Bibel in einem Jahr · Tag 263 von 365

Sir 38–40

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das Buch Jesus Sirach 38

1Ehre den Arzt um des Bedürfnisses willen, denn der Allerhöchste hat ihn geschaffen. 2Denn von Gott kommt alle Heilung und vom König empfängt er Geschenke. 3Das Wissen erhebt den Arzt zu Ehren und angesichts der Großen wird er gerühmt. 4Der Allerhöchste schuf Heilmittel aus der Erde und ein kluger Mann verschmäht dieselben nicht. 5Ward nicht durch Holz das bittere Wasser süß, 6damit die Menschen ihre Kraft erkannten? Ja, der Allerhöchste gab den Menschen Wissenschaft, dass er in seinen Wundern verherrlicht werde. 7Durch diese heilt er und lindert er den Schmerz; der Apotheker aber bereitet daraus lieblichen Balsam, setzt heilsame Salben zusammen und sein Tun findet kein Ende. 8Denn der Friede Gottes ruht auf dem Erdboden. 9Mein Sohn! versäume dich nicht selbst, wenn du krank bist, sondern bete zum Herrn, und er wird dich gesund machen. 10Wende dich ab von der Verfehlung, mache deine Handlungen recht und reinige dein Herz von der Sünde. 11Bringe Wohlgerüche und Gedenkopfer von Weizenmehl und fette Opfer dar und verstatte dem Arzt Zutritt, 12denn der Herr hat ihn geschaffen; lass ihn nicht von dir, denn seine Dienste sind dir notwendig. 13Es kommt eine Zeit, wo du in ihre Hände gerätst. 14Sie aber werden den Herrn bitten, dass er ihnen Linderung und Heilung gelingen lässt für ein längeres Leben. 15Wer vor den Augen seines Schöpfers sündigt, muss in die Hände des Arztes fallen. 16Mein Sohn! Über einen Toten vergieße Tränen und beklage ihn, wie einer, dem großes Leid widerfahren ist. Verhülle seinen Leib, wie es sich gebührt, und versäume sein Begräbnis nicht. 17Um der Nachrede willen halte bittere Trauer um ihn einen Tag, alsdann getröste dich in deiner Traurigkeit. 18Trage Leid, wie es ihm zukommt, einen oder zwei Tage, der üblen Nachrede wegen. 19Denn aus der Traurigkeit kommt schnell der Tod, sie lähmt die Kraft und die Traurigkeit des Herzens beugt die Stärke. 20Die Traurigkeit bleibt bei der Wegführung des Toten und das Leben des Armen ist wie sein Herz. 21Überlass dein Herz nicht der Betrübnis, sondern treibe sie von dir und gedenke des Endes. 22Vergiss es nicht, denn von dort gibt es keine Wiederkehr; jenem nützest du nichts, dir selbst aber schadest du. 23Gedenke an das Urteil über mich, denn ebenso wird das deinige sein; gestern mir und heute dir! 24Wenn der Tote ruht, lass auch sein Andenken ruhen und tröste dich über ihn, wenn sein Geist ihn verlässt. 25Die Weisheit des Schriftgelehrten gedeiht zur Zeit seiner Muße und wer wenige Geschäfte hat, kann zur Weisheit gelangen. Wie kann der Weisheit erlangen, 26der den Pflug führt, sich seines Steckens rühmt, Rinder mit dem Stachel antreibt, mit solcher Arbeit umgeht und nur von jungen Stieren zu reden weiß? 27Sein Sinn ist darauf gerichtet, Furchen zu ziehen und seine Sorge geht auf die Mästung der Kühe. 28So ist auch jeder Künstler und Baumeister, welcher Tag und Nacht arbeitet, so der Siegelringstecher, dessen beharrlicher Fleiß mannigfaltige Gebilde hervorbringt; er richtet seinen Sinn darauf, die Zeichnung dem Bilde recht ähnlich zu machen und vollendet das Werk durch seinen Fleiß. 29So auch der Schmied, der an seinem Amboss sitzt und das Eisen bearbeitet. Der Qualm des Feuers zehrt an seinem Fleische und er kämpft mit der Hitze des Ofens, 30des Hammers Schall betäubt sein Ohr und sein Auge ist auf die Vorlage des Gerätes gerichtet. 31Er richtet den Sinn auf die Vollendung der Arbeit und seine Sorge ist es, sie bis zur Vollendung zierlich zu gestalten. 32So der Töpfer, der bei seiner Arbeit sitzt und die Scheibe mit seinen Füßen dreht. Er schwebt immer in Besorgnis um seiner Arbeit willen und alle seine Verrichtungen sind ihm abgemessen. 33Mit seinem Arme bildet er den Ton und mit seinen Füßen bearbeitet er dessen Masse. 34Er wendet seine Aufmerksamkeit daran, die Glasur zu vollenden und mit Sorgfalt reinigt er den Ofen. 35Diese alle vertrauen auf ihre Hände und jeder ist geschickt in seiner Kunst, 36ohne diese alle kann keine Stadt erbaut werden 37und man kann darin weder wohnen noch umherwandeln; aber in der Versammlung tun sie sich nicht hervor. 38Sie sitzen nicht auf dem Richterstuhle, kennen das Gesetz nicht, nach dem Gericht gehalten wird, und was Recht und Richterstuhl verlangt, sprechen sie nicht aus und beschäftigen sich nicht mit Weisheitssprüchen, 39sondern sie bleiben fest bei dem irdischen Schaffen und ihr Gebet geht auf die Ausübung ihrer Kunst; ihr weihen sie ihre Seele und forschen im Gesetze des Allerhöchsten.

