Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).
1. Samuel 17
1Die Philister aber sammelten ihre Heerhaufen zum Kampfe und kamen in Socho im Stamme Juda zusammen und lagerten sich zwischen Socho und Azeka in dem Gebiete von Dommim. 2Saul aber und die Söhne Israels sammelten sich im Terebinthen-Tale und stellten sich in Schlachtordnung zum Kampfe gegen die Philister auf. 3Die Philister standen auf einem Berge auf einer Seite, und Israel stand auf einem Berge auf der anderen Seite, und ein Tal lag zwischen ihnen. 4Da trat aus dem Lager der Philister ein Bastard hervor, mit Namen Goliath aus Geth, der war sechs Ellen und eine Handbreite hoch; 5dieser hatte einen Helm von Erz auf seinem Haupte und war mit einem Schuppenpanzer angetan, das Gewicht seines Panzers betrug fünftausend Sekel Erz; 6und er hatte eherne Schienen an seinen Beinen, und ein eherner Schild deckte seine Schultern. 7Der Schaft seines Spießes war wie ein Weberbaum und das Eisen seines Spießes hielt sechshundert Sekel Eisen, und sein Waffenträger schritt vor ihm her. 8Er trat hin und rief gegen die Reihen Israels und sprach zu ihnen: Warum seid ihr hergekommen, zum Kampfe gerüstet? Bin ich nicht ein Philister und ihr die Knechte Sauls? Wählet einen Mann unter euch aus, der zum Zweikampfe herabkomme. 9Vermag er mit mir zu kämpfen und schlägt er mich, so wollen wir euch dienstbar sein; werde ich aber seiner mächtig und töte ihn, so sollt ihr unsere Knechte sein und uns dienen. 10Hierauf sprach der Philister: Ich habe heute den Heerscharen Israels Hohn gesprochen: Gebet mir einen Mann, der einen Zweikampf mit mir wage! 11Als Saul und die Israeliten diese Reden des Philisters hörten, erschraken sie und fürchteten sich sehr. 12David aber, von dem oben erzählt wurde, war der Sohn eines Ephrathiters aus Bethlehem in Juda, der Isai hieß und acht Söhne hatte und zur Zeit Sauls ein alter Mann und hochbetagt war unter den Männern. 13Seine drei ältesten Söhne aber waren Saul in den Kampf gefolgt; und die Namen seiner drei Söhne, die in den Krieg gezogen waren, waren Eliab, der Erstgeborene, der zweite Abinadab und der dritte Samma. 14David aber war der Jüngste. Als nun die drei ältesten Saul gefolgt waren, 15ging David hinweg und kehrte von Saul zurück, um die Herde seines Vaters in Bethlehem zu weiden. 16Der Philister aber erschien morgens und abends und trat vierzig Tage lang hin. 17Und Isai sprach zu seinem Sohne David: Nimm für deine Brüder ein Epha Röstkorn und diese zehn Brote und gehe eilends in das Lager zu deinen Brüdern, 18und diese zehn Käse bringe dem Kriegsobersten und erkundige dich nach deinen Brüdern, ob es ihnen gut gehe, und erforsche, mit wem sie eingereiht sind. 19Saul aber stand mit ihnen und allen Söhnen Israels im Terebinthen-Tale zum Kampfe gegen die Philister. 20Da machte sich David des Morgens auf, befahl die Herde dem Hüter und ging mit seiner Last fort, wie Isai ihm geboten hatte. Als er nun zu dem Orte Magala und zum Heere kam, war dieses zum Kampfe ausgezogen und hatte das Feldgeschrei erhoben. 21Denn Israel hatte sich in Schlachtordnung aufgestellt, aber auch die Philister standen gerüstet gegenüber. 22Da ließ David die Lebensmittel, welche er mitgebracht hatte, unter der Aufsicht des Wächters bei dem Gepäck, lief auf den Kampfplatz und fragte, ob es seinen Brüdern in allem gut gehe. 23Während er noch mit ihnen redete, zeigte sich jener Bastard, Goliath mit Namen, der Philister aus Geth, aus dem Lager der Philister hervortretend, und sprach dieselben Worte, so dass David sie hörte. 