Bibel in einem Jahr · Tag 199 von 365

Ps 70–72 · 1 Kor 9

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Die Psalmen 70

1Ein Psalm Davids, der Söhne Jonadabs und der ersten Gefangenen. Auf dich, Herr! hoffe ich, lass mich nimmermehr zuschanden werden, 2um deiner Gerechtigkeit willen befreie mich und rette mich. O, neige mir dein Ohr zu und hilf mir! 3Sei mir ein schirmender Gott, eine feste Stätte, dass du mir helfest, denn meine Feste und meine Zuflucht bist du. 4Mein Gott! befreie mich aus der Gewalt des Sünders und aus der Gewalt dessen, der wider das Gesetz handelt, und des Gottlosen. 5Denn du bist meine Zuversicht, o Herr! meine Hoffnung, o Herr, von meiner Jugend an! 6Auf dich bin ich gestützt vom Mutterschoße an, vom Mutterleibe an bist du mein Beschirmer. Dir gilt mein Lobgesang immerdar. 7Wie ein Wunder bin ich vielen geworden, denn du bist ein starker Helfer. 8Mein Mund sei voll deines Lobes, dass ich deine Herrlichkeit besinge, deine Größe immerdar. 9Verwirf mich nicht zur Zeit des Alters; wenn meine Kraft hingeschwunden, verlass mich nicht! 10Denn meine Feinde sprechen über mich, und die auf mein Leben lauern, halten Rat miteinander, 11sprechend: Gott hat ihn verlassen! Verfolgt und ergreifet ihn, denn niemand ist, der ihn rette! 12Gott, sei nicht fern von mir, mein Gott, habe acht auf meine Hilfe! 13Er mögen beschämt werden und umkommen, die mir übel nachreden, mit Schmach und Schande bedeckt werden, die mein Unglück suchen. 14Ich aber will allezeit vertrauen und all dein Lob immerdar noch mehr singen. 15Mein Mund soll deine Gerechtigkeit verkünden, immerfort dein Heil, denn ich vermag nicht sie zu beschreiben. 16So will ich betrachtend eingehen auf die Machterweise des Herrn, deiner Gerechtigkeit, o Herr! allein gedenken. 17O Gott! Du hast mich unterwiesen von meiner Jugend an und bis hierher verkünde ich deine Wunder. 18So verlass mich auch bis ins Alter und bis zum Greisentum nicht, o Gott! bis ich allen kommenden Geschlechtern deine Stärke verkünde, deine Macht 19und deine Gerechtigkeit, o Gott! bis zum Himmel, was du Großes getan. Gott! wer ist dir gleich? 20Wie viel schlimme Drangsal hast du mich schauen lassen! Doch du belebst mich wieder neu und ziehst mich wieder aus den Tiefen der Erde empor. 21Du mehrst noch reicher deine Herrlichkeit und wirst wiederum mein Trost. 22So will ich denn dir zu Ehren im Psalterspiel deine Treue preisen, o Gott! dir lobsingen auf der Harfe, o Heiliger Israels! 23Meine Lippen sollen frohlocken, wenn ich dir singe, und meine Seele, die du erlöst hast. 24Auch meine Zunge soll immerfort deine Gerechtigkeit verkünden, wenn beschämt und zuschanden werden, die mein Unglück suchen.