Das Buch Jesus Sirach 39

1Der Weise erforscht die Weisheit aller Alten und beschäftigt sich mit den Propheten. 2Er behält die Erzählungen berühmter Männer und dringt zugleich in den Sinn ihrer Gleichnisreden ein. 3Er erforscht die Geheimnisse der Sprüche und dringt in die Verborgenheiten der Gleichnisreden ein. 4Inmitten von Großen verrichtet er Dienst und erscheint vor des Herrschers Angesicht. 5Er durchzieht die Länder fremder Völker, denn Gutes und Böses unter den Menschen sucht er zu erfahren. 6Er richtet sein Herz vom frühen Morgen an eifrig zu dem Herrn, seinem Schöpfer, und vor dem Allerhöchsten fleht er. 7Er öffnet seinen Mund im Gebete und fleht für seine Sünden. 8Denn wenn es dem Herrn, dem Höchsten, gefällt, erfüllt er ihn mit dem Geiste der Einsicht. 9Dann sendet er die Aussprüche seiner Weisheit wie Regengüsse aus und preist im Gebete den Herrn. 10Dieser aber lenkt seine Einsicht und seinen Willen und er sinnt nach über Seine Geheimnisse. 11Er macht die Zucht seiner Lehre kund und rühmt sich des Bundesgesetzes des Herrn. 12Viele werden seine Weisheit preisen und in Ewigkeit wird er nicht vergessen werden. 13Sein Andenken erlischt nicht und sein Name wird leben von Geschlecht zu Geschlecht. 14Seine Weisheit rühmen die Völker und sein Lob verkündet die Gemeinde. 15Bleibt er am Leben, so hinterlässt er einen größeren Namen als Tausende, und geht er zur Ruhe, so wird ihm auch dies zum Gewinne gereichen. 16Nochmals will ich einsichtsvoll reden, denn der Begeisterung bin ich voll. 17Laut spricht er: Höret auf mich, ihr Kinder Gottes! und bringet Frucht gleich der Rose, die an Wasserbächen gepflanzt ist. 18Duftet Wohlgeruch wie der Weihrauch. 19Treibet Blüten wie die Lilie, duftet Wohlgeruch und grünet zum Ergötzen, stimmt ein Loblied an und preiset den Herrn ob seiner Werke. 20Verherrlichet seinen Namen und preiset ihn mit der Stimme eurer Lippen, mit Lobgesängen der Lippen und mit Zithern, und sprechet im Lobpreise also: 21Alle Werke des Herrn sind sehr gut. 22Auf sein Wort hin stand das Wasser wie ein Damm und durch das Wort seines Mundes wie Wasserbehältnisse. 23Er gebeut und es geschieht, was ihm gefällt, und nichts kann hindernd entgegenstehen, wenn er helfen will. 24Das Tun aller Menschen liegt vor ihm offen da und vor seinen Augen ist nichts verborgen. 25Von Ewigkeit zu Ewigkeit reicht sein Blick und nichts ist wunderbar vor seinem Angesichte. 26Man darf nicht sagen: Was ist dies oder was ist jenes? Denn alles wird zu seiner Zeit erforscht. 27Sein Segen fließt reichlich wie ein Strom. 28Wie die Flut den dürren Erdboden tränkt, so wird sein Zorn über jene Völker kommen, die ihn nicht suchen. 29Wie er Wasser in Trockenheit wandelte und die Erde trocken war, so dass ihre Pfade eben waren und für sie zum Wege dienten, so leiden die Sünder Anstoß durch seinen Zorn. 30Gutes ist für die Guten von Anfang an bestimmt, so auch für die Bösen Gutes und Böses. 31Die Hauptbedürfnisse im menschlichen Leben sind: Wasser, Feuer, Eisen, Salz, Mich, Weizenbrot, Honig, Traubensaft, Öl und Kleidung. 32Dies alles gereicht den Frommen zum Guten, den Gottlosen und Sündern aber zum Bösen. 33Es gibt Sturmwinde, die zur Rache geschaffen sind und in ihrem Grimme verstärken sie ihre Geißeln. 34Zur Zeit des Verderbens lassen sie ihre Kraft aus und besänftigen den Grimm ihres Schöpfers. 35Feuer, Hagel, Hungersnot und Tod, dies alles ist zur Rache geschaffen; 36die Zähne der wilden Tiere, Skorpione, Schlangen und das Schwert, welches an den Gottlosen Rache übt, zum Untergange. 37Sie frohlocken über seine Befehle und stehen, wo er auf Erden ihrer bedarf, bereit und übertreten, wenn ihre Zeit da ist, den Befehl nicht. 38Darum war ich von Anfang an fest in meiner Überzeugung, ich erwog und dachte nach und legte es in Schrift nieder: 39Alle Werke des Herrn sind gut und jedes Werk gibt Hilfe zur rechten Zeit. 40Man kann nicht sagen: Dies ist schlechter als jenes, denn alles bewährt sich wohl zu seiner Zeit. 41Lobet also nun mit ganzem Herzen und Munde und preiset den Namen des Herrn!

