Bibel in einem Jahr · Tag 233 von 365

Spr 20–22 · Gal 4

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das Buch der Sprichwörter 20

1Der Wein macht unkeusch und die Trunkenheit lärmend; wer immer an ihnen Lust findet, wird nicht weise werden. 2Wie des Löwen Gebrüll, so ist der Schrecken des Königs; wer ihn reizt, sündigt wider sein Leben. 3Eine Ehre ist es für den Menschen, sich vom Streite fernzuhalten; alle Toren hingegen mischen sich in Händel. 4Um der Kälte willen wollte der Faule nicht pflügen, deshalb muss er im Sommer betteln, aber man wird ihm nichts geben. 5Wie tiefes Wasser, so ist das Vorhaben im Herzen des Mannes, aber der Weise schöpft es herauf. 6Viele Menschen werden barmherzig genannt, allein wer findet einen treuen Mann? 7Ein Gerechter, der in seiner Unschuld wandelt, hinterlässt glückselige Kinder. 8Ein König, der auf dem Richterstuhle sitzt, verscheucht mit seinem Blicke alles Böse. 9Wer kann sagen: Mein Herz ist rein, ich bin frei von Sünden? 10Zweierlei Gewicht und zweierlei Maß, beides ist Gott ein Greuel. 11Den Knaben kennt man aus seinen Bestrebungen, ob sein Tun rein und recht ist. 12Das Ohr, welches hört, und das Auge, welches sieht, beide hat der Herr geschaffen. 13Liebe den Schlaf nicht, dass dich die Armut nicht überwältigt; halte deine Augen offen, so wirst du Brot haben, dich zu sättigen. 14Schlecht ist´s, schlecht ist´s, sagt jeder Käufer; ist er aber weggegangen, alsdann rühmt er sich. 15Sind auch Gold und Edelsteine in Menge da, so ist doch der kostbarste Schmuck weise Lippen. 16Nimm das Kleid dem, der für einen Fremden Bürge geworden ist, und statt der Fremden pfände ihn aus! 17Süß ist dem Menschen das Brot der Lüge, doch hernach wird ihm der Mund mit Sand gefüllt. 18Gedanken erlangen durch guten Rat Kraft und Kriege muss man mit guter Leitung führen. 19Mit dem, der Geheimnisse offenbart und mit Betrug umgeht und dessen Lippen offen stehen, gib dich nicht ab! 20Wer seinem Vater und seiner Mutter flucht, dessen Leuchte erlischt in dichter Finsternis. 21Ein Erbe, nach dem man anfänglich hascht, wird zuletzt ohne Segen sein. 22Sprich nicht: Ich will Böses vergelten; harre auf den Herrn, so wird er dich retten. 23Ein Greuel ist bei dem Herrn zweierlei Gewicht, eine betrügerische Waage ist nicht gut. (siehe Vers 10) 24Vom Herrn werden die Schritte des Menschen geleitet, aber welcher Mensch kann seinen Weg verstehen? 25Verderben ist es für den Menschen, Heilige zu verschlingen und gemachte Gelübde zu widerrufen. 26Ein weiser König scheidet die Bösen aus und lässt das Rad über sie hingehen. 27Eine Leuchte des Herrn ist des Menschen Lebenshauch, die das ganze Innere des Leibes durchforscht. 28Barmherzigkeit und Treue schützen den König und durch Milde wird sein Thron gefestigt. 29Der Jüngling Freude ist ihre Kraft und die Würde der Greise ihr graues Haar. 30Wundmale nehmen das Böse hinweg und Schläge, die bis ins Innerste des Leibes eindringen.

