Bibel in einem Jahr · Tag 245 von 365

Weish 4–6 · Phil 1

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das Buch der Weisheit 4

1O wie schön ist ein keusches Geschlecht in seiner Herrlichkeit! Denn unsterblich ist sein Andenken, bei Gott ist es gekannt und bei den Menschen. 2Ist es gegenwärtig, so ahmt man es nach; ist es den Augen entzogen, so sehnt man sich nach ihm; und ewig triumphiert es, die Siegeskrone tragend, da es sich den Siegespreis für die Kämpfe unbefleckter Reinheit errungen. 3Die zahlreiche Menge der Gottlosen aber gedeiht nicht und unechte Sprößlinge treiben keine tiefen Wurzeln und fassen keinen festen Grund. 4Wenn sie auch zeitweilig grüne Zweige treiben, so werden sie doch, weil sie nicht feststehen, vom Winde erschüttert und durch die Übermacht der Stürme entwurzelt. 5Denn ihre Äste werden abgebrochen, ehe sie ausgewachsen sind; ihre Früchte sind unnütz und herb zum Essen und zu nichts tauglich. 6Denn aus unerlaubtem Beischlafe entsprungene Kinder werden Zeugen der Schlechtigkeit gegen ihre Eltern bei ihrem Gerichte. 7Der Gerechte aber wird, sollte er auch vor der Zeit vom Tode ereilt werden, in der Erquickung sein. 8Denn ein ehrenvolles Alter ist nicht das hochbetagte und wird nicht nach der Zahl der Jahre bestimmt, sondern graues Haar ist für den Menschen die Einsicht 9und das wahre Greisenalter ein unbeflecktes Leben. 10Da er Gott wohlgefällig war, ward er von ihm geliebt, und da er inmitten von Sündern lebte, wurde er entrückt. 11Er ward hinweggenommen, damit nicht die Bosheit seinen Sinn verkehrte noch Trug seine Seele täuschte. 12Denn der Zauber der Verwerflichkeit verdunkelt das Gute und die unstete Begierlichkeit verkehrt auch arglosen Sinn. 13In kurzem vollendet, hat er viele Jahre erreicht; 14denn seine Seele war Gott wohlgefällig; darum eilte Er, ihn aus der Mitte der Laster hinwegzunehmen; die Völker aber sahen es, ohne zu begreifen und zu Herzen zu nehmen. 15dass Gottes Gnade und Barmherzigkeit seinen Heiligen zuteil wird und gnädige Heimsuchung seinen Auserwählten. 16Es verurteilt aber der Gerechte, ist er gestorben, die noch lebenden Gottlosen und seine früh vollendete Jugend das lange Leben des Ungerechten. 17Sie sehen zwar das Ende des Weisen, aber verstehen nicht, was Gott mit ihm vorhatte und warum ihn der Herr in Sicherheit gebracht hat. 18Sie sehen es und verachten ihn, ihrer aber der Herr wird spotten. 19Und sie werden darnach mit Schimpf zu Fall kommen und unter den Toten ewig mit Schmach bedeckt sein; denn er wird diese Stolzen zerschmettern und verstummen machen und bis auf den Grund erschüttern, dass sie in die äußerste Trostlosigkeit geraten und seufzen, und ihr Andenken wird untergehen. 20Furchtsam werden sie daherkommen zur Abrechnung ihrer Sünden und ihre Missetaten werden ihre Ankläger sein, die gegen sie auftreten.

