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Die Bibel in einem Jahr · Tag 212 von 365

Jesus Sirach 33–36

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Jesus Sirach 33

1Dem, der den Herrn fürchtet, widerfährt nichts Böses, sondern in der Anfechtung beschützt ihn Gott und befreit ihn vom Bösen. 2Der Weise hasst die Gebote und die Gerechtigkeit nicht und wird nicht zerschellt wie das Schiff im Sturme. 3Ein Verständiger vertraut auf das Gesetz Gottes und das Gesetz ist ihm verlässig. 4Wer eine Frage klar beantworten will, bereite seine Rede vor; und so, nachdem er gebeten ist, wird man ihn hören; er sammle sein Wissen und dann antworte er. 5Das Herz des Toren gleicht einem Rad am Wagen und seine Gedanken sind wie eine umlaufende Achse. 6Ein spöttischer Freund ist wie ein brünstiger Hengst, der unter jedem Reiter wiehert. 7Warum hat ein Tag einen Vorzug vor dem anderen, warum ein Licht vor dem anderen, und ein Jahr vor dem anderen, da doch alles von der Sonne kommt? 8Die Weisheit des Herrn hat diesen Unterschied gemacht, nachdem die Sonne erschaffen ward und ihre vorgeschriebene Ordnung innehält. 9Er machte einen Unterschied zwischen den Zeiten und ordnete Festtage an und man feiert an demselben Feste bis zur Stunde. 10Einige Tage erhob und verherrlichte Gott und andere unter ihnen setzte er unter die Zahl der gewöhnlichen Tage. So kommen auch alle Menschen aus der Erde, aus welcher Adam erschaffen ward; 11und doch hat der Herr mit vieler Weisheit einen Unterschied unter ihnen angeordnet und ihnen verschiedene Wege vorgezeichnet. 12Einige von ihnen hat er gesegnet und erhoben, andere geheiligt und ihnen näheren Zutritt zu sich verstattet, andere hat er verflucht und erniedrigt und von dem Orte ihrer Ausscheidung vertrieben. 13Wie der Ton in der Hand des Töpfers, der ihn bildet und bearbeitet, 14wie dieser ihn ganz nach seinem Gutdünken behandelt, so ist der Mensch in der Hand seines Schöpfers; er gibt ihm nach seinem Ermessen. 15Dem Bösen steht das Gute, dem Tode das Leben entgegen; so dem Gerechten der Sünder. Betrachte so alle Werke des Allerhöchsten. Zwei Dinge stehen sich immer gegenüber, eines ist der Gegensatz zum anderen. 16Ich habe als letzter gewacht und wie einer, der hinter den Winzern Beeren sammelt. 17Gleichwohl hoffte ich gleichfalls auf den Segen Gottes und füllte wie einer, der Trauben sammelt, die Kelter. 18Bedenket, dass ich nicht für mich allein gearbeitet habe, sondern für alle, welche Unterweisung suchen. 19Höret auf mich, ihr Großen und alle Völker! Und ihr Vorsteher der Gemeinde, vernehmet es! 20Gib weder dem Sohne, noch dem Weibe noch dem Bruder oder Freunde Gewalt über dich, solange du lebst, und überlasse dein Vermögen nicht einem anderen, damit es dich nicht etwa gereue und du wieder darum bitten müssest. 21Solange du lebst und noch atmest, soll kein Mensch dich verdrängen. 22Denn es ist doch besser, dass deine Kinder dich bitten, als wenn du auf die Hände deiner Kinder schauen musst. 23In allem, was du tust, behalte die Leitung. 24Lass dein Ansehen nicht beflecken. Erst an deinem Lebensende, zur Zeit deines Abscheidens verteile dein Erbe. 25Futter, Stock und Bürde gebühren dem Esel; Brot, Zucht und Arbeit dem Knechte. 26Arbeitet er in Zucht, so sucht er auszuruhen; lässest du ihm die Hände müßig, so sucht er die Freiheit. 27Joch und Riemen beugen den harten Hals, so beugt den Knecht beständige Arbeit nieder. 28Einem böswilligen Knechte gebühren Folter und Fußeisen; treibe ihn zur Arbeit an, damit er nicht müßig gehe, 29denn der Müßiggang lehrt viel Böses. 30Stelle ihn zur Arbeit an, denn das gebührt ihm. Gehorcht er nicht, so beuge ihn mit Fußeisen; bürde aber niemanden zu viel auf und tue nichts Wichtiges ohne Überlegung. 31Hast du einen treuen Knecht, so sei er dir so wert wie deine eigene Seele; behandle ihn wie deinen Bruder, denn du hast ihn mit einer Seele erworben. 32Wenn du ihn aber ungerecht misshandelst, so wird er die Flucht ergreifen; 33und hat er sich aufgemacht und ist er davongegangen, so weißt du nicht, wen du fragen oder auf welchem Wege du ihn suchen sollst.

