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Die Bibel in einem Jahr · Tag 211 von 365

Jesus Sirach 29–32

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Jesus Sirach 29

1Wer Barmherzigkeit übt, leiht seinem Nächsten, und wer mit seiner Hand hilfreich ist, hält die Gebote. 2Leihe deinem Nächsten zur Zeit seiner Not und statte deinem Nächsten zur rechten Zeit zurück. 3Halte Wort und handle treu gegen ihn, so wirst auch du zu jeder Zeit finden, was dir not tut. 4Viele sehen ein Darlehen als etwas Gefundenes an und bereiten jenen, die ihnen geholfen haben, Verdruss. 5Bis sie etwas erhalten, küssen sie dem Geber die Hand und machen mit demütiger Stimme Versprechungen; 6aber kommt die Zeit der Zurückgabe, so verlangen sie Aufschub, führen verdrießliche Reden, murren und schützen schwere Zeiten vor. 7Können sie auch zurückgeben, so weigern sie sich dennoch, bringen kaum die Hälfte vom Ganzen zurück und rechnen es jenem als Gefundenes an. 8Könnten sie aber nicht zurückzahlen, so bringen sie ihn um sein Geld und er hat sich ohne Verschuldung einen Feind gemacht, 9der ihm Flüche und Scheltworte zurückzahlt und ihm für Ehre und Wohltat mit Schimpf vergilt. 10Viele leihen nicht gerne, nicht aus Bosheit, sondern weil sie fürchten, unverschuldet um das Ihrige gebracht zu werden. 11Du jedoch sei gegen den Bedrängten großmütig und verziehe nicht mit deiner Spende. 12Um des Gebotes willen nimm dich des Armen an und lass ihn um seiner Not willen nicht leer von dir gehen. 13Verliere lieber dein Geld um deines Bruders und Freundes willen und verbirg es nicht unter dem Steine, wo es zugrunde geht. 14Sammle dir einen Schatz nach den Geboten des Allerhöchsten, das wird dir mehr nützen als Gold. 15Hinterlege Almosen im Herzen des Armen; es wird für dich erflehen, dass dir nichts Böses widerfährt. 1617. 18. Besser als der Schild eines Helden und besser als eine Lanze wird es gegen deinen Feind streiten. 19Ein guter Mann leistet für seinen Nächsten Bürgschaft und nur wer das Schamgefühl verloren, überlässt ihn sich selbst. 20Vergiss der Wohltat des Bürgen nicht, denn er hat sich selbst für dich dahingegeben. 21Der Sünder und der Unreine fliehen vor ihrem Bürgen. 22Der Sünder eignet sich das Gut seines Bürgen zu und der Undankbare lässt den im Stiche, der ihm herausgeholfen hat. 23Es leistet jemand für seinen Nächsten Bürgschaft; aber verliert dieser das Ehrgefühl, so wird er von ihm verlassen. 24Böse Bürgschaft hat schon viele Wohlhabende zugrunde gerichtet und wie die Meereswogen umhergeworfen. 25Mächtige Männer hat sie vom Hause weg vertrieben, dass sie unter fremden Völkern umherirren mussten. 26Ein Sünder, welcher das Gebot des Herrn übertritt, stürzt sich in böse Bürgschaft, und wer zu geschäftig ist, wird dem Gerichte verfallen. 27Nimm dich des Nächsten an nach deinem Vermögen; aber habe acht, dass du nicht zu Schaden kommest. 28Das erste im menschlichen Leben ist Wasser und Brot, Kleid und Haus, die Blöße zu decken. 29Besser die Nahrung des Armen unter einem Bretterdach als glänzende Gastmahle in der Fremde ohne Heimat. 30Sei zufrieden mit wenigem, als wäre es viel, so wirst du keine Schmähung hören, wie sie den Herumziehenden trifft. 31Ein schlimmes Leben ist es, von Haus zu Haus zu ziehen; denn wo jemand fremd ist, darf er nicht vertraulich sein und den Mund nicht auftun. 32Er wird Undankbare bewirten und speisen und tränken und überdies noch Bitteres hören müssen. 33„Komm her, Fremdling, decke den Tisch und speise mit dem, was du hast, die übrigen. 34Gehe hinaus und mache meinen angesehenen Freunden Platz, mein Bruder ist bei mir eingekehrt, ich brauche mein Haus.“ 35Hart sind für einen Mann, der Gefühl hat, Vorwürfe wegen der Beherbergung und Beschimpfung von einem Gläubiger.

