten waren. 6Weder hielt man die Sabbate noch feierte man die vaterländischen Feste noch wagte jemand, überhaupt sich als Jude zu bekennen. 7Dagegen wurden sie mit bitterem Zwange am Geburtstage des Königs zu den Opfern getrieben; und wenn man das Fest des Bacchus feierte, wurden sie gezwungen, mit Epheu bekränzt, dem Bacchus zu Ehren im Umgange einherzuziehen. 8Es erging auch auf den Rat der Ptolemäer ein Befehl an die benachbarten heidnischen Städte, auf gleiche Weise gegen die Juden zu verfahren, damit diese opferten; 9die aber, welche zu den Sitten der Heiden nicht übergehen wollten, sollten sie töten. Darum sah man großen Jammer. 10Denn zwei Frauen wurden angeklagt, ihre Söhne beschnitten zu haben, diesen hängten sie die Kinder an die Brust, führten sie öffentlich durch die Stadt und stürzten sie zuletzt von der Mauer herab. 11Andere, die in den nahe gelegenen Höhlen zusammenkamen, um den Tag des Sabbats heimlich zu feiern, wurden dem Philippus angezeigt und verbrannt, weil sie aus gewissenhafter Beobachtung des Sabbats Bedenken trugen, sich mit den Waffen zu verteidigen. 12Ich bitte nun jene, welche dieses Buch lesen, nicht zu erschrecken über die Unglücksfälle, sondern zu bedenken, dass diese Vorfälle nicht zum Verderben, sondern zur Züchtigung unseres Volkes dienen. 13Denn dass den Sündern nicht lange Zeit gewährt wird, nach ihren Gelüsten zu tun, sondern bald Rache über sie verhängt wird, ist ein Zeichen großer Huld. 14Denn nicht so, wie der Herr bei andern Völkern langmütig zuwartet, um sie, wenn der Tag des Gerichtes gekommen, nach der Vollzahl ihrer Sünden zu strafen, 15hat er auch für uns beschlossen, erst Rache an uns zu üben, wenn unsere Sünden aufs höchste gestiegen. 16Daher entzieht er uns nie seine Barmherzigkeit, und wenn er auch sein Volk mit Unglück straft, verlässt er es doch nicht. 17Doch dies sei nur kurz zur Erinnerung für die Leser gesagt. Nun wollen wir wieder auf die Erzählung zurückkommen. 18Eleazar, einer der angesehensten Schriftgelehrten, ein Mann in schon vorgerücktem Alter, ehrwürdigen Aussehens, sollte Schweinefleisch essen und man wollte ihn dazu zwingen, indem man ihm den Mund aufsperrte. 19Doch er zog den rühmlichsten Tod einem verabscheuungswürdigen Leben vor und ging freiwillig zur Marterbank. 20Er beherzigte, wie es seine Pflicht sei hinzutreten, und so harrte er in Geduld aus, entschlossen, nichts Unerlaubtes aus Liebe zum Leben zu begehen. 21Die aber, welche dabei standen, nahmen ihn, aus alter Freundschaft zu dem Manne zu verkehrtem Mitleiden bewegt, heimlich beiseite und baten ihn, sich Fleisch bringen zu lassen, dass ihm zu essen erlaubt sei, um sich den Anschein zu geben, als esse er dem Befehle des Königs gemäß von dem Opferfleische, 22um auf diese Weise dem Tode zu entgehen. Aus alter Freundschaft zu dem Manne handelten sie so menschenfreundlich an ihm. 23Er aber dachte an die hohe Würde seiner Jahre und seines Greisenalters, an den angestammten Adel des grauen Hauptes und seinen lobwürdigen Wandel von Jugend auf und erklärte sogleich nach den Bestimmungen des heiligen, von Gott gegebenen Gesetzes, er wolle in die Unterwelt gesendet werden. 24Denn, sprach er, es geziemt sich nicht für unser Alter zu heucheln, so dass viele der Jüngeren, in der Meinung, der neunzigjährige Eleazar sei zum Heidentum übergegangen, 25auch ihrerseits an meiner Heuchelei und der kurzen Zeit eines vergänglichen Lebens willen durch mich verführt werden und ich so Schande und Schimpf auf mein Alter ringe. 26Denn sollte ich auch jetzt der Marter der Menschen entgehen, so werde ich doch der Hand des Allmächtigen weder lebend noch tot entfliehen. 27Darum will ich mannhaft das Leben lassen; so werde ich mich meines Alters würdig erweisen, 28den Jüngeren aber ein heldenmütiges Beispiel hinterlassen, wenn ich willigen Herzens und mutig für die ehrwürdigen und heiligen Gesetze eines ehrenvollen Todes sterbe. Nach diesen Worten ward er alsbald zur Marterbank geschleppt. 29Die aber, welche ihn hinführten und kurz vorher noch milde gewesen waren, wurden durch die Worte, die er sprach, in Zorn versetzt, da sie meinten, er habe dieselben aus Stolz gesprochen. 30Als er nun unter den Schlägen dem Tode nahe war, seufzte er auf und sprach: Herr! der du die heilige Wissenschaft hast, dir ist kund, dass ich, während ich mich vom Tod frei machen könnte, harte Schmerzen am Leibe erdulde, in meiner Seele aber dieses gern aus Furcht vor dir ertrage. 31So schied dieser Mann aus dem Leben und hinterließ nicht nur den Jüngeren, sondern dem ganzen Volke das Andenken an seinen Tod als ein Vorbild der Tugend und des Starkmutes.