Jesus Sirach 34

1Eitle und trügerische Hoffnung hegt der Unverständige und Träume machen die Toren stolz. 2Wie einer, der nach dem Schatten greifen und den Wind haschen will, so ist, wer auf trügerische Träume hält. 3Traumgesichte sind, wie wenn ein Ding nach einem andern abgebildet wird, wie das Bild eines Menschen vor einem Menschen. 4Was kann von Unreinen Reines kommen? Und was kann der Lügner Wahres sagen? 5Irrige Wahrsagerei, trügerische Zeichendeuterei und Traumgesichte böser Menschen sind eitel. 6Wie das Herz einer Gebärenden leidet dein Herz an Einbildungen! Wird nicht vom Allerhöchsten eine Heimsuchung gesendet, so nimm sie nicht zu Herzen. 7Denn viele schon sind durch Träume irregeführt worden und die auf dieselben ihr Vertrauen setzten, kamen zu Falle. 8Aber ohne Trug wird die Vorschrift des Gesetzes vollkommen erfüllt und die Weisheit in glaubwürdigem Munde wird im Werke erfüllt. 9Wer nicht geprüft ist, was weiß der? Ein Mann, der viel erfahren hat, denkt auch viel; und wer viel gelernt hat, weiß mit Einsicht zu reden. 10Wer nichts erfahren hat, weiß auch wenig; wer aber viel durchgemacht hat, ist an Einsicht reich. 11Wer nicht geprüft ist, was weiß der? Wer irregeführt ward, wird List genug besitzen. 12Vieles habe ich erfahren, während ich umherirrte, und mehr Sitte sah ich als ich zu sagen vermag. 13Öfter war ich deshalb in Todesgefahr, aber ich wurde durch Gottes Gnade gerettet. 14Der Geist der Gottesfürchtigen wird beschützt und, da Gott gnädig auf ihn sieht, gesegnet. 15Denn ihre Hoffnung steht auf den, der sie rettet, und Gottes Augen sehen auf die, welche ihn lieben. 16Wer den Herrn fürchtet, darf vor nichts erschrecken und nicht zagen; denn er ist seine Hoffnung. 17Glückselig die Seele des Menschen, der den Herrn fürchtet! 18Auf wen schaut er? Und wer ist seine Stärke? 19Die Augen des Herrn ruhen auf denen, welche ihn fürchten. Er ist ein mächtiger Beschützer, eine kräftige Stütze, ein Schirm gegen die Hitze und ein Schattenbach am Mittag, 20ein Schutz vor dem Straucheln und eine Hilfe vor dem Falle. Er erhebt die Seele und erleuchtet die Augen, gibt Gesundheit, Leben und Segen. 21Wer von ungerechtem Gute opfert, dessen Gabe ich unrein und die Spöttereien der Ruchlosen können Gott nicht gefallen. 22Der Herr ist nur bei denen, die auf dem Wege der Wahrheit und Gerechtigkeit wandeln und auf ihn vertrauen. 23An den Gaben der Gottlosen hat der Allerhöchste kein Wohlgefallen und schaut nicht auf die Opfer der Ungerechten noch lässt er sich durch die Menge ihrer Opfer wegen ihrer Sünden versöhnen. 24Wer ein Opfer von dem Gute eines Armen darbringt, gleicht dem, der den Sohn angesichts seines eigenen Vaters schlachtet. 25Brot der Dürftigen ist das Leben der Armen; wer ihn um dasselbe bringt, ist ein Blutmensch. 26Wer das im Schweiße gewonnene Brot raubt, ist dem gleich, der seinen Nächsten tötet. 27Wer Blut vergießt und wer einen Taglöhner betrügt, sind Brüder. 28Der eine baut auf und der andere reißt nieder, was gewinnen sie davon mehr als Mühe? 29Der eine betet und der andere flucht, auf wessen Stimme wird Gott hören? 30Wer sich wäscht, wenn er einen Toten angerührt hat, und denselben doch wieder anrührt, was hilft dem seine Waschung? 31So ist der Mensch, welcher seiner Sünden wegen fastet und dieselben dennoch wiederum begeht; was hat er durch seine Verdemütigung gewonnen? Wer wird sein Gebet erhören?