Das Buch der Weisheit 5

1Alsdann werden die Gerechten mit großer Standhaftigkeit denen gegenüberstehen, von welchen sie bedrängt und der Frucht ihrer Arbeiten beraubt wurden. 2Bei diesem Anblicke werden diese von schrecklicher Furcht verwirrt werden und staunen über deren unerwartete und unverhoffte Rettung 3und werden voll Beklommenheit des Geistes bei sich sagen und reuevoll seufzen: Das sind die, welche wir einst verlachten und mit Spottreden verhöhnten! 4Wir Toren hielten ihr Leben für Wahnsinn und ihr Ende für ehrlos! 5Sehet, wie sie unter die Kinder Gottes gezählt sind und ihr Anteil unter den Heiligen ist! 6So sind wir also vom Wege der Wahrheit abgeirrt und das Licht der Gerechtigkeit hat uns nicht geleuchtet und die Sonne der Erkenntnis ist uns nicht aufgegangen! 7Wir haben uns abgemüht auf dem Wege der Ruchlosigkeit und des Verderbens und sind harte Wege gewandelt, aber den Weg des Herrn haben wir nicht gekannt! 8Was hat uns der Hochmut genützt? Oder was hat uns das Brüsten mit dem Reichtum gebracht? 9Dies alles ist vorübergegangen wie ein Schatten, wie ein vorübereilender Bote, 10wie ein Schiff, welches das wogende Meer durchschneidet, von dem, ist es vorüber, keine Spur noch die Bahn seines Kieles in den Fluten mehr zu finden ist; 11oder wie wenn ein Vogel durch die Luft fliegt und von seinem Fluge sich kein Merkmal findet, sondern nur das Rauschen der Fittiche, das die leichte Luft peitscht; in gewaltigem Fluge die Luft teilend, fliegt er dahin mit flatternden Schwingen und nachher findet sich kein Merkmal seines Fluges mehr; 12oder wie wenn ein Pfeil nach dem Ziele abgeschossen wird und die Luft sich teilt und sofort wieder zusammenschießt, so dass man seinen Durchflug nicht erkennt. 13So sind auch wir, kaum geboren, sofort wieder dahingeschwunden und vermögen kein Merkmal der Tugend aufzuweisen, sondern sind inmitten unserer Bosheit dahingerafft worden. 14So sprechen die Sünder in der Hölle. 15Denn die Hoffnung des Gottlosen ist wie eine Flocke, die vom Winde weggeführt wird, und wie leichter Schaum, der vom Sturm zerstreut wird, und wie die Erinnerung an einen vorübergehenden eintägigen Gast. 16Die Gerechten jedoch leben ewig, ihr Lohn ist bei dem Herrn und die Sorge für sie bei dem Allerhöchsten. 17Darum werden sie das Reich der Herrlichkeit empfangen und eine Krone der Schönheit aus der Hand des Herrn, denn mit seiner Rechten wird er sie schirmen und mit seinem heiligen Arme sie verteidigen. 18Sein Eifer wird Waffenrüstung anlegen und alle Geschöpfe zur Rache wider seine Feinde waffnen. 19Gerechtigkeit wird er als Harnisch anlegen und untrügliches Gericht als Helm nehmen. 20Die Billigkeit wird er als unüberwindlichen Schild ergreifen, 21seinen unerbittlichen Zorn zum Speere schärfen und mit ihm wird der Erdkreis wider die Unsinnigen streiten. 22Wohlgerichtete Blitzespfeile werden wie aus einem wohlgewölbten Bogen aus den Wolken zum Verderben ausfahren und sicher ihr Ziel treffen. 23Aus grimmiger Steinschleuder wird dichter Hagel geschleudert werden, des Meeres Gewässer werden wider sie wüten und die Ströme werden sie unerbittlich überschütten. 24Der Hauch seiner Macht wird sich wider sie erheben und wie ein Wirbelwind sie zerteilen. Ihre Bosheit wird die ganze Erde zur Wüste machen und ihre Ruchlosigkeit die Throne der Machthaber umstürzen.

