Bibel in einem Jahr · Tag 236 von 365

Spr 28–30 · Gal 6

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das Buch der Sprichwörter 28

1Der Böse flieht, wenn ihn auch niemand verfolgt, der Gerechte aber ist unverzagt und unerschrocken wie ein Löwe. 2Wenn ein Land sündigt, werden seiner Herrscher viele; aber wenn die Menschen weise sind und das verstehen, was man ihnen sagt, wird des Fürsten Leben verlängert. 3Ein armer Mann, der die Armen bedrückt, ist einem heftigen Regen gleich, der Hungersnot bringt. 4Die, welche das Gesetz übertreten, loben den Bösen; die es halten, ereifern sich wider ihn. 5Böse Menschen denken nicht an das Gericht; die aber den Herrn suchen, merken auf alles. 6Besser ist ein Armer, der in seiner Unschuld wandelt, als ein Reicher auf verkehrten Wegen. 7Wer das Gesetz beobachtet, ist ein weiser Sohn; wer aber Schlemmer nährt, macht seinem Vater Schande. 8Wer durch Wucher und Zins Reichtum anhäuft, sammelt ihn für einen, der gegen die Armen freigiebig ist. 9Wer sein Ohr abwendet, um das Gesetz nicht zu hören, dessen Gebet wird ein Greuel. 10Wer Gerechte irre führt auf bösem Wege, wird in sein eigenes Verderben stürzen; die Schuldlosen aber werden sein Gut in Besitz nehmen. 11Der Reiche dünkt sich weise, aber der Arme, der einsichtsvoll ist, forscht ihn aus. 12Wenn die Gerechten frohlocken, so ist der Ruhm groß; wenn die Gottlosen herrschen, gehen die Menschen zugrunde. 13Wer seine Vergehungen verheimlicht, wird kein Gelingen haben; wer sie aber bekennt und aufgibt, wird Barmherzigkeit erlangen. 14Glückselig der Mensch, der allezeit furchtsam ist; wer aber harten Gemütes ist, wird in Unglück stürzen. 15Wie ein brüllender Löwe und ein hungriger Bär ist ein gottloser Herrscher über ein armes Volk. 16Ein Fürst, dem es an Einsicht fehlt, wird viele mit Gewalt unterdrücken; wer aber die Habsucht haßt, wird lange leben. 17Einen Menschen, der mit Menschenblut belastet ist, stützt niemand, bis seine Flucht im Grabe endet. 18Wer in Unschuld wandelt, dem wird Heil widerfahren; wer auf verkehrten Wegen geht, wird auf einmal stürzen. 19Wer seinen Acker bebaut, wird Brot genug haben; wer aber dem Müßiggange ergeben ist, wird Armut in Fülle haben. 20Ein verlässlicher Mann wird viel gerühmt; wer aber hastig reich werden will, bleibt nicht ohne Schuld. 21Wer im Gerichte parteiisch ist, tut nicht gut; ein solcher wird auch für einen Bissen Brot die Wahrheit verlassen. 22Ein Mann, der mit Hast reich werden will und andere beneidet, weiß nicht, dass Mangel ihn überfallen wird. 23Wer einen Menschen tadelt, wird hernach mehr Dank bei ihm finden, als der, welcher ihn durch Schmeichelreden betrügt. 24Wer seinem Vater oder seiner Mutter etwas entzieht und sagt, dies sei keine Sünde, macht sich zum Genossen der Mörder. 25Wer groß tut und sich breit macht, richtet Streit an; wer aber auf den Herrn hofft, wird genesen. 26Wer auf seine eigene Einsicht vertraut, ist ein Tor; wer aber in Weisheit wandelt, wird Heil erlangen. 27Wer dem Armen gibt, dem wird nichts mangeln; wer aber von einem Bittenden wegsieht, wird Mangel leiden. 28Wenn die Gottlosen emporkommen, verbergen sich die Menschen; wenn jene aber zugrunde gehen, mehren sich die Gerechten.