Jesus Sirach 35

1Wer das Gesetz hält, bringt reichliche Opfer dar. 2Ein Heilsopfer ist es, auf die Gebote acht zu haben und sich aller Sünden zu enthalten. 3Ein Versöhnungsopfer und ein Gebet für Sünden ist die Meidung des Unrechtes. 4Wer ein Speiseopfer darbringt, erzeigt sich dankbar und wer Barmherzigkeit übt, bringt ein Opfer dar. 5Es ist Gott wohlgefällig, wenn man das Böse meidet, und vom Unrecht sich fern halten ist eine Sühne für die Sünde. 6Erscheine nicht leer vor dem Angesichte des Herrn, 7denn alles dies muss um des Gesetzes Gottes willen geschehen. 8Die Opfergabe des Gerechten macht den Altar fett und ist ein lieblicher Geruch vor dem Allerhöchsten. 9Das Opfer des Gerechten ist angenehm, der Herr wird seiner Opfergabe nicht vergessen. 10Gib Gott die Ehre mit frohem Herzen und mindere die Zahl der Erstlinge deiner Hände nicht. 11Bei jeder Gabe zeige ein heiteres Angesicht und weihe deine Zehnten mit Frohsinn. 12Gib dem Allerhöchsten nach der Gabe, die er verliehen, und mit freundlichem Auge, je nachdem deine Hände erworben; 13denn der Herr ist Vergelter und wird es dir siebenfach zurückgeben. 14Bringe keine schlechte Opfergabe dar, denn er nimmt sie nicht an. 15Erwarte auch nichts von einem ungerechten Opfer, denn der Herr ist Richter und bei ihm gilt kein Ansehen der äußeren Stellung. 16Der Herr nimmt auf keinen Stand des Menschen Rücksicht zum Schaden des Armen, sondern erhört das Gebet des Unterdrückten. 17Er missachtet das Flehen der Waise nicht noch auch die Witwe, wenn sie sich in Klagen ergießt. 18Fließen nicht die Tränen der Witwe über ihre Wangen und ruft sie nicht wider den, der sie ihr auspresst? 19Von ihren Wangen aber steigen sie zum Himmel empor und der Herr, der erhört, hat kein Wohlgefallen an ihnen. 20Wer Gott wohlgefällig anbetet, wird wohl aufgenommen und sein Flehen dringt bis zu den Wolken empor. 21Das Gebet dessen, der sich demütigt, dringt durch die Wolken; es hat keine Ruhe, bis es hinkommt, und lässt nicht ab, bis der Allerhöchste es ansieht. 22Und der Herr wird nicht säumen, sondern die Gerechten rächen und ihnen Recht verschaffen; der Allmächtige wird nicht Langmut gegen sie üben, bis er ihren Rücken zerschmettert. 23Er wird Rache an den Völkern nehmen, bis er die Menge der Stolzen hinwegrafft und die Zepter der Gottlosen zerbricht, 24bis er den Menschen nach ihren Taten vergilt, nach den Werken des Menschen und nach seinen Anschlägen; 25bis er Gericht hält und seinem Volke Recht verschafft und die Gerechten durch sein Erbarmen erfreut. 26Lieblich ist das Erbarmen Gottes zur Zeit der Not, wie Regenwolken zur Zeit der Trockenheit.

