Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).
1. Samuel 21
1David aber kam nach Nobe zu dem Priester Achimelech. Da erstaunte dieser, dass David kam, und sprach zu ihm: Warum bist du allein und ist niemand bei dir? 2David sprach zu dem Priester Achimelech: Der König hat mir etwas befohlen und gesprochen: Niemand soll etwas von der Sache wissen, derentwegen du von mir gesandt bist, und welche Befehle ich dir gegeben habe; daher habe ich auch die Diener an den und den Ort beschieden. 3Wenn du nun also etwas zur Hand hast, etwa auch nur fünf Brote, so gib es mir, oder was du sonst findest. 4Da antwortete der Priester David und sprach zu ihm: Ich habe keine gewöhnlichen Brote zur Hand, sondern nur heiliges Brot; sind die Diener rein, besonders von Frauen? 5David aber entgegnete dem Priester und sprach zu ihm: Wenigstens was die Frauen betrifft, so haben wir uns seit gestern und vorgestern, als wir auszogen, enthalten und die Gefäße der Diener waren rein; und ist auch dieser Weg verunreinigt, so wird er doch heut durch die Gefäße geheiligt werden. 6Hierauf gab ihm der Priester das geheiligte Brot, denn es war daselbst kein anderes Brot außer den Schaubroten, welche von dem Angesichte des Herrn weggenommen waren, damit warme Brote hingelegt wurden. 7Nun war an jenem Tage ein Mann von den Dienern Sauls daselbst, immer im Zelte des Herrn, sein Name war Doeg, ein Idumäer, der oberste unter den Hirten Sauls. 8Und David sprach zu Achimelech: Hast du hier nicht einen Speer oder ein Schwert zur Hand? Denn ich habe mein Schwert und meine Waffen nicht mit mir genommen, weil der Auftrag des Königs drängte. 9Der Priester sprach: Siehe, hier ist das Schwert des Philisters Goliath, den du im Terebinthen-Tale erschlagen hast, es ist in ein Tuch gewickelt hinter dem Ephod; willst du dies nehmen, so nimm es, denn außer diesem ist kein anderes hier. David sprach: Diesem ist kein anderes gleich, gib es mir! 10So machte sich David denn auf und floh an diesem Tage vor Saul und kam zu Achis, dem Könige von Geth. 11Da sprachen die Diener des Achis zu ihm, als sie David sahen: Ist das nicht David, der König des Landes? Sangen sie ihm nicht in Reigen die Worte: Saul hat tausend geschlagen und David zehntausend? 12Diese Reden nahm David zu Herzen und fürchtete sich sehr vor Achis, dem Könige von Geth. 13Daher verstellte er sein Angesicht vor ihnen und fiel hin unter ihren Händen und stieß an die Torflügel und sein Speichel floss auf seinen Bart herab. 14Da sprach Achis zu seinen Dienern: Ihr habt gesehen, dass der Mann wahnsinnig ist; warum habt ihr ihn zu mir gebracht? 15Fehlt es uns an Tobsüchtigen, dass ihr diesen herbeigeführt habt, damit er vor mir tobe? Soll dieser in mein Haus kommen?
1. Samuel 22
1David zog nun von da hinweg und floh in die Höhle Odollam. Als dies seine Brüder und die ganze Verwandtschaft seines Vaters hörten, kamen sie zu ihm dorthin hinab. 2Und es sammelten sich alle um ihn, welche in Nöten und die von Schulden gedrückt und missvergnügten Herzens waren; er wurde ihr Anführer und es waren gegen vierhundert Mann bei ihm. 3Von da zog David nach Maspha, das in Moab liegt, und sprach zu dem Könige von Moab: Ich bitte, lass meinen Vater und meine Mutter bei euch bleiben, bis ich weiß, was Gott mit mir tun wird. 4So ließ er sie bei dem Könige von Moab und sie blieben bei ihm alle Tage hindurch, welche David in dem festen Platze war. 5Da sprach der Prophet Gad zu David: Bleibe nicht in dem festen Platze, mache dich auf und gehe in das Land Juda! Und David zog fort und kam in den Wald Haret. 