Bibel in einem Jahr · Tag 259 von 365

Sir 26–28

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das Buch Jesus Sirach 26

1Glückselig der Mann, der ein gutes Weib hat, denn die Zahl seiner Jahre verdoppelt sich. 2Eine wackere Frau macht ihrem Manne Freude und er bringt die Jahre seines Lebens in Frieden zu. 3Eine gute Frau ist ein herrliches Los; sie wird als Anteil solchen, die Gott fürchten, dem Manne für seine guten Werke gegeben. 4Des Reichen wie des Armen Herz ist fröhlich und ihr Angesicht allezeit heiter. 5Vor dreierlei fürchtet sich mein Herz und vor dem vierten zagt mein Angesicht: 6Vor Stadtgeklatsch, vor Zusammenrottung des Volkes, 7vor lügenhafter Nachrede; dies alles ist ärger als der Tod. 8Eine eifersüchtige Frau bringt Herzeleid und Kummer. 9Bei einer eifersüchtigen Frau ist die Zunge eine Geißel, die alle trifft. 10Ein böses Weib ist wie ein Ochsengespann, das hin und her getrieben wird; wer sie anfasst, ist dem gleich, der einen Skorpion angreift. 11Ein trunksüchtiges Weib erregt großen Unwillen, ihre Schmach und Schande kann nicht verborgen bleiben. 12Die Geilheit eines Weibes verrät sich an der Lüsternheit der Augen und an ihren Wimpern. 13Eine Tochter, die nicht eingezogen ist, halte in strenger Hut; sie möchte sich sonst eine Gelegenheit, die sich findet, zunutze machen. 14Jeder Frechheit ihrer Augen beuge vor und wundere dich nicht, wenn sie deiner nicht achtet. 15Wie der durstige Wanderer den Mund nach der Quelle öffnet und von jedem Wasser, dem er naht, trinkt, so lässt sie sich vor jedem Zeltpfahl nieder und nimmt jeden Pfeil in ihren Köcher auf, bis sie müde ist. 16Die Anmut einer emsigen Frau gewährt ihrem Manne Freude und macht seine Gebeine stark. 17Ihre Züchtigkeit ist eine Gabe Gottes. 18Für eine verständige und schweigsame Frau, für eine wohlerzogene Seele gibt es keinen Kaufpreis. 19Die höchste Anmut ist eine heilige und züchtige Frau. 20Kein Preis wiegt eine enthaltsame Seele auf. 21Wie die aufgehende Sonne an Gottes hohem Himmel der Welt, so ist die Schönheit einer guten Frau die Zierde ihres Hauses. 22Wie die glänzende Lampe auf dem heiligen Leuchter, so glänzt die Schönheit ihres Gesichtes in blühendem Alter. 23Wie goldene Säulen auf silbernen Gestellen, so sind die Füße einer standhaften Frau, die feststehen auf ihren Sohlen. 24Wie Grundfesten der Ewigkeit auf festen Felsen, so sind die Gebote Gottes in dem Herzen einer heiligen Frau. 25Über zwei Dinge betrübt sich mein Herz und über das dritte wallt mein Zorn auf: 26Ein Kriegsmann, der aus Not verkommt, ein einsichtsvoller Mann, der für nichts geachtet wird, 27und einer, der sich von der Gerechtigkeit zur Sünde wendet, einen solchen wird Gott dem Schwerte preisgeben. 28Zwei Dinge scheinen mir schwer und gefährlich zu sein: Nur schwer wird ein Kaufmann von Vergehung freibleiben und ein Krämer erhält sich nicht von Zungensünden frei.

