Bibel in einem Jahr · Tag 173 von 365

Ijob 35–37

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das Buch Ijob 35

1Eliu redete abermals also: 2Scheint dir etwa dein Gedanke berechtigt, dass du sagtest: Ich bin gerechter als Gott? 3Denn du sprachst: Es gefällt dir nicht, was Recht ist; oder was tut es dir, wenn ich sündige? 4Darum will ich antworten auf deine Reden und deinen Freunden und dir Antwort geben. 5Schaue zum Himmel auf und siehe und betrachte den Luftkreis, wie sie höher sind als du! 6Wenn du sündigst, was schadest du ihm? Und wenn sich deine Missetaten noch so sehr häufen, was tust du ihm an? 7Und wenn du recht tust, was schenkst du ihm oder was empfängt er aus deiner Hand? 8Dem Menschen, der deinesgleichen ist, schadet deine Bosheit und einem Menschenkinde hilft deine Gerechtigkeit. 9Sie schreien ob der Menge der Bedrücker und weinen überlaut ob des gewalttätigen Armes der Tyrannen, 10doch keiner sagt: Wo ist Gott, der mich geschaffen, der Lobgesänge schenkte in der Nacht, 11der uns belehrt vor den Tieren der Erde und uns Weisheit gibt vor den Vögeln des Himmels? 12Dort schreien sie und er erhört nicht ob des Übermutes der Bösen. 13Darum wird Gott leeres Rufen nicht hören und der Allmächtige die Sache eines jeden prüfen. 14Magst du auch sprechen: Er hat nicht acht: so richte dich doch vor ihm und harre seiner. 15Denn jetzt verhängt er nicht seinen Grimm noch rächt er den Frevel streng. 16Darum öffnet Job seinen Mund ohne Grund und macht viele Worte ohne Einsicht.

Das Buch Ijob 36

1Weiter fuhr Eliu fort und sprach also: 2Habe noch ein wenig Geduld mit mir, so will ich es dir zeigen, denn noch habe ich für Gott zu reden. 3Vom Ursprunge her hole ich meine Weisheit und werde meinen Schöpfer als gerecht erweisen. 4Denn wahrlich! ohne Trug sind meine Reden und vollkommene Einsicht wird sich dir erproben. 5Gott verwirft die Mächtigen nicht, da er auch selbst mächtig ist; 6aber die Gottlosen rettet er nicht und den Armen schafft er Recht. 7Er wendet von den Gerechten seine Augen nicht ab und setzt sie wie Könige auf ewig auf den Thron und sie werden erhöht. 8Und wenn sie in Ketten sind und gefesselt mit Banden der Armut, 9so tut er ihnen ihre Werke kund und ihre Laster, weil sie Gewalttat verübt, 10und öffnet ihr Ohr, sie zu mahnen, und redet zu ihnen, dass sie umkehren von der Bosheit. 11Wenn sie hören und sich unterwerfen, so werden sie ihre Tage im Glücke vollenden und ihre Jahre in Herrlichkeit. 12Hören sie aber nicht, so werden sie in das Schwert fallen und durch ihre Torheit hinsinken. 13Heuchler und Arglistige fordern den Zorn Gottes heraus; sie rufen nicht, wenn sie gefesselt sind. 14Es stirbt im Ungewitter ihre Seele und ihr Leben unter Lustbuben. 15Aber den Armen rettet er aus seiner Bedrängnis und erschließt sein Ohr in der Trübsal. 16So wird er denn aus dem Rachen der Not, der keinen Boden unter sich hat, dich ins Weite retten und dein Tisch wird friedlich und voll des Fettes sein. 17Deine Sache ist abgeurteilt wie die eines Gottlosen, Spruch und Urteil wirst du erhalten. 18Soweit übermanne dich also nicht der Zorn, dass du jemanden unterdrückst, noch beuge dich die Menge der Sühnegaben. 19Entsage deiner Größe ohne Heimsuchung und allen, welche durch die Stärke mächtig sind. 20Ziehe die Nacht nicht herbei, da in ihr Volk um Volk dahingeht. 21Hüte dich, zum Unrecht dich hinzuneigen; denn ihm hast du begonnen nachzugehen, seitdem du im Elende bist. 22Siehe, Gott ist erhaben in seiner Macht und keiner ist ihm gleich unter den Gesetzgebern. 23Wer könnte seine Wege erforschen oder wer kann zu ihm sagen: Du hast Unrecht getan? 24Bedenke, dass du sein Werk nicht kennst, von dem die Männer gesungen haben. 25Alle Menschen sehen ihn, ein jeder schaut von ferne. 26Siehe, Gott ist groß und ist erhaben über unser Wissen, die Zahl seiner Jahre ist nicht zu schätzen. 27Er zieht die Wassertropfen hinauf und gießt Gußregen wie Ströme herab, 28die aus den Wolken niederfließen, welche alles von oben her bedecken. 29Will er die Wolken ausspannen wie sein Gezelt 30und von oben her das Licht seiner Blitze leuchten lassen, so bedeckt er auch die äußersten Enden des Meeres. 31Denn dadurch richtet er die Völker und gibt Speise den vielen Sterblichen. 32In seinen Händen verbirgt er das Licht und gebietet ihm, dass es wieder scheine. 33Seinem Freunde gibt er Kunde davon, dass es sein eigen ist und dass er zu demselben aufsteigen kann.

