Bibel in einem Jahr · Tag 238 von 365

Koh 3–5 · Eph 2

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das Buch Kohelet 3

1Alles hat seine Zeit, alles unter dem Himmel geht vorüber nach seiner Zeit. 2Geboren werden hat seine Zeit und sterben hat seine Zeit, pflanzen hat seine Zeit und ausreißen hat seine Zeit. 3Töten hat seine Zeit und heilen hat seine Zeit, einreißen hat seine Zeit und aufbauen hat seine Zeit. 4Weinen hat seine Zeit und lachen hat seine Zeit, klagen hat seine Zeit und tanzen hat seine Zeit. 5Steine auseinanderwerfen hat seine Zeit und Steine sammeln hat seine Zeit, umarmen hat seine Zeit und von Umarmung sich fernhalten hat seine Zeit. 6Erwerben hat seine Zeit und verlieren hat seine Zeit, aufbewahren hat seine Zeit und wegwerfen hat seine Zeit. 7Zerreißen hat seine Zeit und zusammennähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit und reden hat seine Zeit. 8Lieben hat seine Zeit und hassen hat seine Zeit, Krieg hat seine Zeit und Frieden hat seine Zeit. 9Was hat nun der Mensch für Gewinn von dem, worum er sich abmüht? 10Ich sah die Kümmernis, welche Gott den Menschenkindern zuerteilt hat, dass sie sich damit plagen. 11Er hat alles wohl geschaffen für eine bestimmte Zeit, und die Welt ihrem Nachforschen überlassen, ohne dass doch der Mensch das Werk zu durchschauen vermöchte, welches Gott von Anfang bis ans Ende vollbringt. 12So erkannte ich denn, dass nichts besser ist als sich zu freuen und sich Gutes zu tun in seinem Leben. 13Denn jeder Mensch, der isst und trinkt und Gutes genießt von seiner Arbeit, hat dies aus Gottes Gabe. 14So erkannte ich denn, dass alle Werke, die Gott tut, auf ewig feststehen, wir können nichts dazu noch davon tun, was Gott tut, dass er gefürchtet werde. 15Was geschehen ist, eben das bleibt, was kommen wird, ist schon dagewesen; und Gott erneuert das, was dahingegangen. 16Ich sah unter der Sonne an der Stätte des Rechtes Gottlosigkeit und an der Stätte der Gerechtigkeit Ruchlosigkeit. 17Da sprach ich in meinem Herzen: Gott wird den Gerechten und den Ungerechten richten und dann wird jedes Ding seine Zeit haben. 18So sprach ich denn im Herzen zu den Menschenkindern: Gott prüfe sie und zeige ihnen, dass sie den Tieren ähnlich sind. 19Darum kommt der Mensch um wie das Tier und ein Schicksal haben beide; wie der Mensch stirbt, so stirbt auch jenes; alle haben gleichen Lebensodem und der Mensch hat keinen Vorzug vor dem Tier; alles ist der Eitelkeit unterworfen 20und alles geht dahin an einen Ort; aus Erde ist alles geworden und zur Erde kehrt es wieder zurück. 21Wer weiß, ob der Geist der Kinder Adams aufwärts steigt und ob der Geist des Viehes zur Erde niederfährt? 22So fand ich, dass nichts besser ist, als dass der Mensch sich an seinem Tun freue und dass dies sein Anteil sei. Denn wer wird ihn dahinbringen, dass er erkenne, was nach ihm sein wird?