6Saul aber vernahm, dass David mit den Männern, die bei ihm waren, gesehen worden. Als nun Saul in Gabaa weilte und in dem Walde war, der in Rama ist, und den Speer in seiner Hand hielt und alle seine Diener ihn umstanden, 7sprach er zu seinen Dienern, die ihn umstanden: Höret, ihr Söhne Jeminis! Wird der Sohn Isais euch allen Felder und Weinberge geben und wird er euch alle zu Obersten über tausend und zu Hauptleuten über hundert machen, 8dass ihr euch alle wider mich verschworen habt und niemand mir etwas meldet, zumal ja selbst mein Sohn mit dem Sohne Isais einen Bund geschlossen hat? Niemand unter euch fühlt mit mir Mitleid und keiner offenbart es mir, weil mein Sohn meinen Knecht wider mich aufgewiegelt hat, dass er mir bis heute nachstellt. 9Da antwortete Doeg, der Idumäer, der dabei stand und der oberste unter den Dienern Sauls war, und sprach: Ich habe den Sohn Isais in Nobe bei dem Priester Achimelech, dem Sohne Achitobs, gesehen. 10Dieser befragte für ihn den Herrn und gab ihm Lebensmittel; auch das Schwert Goliaths, des Philisters, hat er ihm gegeben. 11Da sandte der König hin und ließ den Priester Achimelech, den Sohn Achitobs, und seine ganze väterliche Verwandtschaft, die Priester, welche zu Nobe waren, holen und sie kamen alle zu dem Könige. 12Und Saul sprach zu Achimelech: Höre, Sohn Achitobs! Er antwortete: Hier bin ich, Herr! 13Saul sprach zu ihm: Warum habt ihr euch wider mich verschworen, du und der Sohn Isais, dass du ihm Brote und ein Schwert gabst und Gott für ihn befragtest, damit er sich wider mich erhöbe und mir immerfort nachstellte bis heute? 14Achimelech antwortete dem Könige und sprach: Wer ist unter allen deinen Dienern so treu wie David und der Schwiegersohn des Königs und deinen Befehlen gehorchend und hochgeehrt in deinem Hause? 15Habe ich denn etwa heute erst angefangen, Gott für ihn zu befragen? Das sei fern von mir! Wolle der König gegen seinen Diener keinen solchen Verdacht hegen in dem ganzen Hause meines Vaters, denn dein Diener hat von dieser Angelegenheit nichts gewusst, weder Großes noch Geringes. 16Da sprach der König: Du musst des Todes sterben, Achimelech, du und das ganze Haus deines Vaters! 17Und der König gebot den Trabanten, die ihm umstanden: Wendet euch gegen die Priester des Herrn und tötet sie! Denn ihre Hand ist mit David; sie wussten, dass er auf der Flucht war, und haben es mir nicht kundgetan. Aber die Diener des Königs wollten ihre Hand nicht gegen die Priester des Herrn ausstrecken. 18Da sprach der König zu Doeg: Wende du dich gegen die Priester und falle über sie her! 19Nobe aber, die Priesterstadt, schlug er mit der Schärfe des Schwertes, Männer und Weiber, Kinder und Säuglinge, Rinder und Esel und Schafe mit der Schärfe des Schwertes. 20Nur ein Sohn Achimelechs, des Sohnes Achitobs, dessen Name Abiathar war, entkam und floh zu David 21und verkündete ihm, dass Saul die Priester des Herrn hatte töten lassen. 22Da sprach David zu Abiathar: Ich wusste an jenem Tage, da der Idumäer Doeg dort war, dass er es sicher Saul anzeigen würde. Ich trage die Schuld am Tode aller Verwandten deines Vaters! 23Bleibe bei mir, fürchte dich nicht; wenn jemand mir nach dem Leben trachtet, der wird auch dir nach dem Leben trachten und du wirst mit mir gerettet werden.