24Alle Israeliten aber zogen sich, als sie den Mann sahen, vor ihm zurück und fürchteten sich vor ihm sehr. 25Und einer aus Israel sagte: Habt ihr wohl den Mann gesehen, der da hervortritt? Denn um Israel zu verhöhnen, tritt er hervor. Den Mann, der ihn schlägt, will der König mit Reichtümern überschütten und ihm seine Tochter geben und das Haus seines Vaters abgabenfrei machen in Israel. 26Da redete David mit den Männern, die bei ihm standen, und sprach: Was wird man dem Manne geben, der diesen Philister erschlägt und den Schimpf von Israel hinwegnimmt? Wer ist denn dieser unbeschnittene Philister, dass er dem Heere des lebendigen Gottes Hohn sprach? 27Da wiederholte ihm das Volk dieselben Worte und sprach: Dies wird dem Manne, der ihn erschlägt, gegeben werden. 28Als aber Eliab, sein ältester Bruder, hörte, wie er mit den anderen redete, ward er über David zornig und sprach: Warum bist du hergekommen und warum hast du die wenigen Schafe in der Wüste gelassen? Ich kenne deinen Hochmut und die Bosheit deines Herzens, denn um den Kampf zu sehen, bist du hergekommen. 29David sprach: Was habe ich getan? Ist´s mehr als ein Wort? 30Und er wandte sich ein wenig von ihm ab einem anderen zu und stellte dieselbe Frage. Und das Volk antwortete ihm dasselbe wie vordem. 31Man hörte aber die Worte, welche David sprach, und verkündete sie Saul. 32Als man ihn nun vor Saul geführt hatte, sprach er zu diesem: Keinem entsinke der Mut um seinetwillen; ich, dein Knecht, will hingehen und mit dem Philister kämpfen. 33Und Saul sprach zu David: Du vermagst nicht diesem Philister entgegenzutreten und mit ihm zu kämpfen; denn du bist jung, er aber ist ein Krieger von seiner Jugend an. 34David sprach zu Saul: Dein Knecht hütete die Herde seines Vaters; wenn nun ein Löwe, oder ein Bär kam und nahm einen Widder aus der Mitte der Herde, 35so lief ich ihnen nach und riss ihn aus ihrem Rachen; und wenn sie sich wider mich erhoben, so fasste ich sie am Kinne und erwürgte und tötete sie. 36Den Löwen wie den Bären habe ich, dein Knecht, getötet; so wird es also auch diesem unbeschnittenen Philister ergehen, wie einem von diesen. Darum will ich hingehen und die Schmach von dem Volke hinwegnehmen; denn wer ist dieser unbeschnittene Philister, dass er das Heer des lebendigen Gottes zu lästern wagte? 37Und David sprach: Der Herr, der mich den Klauen des Löwen und den Klauen des Bären entrissen hat, er wird mich auch aus der Hand dieses Philisters erretten. Da sprach Saul zu David: Gehe hin und der Herr sei mit dir! 38Da ließ Saul dem David seine Kleider anlegen, setzte ihm einen ehernen Helm auf sein Haupt und bekleidete ihn mit einem Panzer. 39Nachdem nun David dessen Schwert über seine Kleider gegürtet hatte, begann er zu versuchen, ob er in der Rüstung einhergehen könne; denn er war es nicht gewohnt. Und David sprach zu Saul: Ich kann darin nicht gehen, denn ich bin es nicht gewohnt. Und er legte alles von sich, 40nahm seinen Stab, den er immer in seiner Hand hatte, wählte sich fünf glatte Steine aus dem Bache, legte sie in die Hirtentasche, welche er bei sich trug, und nahm die Schleuder in seine Hand, und so ging er dem Philister entgegen. 41Der Philister aber kam heran und näherte sich David, und sein Waffenträger ging vor ihm her. 42Als der Philister nun hinschaute und David sah, verachtete er ihn; denn er war ein Jüngling, rötlich und schön von Ansehen. 