Das Buch der Sprichwörter 21

1Das Herz des Königs ist in der Hand des Herrn wie Wasserleitungen; wohin er irgend will, lenkt er es hin. 2Jedem scheint sein Weg der rechte, der Herr aber wägt die Herzen ab. 3Barmherzig sein und recht tun gefällt dem Herrn mehr als Schlachtopfer. 4Stolz der Augen ist Aufblähung des Herzens, die Leuchte der Gottlosen ist die Sünde. 5Die Gedanken des Starken gehen stets auf Überfluß, jeder Faule aber bleibe immerdar in Armut: 6Wer Schätze sammelt mit lügenhafter Zunge, ist eitel und unsinnig und fällt in die Fallstricke des Todes. 7Der Gottlosen Raub rafft sie hinweg, weil sie nicht tun wollen, was recht ist. 8Verkehrt ist der Wandel eines Mannes, ist er der unrechte; wer aber rein ist, dessen Tun ist recht. 9Besser ist es, auf der Zinne eines Daches zu sitzen als bei einem zänkischen Weibe zu sein und im gemeinsamen Hause. 10Die Seele des Gottlosen begehrt Böses, er kennt kein Erbarmen mit seinem Nächsten. 11Wird der Spötter bestraft, so wird der Einfältige weiser; und wenn er dem Weisen folgt, erhält er Einsicht. 12Der Gerechte achtet auf das Haus des Gottlosen, um die Gottlosen abzuwenden vom Bösen. 13Wer sein Ohr vor dem Geschrei des Armen verstopft, wird auch selbst rufen, aber nicht erhört werden. 14Ein Geschenk im Geheimen löscht den Zorn aus und eine Gabe im Busen den heftigsten Grimm. 15Rechttun ist den Gerechten eine Freude, aber ein Schrecken für die Übeltäter. 16Ein Mensch, der vom Wege der Einsicht abirrt, wird in der Versammlung der Gewaltigen wohnen. 17Wer Wohlleben lieb hat, wird arm; wer Wein und Fettes liebt, wird nicht reich. 18Zur Auslösung des Gerechten wird der Gottlose hingegeben und der Sünder anstatt der Rechtschaffenen. 19Besser ist es, in einem Wüstenlande zu wohnen als bei einem zänkischen und zornmütigen Weibe. 20Ein begehrenswerter Schatz und Öl sind in der Wohnung des Gerechten, aber der unkluge Mensch verschwendet solches. 21Wer nach Gerechtigkeit und Barmherzigkeit strebt, erlangt Leben, Gerechtigkeit und Ehre. 22Die Stadt der Heiden ersteigt der Weise und stürzt die Stärke, auf welche sie vertraut. 23Wer seinen Mund und seine Zunge bewahrt, bewahrt sein Leben vor Bedrängnissen. 24Wer hoffärtig und anmaßend ist, wird ein Tor genannt, der im Zorne seinen Übermut ausübt. 25Wünsche töten den Faulen, denn seine Hände wollen nichts schaffen. 26Den ganzen Tag verlangt er und hat Wünsche; wer aber gerecht ist, gibt ohne Unterlass. 27Die Schlachtopfer der Gottlosen sind ein Greuel, weil sie für Schandtat dargebracht werden. 28Ein lügenhafter Zeuge geht zugrunde; ein Mann, der gehorsam ist, wird siegreich sein in seinen Reden. 29Der Gottlose nimmt freche Mienen an; wer aber rechtschaffen ist, macht gerade seinen Weg. 30Es gibt keine Weisheit, es gibt keine Klugheit, es gibt keinen Ratschluss wider den Herrn. 31Das Ross wird gerüstet auf den Tag des Streites, der Herr aber verleiht den Sieg.

Das Buch der Sprichwörter 22

1Ein guter Name ist besser als vieler Reichtum, über Silber und Gold geht rechtliche Gunst. 2Der Reiche und der Arme begegnen einander, der Herr ist beider Schöpfer. 3Der Kluge sieht das Unheil und verbirgt sich, der Einfältige geht weiter und wird von Schaden betroffen. 4Die Frucht der Bescheidenheit ist die Furcht des Herrn; sie ist Reichtum, Ehre und Leben. 5Waffen und Schwerter liegen auf dem Wege des Verkehrten; wer aber seine Seele behütet, hält sich fern von ihnen. 6Es ist ein Sprichwort: Hat ein Jüngling sich an seinen Weg gewöhnt, so wird er nicht davon lassen, auch wenn er alt geworden. 7Der Reiche herrscht über die Armen, und wer Geld aufnimmt, wird der Knecht dessen, der ihm leiht. 8Wer Unrecht sät, wird Unglück ernten und durch die Rute seines Zornes vernichtet werden. 9Wer zur Barmherzigkeit geneigt ist, wird gesegnet werden, denn er gibt von seinem Brote den Armen. Sieg und Ehre erlangt, wer Geschenke gibt; aber er nimmt die Seele derer, die sie annehmen. 10Treibe den Spötter hinaus, so geht mit ihm der Zank fort und Händel und Schmähungen hören auf. 11Wer Herzensreinheit liebt, wird um der Anmut seiner Lippen willen den König zum Freunde haben. 12Die Augen des Herrn haben acht auf Erkenntnis, aber die Worte des Frevlers kommen zu Falle. 13Der Faule spricht: Ein Löwe ist draußen, ich könnte mitten auf der Straße getötet werden. 14Eine tiefe Grube ist der Mund des fremden Weibes; über wen der Herr zürnt, der fällt in dieselbe. 15Torheit haftet im Herzen des Knaben, die Zuchtrute treibt sie hinaus. 16Wer den Armen bedrückt, um seinen Reichtum zu mehren, wird selbst einem Reicheren geben müssen und darben. 17Neige dein Ohr und höre die Worte der Weisen und nimm meine Lehre zu Herzen. 18Sie wird dir angenehm sein, wenn du sie in deinem Innern bewahrst, und wird von deinen Lippen reichlich fließen; 19dass dein Vertrauen der Herr sei, denn darum tue ich sie dir heute kund. 20Siehe, ich habe sie dir dreifach beschrieben durch Gedanken und Erkenntnis, 21damit ich dir den festen Grund und die Aussprüche der Wahrheit zeigte, dass du darnach denen Rede stehen kannst, die dich gesandt haben. 22Tue dem Armen nicht Gewalt an, weil er arm ist, und bedrücke den Dürftigen nicht in der Torhalle, 23denn der Herr wird der Richter seiner Sache sein und wird die betrüben, welche seine Seele betrübt haben. 24Schließe nicht Freundschaft mit einem zornigen Menschen und mit einem wütigen Manne gehe nicht um, 25dass du nicht etwa seinen Wandel lernest und für deine Seele Ärgernis nehmest. 26Halte nicht zu denen, welche ihren Handschlag geben und welche sich als Bürgen für Schulden stellen; 27denn wenn du nichts hast, womit du bezahlen kannst, warum solltest du dir die Decke aus deiner Kammer wegnehmen lassen? 28Überschreite nicht die alten Grenzen, welche deine Väter gesetzt haben. 29Siehst du einen Mann geschickt in seinem Tun? Er möge vor Könige treten und nicht bei Unedlen weilen!