1. Samuel 23
1Es ward dem David verkündet und gesagt: Siehe, die Philister greifen Keila an und plündern die Tennen! 2Da befragte David den Herrn und sprach: Soll ich hinziehen und diese Philister schlagen? Der Herr sprach zu David: Ziehe hin, du wirst die Philister schlagen und Keila befreien. 3Aber die Männer, welche bei David waren, sprachen zu ihm: Siehe, wir leben schon in Furcht, während wir im Lande Judäa sind, um wieviel mehr, wenn wir nach Keila ziehen gegen die Heerhaufen der Philister? 4David also befragte den Herrn wiederum, dieser antwortete und sprach zu ihm: Mache dich auf und ziehe nach Keila, denn ich werde die Philister in deine Hand geben. 5Da zog David mit seinen Mannen nach Keila, kämpfte gegen die Philister, trieb ihr Vieh weg und brachte ihnen eine schwere Niederlage bei, und David befreite die Einwohner von Keila. 6Damals aber, als Abiathar, der Sohn Achimelechs, zu David nach Keila floh, hatte er das Ephod mit sich gebracht. 7Als nun Saul gemeldet ward, dass David nach Keila gekommen sei, sprach Saul: Gott hat ihn in meine Hand gegeben, er ist eingeschlossen, da er in eine Stadt gegangen ist, welche Tore und Riegel hat. 8Und Saul befahl dem ganzen Volke, zum Kampfe nach Keila hinabzuziehen und David und seine Mannen zu belagern. 9Als nun David merkte, dass Saul ihm heimlich Böses bereitete, sprach er zu Abiathar, dem Priester: Bringe das Ephod herbei! 10Darauf sprach David: Herr, du Gott Israels! dein Diener hat das Gerücht vernommen, dass Saul sich anschicke, gegen Keila heranzurücken, um die Stadt meinethalben zu zerstören. 11Werden mich die Männer von Keila an ihn ausliefern? Und wird Saul herabkommen, wie dein Diener gehört hat? Herr, du Gott Israels, tue es deinem Knechte kund! Der Herr antwortete: Er wird herabkommen! 12Da sprach David: Werden die Männer von Keila mich samt meinen Mannen, die bei mir sind, an Saul ausliefern? Der Herr sprach: Sie werden euch ausliefern! 13Da machte sich David mit seinen Leuten, etwa sechshundert, auf und aus Keila ausziehend, schweiften sie aufs Geratewohl umher, dahin und dorthin. Als nun Saul gemeldet war, dass David von Keila geflohen und in Sicherheit sei, tat er von diesem Zuge keine Erwähnung mehr. 14David aber weilte in der Wüste an festen Orten und blieb auf dem Gebirge in der Wüste Ziph, auf einem waldigen Berge, und Saul fahndete auf ihn alle Tage, aber Gott ließ ihn nicht in seine Hände fallen. 15Und David sah, dass Saul ausgezogen sei, ihm das Leben zu nehmen, David war aber in der Wüste Ziph im Walde. 16Da machte sich Jonathas, der Sohn Sauls, auf und ging zu David in den Wald und stärkte dessen Hand durch Gott und sprach zu ihm: 17Fürchte dich nicht, denn die Hand meines Vaters Saul wird dich nicht finden und du wirst König werden über Israel und ich werde der zweite nach dir sein; aber auch mein Vater Saul weiß dies. 18So schlossen den beide einen Bund vor dem Herrn und David blieb im Walde, Jonathas aber kehrte in sein Haus zurück. 19Die Ziphiter aber zogen zu Saul nach Gabaa hinauf und sprachen: Siehe, hält sich David nicht bei uns an sicheren Orten des Waldes verborgen, auf dem Hügel von Hachila, welcher zur Rechten der Wüste liegt? 20So komm denn nun herab, wie dein Herz begehrt hat herabzuziehen, und unsere Sache wird es sein, ihn in die Hand des Königs zu liefern. 21Da sprach Saul: Gesegnet seid ihr von dem Herrn, dass ihr Mitleid mit meinem Schicksal gehabt habt! 22So gehet denn hin, ich bitte euch, und treffet noch bessere Anstalten und gebet noch sorgfältiger acht und erforschet den Ort, an dem sein Fuß weilt, oder wer ihn dort gesehen hat; denn er vermutet von mir, dass ich ihm mit List nachstelle. 23Erspähet und erkundet alle seine Schlupfwinkel, in denen er sich versteckt, und kommet zu mir, wenn ihr eurer Sache gewiss seid, dass ich mit euch gehe. Und wenn er sich auch tief im Lande verborgen hält, will ich ihn ausfindig machen unter allen Tausenden Judas. 24Da machten sie sich auf und gingen nach Ziph Saul voran. David aber und seine Männer waren in der Wüste Maon in der Ebene, zur Rechten von Jesimon. 25Als nun Saul mit seinen Begleitern hinzog, ihn zu suchen, ward es David kundgetan und alsbald stieg er zu einem Felsen herab und hielt sich in der Wüste Maon auf. Als Saul dies hörte, verfolgte er David in die Wüste Maon. 26Und Saul zog an dem Abhange des Berges auf der einen Seite dahin, David aber und seine Männer waren auf der anderen Seite des Berges, und David verzweifelte, dass er noch vor Saul entkommen könne. Saul also und seine Leute umringten David und seine Mannen im Kreise, um ihrer habhaft zu werden. 27Da kam ein Bote zu Saul und sprach: Komme eilends! Denn die Philister sind in das Land eingefallen. 28Da stand Saul von der Verfolgung Davids ab und kehrte um und zog den Philistern entgegen. Darum nannten sie diesen Ort Scheidefelsen.
