Bibel in einem Jahr · Tag 147 von 365

Tob 5–7 · Apg 16

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das Buch Tobit 5

1Da antwortete Tobias seinem Vater und sprach: Alles, was du mir befohlen hast, will ich tun, Vater! 2Wie ich aber dieses Geld zurückerhalten soll, weiß ich nicht. Er kennt mich nicht und ich kenne ihn nicht, welches Zeichen soll ich ihm geben? Aber selbst den Weg, auf welchem man dorthin gehen muss, kenne ich nicht einmal. 3Da antwortete ihm sein Vater und sprach: Ich habe ja noch seine Handschrift bei mir; wenn du ihm diese zeigst, wird er es alsbald zurückgeben. 4Aber gehe jetzt hin und suche dir einen zuverlässigen Mann, der für eine Belohnung mit dir reist, damit du es wiederbekommest, während ich noch lebe. 5Als nun Tobias hinausging, fand der einen schönen Jüngling, geschürzt und reisefertig dastehend. 6Er wusste nicht, dass es ein Engel Gottes war, und grüßte ihn und sprach: Woher bist du, guter Jüngling? 7Jener aber antwortete: Aus den Söhnen Israels. Und Tobias sprach zu ihm: Kennst du den Weg, der in das Land der Meder führt? 8Er antwortete ihm: Ich kenne ihn und bin alle Wege desselben oft gegangen und bin bei unserem Bruder Gabel geblieben, der sich in Rages, einer Stadt der Meder, aufhält, die auf dem Gebirge von Ekbatana liegt. 9Da sprach Tobias zu ihm: Ich bitte dich, warte ein wenig auf mich, dass ich dies meinem Vater mitteile. 10Dann ging Tobias hinein und sagte dies alles seinem Vater. Der Vater verwunderte sich darüber und bat, jener möchte zu ihm hereinkommen. 11Er kam also hinein, grüßte ihn und sprach: Freude sei mit dir immerdar! 12Tobias sprach: Welche Freude soll mit mir sein, der ich in Finsternis sitze und das Licht des Himmels nicht sehe? 13Der Jüngling entgegnete ihm: Sei guten Muts, gar bald wirst du von Gott geheilt werden. 14Da sprach Tobias zu ihm: Wirst du meinen Sohn zu Gabel nach Rages, der Stadt der Meder, führen können? Wenn du wiederkommst, werde ich dir deinen Lohn geben. 15Der Engel sprach zu ihm: Ich will ihn dorthin führen und wieder zu dir zurückführen. 16Da antwortete ihm Tobias: Ich bitte dich, sage mir, aus welcher Familie oder aus welchem Stamme bist du? 17Der Engel Raphael sprach zu ihm: Fragst du nach dem Geschlechte des Lohndieners oder nach dem Lohndiener selbst, der mit deinem Sohne gehen soll? 18Aber damit ich dich nicht etwa besorgt mache: Ich bin Azarias, der Sohn des großen Ananias. 19Tobias antwortete: Du bist aus einem hohen Geschlechte, aber ich bitte dich, zürne nicht, dass ich dein Geschlecht habe wissen wollen. 20Der Engel aber sprach zu ihm: Ich will deinen Sohn wohlbehalten zu dir zurückführen. 21Tobias antwortete und sprach: Reiset glücklich, Gott sei auf eurem Wege und sein Engel begleite euch! 22Darauf machten sie alles bereit, was auf den Weg mitgenommen werden sollte, und Tobias nahm Abschied von seinem Vater und seiner Mutter und beide gingen miteinander fort. 23Als sie nun fortgezogen waren, fing seine Mutter an zu weinen und zu sagen: Du hast die Stütze unseres Alters weggenommen und von uns fortgesandt! 24Wäre doch das Geld nie gewesen, um dessentwillen du ihn fortgesandt hast! 25Denn wir waren zufrieden bei unserer Armut, so dass wir es für Reichtum hielten, unsern Sohn zu sehen. 26Tobias sprach zu ihr: Weine nicht! Unser Sohn wird wohlbehalten dorthin gelangen und wohlbehalten zu uns zurückkehren und deine Augen werden ihn sehen. 27Denn ich glaube, dass ein guter Engel Gottes ihn begleitet und alles gut lenkt, was um ihn geschieht, so dass er mit Freuden zu uns zurückkehren wird. 28Auf dieses Wort hin hörte seine Mutter auf zu meinen und schwieg.