43Und der Philister sprach zu David: Bin ich denn ein Hund, dass du mit einem Stecken zu mir kommst? Und der Philister verfluchte David bei seinen Göttern 44und sprach zu David: Komm her zu mir, ich werde dein Fleisch den Vögeln des Himmels und den Tieren des Feldes geben. 45David aber sprach zu dem Philister: Du kommst mir entgegen mit Schwert und Spieß und Schild: ich aber komme gegen dich im Namen des Herrn der Heerscharen, des Gottes der Scharen Israels, die du heute verhöhnt hast; 46der Herr wird dich in meine Hand geben und ich werde dich erschlagen und dir den Kopf abhauen und die Leichname des Heerlagers der Philister heute den Vögeln des Himmels und den Tieren der Erde geben; dass das ganze Land wisse, dass Gott mit Israel ist, 47und dass alle hier Versammelten erfahren, dass der Herr nicht durch Schwert noch Spieß Rettung schafft; denn sein ist der Kampf und er wird euch in unsere Hand geben. 48Als sich nun der Philister aufmachte und herankam und sich David näherte, eilte David und lief dem Philister zum Kampfe entgegen. 49Und er griff mit seiner Hand in die Tasche, und nahm einen Stein heraus, und mit der Schleuder ausholend, warf er und traf den Philister an der Stirn, dass der Stein in seine Stirn eindrang; und er fiel auf sein Angesicht zur Erde. 50So gewann David die Oberhand über den Philister mit Schleuder und Stein und traf den Philister und tötete ihn. Und da David kein Schwert zur Hand hatte, 51so lief er hin, trat auf den Philister, ergriff dessen Schwert, zog es aus seiner Scheide und tötete ihn und hieb ihm den Kopf ab. Als aber die Philister sahen, dass ihr Stärkster tot sei, flohen sie. 52Da stürmten die Männer von Israel und Juda vor, erhoben ein Geschrei und verfolgten die Philister, bis sie in das Tal kamen und bis vor die Tore von Akkaron, und die Philister fielen verwundet nieder auf dem Wege nach Saraim, bis nach Geth und bis nach Akkaron. 53Darauf kehrten die Söhne Israels von der Verfolgung der Philister zurück und drangen in deren Lager ein. 54David aber nahm den Kopf des Philisters und brachte ihn nach Jerusalem; dessen Waffen aber legte er in seinem Zelte nieder. 55Zu der Zeit aber, als Saul David dem Philister entgegen gehen sah, sprach er zu Abner, dem Heeresführer: Von welchem Geschlechte stammt dieser Jüngling, Abner? Abner sprach: Bei deinem Leben, o König! ich weiß es nicht. 56Und der König sprach: Frage selbst nach, wessen Sohn dieser Jüngling ist. 57Als nun David von der Tötung des Philisters zurückkam, nahm ihn Abner und führte ihn vor Saul, David aber hielt den Kopf des Philisters in seiner Hand. 58Und Saul sprach zu ihm: Von welchem Geschlechte bist du, Jüngling? David antwortete: Ich bin der Sohn deines Knechtes Isai, des Bethlehemiters.
1. Samuel 18
1Und es geschah, als er die Unterredung mit Saul beendet hatte, verband sich die Seele Jonathas innig mit der Seele Davids, und Jonathas gewann ihn lieb wie sein Leben. 2Und Saul nahm ihn an jenem Tage zu sich und gestattete ihm nicht mehr, in das Haus seines Vaters zurückzukehren. 3David aber und Jonathas schlossen einen Bund, denn er liebte ihn wie sein Leben. 4Und Jonathas zog sein Obergewand aus, mit welchem er bekleidet war, und gab es David, dazu seine übrigen Kleider, sogar sein Schwert, seinen Bogen und seinen Gürtel. 5David nun zog zu allem aus, wozu ihn Saul sandte, und hielt sich klug, so dass Saul ihn über die Kriegsleute setzte; und er war bei dem ganzen Volke beliebt, besonders in den Augen der Diener Sauls. 6Als nun David von der Tötung des Philisters zurückkehrte, zogen die Frauen aus allen Städten Israels mit Gesang und Reigen dem Könige Saul entgegen, mit Jubelpauken und Zimbeln. 