Das Buch der Sprichwörter 29

1Über einen Mann, der hartnäckig den verachtet, der ihn warnt, kommt plötzliches Verderben und es wird ihm nicht mehr zu helfen sein. 2Wenn die Gerechten zahlreich werden, freut sich das Volk; wenn die Gottlosen zur Herrschaft gelangen, seufzt das Volk. 3Ein Mann, der Weisheit liebt, erfreut seinen Vater; wer aber Buhldirnen unterhält, kommt um sein Vermögen. 4Ein gerechter König bringt das Land empor, ein habsüchtiger Mann richtet es zugrunde. 5Ein Mensch, der mit schmeichelnden und falschen Worten zu seinem Nächsten redet, breitet ein Netz vor dessen Füßen aus. 6Um den bösen Menschen, der sündigt, schlingt sich ein Fallstrick; aber der Gerechte darf lobsingen und sich freuen. 7Der Gerechte kennt die Sache der Armen, der Gottlose weiß nichts von Einsicht. 8Verworfene Menschen bringen die Stadt in Gährung, Weise dagegen wenden den Grimm ab. 9Wenn ein Weiser mit einem Toren rechtet, findet er keine Ruhe, er mag zürnen oder lachen. 10Blutgierige Menschen hassen den Unschuldigen, aber die Gerechten nehmen sich seiner Seele an. 11Der Tor macht seinen Unmut Luft, der Weise verzeiht und hält für die Zukunft zurück. 12Ein Herrscher, der gern auf Lügenworte hört, hat lauter gottlose Diener. 13Der Arme und der Gläubiger begegnen einander, beide erleuchtet der Herr. 14Ein König, der den Armen nach Wahrheit Recht schafft, dessen Thron wird immerdar feststehen. 15Rute und Rüge geben Weisheit; der Knabe aber, dem sein Wille gelassen wird, macht seiner Mutter Schande. 16Wenn die Gottlosen sich mehren, mehren sich die Vergehungen; die Gerechten aber werden deren Fall sehen. 17Unterweise deinen Sohn, so wird er dir Freude bereiten und Wonne deiner Seele gewähren. 18Wenn die Weissagung aufhört, wird ein Volk zuchtlos; wer aber das Gesetz beobachtet, ist glückselig. 19Ein Knecht lässt sich durch Worte nicht bessern, denn er versteht, was du sagst, aber verschmäht es zu erwidern. 20Hast du einen Menschen gesehen, der voreilig im Reden ist? Von einem solchen ist eher Torheit als Besserung zu erwarten. 21Wer seinen Knecht von Jugend auf verzärtelt, wird ihn nachher widerspenstig finden. 22Ein zornmütiger Mann erregt Streit, und wer leicht unwillig wird, sündigt auch leicht. 23Dem Hochmütigen folgt Erniedrigung; wer aber demütigen Geistes ist, erlangt Ehre. 24Wer mit einem Diebe teilt, hasst seine Seele; er hört die Beschwörung und zeigt nichts an. 25Wer Menschen fürchtet, wird schnell zu Falle kommen; wer auf den Herrn hofft, wird erhöht werden. 26Viele suchen das Angesicht des Herrschers, aber der Herr übt Gericht über alle. 27Die Gerechten verabscheuen den Gottlosen und die Gottlosen verabscheuen die, welche auf rechtem Wege wandeln. Der Sohn, welcher das Gesetz beobachtet, wird frei vom Verderben sein.