1. Samuel 24
1Von dort zog David hinauf und weilte an den sicheren Plätzen von Engaddi. 2Als nun Saul von der Verfolgung der Philister zurückkehrte, ward ihm gemeldet: Siehe, David ist in der Wüste von Engaddi! 3Da nahm Saul dreitausend aus ganz Israel auserlesene Leute und zog hin, David und dessen Leute zu suchen, auch über die steilsten Felsen, die nur den Steinböcken gangbar sind. 4So kam er zu den Schafhürden, welche an dem Wege lagen. Daselbst war eine Höhle, in welche Saul hineinging, den Leib zu entleeren. David aber lag da mit seinen Männern im innern Teile der Höhle versteckt. 5Da sprachen die Diener Davids zu ihm: Siehe, heut ist der Tag, von dem der Herr zu dir gesprochen hat: Ich will dir deinen Feind überliefern, dass du mit ihm tuest, was in deinen Augen gut scheint. David stand also auf und schnitt in der Stille einen Zipfel von Sauls Mantel ab. 6Darnach aber schlug David das Herz darüber, dass er den Zipfel von dem Mantel Sauls abgeschnitten hatte, 7und er sprach zu seinen Leuten: Der Herr sei mir gnädig, dass ich dies nicht an meinem Gebieter, dem Gesalbten des Herrn, verübe, dass ich meine Hand an ihn legen sollte, denn er ist der Gesalbte des Herrn. 8Und David brachte den Ungestüm seiner Leute durch dringendes Zureden zum Schweigen und erlaubte ihnen nicht, gegen Saul aufzustehen; Saul aber ging aus der Höhle heraus und setzte den begonnenen Weg fort. 9Da machte sich auch David auf ihm nach und trat aus der Höhle heraus und rief hinter Saul her und sprach: Mein Herr und König! Als Saul sich umschaute, verneigte sich David mit dem Angesichte bis zur Erde und brachte ihm Huldigung dar, 10alsdann sprach er zu Saul: Warum hörst du auf das Gerede der Leute, die da sagen: David sinnt Böses wider dich? 11Siehe, heute haben deine Augen gesehen, dass der Herr dich in der Höhle in meine Gewalt gab, und es kam mir der Gedanke, dich zu töten, aber mein Auge schonte deiner; denn ich sprach: Ich will meine Hand nicht an meinen Gebieter legen, weil er der Gesalbte des Herrn ist. 12Ja, mein Vater, siehe da und erkenne den Zipfel deines Mantels in meiner Hand! Dass, als ich den Zipfel deines Mantels abschnitt, ich meine Hand nicht gegen dich ausstrecken wollte. So erkenne und siehe, dass in meiner Hand nichts Böses noch Ungerechtigkeit ist, und dass ich mich nicht wider dich vergangen habe; du aber stellst meinem Leben nach, um es mir zu nehmen. 13Der Herr sei Richter zwischen mir und dir und der Herr räche mich an dir, meine Hand soll sich nicht an dir vergreifen. 14Wie es auch im alten Sprichworte heißt: Von Gottlosen geht Gottlosigkeit aus; meine Hand also soll sich nicht an dir vergreifen. 15Wen verfolgst du, König von Israel? Wen verfolgst du? Einen toten Hund verfolgst du, einen einzigen Floh. 16Der Herr sei Richter und entscheide zwischen mir und dir und sehe darein und richte meine Sache und rette mich aus deiner Hand! 17Als nun David zu Saul auf solche Weise geredet hatte, sprach Saul: Ist das deine Stimme, mein Sohn David? Und Saul erhob seine Stimme und weinte 18und sprach zu David: Du bist gerechter als ich! Denn du hast mir Gutes erwiesen, ich aber habe dir mit Bösem vergolten. 19Und du hast heute gezeigt, was du mir Gutes getan; wie der Herr mich in deine Hand gegeben und du mich nicht getötet hast. 20Denn wer trifft auf seinen Feind und lässt ihn auf gutem Wege ziehen? Aber der Herr gewähre dir Vergeltung für das, was du heute an mir getan hast. 21Und nun, weil ich weiß, dass du ganz gewiss König werden und die Herrschaft in Israel erlangen wirst, 22so schwöre mir bei dem Herrn, dass du meine Nachkommenschaft nicht ausrotten und meinen Namen nicht austilgen willst aus dem Hause meines Vaters. 23Da schwur David dem Saul. Und Saul zog heim; David aber und seine Männer gingen in sicherere Orte hinauf.