7Und die Frauen spielten und sangen, diese Worte: Saul hat tausend erschlagen und David zehntausend! 8Da geriet Saul in heftigen Zorn und diese Rede missfiel in seinen Augen und er sprach: David haben sie zehntausend und mir tausend gegeben; was ist ihm noch übrig als allein das Königtum? 9Darum sah Saul den David von jenem Tage an und hinfort nicht mit rechten Augen an. 10Am folgenden Tage aber befiel der böse Geist von Gott Saul, und er tobte in seinem Hause; David aber spielte auf der Harfe, wie an den andern Tagen. Und Saul hielt den Speer in seiner Hand 11und warf ihn in der Absicht, David damit an die Wand zu spießen; aber David wich zum zweiten Male von seinem Angesichte. 12Und Saul fürchtete sich vor David, denn der Herr war mit ihm, während er von ihm selbst gewichen war. 13Deshalb entfernte ihn Saul von sich und machte ihn zum Obersten über tausend Mann; und er zog vor den Augen des Volkes aus und ein. 14Auch auf allen seinen Wegen handelte David klug und der Herr war mit ihm. 15Als Saul sah, dass er sehr klug war, fing er an ihn zu scheuen. 16Ganz Israel und Juda aber liebte David, denn er zog vor ihnen her aus und ein. 17Und Saul sprach zu David: Siehe, ich will dir meine älteste Tochter Merob zur Frau geben, nur sei tapfer und kämpfe die Kämpfe des Herrn! Saul aber dachte bei sich und sprach: Meine Hand soll sich nicht gegen ihn erheben, sondern die Hand der Philister möge über ihn kommen! 18David sprach zu Saul: Wer bin ich und was ist mein Leben oder das Geschlecht meines Vaters in Israel, dass ich der Schwiegersohn des Königs werden sollte? 19Als nun die Zeit kam, dass Merob, die Tochter Sauls, David gegeben werden sollte, ward sie dem Molathiter Hadriel zum Weibe gegeben. 20Michol aber, die andere Tochter Sauls, liebte den David; dies ward Saul berichtet und es gefiel ihm wohl. 21Und Saul sprach: Ich will sie ihm geben, dass sie ihm zum Fallstrick werde und die Hand der Philister über ihn komme. Darum sprach Saul zu David: Um zwei Dinge kannst du heut mein Schwiegersohn werden. 22Und Saul gebot seinen Dienern: redet mit David insgeheim und saget: Siehe, du gefällst dem Könige und alle seine Diener lieben dich; werde also der Schwiegersohn des Königs. 23Da redeten die Diener Sauls alle diese Worte vor den Ohren Davids und David sprach: Scheint euch das etwas Geringes, des Königs Schwiegersohn zu sein? Ich aber bin ein armer und geringer Mann. 24Und die Diener Sauls berichteten es ihm und sprachen: Solche Worte hat David geredet. 25Saul aber sprach: Saget so zu David: Der König hat keine andere Brautgabe nötig als einzig hundert Vorhäute von Philistern, damit Rache an den Feinden des Königs genommen werde. Saul aber dachte, David in die Gewalt der Philister zu liefern. 26Als nun seine Diener David die Worte berichteten, welche Saul gesprochen hatte, gefiel der Vorschlag David, dass er der Schwiegersohn des Königs werden sollte. 27So machte sich denn David nach etlichen Tagen auf und zog mit den Leuten, die ihm untergeben waren, fort und erschlug zweihundert Philister und brachte ihre Vorhäute und zählte sie dem Könige vor, um sein Schwiegersohn zu werden. Da gab ihm Saul seine Tochter Michol zur Frau. 28Und Saul sah und erkannte, dass der Herr mit David war. Michol aber, die Tochter Sauls, liebte ihn. 29Da begann Saul, sich noch mehr vor David zu fürchten und Saul ward der Feind Davids auf immer. 30Da nun die Fürsten der Philister auszogen, verhielt sich David vom Anfange ihres Auszuges an klüger als alle Diener Sauls, so dass sein Name hoch gefeiert ward.