Jesus Sirach 30

1Wer seinen Sohn lieb hat, hält ihn beständig unter der Rute, damit er am Ende Freude an ihm erlebe und nicht an der Nachbarn Türen klopfen müsse. 2Wer seinen Sohn wohl lehrt, wird seinetwegen Lob erlangen und darf sich seiner vor den Hausgenossen rühmen. 3Wer seinen Sohn wohl lehrt, erregt die Eifersucht seines Feindes und darf sich seiner vor seinen Freunden rühmen. 4Stirbt sein Vater, so ist es, als sei er nicht gestorben, denn er hat sein Ebenbild hinterlassen. 5Bei seinem Leben schaute er auf ihn zu seiner Freude, bei seinem Tode wird er nicht trauern und wird vor seinen Feinden nicht beschämt werden. 6Denn er hinterlässt einen Verteidiger seines Hauses gegen seine Feinde und einen dankbaren Vergelter für seine Freunde. 7Um der Seelen der Söhne willen verbindet er deren Wunden und bei jedem Laute bewegt sich sein Innerstes. 8Ein ungebändigtes Pferd wird störrisch und ein Sohn, den man gehen lässt, wird mutwillig. 9Verzärtle deinen Sohn, so musst du dich vor ihm fürchten; scherze mit ihm, so wird er dich betrüben. 10Lache nicht mit ihm, damit du nicht trauern und am Ende mit den Zähnen knirschen müssest. 11Lass ihm seinen Willen nicht in der Jugend und lass seine Gesinnungen nicht außer acht. 12Beuge seinen Nacken in der Jugend und schlage seinen Rücken, solange er jung ist, damit er nicht halsstarrig werde und dir nicht gehorche und dir herber Schmerz widerfahre. 13Lehre deinen Sohn wohl und arbeite mit ihm, dass du nicht den Kummer habest, Schande an ihm zu erleben. 14Glücklicher ist der Arme, der gesund und stark ist, als ein Reicher, der schwach ist und von Siechtum an seinem Leibe heimgesucht ist. 15Gesundheit der Seele in Heiligkeit und Gerechtigkeit ist besser als alles Gold und Silber und ein kräftiger Leib besser als unermesslicher Reichtum. 16Es gibt keinen größeren Reichtum als den Reichtum eines gesunden Leibes und keine Freude geht über die Freude des Herzens. 17Besser ist der Tod als ein Leben voll Bitterkeit und die ewige Ruhe als anhaltende Krankheit. 18Leckerbissen, unzugänglich bei verschlossenem Munde, sind wie köstliche Gerichte, die man um ein Grab setzt. 19Was nützt das Opfer einem Götzen? Er kann ja doch weder essen noch riechen. 20So der, welcher vom Herrn verfolgt wird, er trägt den Lohn seiner Missetat. 21Er sieht es vor Augen und seufzt danach, wie ein Verschnittener, der eine Jungfrau umarmen will und seufzt. 22Überlass deine Seele nicht dem Trübsinn und plage dich nicht selbst mit deinen Gedanken. 23Fröhlichkeit des Herzens ist das Leben des Menschen und ein unerschöpflicher Schatz der Heiligkeit, Frohsinn gibt dem Menschen langes Leben. 24Erbarme dich deiner Seele, gefalle Gott und sei enthaltsam; sammle dein Herz zu seiner Heiligung und halte den Trübsinn weit von dir. 25Denn Trübsinn hat schon viele getötet, und er bringt keinen Nutzen. 26Eifersucht und Zorn verkürzen die Lebenstage und die Sorge führt vor der Zeit das Alter herbei. 27Ein freigebiges und fröhliches Herz bewährt sich beim Mahle, denn es trägt für seine Speisen Sorge.