Das Buch der Sprichwörter 30

1Worte des Sammlers, Sohnes des Spenders. Gesicht, welches der Mann aussprach, mit dem Gott ist, und der, durch Gottes Beistand gestärkt, spricht: 2Ich bin der unwissendste unter den Männern und die Weisheit der Menschen besitze ich nicht. 3Ich habe die Weisheit nicht gelernt und ich kenne die Wissenschaft der Heiligen nicht. 4Wer ist zum Himmel aufgefahren und herabgekommen? Wer hat den Wind in seiner Hand gehalten? Wer hat die Wasser wie in ein Kleid eingebunden? Wer hat alle Grenzen der Erde festgesetzt? Welches ist sein Name und welches ist der Name seines Sohnes, wenn du es weißt? 5Alle Worte Gottes sind durch Feuer bewährt, ein Schild ist er denen, die auf ihn vertrauen. 6Tue zu seinen Worten nichts hinzu, damit du nicht zur Rechenschaft gezogen und als Lügner erfunden werdest. 7Um zwei Dinge bitte ich dich, verschlage sie mir nicht, bevor ich sterbe. 8Eitelkeit und Lügenreden lass fern von mir sein. Armut und Reichtum gib mir nicht; gewähre mir nur, wessen ich zu meinem Unterhalte bedarf, 9dass ich nicht etwa gesättigt und zur Verleugnung verlockt werde und sage: Wer ist der Herr? oder dass ich, durch Armut getrieben, stehle und falsch schwöre bei dem Namen meines Gottes. 10Verklage einen Knecht nicht bei seinem Herrn, dass er dir nicht etwa fluche und du zu Falle kommest. 11Ein Geschlecht, das seinem Vater flucht und seine Mutter nicht segnet; 12ein Geschlecht, das sich rein dünkt und doch nicht abgewaschen ist von seinem Schmutze; 13ein Geschlecht, das die Augen hoch empor erhebt und seine Brauen hoch zieht; 14ein Geschlecht, das statt der Zähne Schwerter hat und das mit seinen Backenzähnen kaut, um die Dürftigen von der Erde und die Armen aus der Mitte der Menschen wegzufressen. 15Der Blutsauger hat zwei Töchter, die immer sagen: Gib her, gib her! Drei Dinge sind unersättlich und das vierte sagt niemals: Es ist genug! 16Die Unterwelt, ein geiles Weib, die Erde, die des Wassers nie satt wird; das Feuer aber sagt niemals: Genug! 17Ein Auge, das des Vaters spottet und die Geburt seiner Mutter verachtet, das sollen die Raben des Baches aushacken und die jungen Adler fressen. 18Drei Dinge sind mir zu schwer und das vierte verstehe ich gänzlich nicht. 19Den Weg des Adlers am Himmel, den Weg der Schlange über den Felsen, den Weg eines Schiffes inmitten des Meeres und den Weg des Mannes in der Jugend. 20So ist der Weg einer Ehebrecherin; sie isst und wischt sich den Mund und spricht: Ich habe nichts Böses getan! 21Durch drei Dinge wird die Erde erschüttert und das vierte kann sie nicht ertragen: 22durch einen Knecht, wenn er zur Herrschaft kommt; durch einen Toren, wenn er sich satt gegessen; 23durch eine gehässige Frau, wenn sie zur Ehe genommen wird; und durch eine Magd, wenn sie Erbin ihrer Herrin wird. 24Vier sind die geringsten auf Erden und doch weiser als die Weisen: 25Die Ameisen, ein schwaches Volk, und doch bereitet es sich in der Ernte Speise; 26die Kaninchen, ein kraftvolles Volk, und doch baut es sein Lager in Felsen; 27die Heuschrecken, die keinen König haben und doch in Scharen zusammen ausziehen; 28die Eidechsen, die auf ihren Händen gehen und doch sich in den Palästen der Könige finden. 29Drei sind staatlichen Schrittes und das vierte schreitet mit Glück einher: 30Der Löwe, das stärkste unter den Tieren, er erschreckt vor niemandes Begegnung; 31der Hahn mit gegürteten Lenden, der Widder; auch ist kein König, der ihm widersteht. 32Wenn ein Tor emporkommt, sieht man, dass er ein Tor ist; denn hätte er Verstand gehabt, so würde er die Hand auf seinen Mund gelegt haben. 33Wer die Euter stark drückt, um Milch herauszubringen, drückt Butter heraus; und wer sich stark schneuzt, bringt Blut hervor; und wer zum Zorn reizt, erregt Zwietracht.

Neues Testament

Galaterbrief 6

1Brüder! wenn einmal ein Mensch von irgend einer Sünde übereilt worden ist, so sollt ihr, die ihr geistig gesinnt seid, einen solchen im Geiste der Sanftmut zurechtweisen; auch habe acht auf dich selbst, damit nicht auch du versucht werdest. 2Traget einer des andern Last, und so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. 3Denn wenn Jemand etwas zu sein glaubt, da er doch nichts ist, so betrügt er sich selbst. 4Ein jeder aber prüfe sein eigenes Tun, und so wird er nur in sich selbst Ruhm haben, und nicht in dem andern; 5den ein jeder wird seine eigene Last tragen. 6Wer aber unterwiesen wird in Worte, teile dem, der ihn unterweist, von allem Guten mit. 7Täuschet euch nicht! Gott lässt seiner nicht spotten. 8Denn was der Mensch säet, das wird er auch ernten. Wer auf sein Fleisch säet, wird von dem Fleische auch Verderben ernten; wer aber auf den Geist säet, der wird von dem Geiste ewiges Leben ernten. 9Lasset uns also Gutes tun und nicht ermüden; denn zu seiner Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht nachlassen. 10Darum, so lange wir Zeit haben, lasset uns Gutes tun an allen, besonders aber an den Glaubensgenossen. 11Sehet, mit welchen Buchstaben ich euch mit eigener Hand geschrieben habe! 12Denn alle, die dem Fleische nach gefallen wollen, diese nötigen euch, euch beschneiden zu lassen, nur damit sie nicht um des Kreuzes Christi willen Verfolgung zu leiden haben. 13Denn auch die, welche sich beschneiden lassen, halten das Gesetz nicht; aber sie wollen, dass ihr euch beschneiden lasset, damit sie sich eures Fleisches rühmen können. 14Von mir aber sei es fern mich zu rühmen, außer in dem Kreuze unsers Herrn Jesus Christus, durch welchen mir die Welt gekreuzigt ist, und ich der Welt. 15Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung etwas, noch Unbeschnittensein, sondern ein neues Geschöpf. 16Und alle, welche dieser Richtschnur folgen, Friede über sie und Barmherzigkeit, und über das Israel Gottes! 17Fernerhin falle mir Niemand lästig; denn ich trage die Wundmale des Herrn Jesus an meinem Leibe. 18Die Gnade unsers Herrn Jesus Christus sei mit eurem Geiste, Brüder! Amen.