Neues Testament

Offenbarung des Johannes 20

1Und ich sah einen Engel vom Himmel herabsteigen, der hatte den Schlüssel des Abgrundes und eine große Kette in seiner Hand. 2Und er ergriff den Drachen, die alte Schlange, welche der Teufel und Satan ist, und band ihn auf tausend Jahre, 3und warf ihn in den Abgrund, und verschloss und versiegelte diesen über ihm, dass er die Völker nicht mehr verführe, bis die tausend Jahre vollendet sind, nach diesen soll er auf kurze Zeit gelöst werden. 4Und ich sah Throne, und sie setzten sich darauf, und es wurde ihnen verliehen, Gericht zu halten; und ich sah die Seelen derjenigen, welche wegen des Zeugnisses Jesu und wegen des Wortes Gottes enthauptet waren, und die das Tier und sein Bild nicht angebetet, noch dessen Malzeichen an ihrer Stirne oder an ihrer Hand angenommen hatten, und sie wurden lebendig und herrschten mit Christus tausend Jahre. 5Die übrigen Toten wurden nicht lebendig, bis die tausend Jahre vollendet sein werden. Dies ist die erste Auferstehung. 6Selig und heilig, wer Teil hat an der ersten Auferstehung; über diese hat der zweite Tod keine Gewalt, sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein und mit ihm tausend Jahre herrschen. 7Und wenn die tausend Jahre vollendet sein werden, wird der Satan aus seinem Gefängnisse losgelassen, und wird ausgehen und die Völker verführen, die an den vier Enden der Erde sind, Gog und Magog, und wird sie zum Kampfe versammeln, deren Zahl ist wie der Sand des Meeres. 8Und sie zogen herauf über die Breite der Erde, und umringten das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt. 9Da fiel Feuer von Gott aus dem Himmel und verzehrte sie. Und der Teufel, der sie verführt, ward in den Feuer- und Schwefelpfuhl geworfen, wo auch das Tier 10und der falsche Prophet gepeinigt werden Tag und Nacht in alle Ewigkeit. 11Und ich sah einen großen, weißen Thron, und den, der darauf saß; vor seinem Angesicht floh die Erde und der Himmel, und es ward für sie keine Stätte gefunden. 12Und ich sah die Toten, Groß und Klein, vor dem Throne stehend. Und Bücher wurden aufgetan, und ein anderes Buch ward geöffnet, das Buch des Lebens; und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben war, gemäß ihren Werken. 13Und das Meer gab die Toten, die in ihm waren, heraus, und der Tod und das Totenreich gaben ihre Toten, die in ihnen waren; und sie wurden gerichtet, ein jeder nach seinen Werken. 14Und das Totenreich und der Tod wurden in den Feuerpfuhl geworfen. Dies ist der zweite Tod. 15Und wer nicht in dem Buche des Lebens aufgezeichnet erfunden ward, wurde in dem Feuerpfuhl geworfen.