1. Samuel 19
1Und Saul redete zu seinem Sohne Jonathas und zu allen seinen Dienern, dass sie David töten sollten. Da aber Jonathas, der Sohne Sauls, David sehr liebte, 2teilte Jonathas es David mit und sprach: Mein Vater Saul sucht dich zu töten, darum sei morgen, ich bitte dich, auf deiner Hut und halte dich versteckt und verbirg dich. 3ich aber werde mit meinem Vater hinausgehen und mich auf dem Felde neben ihn stellen, wo du immer bist, und werde zu meinem Vater von dir reden; und was ich immer sehe, werde ich dir mitteilen. 4Da redete Jonathas von David Gutes zu seinem Vater Saul und sprach zu ihm: Versündige dich nicht, o König! an deinem Diener David, denn er hat sich nicht an dir versündigt, und was er tut, bringt dir großen Nutzen. 5Er hat sein Leben freiwillig der Gefahr ausgesetzt und den Philister erschlagen und der Herr hat für ganz Israel großes Heil gewirkt. Du hast es gesehen und dich gefreut. Warum willst du dich denn an unschuldigem Blute versündigen, indem du David tötest, der doch ohne Schuld ist? 6Als Saul dies hörte, ward er durch Jonathas Rede besänftigt und schwor: So wahr der Herr lebt, er soll nicht getötet werden! 7Da rief Jonathas David und teilte ihm alle diese Worte mit, dann führte Jonathas David zu Saul und er war wieder bei ihm, wie er gestern und ehedem gewesen. 8Als aber wiederum der Krieg losbrach, zog David aus und kämpfte gegen die Philister und er brachte ihnen eine große Niederlage bei, so dass sie vor ihm flohen. 9Doch der böse Geist vom Herrn geriet über Saul, als er in seinem Hause saß und den Speer hielt, David aber spielte die Harfe. 10Da suchte Saul David mit dem Speere an die Wand zu heften, aber David wich Saul aus und der Speer traf ihn nicht, sondern fuhr in die Wand und David floh und entkam glücklich in dieser Nacht. 11Da sandte Saul seine Trabanten in Davids Haus, um ihn zu bewachen und am Morgen zu töten. Aber Michol, sein Weib, teilte es David mit und sprach: Wenn du dich diese Nacht nicht rettest, so bist du morgen des Todes. 12Dann ließ sie ihn durch das Fenster hinab und so ging er davon und floh und entkam glücklich. 13Michol aber nahm eine Bildsäule, legte sie auf das Bett, wickelte ein haariges Ziegenfell um den Kopf derselben und bedeckte sie mit Kleidern. 14Als nun Saul Häscher sandte, um David zu ergreifen, ward ihnen geantwortet, dass er krank sei. 15Da sandte Saul abermals die Boten hin mit der Weisung, nach David zu sehen, indem er sprach: Bringet ihn im Bette zu mir her, dass er getötet werde! 16Als nun die Boten kamen, fand sich die Bildsäule auf dem Bette und das Ziegenfell um ihr Haupt. 17Da sprach Saul zu Michol: Warum hast du mich so hintergangen und hast meinen Feind entfliehen lassen? Michol antwortete Saul: Weil er zu mir sprach: Lass mich fort, sonst töte ich dich! 18Nachdem sich David so durch die Flucht gerettet hatte, kam er zu Samuel nach Ramatha und berichtete ihm alles, was ihm Saul getan hatte; alsdann ging er mit Samuel von dannen und sie blieben in Najoth. 19Es ward aber Saul berichtet und gesagt: Siehe, David ist in Najoth in Ramatha! 20Da sandte Saul Häscher, um David zu ergreifen. Als diese aber den Chor der weissagenden Propheten und Samuel an ihrer Spitze sahen, kam der Geist des Herrn auch über sie und auch sie begannen zu weissagen. 21Als dies Saul berichtet ward, sandte er noch andere Boten, aber auch diese weissagten. Und Saul sandte zum dritten Male Boten, doch auch diese weissagten. Da ward Saul sehr zornig 22und ging selbst nach Ramatha, und als er bis zur großen Zisterne, die in Socho ist, gekommen war, fragte er und sprach: An welchem Orte sind Samuel und David? Man sagte ihm: Siehe, sie sind in Najoth in Ramatha! 23Als er von dort nach Najoth in Ramatha ging, kam auch über ihn der Geist des Herrn und er ging weiter, beständig weissagend, bis er nach Najoth in Ramatha kam. 24Dort zog auch er seine Oberkleider aus und weissagte mit den übrigen vor Samuel und lag unbekleidet da den ganzen Tag und die ganze Nacht. Daher entstand auch das Sprichwort: Ist auch Saul unter den Propheten?
