Bibel in einem Jahr · Tag 243 von 365

Hld 6–8 · Eph 5

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das Hohelied 6

1Mein Geliebter ist in seinen Garten hinabgegangen zu den würzigen Kräutern, um in dem Garten zu weiden und Lilien zu pflücken. 2Ich bin sein und mein Geliebter ist mein, er weidet unter den Lilien, 3Du bist schön, o meine Freundin! lieblich und anmutvoll wie Jerusalem, furchtbar wie ein geordnetes Heerlager. 4Wende deine Augen von mir, denn sie ziehen mich an sich. deine Haare sind einer Herde von Ziegen gleicht, die von Galaad her erscheint. 5Deine Zähne gleichen einer Herde von Schafen, die aus der Schwemme heraufsteigen: alle haben Zwillingsjunge und keines ist unfruchtbar unter ihnen. 6Deine Wangen sind wie die Schale eines Granatapfels, ungesehen das, was in dir verborgen ist. 7Sind auch sechzig Königinnen und achtzig Nebenfrauen und Jungfrauen ohne Zahl, 8so ist nur eine meine Taube, meine Vollkommene, die Einziggeliebte ihrer Mutter, die Auserkorene ihrer Gebärerin. Es sahen sie die Töchter und priesen sie glückselig, die Königinnen und Nebenfrauen lobte sie. 9Wer ist diese, welche dort hervortritt gleich der aufsteigenden Morgenröte, schön wie der Mond, auserkoren wie die Sonne, furchtbar wie ein geordnetes Heerlager? 10Ich ging in den Nußgarten hinab, um die Früchte in den Gründen zu beschauen, nachzusehen, ob die Weinstöcke schön sprossen und die Granaten schön blühen. 11Ich wusste um nichts, da verstörte mich meine Seele um der Wagen Aminadabs willen. 12Kehre um, kehre um, Sulamith! Kehre um, kehre um, dass wir dich schauen können!

Das Hohelied 7

1Was willst du schauen an Sulamith, als Reigen der Heerlager? Wie schön sind deine Schritte in den Schuhen, o Fürstentochter! Die Wölbungen deiner Hüften sind wie Halsgeschmeide, verfertigt von Künstlerhand. 2Dein Nabel ist ein gedrehter Becher, dem es niemals an Getränken mangelt. Dein Leib ist wie ein Weizenhaufen, mit Lilien umsteckt. 3Deine Brüste sind wie zwei junge Zwillingsgazellen. 4Dein Hals ist wie der Turm von Elfenbein; deine Augen wie die Teiche zu Hesebon, die am Tore der Tochter der Menge sind; deine Nase wie der Turm des Libanon, der nach Damaskus hinschaut. 5Dein Haupt ist wie der Karmel und die Haare deines Hauptes sind wie Königspurpur in Falten gebunden. 6Wie schön und wie anmutsvoll bist du, o Geliebte, in deinem Liebreize! 7Dein Wuchs gleicht dem Palmbaum und deine Brüste den Trauben. 8Ich sprach: Ich will die Palme ersteigen und ihre Früchte erfassen, wie Trauben des Weinstocks sollen mir deine Brüste sein und der Duft deines Mundes wie Äpfelduft. 9Dein Gaumen ist wie der beste Wein, würdig von meinem Geliebten getrunken und von seinen Lippen und Zähnen gekostet zu werden. 10Ich gehöre meinem Geliebten und sein Verlangen geht nach mir. 11Komm, mein Geliebter! Lass uns hinausgehen auf das Feld, lass uns weilen in den Dörfern. 12Früh Morgens wollen wir in die Weinberge gehen, dass wir sehen, ob der Weinstock schon erblüht, ob die Blüten sich aufgetan, ob die Granatäpfel blühen; dort will ich dir meine Liebe weihen. 13Die Alraunen geben ihren Duft; in unserm Hause sind allerlei Früchte, neue und alte, die ich für dich, mein Geliebter! aufbewahrt habe.