Die Psalmen 71

1Ein Psalm auf Salomon. 2O Gott! gib dem Könige dein Gericht und deine Gerechtigkeit dem Königssohne, dass er dein Voll in Gerechtigkeit richte und deine Armen nach dem Rechte. 3Es mögen die Berge dem Volke Frieden tragen und die Hügel Gerechtigkeit. 4Er wird den Armen im Volke Recht schaffen, den Söhnen der Armen helfen und den Gewalttätigen niederbeugen. 5Und er wird bleiben, solange Sonne und Mond währt, von Geschlecht zu Geschlecht. 6Er wird niedersteigen wie der Regen auf das Vließ und wie Regen, der auf die Erde herniederrieselt. 7In seinen Tagen wird die Gerechtigkeit aufsprossen und Fülle des Friedens, bis der Mond nicht mehr ist. 8Und er wird von einem Meere zum andern herrschen und vom Strome bis an die Grenzen des Erdkreises. 9Vor ihm werden die Äthiopier niederfallen und seine Feinde den Staub lecken. 10Die Könige von Tharsis und die Inseln werden Geschenke opfern, die Könige von Arabien und Saba werden Garben darbringen. 11Es sollen ihn alle Könige der Erde anbeten, alle Völker ihm dienen. 12Denn er wird den Gedrückten von dem Mächtigen befreien, den Armen, der keinen Helfer hat; 13er wird des Armen und Geringen schonen und den Seelen des Notleidenden helfen. 14Aus Wucher und Gewalttat erlöst er ihre Seele, den Ehre würdig ist ihr Name vor ihm. 15Er wird leben und man wird ihm vom Golde Arabiens geben und seinetwegen immerdar anbeten, allezeit ihn preisen. 16Und Getreide wird im Lande auf den Gipfeln der Berge sein, seine Frucht überragt den Libanon und es blühen aus der Stadt die Bewohner hervor, wie das Gras aus der Erde. 17Gepriesen sei sein Name in Ewigkeit, im Angesichte der Sonne dauert sein Name fort! Und gesegnet werden in ihm alle Geschlechter der Erde, alle Völker werde ihn preisen. 18Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels, der allein Wunder tut. 19und gepriesen sei der Name seiner Herrlichkeit auf ewig; und von seiner Herrlichkeit werde die ganze Erde erfüllt! Amen, Amen! 20Hier endigen die Lobgesänge Davids, des Sohnes Jesse.

Die Psalmen 72

1Ein Psalm Asaphs. Wie gütig ist Gott gegen Israel, gegen die, welche lauteren Herzens sind! 2Meine Füße aber wären bald gestrauchelt, meine Schritte wären fast ausgeglitten. 3Denn ich ereiferte mich über die Frevler, da ich den Frieden der Sünder sah. 4Denn kein Absehen ist auf ihren Tod und nicht hat das Leid Dauer, das sie trifft. 5Sie teilen nicht die Mühsal der Menschen und werden nicht wie andere Menschen geschlagen. 6Darum hält Hochmut sie gefangen, sind sie mit ihrer Sünde und ihrer Gottlosigkeit umhüllt. 7Es tritt wie aus fettem Grunde ihre Bosheit hervor, sie gehen den Lüsten ihres Herzens nach. 8Sie ersinnen und reden Bosheit, reden Frevel aus ihrer Höhe herab. 9Sie erheben ihren Mund in den Himmel und ihre Zunge wandelt auf der Erde. 10Darum wendet sich mein Volk dorthin, denn gute Tage finden sich bei ihnen. 11Sie sprechen: Wie sollte Gott es wissen und gäbe es Wissen bei dem Höchsten? 12Siehe, sie sind Sünder und haben doch Überfluss in der Welt, haben Reichtümer erlangt. 13Und ich sprach: So habe ich denn umsonst mein Herz gerecht erhalten und unter den Unschuldigen meine Hände gewaschen? 14Und ward doch immerfort geschlagen und gezüchtigt schon am frühen Morgen? 15Aber wenn ich sagte: Solches will ich reden, siehe, so hätte ich das Geschlecht deiner Kinder verleugnet! 16Ich sann nach, um dies zu verstehen, aber es blieb mir zu mühsam, 17bis ich in das Heiligtum Gottes einging und acht hatte, welches ihr Ende sei. 18Ja, auf betrügerischen Boden stellst du sie, du stürzest sie, indes sie sich erheben. 19Wie sind sie zur Öde geworden, plötzlich dahingeschwunden, untergegangen um ihrer Sünde willen! 20Wie einen Traum der Erwachenden, so lässest du, Herr! in deiner Stadt ihr Bild zu nichts werden. 21Weil mein Herz entbrannt und meine Nieren bewegt waren, 22ward auch ich zu nichts gemacht und hatte keine Einsicht mehr. 23Wie ein Lasttier ward ich vor dir, dennoch war ich immer bei dir. 24Du hältst mich bei meiner Rechten und leitest mich nach deinem Willen und nimmst mich zu Ehren an. 25Denn was habe ich im Himmel und was begehre ich auf Erden außer dir? 26Schwindet auch mein Fleisch und mein Herz dahin, meines Herzens Gott und mein Anteil ist Gott in Ewigkeit. 27Denn siehe, die sich von dir entfernen, kommen um; du vertilgst alle, die von dir abfallen. 28Mir aber ist es gut Gott anzuhängen, auf Gott, den Herrn, meine Hoffnung zu setzen; auf dass ich all dein Lob in den Toren der Tochter Sion verkünde.