Das Buch Jesus Sirach 40

1Große Mühseligkeit ist für alle Menschen geschaffen und ein schweres Joch liegt auf den Kindern Adams von dem Tage an, wo sie aus dem Mutterleibe hervorgehen, bis auf den Tag, wo sie in der Erde, unser aller Mutter, begraben werden. 2Ihre Gedanken und Besorgnisse des Herzens gehen auf die Erforschung der Zukunft und auf den Todestag. 3Von dem an, der auf herrlichem Throne sitzt, bis zu dem, der bis zu Staub und Asche erniedrigt ist; 4von dem an, der sich in blauen Purpur kleidet und eine Krone trägt, bis zu dem, der in grobe Leinwand gehüllt ist, herrscht Wut, Eifersucht, Unruhe, Wankelmut, Todesfurcht, beständiger Zorn und Streit 5und zur Zeit der Ruhe auf dem Lager verwirren nächtliche Träume seine Erkenntnis. 6Wenig oder gar keine Ruhe hat er und alsbald ist es ihm im Schlafe wie am Tage der Sorge. 7Er wird erschreckt durch innere Gesichte, als ob er aus der Schlacht entfliehe. Zur Zeit, wo es seine Rettung gilt, wacht er auf und wundert sich über seine grundlose Furcht. 8So ist es mit allem Fleisch, vom Menschen bis zum Tier; doch die Sünder trifft es siebenfach. 9Dazu kommt noch Tod, Blutvergießen, Streit, Schwert, Unterdrückungen, Hungersnot, Verderben und Plagen. 10Dies alles ist für die Gottlosen bestimmt und ihretwegen ist die Sündflut gekommen. 11Alles, was von der Erde ist, muss wieder zur Erde zurückkehren, wie alle Wasser wieder ins Meer zurückfließen. 12Alle Bestechung und Ungerechtigkeit muss vergehen, Treue aber besteht in Ewigkeit. 13Die Güter der Ungerechten versiegen wie ein Bach und wie ein heftiger Donnerschlag im Regen verhallt. 14Solange er seine Hand auftut, freut er sich, aber die Sünder müssen zuletzt verschmachten. 15Die Nachkommen der Gottlosen treiben nicht viele Zweige und unlautere Wurzeln rascheln auf schroffem Felsen. 16Sumpfgras an jedem Wasser und am Ufer der Flüsse wird vor allem Grase ausgerauft. 17Gütigkeit ist wie ein Paradies an Segnungen und Barmherzigkeit währt in Ewigkeit. 18Das Leben eines Genügsamen und Arbeitsamen ist süß und du wirst in demselben einen Schatz finden. 19Kinder zeugen und Städte bauen schaffen einen bleibenden Namen, aber höher als beide ist ein untadeliges Weib zu schätzen. 20Wein und Musik erfreuen das Herz, aber höher als beides steht die Liebe zur Weisheit. 21Flöten und Harfen spielen liebliche Weisen, aber über beiden steht freundliche Rede. 22Anmut und Schönheit begehrt dein Auge, aber mehr noch als diese das Grün der Saaten. 23Ein Freund und Genosse ist hilfreich zur rechten Zeit, aber besser als beide ist eine Frau mit dem Manne. 24Brüder helfen einander zur Zeit der Bedrängnis, mehr aber als beide rettet die Barmherzigkeit. 25Gold und Silber gewähren festen Fuß, aber höher als beide ist guter Rat zu schätzen. 26Reichtum und Vermögen erheben das Herz, aber über beide geht die Furcht des Herrn. 27Bei der Furcht des Herrn leidet man keinen Mangel, und wo sie ist, braucht man keine Hilfe zu suchen. 28Die Furcht des Herrn ist wie ein gesegneter Lustgarten, der Herr kleidet mit Herrlichkeit ohnegleichen. 29Mein Sohn! Ergib dich, solange du lebst, nicht dem Bettelleben, denn besser ist sterben als ein Bettelleben führen. 30Wer auf fremden Tisch hinschaut, dessen Leben ist nicht für ein Leben zu achten, denn er erhält sein Leben mit fremden Speisen. 31Der verständige und einsichtsvolle Mann hütet sich davor. 32Dem Munde des Unverständigen schmeckt das Betteln süß, aber in seinem Leibe brennt es wie Feuer.