Das Buch Jesus Sirach 27

1Aus Mangel sündigen viele und wer reich zu werden sucht, wendet sein Auge ab. 2Wie zwischen den Spalten der Steine ein Pflock eingetrieben wird, so drängt sich zwischen Kauf und Verkauf die Sünde ein. 3Mit dem Sünder wird die Frucht der Sünde vertilgt. 4Hältst du dich nicht mit Eifer fest an der Zucht des Herrn, so wird dein Haus bald den Untergang finden. 5Wie beim Rütteln eines Siebes der Staub zurückbleibt, so das Unvermögen eines Menschen bei seinem Sinnen. 6Die Gefäße des Töpfers bewährt der Ofen und gerechte Menschen die Prüfung der Trübsal. 7Wie die Pflege eines Baumes aus dessen Frucht kund wird, so das Wort aus den Gedanken des Menschenherzens. 8Lobe keinen Menschen, ehe du seine Rede gehört, denn sie ist der Prüfstein der Menschen. 9Wenn du der Gerechtigkeit nachstrebst, so wirst du sie erlangen und sie wie ein Ehrenkleid anlegen. Du wirst bei ihr wohnen und sie wird dich immerdar schützen und am Tage des Gerichtes wirst du Sicherheit finden. 10Die Vögel halten sich zu ihresgleichen, so kommt auch die Wahrheit zu denen, welche sie üben. 11Der Löwe lauert immer auf Raub, so die Sünden auf die, welche Unrecht tun. 12Ein heiliger Mensch bleibt in der Weisheit, gleich der Sonne; aber der Tor ist veränderlich wie der Mond. 13Im Kreise der Unverständigen spare dein Wort, bis es Zeit ist; doch im Kreise der Verständigen weile gern. 14Die Rede der Sünder ist abscheulich und ihr Lachen ertönt bei sündhafter Schwelgerei. 15Die Rede eines, der viel schwört, macht die Haare des Hauptes sich sträuben und seine Unverschämtheit macht, dass man sich die Ohren verstopft. 16Blutvergießen entsteht aus dem Gezänke der Übermütigen und ihr Lästern ist widrig anzuhören. 17Wer des Freundes Geheimnisse verrät, verliert das Vertrauen und findet keinen Freund mehr nach seinem Wunsche. 18Liebe deinen Nächsten und bleibe ihm treu verbunden. 19Hast du aber seine Geheimnisse verraten, so wirst du ihn nicht wieder gewinnen. 20Denn gleich einem Menschen, der seinen Freund vernichtet, so ist der, welcher die Freundschaft seines Nächsten vernichtet. 21Und gleich dem, der einen Vogel aus seiner Hand lässt, so hast du deinen Nächsten verscherzt und wirst ihn nicht wieder fangen. 22Folge ihm nicht nach, denn er hält sich von dir fern; er ist entflohen wie eine Gazelle aus der Schlinge, weil seine Seele verwundet ist. 23Du wirst ihn nicht mehr verbinden können, bei Schmähungen ist eine Wiederversöhnung möglich; 24aber wer des Freundes Geheimnisse verrät, macht eine Seele unglücklich und verzweifelt. 25Wer mit den Augen winkt, sinnt auf Böses; doch niemand macht sich von einem solchen frei. 26Vor deinen Augen macht er seine Rede süß und bewundert deine Worte, danach aber verkehrt er seine Sprache und macht, dass deine Worte anstößig erscheinen. 27Vielerlei hasse ich, aber nichts so sehr wie einen solchen, und auch der Herr hasst ihn. 28Wer einen Stein in die Höhe wirft, dem fällt er auf den Kopf, und ein heimtückischer Streit schlägt dem Heimtückischen Wunden. 29Wer eine Grube gräbt, fällt selbst in dieselbe; wer seinem Nächsten einen Stein legt, stößt selbst daran; und wer einem anderen eine Schlinge legt, geht selbst in ihr zugrunde. 30Wer mit einem bösen Anschlage umgeht, auf den fällt derselbe zurück, ohne dass er weiß, woher es ihm zustößt. 31Wohl treiben die Übermütigen Hohn und Spott, doch die Rache lauert ihnen auf wie ein Löwe. 32In der eigenen Schlinge kommen die um, welche sich über den Fall der Gerechten freuen; und Schmerz zehrt sie auf, noch bevor sie sterben. 33Zorn und Wut sind beide verabscheuungswürdig, aber der Sünder hegt sie.