Das Buch der Weisheit 6

1Besser ist Weisheit als Kraft und ein kluger Mann besser als ein starker. 2Höret also, ihr Könige! Und nehmet Einsicht an, lernet ihr Richter der Erde weitum! 3Vernehmet es, ihr, die ihr der Völker Menge beherrschet und euren Stolz setzet in die Scharen der Nationen; 4denn von dem Herrn ward euch die Herrschaft verliehen und die Gewalt vom Allerhöchsten, er wird eure Werke untersuchen und eure Gedanken durchforschen. 5Denn obgleich ihr Diener seiner Herrschaft waret, habt ihr nicht recht gerichtet und das Gesetz der Gerechtigkeit nicht beobachtet und seid nicht nach dem Willen Gottes gewandelt. 6Schrecklich und schnell wird er euch erscheinen, denn das strengste Gericht ergeht über die Machthaber. 7Denn dem Geringen wird Barmherzigkeit zuteil, aber die Gewaltigen werden gewaltige Züchtigungen zu erdulden haben. 8Denn Gott wird niemandes Stand ausnehmen noch irgend jemandes Größe scheuen, hat er doch den Kleinen wie den Großen selber geschaffen und sorgt für alle auf gleiche Weise. 9Den Gewaltigen aber steht eine stärkere Strafe bevor. 10An euch also, ihr Könige! Ergehen diese meine Reden, dass ihr Weisheit lernet und nicht irre gehet. 11Denn diejenigen, welche die Gerechtigkeit recht wahren, werden gerechtfertigt werden; und die sich darüber haben belehren lassen, werden sich zu verantworten wissen. 12So seid denn begierig nach meinen Worten und liebet sie, und ihr werdet die rechte Lebensweise erlangen. 13Strahlend und unverwelklich ist die Weisheit und leicht wird sie von denen gesehen, welche sie lieben, und von denen gefunden, welche sie suchen. 14Ja, sie kommt denen zuvor, die nach ihr verlangen, um sich ihnen zuerst zu zeigen. 15Wer frühzeitig auf sie acht hat, wird keine Mühe haben, denn er wird sie an seiner Tür sitzend finden. 16Über sie also nachzusinnen ist vollendete Klugheit und wer um ihretwillen wacht, wird bald sorgenfrei sein. 17Denn sie selbst geht umher und sucht die auf, die ihrer würdig sind, und erscheint ihnen freundlich auf ihren Wegen und begegnet ihnen bei jedem Gedanken. 18Denn ihr Anfang ist ein ganz aufrichtiges Verlangen nach Zucht. 19Das Streben nach Zucht ist Liebe und die Liebe ist Beobachtung ihrer Gesetze, die Beobachtung ihrer Gesetze aber ist Vollendung der Unvergänglichkeit; 20die Unvergänglichkeit aber macht, dass man Gott nahe kommt. 21So führt also das Verlangen nach Weisheit zur ewigen Herrschaft. 22Wenn ihr also Freude habt an Thronen und Zeptern, ihr Könige der Völker! So liebet die Weisheit, auf dass ihr ewig herrschet. 23Liebet das Licht der Weisheit, ihr alle, die ihr über die Völker herrscht! 24Was aber die Weisheit ist und wie sie geworden, will ich verkündigen und will die Geheimnisse Gottes vor euch nicht verbergen, sondern vom Aufgang ihres Ursprungs an will ich nachforschen und ihre Erkenntnis ins Licht setzen und die Wahrheit nicht verschweigen; 25auch will ich nicht mit zehrendem Neide es halten, den ein solcher Mensch hat keine Gemeinschaft mit der Weisheit. 26Der Weisen große Zahl ist das Heil des Erdkreises und ein weiser König ist die Stütze des Volkes. 27Darum nehmet Zucht an durch meine Worte, und es wird euch frommen.