Das Buch Tobit 6

1Tobias aber reiste fort und sein Hund folgte ihm nach. Die erste Nacht blieb er am Flusse Tigris. 2Als er nun ausging, seine Füße zu waschen, siehe, da kam ein ungeheurer Fisch hervor, um ihn zu verschlingen. 3Da erschrak Tobias vor ihm und rief mit lauter Stimme und sprach: Herr! er fällt mich an. 4Der Engel sprach zu ihm: Ergreife ihn bei den Kiemen und ziehe ihn an dich! Er tat dies und zog ihn auf das Trockene und der Fisch begann vor seinen Füßen zu zappeln. 5Da sprach der Engel zu ihm. Weide diesen Fisch aus und lege sein Herz, seine Galle und seine Leber für dich zurück; denn diese sind notwendig zu nützlichen Heilmitteln. 6Als er dies getan hatte, briet er das Fleisch desselben und sie nahmen es mit sich auf den Weg; das übrige salzten sie ein, damit es ihnen hinreichte, bis sie nach Rages, der Stadt der Meder, kämen. 7Hierauf fragte Tobias den Engel und sprach zu ihm: Ich bitte dich, Bruder Azarias! Mir zu sagen, welche Heilkraft das besitzen soll, was du von dem Fische aufzubewahren befohlen hast? 8Der Engel antwortete und sprach zu ihm: Wenn du ein Stücklein von seinem Herzen auf Kohlen legst, so vertreibt der Rauch davon alle Art von bösen Geistern, sowohl von Mann, wie von Weib, so dass sie diesen ferner nicht mehr nahen. 9Und die Galle ist gut, die Augen damit zu salben, auf denen weiße Flecken sind; alsdann werde sie geheilt. 10Tobias sprach zu ihm: Wo willst du, dass wir bleiben? 11Der Engel antwortete und sprach: Es ist hier ein Mann, mit Namen Raguel, ein Verwandter aus deinem Stamme; dieser hat nur eine Tochter, namens Sara, und sonst keinen Sohn, noch eine andere Tochter außer ihr. 12Dir kommt ihr ganzes Vermögen zu und du musst sie zur Frau nehmen. 13Halte also bei ihrem Vater um sie an, und er wird sie dir zur Frau geben. 14Hierauf antwortete Tobias und sprach: Ich höre, dass sie sieben Männern gegeben worden ist und dass diese gestorben sind; aber ich habe auch gehört, dass ein böser Geist sie getötet hat. 15Ich fürchte also, dass es mir auch so ergehen möchte und ich, da ich das einzige Kind meiner Eltern bin, ihr Alter vor Gram unter die Erde bringe. 16Da sprach der Engel Raphael zu ihm: Höre mich, und ich will dir zeigen, welche die sind, die der böse Geist überwältigen kann. 17Die nämlich, welche so in den Ehestand treten, dass sie Gott von sich und von ihren Gedanken ausschließen und ihrer Lust so ergeben sind wie Pferd und Maulesel, die keinen Verstand haben, über diese hat der böse Geist Gewalt. 18Wenn du sie aber erhalten hast und in das Schlafgemach gegangen bist, so enthalte dich drei Tage lang von ihr und liege mit ihr einzig dem Gebete ob. 19In derselben Nacht aber zünde die Leber des Fisches an, und der böse Geist wird vertrieben werden. 20In der zweiten Nacht aber wirst du in die Gemeinschaft der heiligen Patriarchen zugelassen werden. 21Und in der dritten Nacht wirst du den Segen erlangen, dass von euch Kinder ohne Gebrechen erzeugt werden. 22Nach Verlauf der dritten Nacht aber nimm die Jungfrau in der Furcht des Herrn zu dir, mehr durch das Verlangen nach Kindern als von Wollust bewogen, damit du in Abrahams Samen Segen an Kindern erhaltest.