Das Buch Ijob 37

1Darüber erzittert mein Herz und bebt von seiner Stelle. 2Höret, o höret seine Stimme voll des Schreckens, den Schall, der aus seinem Munde hervorgeht. 3Unter alle Himmel hin schweift sein Blick und sein Leuchten zieht über die Grenzen der Erde hin. 4Hinter ihm her brüllt der Schall, er donnert mit der Stimme seiner Hoheit und er wird nicht gefunden, ob man wohl seine Stimme hört. 5Gott donnert mit seiner Stimme wunderbar, er, der Großes tut und Unbegreifliches; 6er gebietet dem Schnee, dass er zur Erde falle, und dem Winterregen und dem Gußregen seiner Macht; 7in aller Menschen Hand drückt er sein Siegel, dass alle seine Werke kennen. 8Dann geht das Wild in sein Versteck und weilt in seiner Höhle. 9Aus dem innern Lande kommt der Sturm und aus dem Norden die Kälte. 10Durch den Hauch Gottes friert das Eis zusammen und wieder fließen die Wasser dann sehr breit dahin. 11Die Frucht verlangt nach den Wolken und die Wolken streuen ihr Licht aus. 12Sie ziehen ringsumher, wohin sie nur des Herrschers Wille führt, zu allem, was er ihnen gebietet auf dem ganzen Erdenkreise, 13bald für einen einzigen Stamm, bald für seine Erde, bald für jeglichen Ort seiner Barmherzigkeit, wo er sie will finden lassen. 14Vernimm dies, Job! stehe still und betrachte die Wunder Gottes! 15Weißt du, wann Gott dem Regen gebot, dass er das Licht seiner Wolken strahlen lasse? 16Kennst du die weiten Wege der Wolken und hast du vollkommenes Wissen? 17Sind nicht deine Kleider heiß, wenn der Südwind durch das Land weht? 18Hast du vielleicht mit ihm die Himmel gebaut, die gar fest sind, als wären sie aus Erz gegossen? 19Tue uns kund, was wir ihm sagen sollen, denn wir sind von Finsternissen umhüllt. 20Wer möchte ihm berichten, was ich sage? Auch wenn ein Mensch nur redete, er würde verschlungen! 21Aber jetzt sieht man das Licht nicht, plötzlich wird die Luft in Wolken geballt, doch ein Wind fährt daher und zerstreut sie. 22Von Norden her kommt das Gold und ehrfurchtsvoller Lobgesang zu Gott hin. 23Würdig können wir ihn nicht auffinden, ihn, der groß an Kraft und Recht und Gerechtigkeit und unaussprechlich ist. 24Darum fürchten ihn die Männer und keiner von allen denen, die sich bedünken, weise zu sein, wagt es, ihn zu ergründen.