1. Samuel 20
1David aber floh aus Najoth, das in Ramatha ist, und kam zu Jonathas und sprach zu ihm: Was habe ich getan? Was ist mein Unrecht und was mein Vergehen wider deinen Vater, dass er mir nach dem Leben trachtet? 2Er sprach zu ihm: Das sei fern! Du wirst nicht sterben; denn mein Vater wird nichts Großes oder Kleines tun, ohne es mir vorher zu offenbaren; dies allein also sollte mein Vater vor mir verborgen haben? Nein, dies kann nicht sein! 3Und er schwor David abermals. Dieser aber sprach: Dein Vater weiß wohl, dass ich Gnade in deinen Augen gefunden habe, und wird sagen: Jonathas soll das nicht wissen, damit er sich nicht etwa betrübe. Wahrlich, so wahr der Herr lebt und du lebst, zwischen mir und dem Tode ist sozusagen nur ein Schritt! 4Da sprach Jonathas zu David: Alles, was deine Seele mir sagt, tue ich für dich. 5Und David sprach zu Jonathas: Siehe, morgen ist Neumond, wo ich, wie gewöhnlich, mit dem Könige zu Tische sitzen muss; entlaß mich denn, dass ich auf dem Felde verborgen bleibe bis zum Abend des dritten Tages. 6Wenn dein Vater um sich schaut und nach mir fragt, so antworte ihm: David hat mich gebeten, eilends nach Bethlehem, seiner Stadt, gehen zu dürfen, weil dort festliche Opfer für alle seine Stammesgenossen stattfinden. 7Sagt er dann: Es ist gut, so ist Friede für deinen Diener; wird er aber zornig, so wisse, dass er Böses beschlossen hat. 8So übe nun Barmherzigkeit an deinem Diener, denn du ließest mich, deinen Diener, einen Bund des Herrn mit dir schließen. Habe ich aber ein Unrecht auf mir, so töte du mich und bringe mich nicht zu deinem Vater! 9Da sprach Jonathas: Das sei fern von dir! Denn wenn ich sicher erfahre, dass mein Vater Böses wider dich beschlossen hat, kann ich es dir unmöglich vorenthalten. 10David antwortete dem Jonathas: Wer wird mir Bescheid bringen, wenn etwa dein Vater dir eine harte Antwort betreffs meiner gibt? 11Jonathas sprach zu David: Komm, lass uns auf das Feld hinausgehen! Da sie nun beide auf das Feld gegangen waren, 12sprach Jonathas zu David: Herr, du Gott Israels! wenn ich meines Vaters Gesinnung erforsche, morgen oder übermorgen, und es etwas Gutes ist für David und ich nicht sogleich zu dir sende und es dir kundtue, 13so tue der Herr dem Jonathas dies und das dazu an! Wenn mein Vater aber in seiner bösen Gesinnung gegen dich beharrt, so werde ich es dir offenbaren und dich in Frieden ziehen lassen; und der Herr möge mit dir sein, wie er mit meinem Vater gewesen ist. 14Und wenn ich noch am Leben bin, so wirst du mir Barmherzigkeit des Herrn erweisen; bin ich aber gestorben, 15so wirst du deine Barmherzigkeit meinem Hause in Ewigkeit nicht entziehen, wenn der Herr einen jeden der Feinde Davids aus dem Lande ausgetilgt hat. Der Herr raffe Jonathas aus seinem Hause weg und lasse es die Feinde Davids entgelten. 16So schloß Jonathas einen Bund mit dem Hause Davids und der Herr ließ es wirklich die Feinde Davids entgelten. 17Und Jonathas schwor David noch einmal, weil er ihn liebte; denn wie sein Leben, so liebte er ihn. 18Und Jonathas sprach zu ihm: Morgen ist Neumond, da wird man nach dir fragen, 19denn du wirst an deinem Platze bis übermorgen vermisst werden. Komme denn eilig herab und gehe an den Ort, wo du am Werktage verborgen sein musst, und setze dich bei dem Steine nieder, der Ezel heißt. 20Ich aber werde drei Pfeile in seine Nähe hinschießen, als übte ich mich nach dem Ziele zu schießen, 21und werde dann einen Knaben hinsenden, und zu ihm sagen: Gehe hin und hole mir die Pfeile! 