Das Buch Tobit 7

1Sie trafen also bei Raguel ein und Raguel nahm sie mit Freuden auf. 2Als nun Raguel den Tobias sah, sprach er zu Anna, seinem Weibe: Wie ähnlich ist dieser Jüngling dem Sohne meiner Schwester! 3Als er dies gesagt hatte, sprach er: Woher seid ihr, Jünglinge, unsere Brüder? Sie antworteten: Wir sind aus dem Stamme Nephthali, von den Gefangenen in Ninive. 4Raguel sprach zu ihnen: Kennt ihr Tobias, meinen Bruder? Sie antworteten: Wir kennen ihn! 5Und als er viel Gutes von ihm redete, sprach der Engel zu Raguel: Tobias, nach welchem du fragst, ist der Vater von diesem hier. 6Da fiel Raguel ihm um den Hals und küsste ihn unter Tränen und an seinem Halse weinend, 7sprach er: Segen komme über dich, mein Sohn! Denn du bist der Sohn eines guten und vortrefflichen Mannes. 8Auch Anna, sein Weib, und Sara, ihre Tochter, weinten. 9Nachdem sie aber geredet hatten, befahl Raguel, einen Widder zu schlachten und ein Mahl zu bereiten. Als er sie nun aufforderte, sich zum Mahle niederzusetzen, 10sprach Tobias: Ich werde hier heute weder essen noch trinken, wenn du mir nicht zuvor meine Bitte gewährst und versprichst, mir Sara, deine Tochter, zu geben. 11Als Raguel dies Wort hörte, erschrak er, da er wusste, was jenen sieben Männern begegnet war, welche zu ihr gegangen waren; und er fing an zu fürchten, es möchte ihm ebenso ergehen. Da er nun zögerte und ihm auf die Bitte keine Antwort gab, 12sprach der Engel zu ihm: Fürchte dich nicht, sie ihm zu geben, denn diesem Gottesfürchtigen gebührt deine Tochter zum Weibe; darum hat sie kein anderer erhalten können. 13Da sprach Raguel: Ich zweifle nicht, dass Gott mein Gebet und meine Tränen vor sein Angesicht hat kommen lassen, 14und ich glaube, dass er euch deswegen zu mir hat kommen lassen, damit sie nach dem Gesetze Moses in ihre Verwandtschaft heirate, und hege nun keinen Zweifel mehr, dass ich sie dir geben werde. 15Und er fasste die Rechte seiner Tochter, legte sie in die Rechte des Tobias und sprach: Der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs sei mit euch und verbinde euch und erfülle seinen Segen an euch! 16Dann nahmen sie Papier und schrieben den Ehevertrag. 17Hierauf hielten sie das Mahl und priesen Gott. 18Und Raguel rief Anna, sein Weib, zu sich und befahl ihr, ein anderes Gemach zuzurichten. 19Und sie führte Sara, ihre Tochter, hinein, diese aber weinte. 20Da sprach sie zu ihr: Sei guten Mutes, meine Tochter! der Herr des Himmels gebe dir Freude für den Kummer, den du gelitten hast.

