Bibel in einem Jahr · Tag 148 von 365

Tob 8–9

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das Buch Tobit 8

1Nachdem sie nun gespeist hatten, führten sie den Jüngling zu ihr hinein. 2Da gedachte Tobias der Rede des Engels und nahm aus seiner Reisetasche ein Stück Leber und legte es auf glühende Kohlen. 3Alsdann ergriff der Engel Raphael den bösen Geist und verbannte ihn in die Wüste von Oberägypten. 4Hierauf ermahnte Tobias die Jungfrau und sprach zu ihr: Sara! Stehe auf und lass uns zu Gott beten heute und morgen und übermorgen, denn diese drei Nächte vereinigen wir uns mit Gott; wenn die dritte Nacht um ist, wollen wir unsere eheliche Verbindung vollziehen. 5Denn wir sind Kinder der Heiligen und können uns nicht so verbinden wie die Heiden, welche Gott nicht kennen. 6Sie standen also zusammen auf und beteten beide miteinander inständig, dass ihnen Wohlergehen verliehen werden möchte. 7Und Tobias sprach: Herr, Gott unserer Väter! dich sollen Himmel und Erde preisen und das Meer und die Quellen und die Flüsse und alle deine Geschöpfe, die darin sind. 8Du hast Adam aus dem Lehm der Erde gebildet und hast ihm Eva als Hilfe gegeben. 9Und nun, Herr! du weißt, dass ich nicht der Wollust wegen meine Schwester zum Weibe nehme, sondern allein aus Liebe zur Nachkommenschaft, durch welche dein Name von Ewigkeit zu Ewigkeit gepriesen werden soll. 10Auch Sara sprach: Erbarme dich unser, Herr! erbarme dich unser und lass uns beide zusammen wohlbehalten alt werden. 11Und um die Zeit des Hahnenrufes rief Raguel seine Knechte herbei, und sie gingen zusammen mit ihm hin, um ein Grab zu graben. 12Denn er sagte: Vielleicht ist es ihm ebenso ergangen, wie den andern sieben Männern, welche zu ihr eingegangen sind. 13Als sie die Grube gemacht hatten, kehrte Raguel zu seinem Weibe zurück und sprach zu ihr: 14Schicke eine von deinen Mägden hin und lass sie zusehen, ob er gestorben ist, damit ich ihn begrabe, bevor der Tag anbricht. 15Da sandte sie eine von ihren Mägden hin. Als diese in die Kammer trat, fand sie dieselben gesund und wohl beieinander schlafend. 16Und sie kehrte zurück und meldete die gute Botschaft, da priesen sie den Herrn, Raguel nämlich und Anna, sein Weib, 17und sprachen: Wir preisen dich, Herr, Gott Israels! dass nicht geschehen ist, wie wir meinten; 18denn du hast an uns deine Barmherzigkeit geübt und den Feind, der uns verfolgte, von uns fern gehalten 19und hast dich der beiden Eingebornen erbarmt. Gib ihnen, Herr! dass sie dich noch vollkommener preisen und dir das Opfer deines Lobes für ihre Erhaltung darbringen, damit alle Völker erkennen, das du allein Gott bist auf der ganzen Erde. 20Und alsbald befahl Raguel seinen Knechten, die Grube, die sie gemacht hatten, wieder zuzuwerfen, ehe es Tag wurde. 21Seinem Weibe aber sagte er, sie sollte ein Gastmahl zurichten und alles vorbereiten, was auf der Reise zum Unterhalte nötig sei. 22Auch ließ er zwei fette Kühe und vier Widder schlachten und für alle seine Nachbaren und alle seine Freunde ein Mahl bereiten. 23Und Raguel beschwor den Tobias, zwei Wochen bei ihm zu verbleiben. 24Von allem dem, was er besaß, gab Raguel dem Tobias die Hälfte und schrieb eine Urkunde, dass die andere Hälfte, die nach ihrem Tode noch übrig sein würde, dem Tobias als Eigentum zufallen sollte.

Das Buch Tobit 9

1Hierauf rief Tobias den Engel zu sich, den er für einen Menschen hielt, und sprach zu ihm: Bruder Azarias! ich bitte, höre meine Worte: 2Wenn ich mich auch dir zum Knechte hingäbe, so würde ich doch deine Fürsorge nicht nach Gebühr lohnen. 3Dennoch bitte ich dich, nimm dir Tiere oder Knechte und reise zu Gabel nach Rages, der Stadt der Meder; gib ihm seine Beschreibung zurück, nimm das Geld von ihm in Empfang und bitte ihn, zu meiner Hochzeit zu kommen. 4Denn du weißt selbst, dass mein Vater die Tage zählt, und wenn ich um einen Tag länger zögere, so wird sich seine Seele härmen. 5Du siehst ja auch, wie Raguel mich beschworen hat, dessen Beschwörung ich nicht missachten kann. 6Da nahm Raphael vier von den Knechten Raguels und zwei Kamele und zog nach Rages, der Stadt der Meder, hin; und als er Gabel gefunden, gab er diesem seine Beschreibung zurück und nahm von ihm das Geld in Empfang. 7Auch erzählte er ihm über Tobias, den Sohn des Tobias, alles, was geschehen war, und bewog ihn, mit ihm zur Hochzeit zu kommen. 8Als jener nun in das Haus Raguels trat, fand er Tobias bei der Mahlzeit, da sprang dieser auf und sie küssten einander. Gabel aber weinte, pries Gott 9und sprach: Der Gott Israels segne dich, denn du bist der Sohn eines vortrefflichen Mannes, der gerecht und gottesfürchtig ist und Almosen gibt. 10Gesegnet möge auch dein Weib sein und eure Eltern, 11ihr möget eure Kinder sehen bis ins dritte und vierte Geschlecht, und eure Nachkommenschaft möge vom Gott Israels gesegnet sein, der von Ewigkeit zu Ewigkeit herrscht! 12Alle sagten Amen und gingen zum Mahle. Aber auch das Hochzeitsmahl hielten sie in der Furcht des Herrn.