22Wenn ich dann dem Knaben sage: Siehe, die Pfeile liegen diesseits von dir, nimm sie, so komme zu mir, den es ist Friede für dich und es geschieht nichts Böses, so wahr der Herr lebt! Wenn ich aber zu dem Knaben sage: Siehe, die Pfeile liegen weiter von dir, so gehe in Frieden, denn der Herr lässt dich gehen. 23Für das Versprechen aber, das wir uns gegenseitig gegeben haben, sei der Herr auf ewig Zeuge zwischen mir und dir. 24Da verbarg sich David auf dem Lande, und als der Neumond kam, setzte der König sich zum Mahle. 25Als nun der König (wie gewöhnlich) auf seinem Sitze saß, der an der Wand war, erhob sich Jonathas, und Abner setzte sich neben Saul, während der Sitz Davids leer war. 26Saul aber sagte an jenem Tage nichts, denn er dachte, es sei ihm vielleicht begegnet, dass er nicht rein und noch nicht wieder rein geworden sei. 27Als aber der zweite Tag nach dem Neumonde angebrochen war und der Platz Davids wieder leer blieb, sprach Saul zu seinem Sohne Jonathas: Warum ist der Sohn Isais weder gestern noch heute zum Mahle gekommen? 28Da antwortete Jonathas dem Saul: Er hat mich inständig gebeten, nach Bethlehem gehen zu dürfen, 29und gesprochen: Lass mich gehen, denn ein feierliches Opfer wird in der Stadt gehalten und einer von meinen Brüdern hat mich eingeladen; wenn ich also in deinen Augen Gnade gefunden habe, will ich schleunig hingehen und meine Brüder sehen. Aus diesem Grunde ist er nicht zur Tafel des Königs gekommen. 30Da ward Saul über Jonathas zornig und sprach zu ihm: Du Sohn eines mannsüchtigen Weibes! Weiß ich etwa nicht, dass du den Sohn Isais liebst zur Schande für dich und zur Schande deiner ehrlosen Mutter? 31Denn solange der Sohn Isais auf Erden am Leben bleibt, wirst du und deine Herrschaft nicht feststehen. Darum sende sogleich hin und lass ihn zu mir herholen, denn er ist ein Kind des Todes. 32Jonathas aber antwortete seinem Vater Saul und sprach: Warum soll er sterben? Was hat er getan? 33Da ergriff Saul seinen Speer, um ihn zu durchbohren. Und Jonathas erkannte, dass es bei seinem Vater beschlossen sei, David zu töten. 34Darum stand Jonathas in höchster Aufregung vom Tische auf und aß am zweiten Tage des Neumondes nichts, denn er war um Davids willen betrübt, weil sein Vater ihm Schmach angetan hatte. 35Als es nun Morgen geworden war, kam Jonathas auf das Feld hinaus, wie er es mit David verabredet hatte, und ein kleiner Knabe mit ihm. 36Und er sprach zu seinem Knaben: Geh hin und hole mir die Pfeile, welche ich abschieße! Während nun der Knabe hinlief, schoß er einen andern Pfeil über den Knaben hinaus. 37Als nun der Knabe zu der Stelle kam, wo der Pfeil lag, den Jonathas abgeschossen hatte, rief Jonathas hinter dem Knaben her und sprach: Siehe, dort ist der Pfeil, weit über dich hinaus! 38Und abermals rief Jonathas hinter dem Knaben her und sprach: Hurtig, eile, stehe nicht stille! Da las der Knabe des Jonathas die Pfeile auf und brachte sie zu seinem Herrn, 39er wusste aber ganz und gar nicht, worum es sich handelte, denn nur Jonathas und David wussten um die Sache. 40Dann gab Jonathas dem Knaben seine Waffen und sprach zu ihm: Gehe und bringe sie in die Stadt! 41Als nun der Knabe weggegangen war, erhob sich David von dem Orte, der nach Mittag lag, fiel auf sein Angesicht zur Erde nieder und verneigte sich dreimal; dann küssten sie sich einander und weinten zusammen, David aber am meisten. 42Da sprach Jonathas zu David: Gehe hin in Frieden! Was wir uns beide im Namen des Herrn geschworen haben, indem wir sprachen: Zeuge sei der Herr zwischen mir und dir und zwischen meinen Nachkommen und deinen Nachkommen in Ewigkeit. 43Und David machte sich auf und ging von dannen, Jonathas aber begab sich in die Stadt.