Neues Testament

Apostelgeschichte 16

1Er kam aber nach Derbe und Lystra. Und siehe, da war ein Jünger mit Namen Timotheus, der Sohn einer gläubigen jüdischen Frau und eines heidnischen Vaters. 2Diesem gaben die Brüder, die zu Lystra und Ikonium wohnten, gutes Zeugnis. 3Ihn wünschte Paulus als Begleiter auf der Reise. Er nahm ihn also, und ließ ihn beschneiden der Juden wegen, welche an jenem Orte waren; denn alle wussten, dass sein Vater ein Heide war. 4Wie sie nun von Stadt zu Stadt zogen, übergaben sie denselben die Beschlüsse, welche von den Aposteln und Vorstehern in Jerusalem festgesetzt worden waren, zur Beobachtung. 5Und so wurden die Kirchen im Glauben gestärkt, und nahmen täglich an Zahl zu. 6Als sie aber Phrygien und das Gebiet von Galatien durchzogen, ward ihnen vom Heiligen Geiste gewehrt, das Wort Gottes in Asien zu verkünden. 7Und da sie nach Mysien kamen, versuchten sie nach Bithynien zu gehen; aber der Geist Jesu ließ sie nicht. 8Nachdem sie nun an Mysien vorübergezogen waren, gingen sie hinab nach Troas. 9Da hatte Paulus in der Nacht ein Gesicht: Ein Mazedonier stand vor ihm, bat ihn, und sprach: Ziehe hinüber nach Mazedonien, und hilf uns! 10Sogleich nach dieser Erscheinung suchten wir nach Mazedonien zu reisen, überzeugt, dass uns Gott berufen habe, ihnen das Evangelium zu verkünden. 11Von Troas absegelnd, kamen wir geraden Laufes nach Samothrace, und am folgenden Tage nach Neapolis, 12und von da nach Philippi, welches die angesehenste Pflanzstadt dieses Teiles von Mazedonien ist. Wir waren in dieser Stadt einige Tage, und hielten Unterredungen. 13Am Sabbat aber gingen wir zum Stadttore hinaus an einen Fluß, wo ein Betort zu sein schien; wir setzten uns, und redeten zu den Frauen, welche dort versammelt waren. 14Eine Frau, mit Namen Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, welche Gott fürchtete, hörte zu; und der Herr öffnete ihr das Herz, dass sie auf das merkte, was von Paulus gesagt wurde. 15Als sie nun samt ihrem Hause getauft worden war, bat sie uns, und sprach: Wenn ihr mir Treue gegen den Herrn zutrauet, so kommet in mein Haus, und bleibet daselbst. Und sie nötigte uns. 16Es begab sich aber, als wir zu dem Betorte gingen, kam uns eine Magd entgegen, die einen Wahrsagergeist hatte, und ihrer Herrschaft mit Wahrsagen großen Gewinn verschaffte. 17Diese ging hinter Paulus und uns her und rief: Diese Menschen sind Diener des Allerhöchsten, Gottes, die euch den Weg des Heiles verkünden. 18Dieses tat sie viele Tage lang. Ungehalten aber darüber wandte sich Paulus um, und sprach zu dem Geiste: ich befehle dir im Namen Jesu Christi, von ihr auszufahren! Und zu derselben Stunde fuhr er aus. 19Da nun ihre Herren sahen, dass die Hoffnung ihres Gewinnes ausgefahren war, ergriffen sie den Paulus und Silas, und führten sie auf den Markt vor die Obrigkeit; 20und indem sie dieselben der Obrigkeit vorstellten, sprachen sie: Diese Menschen bringen unsere Stadt in Verwirrung; sie sind Juden, 21und verkündigen eine Lebensweise, die wir nicht annehmen noch üben dürfen, da wir Römer sind. 22Da erhob sich das Volk wider sie; und die Stadtrichter ließen ihnen die Kleider herabreißen, und sie mit Ruten schlagen. 23Und nachdem sie ihnen viele Schläge gegeben hatten, warfen sie dieselben in´s Gefängnis, und befahlen dem Kerkermeister, sie sorgfältig zu verwahren. 24Da dieser solchen Befehl erhalten hatte, warf er sie in das innerste Gefängnis, und schloss ihre Füße in den Block. 25Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas, und lobten Gott; und die Gefangenen hörten ihnen zu. 26Da entstand plötzlich ein starkes Erdbeben, so dass der Kerker bis auf den Grund erschüttert wurde. Und alsbald öffneten sich alle Türen, und die Bande aller wurden gelöst. 27Als aber der Kerkermeister erwachte, und die Türen des Gefängnisses offen sah, zog er das Schwert, und wollte sich töten, denn er glaubte, die Gefangenen seien entflohen. 28Paulus aber rief mit lauter Stimme, und sprach: Tue dir kein Leid; denn wir sind alle hier! 29Da forderte er Licht, und ging hinein; und zitternd fiel er Paulus und Silas zu Füßen, 30und führte sie hinaus, und sprach: Ihr Herren! was muss ich tun, um selig zu werden? 31Sie aber sprachen: Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du selig werden, du und dein Haus. 32Und sie redeten zu ihm und zu allen, die in seinem Hause waren, das Wort des Herrn. 33Da nahm er sie in derselben Stunde der Nacht, und wusch ihnen die Striemen ab, und ließ sich sogleich mit seinem ganzen Hause taufen. 34Und nachdem er sie in sein Haus geführt hatte, setzte er ihnen ein Mahl vor; und frohlockte mit seinem ganzen Hause, gläubig geworden an Gott. 35Da es nun Tag geworden war, sandten die Stadtobersten ihre Gerichtsdiener, und ließen ihm sagen: Lass diese Menschen frei! 36Der Kerkermeister aber meldete Paulus diese Worte: Die Stadtobersten haben hergesandt, dass ihr freigelassen werden sollet. So gehet nun hinaus, und ziehet im Frieden. 37Paulus aber sprach zu ihnen: Öffentlich, unverhört haben sie uns, römische Bürger, geißeln lassen, und ins Gefängnis geworfen, und jetzt wollen sie uns heimlich hinausschaffen? Nicht so, sondern sie sollen kommen, 38und uns selbst hinausführen. Die Gerichtsdiener berichteten also den Stadtobersten diese Worte, und diese fürchteten sich, da sie hörten, dass es römische Bürger seien. 39Und sie kamen, taten Abbitte, führten sie heraus und baten sie, aus der Stadt fortzugehen. 40Da gingen sie aus dem Gefängnisse und begaben sich in das Haus der Lydia. Und sie besuchten die Brüder, trösteten sie, und reisten ab.