Das Buch Kohelet 4

1Ich wandte mich zu andern Dingen und sah die Bedrückungen, welche unter der Sonne vorgehen, die Tränen der Unschuldigen und dass sie keinen Tröster haben und deren Gewalttätigkeit nicht widerstehen können, allerseits der Hilfe beraubt. 2Da pries ich die Toten glücklicher als die Lebendigen, 3doch für glücklicher als beide hielt ich den, der noch nicht geboren ist und der das Böse nicht sieht, das unter der Sonne geschieht. 4Wiederum erwog ich alle die Mühen der Menschen und bemerkte, dass geschäftiges Wirken dem Neide der Menschen ausgesetzt ist; auch darin ist also Eitelkeit und unnütze Sorge. 5Der Tor legt seine Hände zusammen und verzehrt sein eigenes Fleisch und spricht: 6Besser ist eine Handvoll in Ruhe als beide Hände voll mit Arbeit und Herzensharm. 7Ich dachte weiter nach und fand eine andere Eitelkeit unter der Sonne: 8Da ist einer, ohne einen anderen neben sich, ohne Sohn und ohne Bruder, und doch hört er nicht auf zu arbeiten und seine Augen sättigen sich nicht am Reichtume und es kommt ihm nicht in den Sinn zu sagen: Für wen arbeite ich und entziehe meiner eigenen Seele das Gute? Auch darin ist Eitelkeit und leidige Plage. 9Besser ist es also, dass zwei zusammen sind als einer; denn sie haben doch einen Vorteil von ihrer Gemeinschaft. 10Fällt der eine, so unterstützt ihn der andere; wehe dem, der allein ist! Denn wenn er fällt, hat er keinen, der ihm aufhelfe. 11Auch wenn zwei beisammen schlafen, erwärmt einer den andern; wie soll der einzelne warm werden? 12Und wenn jemand Herr wird über einen einzelnen, so werden ihm doch zwei Widerstand leisten können; eine dreifache Schnur zerreißt nicht so leicht. 13Besser ist ein armer aber weiser Jüngling als ein alter aber törichter König, der für die Zukunft nicht Vorsorge zu treffen weiß. 14Denn aus Gefängnis und Ketten gelangt zuweilen jemand zur Königswürde, wohingegen ein anderer, der in der Königswürde geboren ist, in Armut verkommt. 15Ich sah, dass alle Lebenden unter der Sonne mit dem andern Jüngling wandelten, der statt seiner die Stelle einnehmen wird. 16Kein Ende schien die Schar derer zu haben, die vor ihm gewesen; jedoch auch die nachher sein werden, haben keine Freude an ihm; aber auch dies ist Eitelkeit und Geistesplage. 17Bewahre deinen Fuß, wenn du zum Hause Gottes gehst, und nahe dich, um zu hören; denn viel besser ist Gehorsam als die Opfer der Toren, die nicht wissen, was sie Schlimmes tun.

Das Buch Kohelet 5

1Rede nichts unbedachtsam und dein Herz übereile sich nicht, vor Gott ein Wort auszusprechen; denn Gott ist im Himmel und du bist auf Erden, darum lass deiner Worte wenige sein. 2Auf viele Sorgen folgen Träume und in Vielreden findet sich Torheit. 3Hast du Gott etwas gelobt, so säume nicht, es zu erfüllen; denn ein treuloses und törichtes Versprechen missfällt ihm; aber alles, was du gelobt hast, erfülle! 4Viel besser ist es, kein Gelöbnis zu machen als zu geloben und das Versprochene nicht zu halten. 5Lass deinen Mund nicht dein Fleisch zur Sünde verführen und sage nicht vor dem Engel: Es gibt keine Vorsehung! Gott möchte sonst über deine Reden zürnen und alle Werke deiner Hände vernichten. 6Wo viele Träumereien sind, da sind auch der Eitelkeiten viele und endloses Geschwätz, du fürchte vielmehr Gott! 7Siehst du die Unterdrückung der Armen und Vergewaltigung im Gerichte und Verkehrung der Gerechtigkeit in einem Lande, so wundere dich über eine solche Sache nicht; denn über dem Hohen steht ein anderer Höherer und über beiden stehen noch andere Höhere 8und überdies gebietet der König dem ganzen Lande, das ihm untertan ist. 9Der Habgierige wird des Geldes nie satt und wer Reichtum liebt, hat keinen Gewinn davon; somit ist auch das Eitelkeit! 10Wo viele Güter sind, sind auch viele, die davon zehren. Und welchen Nutzen hat der Besitzer, als dass er den Reichtum mit seinen Augen anschaut? 11Süß ist der Schlaf dem Arbeitsamen, er mag wenig essen oder viel; aber die Sattheit des Reichen lässt diesen nicht ruhig schlafen. 12Es ist auch ein anderes sehr arges Gebrechen, das ich unter der Sonne sah: Reichtümer aufbewahrt zum eigenen Schaden ihres Besitzers. 13Denn es kommt ein großes Unglück und sie gehen verloren; zeugt er einen Sohn, so wird dieser in der größten Armut darben. 14Wie er nackt aus dem Leibe seiner Mutter hervorgegangen ist, so wird er wieder hinweggehen und nichts von seiner Mühe mit sich nehmen. 15Gewiss ein sehr herbes Leid: Wie er gekommen, so wird er wieder hinweggehen! Was nützt es ihm also, dass er sich in den Wind abgemüht hat? 16Sein ganzes Leben hat er in Finsternis verzehrt unter vielen Sorgen, in Leid und Traurigkeit. 17So habe ich denn als gut erfunden, dass der Mensch esse und trinke und Freude habe von seiner Arbeit, mit der er sich unter der Sonne abmüht die Zahl der Tage seines Lebens hindurch, welche ihm Gott verliehen hat; denn dies ist sein Anteil. 18Ebenso jedem Menschen, dem Gott Reichtum und Habe und Besitz gegeben und ihn in Stand gesetzt hat, von ihnen zu essen und seinen Anteil zu genießen und sich zu freuen an seiner Arbeit, ist dies eine Gabe Gottes. 19Denn ein solcher wird nicht viel an die Tage seines Lebens denken, weil Gott sein Herz mit Freuden erfüllt.