Jesus Sirach 36

1Erbarme dich unser, du Gott über alles! Und schau auf uns und zeige uns das Licht deiner Erbarmungen 2und sende Furcht über die Völker, welche dich nicht suchen, damit sie erkennen, dass kein anderer Gott ist außer dir, und deine großen Taten verkünden. 3Erhebe deine Hand über die fremden Völker, dass sie deine Macht erfahren. 4Denn wie du vor ihren Augen dich an uns heilig erwiesen hast, so mögest du vor unsern Augen dich an ihnen verherrlichen, 5damit sie dich erkennen, wie auch wir erkannt haben, dass kein Gott ist außer dir, o Herr! 6Erneuere die Zeichen und wiederhole die Wunder. 7Verherrliche deine Hand und deinen rechten Arm. 8Entfache deinen Grimm und gieße deinen Zorn aus. 9Vertilge den Widersacher und züchtige den Feind. 10Beschleunige die Zeit und gedenke des Endes, damit sie deine Wundertaten verkünden. 11Wer sich gerettet hat, werde vom Feuer des Zornes verzehrt; und wer dein Volk bedrückt, möge zugrunde gehen. 12Zerschmettere die Häupter der feindlichen Fürsten, die da sprechen: Außer uns ist niemand etwas! 13Sammle alle Stämme Jakobs, damit sie erkennen, dass kein Gott ist außer dir, und sie deine Wunder verkünden, und nimm sie wieder als dein Eigentum an, wie vom Anfange her. 14Erbarme dich deines Volkes, über das dein Name angerufen ist, und Israels, das du einem Erstgebornen gleichgehalten. 15Erbarme dich der Stadt deines Heiligtums, Jerusalems, der Stadt deiner Ruhe. 16Erfülle Sion mit deiner unaussprechlichen Verheißung und dein Volk mit deiner Herrlichkeit. 17Gib Zeugnis für die, welche von Anbeginn deine Geschöpfe sind, und erfülle die Weissagungen, welche die Propheten in deinem Namen verkündet haben. 18Belohne diejenigen, die auf dich harren, damit deine Propheten wahrhaftig erfunden werden, und erhöre das Gebet deiner Diener 19nach dem Segen Aarons über dein Volk; leite uns auf den Weg der Gerechtigkeit und lass alle Bewohner der Erde erkennen, dass du Gott bist, der die Ewigkeit durchschaut. 20Der Magen nimmt allerlei Speise zu sich, doch ist eine Speise besser als die andere. 21Der Gaumen erkennt das Gericht vom Wildbret und ein verständiges Herz lügenhafte Reden. 22Ein böses Herz verursacht Traurigkeit, aber ein erfahrener Mann leistet ihm Widerstand. 23Das Weib muss mit jedem Manne vorlieb nehmen, aber eine Tochter ist besser als die andere. 24Die Schönheit des Weibes erheitert das Angesicht ihres Mannes und über jedes Verlangen hinaus lässt sie des Mannes Wunsch nach ihr wachsen. 25Ist ihre Zunge versöhnlich, sanftmütig und gütig, so hat ihr Mann unter den Menschenkindern nicht seinesgleichen. 26Wer ein gutes Weib hat, legt den Grund zu seinem Wohlstande; er hat eine Gehilfin, wie er sie braucht, und eine Stütze, auf der er ruht. 27Wo kein Zaun ist, wird die Besitzung verwüstet; und wo kein Weib ist, seufzt der, der ihrer bedarf. 28Wer traut dem, der kein Nest hat und überall einkehrt, wo es dunkel wird? Er ist wie ein gegürteter Räuber, der von einer Stadt zur anderen eilt.

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