Neues Testament

1. Korintherbrief 9

1Bin ich nicht frei? Bin ich nicht ein Apostel? Habe ich nicht Christus Jesus, unsern Herrn, gesehen? Seid nicht ihr mein Werk im Herrn? 2Wenn ich für andere kein Apostel bin, so bin ich es doch für euch; denn das Siegel meines Apostelamtes seid ihr im Herrn. 3Meine Verteidigung vor denen, welche mich zur Rede stellen, ist diese: 4Haben wir nicht die Befugnis, uns Essen und Trinken reichen zu lassen? 5Haben wir nicht die Befugnis, eine Frau, eine Schwester, mitzuführen, wie auch die übrigen Apostel, und die Brüder des Herrn, und Kephas? 6Oder haben nur ich und Barnabas nicht die Befugnis, dies zu tun? 7Wer dient je im Kriege auf eigene Kosten? Wer pflanzt einen Weinberg, und genießt nicht von seiner Frucht? Wer weidet eine Herde, und nährt sich nicht von der Milch der Herde? 8Sage ich dies nach Menschenweise? Oder sagt dies nicht auch das Gesetz? 9Denn es steht geschrieben im Gesetze Moses: Du sollst dem dreschenden Ochsen nicht das Maul verbinden. Trägt Gott etwa für die Ochsen Sorge? 10Oder sagt er dies nicht vielmehr unsertwegen? Ja, unsertwegen ist es geschrieben; dass der Pflügende in Hoffnung pflügen soll, und der Dreschende in der Hoffnung, an der Frucht Anteil zu haben. 11Wenn wir euch das Geistige gesät haben, ist es da etwas Großes, wenn wir euer Fleischliches ernten? 12Wenn andere des Anrechtes auf euch teilhaftig sind, warum nicht vielmehr wir? Aber wir haben von diesem Rechte keinen Gebrauch gemacht, sondern wir ertragen alles, um nicht dem Evangelium Christi ein Hindernis zu bereiten. 13Wisset ihr nicht, dass die, welche im Heiligtume beschäftigt sind, von dem Heiligtume essen, und die, welche des Altares warten, vom Altare ihren Teil empfangen? 14So hat auch der Herr verordnet, dass die, welche das Evangelium predigen, vom Evangelium leben sollen. 15Ich aber habe von nichts derartigem Gebrauch gemacht. Doch schreibe ich dieses nicht, damit es so mit mir gehalten werde; denn besser ist es für mich zu sterben, als dass jemand meinen Ruhm vernichtete. 16Denn wenn ich das Evangelium verkünde, gereicht dies mir nicht zum Ruhme, weil es mir als Notwendigkeit auferlegt ist; den wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde. 17Denn tue ich dies aus eigenem Antrieb, so habe ich Belohnung; tue ich es aber geheißen, so ist mir das Amt anvertraut. 18Welches ist also mein Lohn? Dies, dass ich das Evangelium, welches ich verkünde, ohne Entgelt predige, so dass ich das Recht, das mir bei seiner Verkündigung zukommt, nicht ausnütze. 19Denn ob ich gleich keinem pflichtig war, habe ich mich doch zum Knechte aller gemacht, um desto mehrere zu gewinnen. 20Den Juden bin ich wie ein Jude geworden, um die Juden zu gewinnen; 21denen, welche unter dem Gesetze sind, als wäre ich unter dem Gesetze (obwohl ich selbst nicht unter dem Gesetze war), um die, welche unter dem Gesetze waren, zu gewinnen; denen, welche ohne Gesetz waren, als wäre ich ohne Gesetz (obwohl ich nicht ohne Gottes Gesetz war, sondern unter dem Gesetze Christi), um die zu gewinnen, welche ohne Gesetz waren. 22Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden, um die Schwachen zu gewinnen. Allen bin ich alles geworden, um alle zu retten. 23Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, damit ich desselben teilhaftig werde. 24Wisset ihr nicht, dass die, welche in der Rennbahn laufen, zwar alle laufen, aber nur einer erlangt den Preis? Laufet so, dass ihr ihn erlanget! 25Jeder aber, der im Kampfspiele ringt, enthält sich von allem, und zwar jene, um eine vergängliche Krone zu empfangen, wir aber eine unvergängliche. 26Ich laufe demnach, nicht wie in´s Ungewisse; ich kämpfe, nicht indem ich Luststreiche tue, 27sondern ich züchtige meinen Leib, und bringe ihn in die Botmäßigkeit, damit ich nicht etwa, nachdem ich anderen gepredigt habe, selbst verworfen werde.