Neues Testament

Philipperbrief 1

1Paulus und Timotheus, Diener Jesu Christi, an alle Heiligen in Christus Jesus, die zu Philippi sind, samt den Bischöfen und Diakonen. 2Gnade euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus! 3Ich danke meinem Gott, so oft ich eurer gedenke, 4indem ich allezeit in allen meinen Gebeten für euch alle mit Freuden das Gebet verrichte, 5wegen der Gemeinschaft mit euch für das Evangelium Christi vom ersten Tage an bis jetzt. 6Ich hoffe eben dies mit Zuversicht, dass der, welcher in euch das gute Werk angefangen hat, es auch vollenden wird, bis auf den Tag Christi Jesu; 7wie es denn billig für mich ist, solches für euch alle zu denken, weil ich euch im Herzen trage, die ihr sowohl in meinen Banden wie bei der Verteidigung und Bekräftigung des Evangeliums insgesamt Mitgenossen meiner Freude seid. 8Denn Gott ist mein Zeuge, wie ich mich nach euch allen sehne in der innigsten Liebe Jesu Christi. 9Und zwar bete ich darum, dass eure Liebe mehr und mehr zunehme an Erkenntnis und in allem Verständnis, 10auf dass ihr das Bessere erprobet, damit ihr lauter und ohne Anstoß seiet auf den Tag Christi, 11erfüllt mit Frucht der Gerechtigkeit durch Jesus Christus zur Ehre und zum Lobe Gottes. 12Ich will aber, dass ihr wisset, Brüder! dass meine Lage vielmehr zur Förderung des Evangeliums ausgeschlagen ist, 13so dass meine Bande in Christus kundgeworden sind bei der ganzen Leibwache und bei allen übrigen, 14und die Mehrzahl der Brüder im Herrn, ermutigt durch meine Bande, es mehr und mehr wagen, ohne Furcht das Wort Gottes zu verkündigen. 15Einige freilich verkündigen Christus aus Neid und Streitsucht, aber auch andere aus guter Gesinnung, 16die einen aus Liebe, weil sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums bestimmt bin; 17die anderen aber verkündigen Christus aus Streitsucht, nicht aus reiner Absicht, weil sie wähnen, meinen Banden Trübsal zu erwecken. 18Doch was liegt daran? Wenn nur auf alle Weise Christus verkündigt wird, sei es zum Vorwande, sei es in Wahrheit; darüber freue ich mich, ja, werde ich mich auch ferner freuen. 19Denn ich weiß, dass mir dies zum Heile gereichen wird durch euer Gebet und den Beistand des Geistes Jesu Christi, 20wie ich denn die Erwartung und Hoffnung hege, dass ich in keinem Stücke werde zu Schanden werden, sondern dass in aller Zuversicht, wie allezeit, so auch jetzt Christus an meinem Leibe verherrlicht werden wird, sei es durch Leben oder durch Tod. 21Denn für mich ist Christus das Leben, und das Sterben Gewinn. 22Wenn aber das Leben im Fleische dazu dient, mein Wirken fruchtbar zu machen, so weiß ich nicht, was ich wählen soll. 23Ich werde vielmehr von beiden Seiten gedrängt: da ich das Verlangen habe, abzuscheiden und mit Christus zu sein, denn dies ist um vieles besser; 24im Fleische aber zu bleiben ist notwendig um euretwillen. 25Und dies weiß ich zuversichtlich, dass ich bleiben und bei euch allen verbleiben werde zu eurer Förderung und Freude im Glauben, 26damit euer Frohlocken in Christo Jesu durch mich um so reicher werde durch meine abermalige Hinkunft zu euch. 27Nur wandelt würdig des Evangeliums Christi, damit ich, sei es, dass ich komme und euch sehe, sei es, dass ich fern bin, von euch höre, dass ihr feststehet in einem Geiste, eines Sinnes, zusammen kämpfend für den Glauben an das Evangelium, 28und dass ihr euch in Nichts schrecken lasset von den Widersachern; denn dies ist für sie eine Ursache des Verderbens, für euch aber des Heiles, und das von Gott; 29denn euch ist die Gnade zu Teil geworden für Christus, nicht nur an ihn zu glauben, sondern auch für ihn zu leiden, 30indem ihr denselben Kampf habt, wie ihr ihn an mir gesehen und jetzt von mir höret.