Neues Testament

Galaterbrief 4

1Ich sage aber: So lange der Erbe unmündig ist, unterscheidet er sich nicht von dem Knechte, obwohl er Herr von allem ist; 2sondern er steht unter Vormündern und Sachwaltern bis zu der vom Vater festgesetzten Zeit. 3So waren auch wir, als wir unmündig waren, den Anfangsgründen der Welt dienstbar. 4Als aber die Fülle der Zeit kam, sandte Gott seinen Sohn, gebildet aus einem Weibe, unter das Gesetz gestellt, 5damit er die, welche unter dem Gesetze standen, erlöste, damit wir an Kindes Statt angenommen würden. 6Weil ihr aber Kinder seid, so sandte Gott den Geist seines Sohnes in eure Herzen, der da ruft: Abba, Vater! 7So ist er denn nicht mehr Knecht, sondern Sohn; wenn aber Sohn, auch Erbe durch Gott. 8Damals freilich dientet ihr, weil ihr Gott nicht kanntet, Göttern, die in Wirklichkeit keine sind; 9jetzt aber, da ihr Gott erkannt habt, oder vielmehr von Gott erkannt seid, wie wendet ihr euch wieder zu den schwachen und dürftigen Anfangsgründen, denen ihr von neuem dienen wollet? 10Ihr beobachtet Tage, und Monate, und Zeiten, und Jahre. 11Ich bin um euch in Sorge, ich möchte vielleicht vergeblich unter euch gearbeitet haben. 12Seid wie ich; denn auch ich bin wie ihr. Brüder! ich bitte euch, in nichts habt ihr mich gekränkt. 13Ihr wisset aber, dass ich in Schwachheit des Fleisches euch ehedem das Evangelium verkündet habe, und eure Prüfung durch mein Fleisch 14habt ihr nicht für wert gehalten, gegen sie zu kämpfen und sie verschmäht, sondern wie einen Engel Gottes habt ihr mich aufgenommen, wie Jesus Christus. 15Wo ist daher eure Seligpreisung? Ich gebe euch nämlich das Zeugnis, dass ihr, wenn es möglich wäre, euch die Augen ausgerissen und mir gegeben hättet. 16Bin ich denn euer Feind geworden, weil ich euch die Wahrheit sagte? 17Sie eifern um euch nicht, wie es recht ist, sondern vielmehr wollen sie euch ausschließen, damit ihr euch um sie beeifert. 18Es ist aber gut, wenn immer um des Guten willen um euch geeifert wird, und nicht nur, wenn ich bei euch anwesend bin. 19O meine Kindlein, die ich abermals mit Schmerzen gebäre, bis Christus in euch gestaltet wird! 20Ich wünschte wohl jetzt bei euch zu sein, und meine Stimme zu ändern; denn ich bin verlegen um euch. 21Saget mir, die ihr unter dem Gesetze sein wollt, habt ihr das Gesetz nicht gelesen? 22es steht nämlich geschrieben: Abraham hatte zwei Söhne; einen von der Magd, und einen von der Freien. 23Aber der von der Magd war nach dem Fleische geboren, der von der Freien aber kraft der Verheißung. 24Das ist vorbildlich gesprochen; denn dies sind die zwei Testamente: das eine auf dem Berge Sina, welches zur Knechtschaft gebiert, dies ist Agar; 25denn der Sina ist ein Berg in Arabien, der mit dem jetzigen Jerusalem zusammenhängt, das mit seinen Kindern dienstbar ist. 26Jenes Jerusalem von oben aber ist die Freie, welche unsere Mutter ist. 27Denn es steht geschrieben: Freue dich du Unfruchtbare, die du nicht gebierst, frohlocke und jauchze, die du keine Geburtswehen hast; denn viele Kinder hat die Vereinsamte, mehr als die einen Mann hat. 28Wir aber, Brüder! sind nach der Weise Isaaks Kinder der Verheißung. 29Aber so wie damals der nach dem Fleische Geborene den nach dem Geiste Geborenem verfolgte, so auch jetzt. 30Allein was sagt die Schrift? Verstoße die Magd und ihren Sohn; denn der Sohn der Magd soll nicht Erbe sein mit dem Sohn der Freien! 31Demnach, Brüder! sind wir nicht Kinder der Magd, sondern der Freien, vermöge der Freiheit, mit der Christus uns befreit hat.