Das Buch Jesus Sirach 28

1Wer Rache sucht, an dem wird der Herr Rache üben und seine Sünden sicher aufbehalten. 2Vergib deinem Nächsten, wenn er dir Unrecht getan; so werden auch dir, wenn du darum bittest, deine Sünden nachgelassen. 3Der Mensch beharrt in Zorn gegen den Nächsten und sucht dennoch bei Gott Vergebung? 4Für einen Menschen, der doch seinesgleichen ist, hat er kein Erbarmen und steht gleichwohl um Vergebung für seine Sünden? 5Er, der doch selbst nur Fleisch ist, beharrt im Zorne und bittet Gott um Vergebung? Wer wird für seine Vergehungen Sühne darbringen? 6Gedenke an das Ende und lass ab von Feindschaft, 7denn Verwesung und Tod stehen nach seinem Gebote bevor. 8Gedenke der Furcht Gottes und zürne wider deinen Nächsten nicht. 9Gedenke an den Bund des Allerhöchsten und übersieh deines Nächsten Verfehlung. 10Halte dich ferne vom Streite, so wirst du weniger sündigen; 11denn ein zornmütiger Mensch facht Streit an und ein Gottloser bringt Freunde gegeneinander auf und stiftet Feindschaft unter denen, die in Frieden leben. 12Je nachdem das Waldholz ist, brennt das Feuer, so ist nach des Menschen Macht auch sein Grimm beschaffen und je reicher er ist, desto höher steigt sein Zorn. 13Ein vorschneller Streit entzündet Feuer, übereilter Zank verursacht Blutvergießen und eine Zunge, welche Zeugnis ablegt, führt den Tod herbei. 14Bläsest du einen Funken an, so flammt er zu einem Feuer auf; speisest du aber auf denselben, so erlischt er; beides kommt aus dem Munde. 15Fluch dem Ohrenbläser und Doppelzüngigen; denn viele, die in Frieden leben, entzweit er. 16Eine dritte Zunge hat schon viele gestürzt und sie von Volk zu Volk getrieben, 17hat feste Städte Wohlhabender zerstört und Häuser von Vornehmen zu Falle gebracht. 18Sie hat die Kraft der Völker gebrochen und starke Völker zerstreut. 19Die dritte Zunge hat wackere Frauen vertrieben und sie des Ertrages ihrer Mühen beraubt. 20Wer auf sie merkt, wird keine Ruhe finden noch einen Freund, mit dem er in Ruhe wohnen kann. 21Der Streich der Geißel macht Striemen, aber der Schlag der Zunge zerschmettert die Gebeine. 22Viele sind durch die Schärfe des Schwertes gefallen, aber nicht so viele, als schon durch ihre eigene Zunge ins Verderben geraten sind. 23Glücklich, wer von einer bösen Zunge gesichert bleibt, wer ihre Wut nicht auszustehen hat, ihr Joch nicht tragen muss, nicht in ihren Fesseln liegt! 24Denn ihr Joch ist ein eisernes Joch und ihre Fesseln eherne Fesseln. 25Der Tod, den sie bringt, ist ein schlimmer Tod und die Unterwelt ist besser als sie. 26Doch sie ist von keiner Dauer. Sie wird über die Wege der Ungerechten herrschen, aber ihre Flamme wird die Gerechten nicht verzehren. 27Die Gott verlassen, fallen ihr zur Beute, sie entbrennt gegen diese und erlischt nicht. Sie überfällt sie wie ein Löwe und zerreißt sie wie ein Panther. 28Umhege deine Ohren mit Dornen, höre nicht auf eine gottlose Zunge und versieh deinen Mund mit Tor und Riegel. 29Schmelze dein Gold und dein Silber ein und mache eine Waage daraus für deine Worte und rechte Zügel für deinen Mund. 30Hüte dich, dass du nicht durch deine Zunge strauchelst und vor den Feinden, die dir nachstellen, zu Falle kommest und dein Fall unheilbar sei zum Tode.