Das Hohelied 8

1O möchte ich dich doch zu meinem Bruder haben, der meiner Mutter Brüste gesogen, dass ich dich draußen finden und küssen dürfte und hinfort niemand mich verhöhne! 2Ich wollte dich nehmen und in das Haus meiner Mutter führen; dort solltest du mich lehren, ich aber böte dir den Becher mit Gewürzwein und Most von meinen Granatäpfeln. 3Seine Linke ist unter meinem Haupte und seine Rechte hält mich umschlungen. 4Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems, wecket nicht, wecket nicht auf die Geliebte, bis sie selbst will. 5Wer ist die, welche dort heraufkommt aus der Wüste, von Wonne überströmend und auf ihren Geliebten gelehnt? Unter dem Apfelbaum weckte ich dich; dort ward deine Mutter geschwächt, dort ward deine Gebärerin verletzt. 6Setze mich wie einen Siegelring auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm! Denn stark wie der Tod ist die Liebe, hart wie die Unterwelt der Eifer, ihre Gluten Feuergluten und Flammen. 7Viele Wasser sind nicht imstande, die Liebe auszulöschen und die Ströme überfluten sie nicht; wollte auch ein Mensch alle Habe seines Hauses um die Liebe hingeben, wie nichts würde man jene achten. 8Unsere Schwester ist klein und hat noch keine Brüste; was sollen wir mit unserer Schwester tun am Tage, wo sie umworben wird? 9Ist sie eine Mauer, so wollen wir auf ihr ein Bollwerk von Silber bauen; ist sie eine Tür, so verwahren wir sie mit Zedergetäfel. 10Ich bin wie eine Mauer; und meine Brüste sind wie Türme, seitdem ich vor ihm eine solche geworden, welche den Frieden gefunden. 11Einen Weinberg hatte der Friedsame in der Völkerbesitzerin; er übergab ihn den Hütern, dass jeder für seine Frucht tausend Silberlinge gebe. 12Mein Weinberg ist vor mir. Dein sind, o Friedsamer! tausend, und zweihundert den Hütern seiner Frucht. 13Die du in den Gärten wohntest, Freunde lauschen; lass mich deine Stimme hören! 14Fliehe, mein Geliebter und werde gleich der Gazelle und dem jungen Hirsche auf den Balsam-Bergen.

Neues Testament

Epheserbrief 5

1Seid den Nachahmer Gottes als geliebte Kinder; 2und wandelt in Liebe, wie auch Christus uns geliebt und sich selbst für uns dahingegeben hat als Gabe und Opfer, Gott zum lieblichen Geruche. 3Unzucht und jede Art von Unlauterkeit oder Habsucht werde nicht einmal genannt unter euch, wie es Heiligen geziemt, 4noch schandbares Wesen, oder törichte oder leichtfertige Reden, was ungeziemend ist, sondern vielmehr Danksagung. 5Denn das wisset, indem ihr erkennt, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger, was Götzendienst ist, ein Erbteil hat im Reiche Christi und Gottes. 6Lasset euch von Niemanden täuschen mit eitlen Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Unglaubens. 7Werdet also nicht Teilnehmer an solchen Sünden! 8Denn ihr waret einst Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn. Wandelt als Kinder des Lichtes! 9Denn die Frucht des Lichtes besteht in jeglicher Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. 10Prüfet, was Gott wohlgefällig ist, 11und nehmet nicht teil an den unfruchtbaren Werken der Finsternis, sondern rüget sie vielmehr! 12Denn das, was im Verborgenen von ihnen geschieht, ist schändlich auch nur auszusprechen. 13Alles aber, was gerügt wird, wird durch das Licht offenbar; denn alles, was offenbar gemacht wird, ist Licht. 14Darum heißt es: Wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den Toten, so wird Christus dich erleuchten! 15So sehet denn zu, Brüder! wie ihr vorsichtig wandelt; nicht wie Unweise, 16sondern wie Weise, indem ihr die Zeit wohl benützet; denn die Tage sind böse. 17Darum werdet nicht unverständig, sondern sehet ein, was der Wille Gottes ist. 18Auch berauschet euch nicht mit Wein, da dies zur Unreinigkeit führt, sondern werdet voll des Heiligen Geistes, 19zueinander redend in Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, dem Herrn in euren Herzen singend und jubelnd; 20immerdar danksagend für alles im Namen unsers Herrn Jesu Christi, Gott und dem Vater! 21Seid einander untertänig in der Furcht Christi! 22Die Frauen seien ihren Männern untergeben wie dem Herrn; 23denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie Christus das Haupt der Kirche ist; er, der Erlöser seines Leibes. 24Nun aber wie die Kirche Christus untertan ist, so seien auch die Frauen ihren Männern in allem unterwürfig. 25Ihr Männer! Liebet eure Frauen, so wie auch Christus die Kirche geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat, 26sie zu heiligen, indem er sie reinigte durch das Bad des Wassers, vermittels des Wortes des Lebens, 27damit er sich selbst die Kirche herrlich darstellte, ohne Makel, ohne Runzel oder etwas dergleichen, vielmehr dass sie heilig und fleckenlos sei. 28So sind auch die Männer schuldig ihre Frauen zu lieben, wie ihre eigenen Leiber. Wer sein Weib liebt, liebt sich selbst. 29Denn niemand hat noch sein eigenes Fleisch gehasst, sondern er hegt und pflegt es, wie auch Christus die Kirche; 30weil wir Glieder seines Leibes sind, von seinem Fleisch und von seinem Gebein. 31Darum wird der Mensch seinen Vater und seine Mutter verlassen, und seinem Weibe anhangen; und die zwei werden ein Fleisch sein. 32Dieses Geheimnis ist groß, ich sage aber in Christus und der Kirche. 33Indes sollt auch ihr insgesamt ein jeder sein Weib lieben wie sich selbst; das Weib aber fürchte ihren Mann.