Neues Testament

Epheserbrief 2

1Auch euch, die ihr tot waret durch eure Übertretungen und Sünden, 2in welchen ihr einst wandeltet nach dem Zeitlaufe dieser Welt, nach dem Herrscher, der Macht hat über diese Luft, über den Geist, welcher jetzt wirksam ist in den Kindern des Unglaubens, 3unter welchen auch wir alle einst wandelten in den Begierden unseres Fleisches, die Gelüste des Fleisches und der Gedanken vollbringend, und wir waren von Natur Kinder des Zorns, wie auch die übrigen; 4Gott aber, welcher reich ist an Erbarmen, hat um seiner überaus großen Liebe willen, mit der er uns geliebt hat, 5uns, ob wir gleich tot waren durch Übertretungen, lebendig gemacht mit Christus (durch dessen Gnade ihr gerettet seid) 6und mitauferweckt und mitversetzt in den Himmel in Christus Jesus, 7damit er in den folgenden Zeiten den überströmenden Reichtum seiner Gnade zeige in Güte gegen uns in Christus Jesus. 8Denn durch die Gnade seid ihr errettet mittels des Glaubens, und dies nicht aus euch, denn es ist Gottes Gabe, 9nicht aus Werken, damit Niemand sich rühme. 10Denn sein Gebilde sind wir, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, welche Gott vorherbereitet hat, dass wir in denselben wandeln sollen. 11Darum seid eingedenk, das einst ihr, die ihr Heiden waret dem Fleische nach und Unbeschnittene von denen genannt wurdet, an welchen die Beschneidung im Fleische mit Händen geschehen ist, 12dass ihr in jener Zeit ohne Christus waret, ausgeschlossen von der Gemeinschaft Israels, und fremd den Bündnissen waret, ohne Hoffnung auf die Verheißung, und ohne Gott in dieser Welt. 13Jetzt aber seid ihr in Christus Jesus, die ihr einst ferne, nahe gebracht worden durch das Blut Christi. 14Denn er ist unser Friede, er, der aus beiden eines gemacht und die in Mitte stehende Scheidewand, die Feindschaft, durch sein Fleisch aufgehoben hat. 15indem er das Gesetz der Gebote durch Satzungen aufhob, auf dass er die zwei in sich selbst zu einem neuen Menschen schaffe, indem er Frieden stiftete, 16und beide, zu einem Leibe vereinigt, mit Gott versöhnte durch das Kreuz, nachdem er die Feindschaft an sich selbst getötet. 17Er kam und verkündete den Frieden euch, die ihr ferne waret, und Frieden denen, die nahe waren; 18denn durch ihn haben wir beide in einem Geiste Zutritt zum Vater. 19So seid ihr denn nicht mehr Fremdlinge und Beisassen, sondern ihr seid Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes, 20auferbaut auf dem Grunde der Apostel und Propheten, indem Christus Jesus selbst der Eckstein ist, 21in welchem der ganze Bau zusammengefügt ist und heranwächst zu einem heiligen Tempel im Herrn, 22auf welchem auch ihr miterbaut werdet zu einer Wohnung Gottes im Geiste.