Jesus Sirach 31

1Wachen um Reichtums willen verzehrt den Leib und Sorge um denselben verscheucht den Schlaf. 2Die Sorge um künftige Dinge verkehrt den Sinn und eine schwere Krankheit macht den Geist nüchtern. 3Ein Reicher müht sich ab und sammelt Vermögen; und wenn er ruht, erfüllt er sich mit seinen Gütern. 4Ein Armer müht sich ab bei geringem Unterhalt und er wird zuletzt ein Bettler. 5Wer das Gold liebt, bleibt nicht ohne Verschuldung und wer dem Verderben nachstrebt, wird es in Fülle erlangen. 6Schon viele sind des Goldes wegen zu Falle gekommen und sein Glanz ward ihr Verderben. 7Ein Balken des Anstoßes ist das Gold für die, welche ihm opfern; wehe denen, welche ihm nachstreben, und jeder Unverständige geht dadurch zugrunde. 8Glückselig der Reiche, der unsträflich erfunden ward, der dem Golde nicht nachging und seine Hoffnung nicht auf Geld und Schätze setzte. 9Wer ist ein solcher, dass wir ihn preisen? Denn Wunderbares hat er in seinem Leben getan. 10Wer ist darin erprobt und vollkommen erfunden? Einem solchen wird ewiger Ruhm zuteil. Wer konnte sündigen und hat nicht gesündigt, Böses tun und hat es nicht getan? 11Darum bleibt sein Wohlstand gesichert durch den Herrn und seine Almosen wird die ganze Gemeinde der Heiligen verkünden. 12Wenn du an reichem Tische sitzest, so öffne nicht als erster deinen Mund danach. 13Sprich nicht: Es ist viel aufgesetzt. 14Bedenke, dass ein neidisches Auge vom Übel ist. 15Was ist Schlimmeres erschaffen als das Auge? Darum vergießt es Tränen über alles, was es sieht. 16Strecke deine Hand nicht zuerst aus, dass der Neid dich nicht beflecke und du erröten müssest. 17Überlade dich nicht bei einem Gastmahle. 18Lerne an dir selbst, was deinem Nächsten gebührt. 19Genieße wie ein mäßiger Mensch das, was dir vorgesetzt wird, damit man dich nicht ungern sehe, wenn du zuviel issest. 20Höre als erster auf, der guten Zucht wegen, und sei nicht unersättlich, damit du nicht Anstoß gebest. 21Wenn du im Kreise vieler zu Tische sitzest, so strecke deine Hand nicht eher aus als sie und verlange nicht zuerst zu trinken. 22Wie leicht begnügt sich der Gutgesittete mit wenigem Weine! Dafür wirst du im Schlafe von demselben nicht beschwert und keinen Schmerz empfinden. 23Schlaflosigkeit, Erbrechen und Leibschmerzen treffen den Unmäßigen. 24Eines gesunden Schlafes genießt der Mäßige, er schläft bis zum Morgen und seine Seele labt sich in ihm. 25Wenn du mit Speise überlastet bist, so stehe mitten während des Essens auf und brich es aus; das wird dich erleichtern und du wirst deinem Körper keine Krankheit zuziehen. 26Höre auf mich, mein Sohn! Und missachte mich nicht, in der Folge wirst du meine Worte wahr finden. 27Sei eifrig in allem, was du tust, so wird dich keine Schwachheit überraschen. 28Wer mit Speisen freigebig ist, den loben viele Lippen und das Zeugnis, das man seiner Trefflichkeit gibt, ist zuverlässig. 29Wer aber kargt mit Speisen, über den murrt die Stadt und das Zeugnis von seiner Kargheit ist wahr. 30Fordere die nicht zum Trinken auf, welche den Wein lieben; denn der Wein hat schon viele zugrunde gerichtet. 31Das Feuer erprobt die Härte des Eisens, so verrät der Wein, wenn er bis zur Trunkenheit genossen wird, die Herzen der Übermütigen. 32Wird der Wein mäßig getrunken, so gibt er den Menschen ruhiges Leben; wenn du ihn mit Maß trinkst, bleibst du nüchtern. 33Was ist das Leben für den, dem der Wein fehlt? 34Was beraubt des Lebens? Der Tod. 35Der Wein ist vom Anfang an zur Freude geschaffen und nicht zur Berauschung. 36Mäßig getrunken, erfreut der Wein Herz und Gemüt. 37Ein mäßiger Trank ist gesund für Seele und Leib. 38Der Wein verursacht, unmäßig getrunken, Streit, Zorn und viele Unfälle. 39Unmäßig getrunken, bringt der Wein der Seele Bitterkeit. 40Kühnheit und Trunkenheit sind Ursache des Anstoßes für den Toren, der Wein vermindert seine Kraft und bringt ihm Wunden bei. 41Beim Weingelage mache deinem Nächsten keine Vorwürfe und begegne ihm nicht verächtlich, wenn er heiter ist. 42Stoße kein beschimpfendes Wort gegen ihn aus und bedränge ihn nicht mit Zurückforderungen.

Jesus Sirach 32

1Hat man dich zum Vorstande gewählt, so überhebe dich nicht, sondern sei unter ihnen wie einer aus ihrer Mitte. 2Trage für sie Sorge und dann erst setze dich nieder und nimm Platz, nachdem du alle Sorgfalt angewendet, 3dass dir durch sie Freude zuteil werde und du den Ehrenkranz erhaltest und Anerkennung von den Eingeladenen erlangest. 4Nimm das Wort, wenn du der Ältere bist; denn dir kommt es zu, 5mit besonnener Überlegung zuerst zu reden, doch störe die Musik nicht. 6Wo man nicht zuhört, da rede nicht und prunke nicht zur Unzeit mit deiner Weisheit. 7Wie ein edler Rubin in goldenem Schmucke, so ist Musik beim Weingastmahle. 8Wie ein Siegel von Smaragd in goldener Einfassung, so ist ein Musikchor bei einem frohen und mäßigen Weingastmahle. 9Höre schweigend zu, so wirst du dir durch deine Bescheidenheit Gunst erwerben. 10Jüngling! In deiner eigenen Sache rede kaum. 11Wenn du zweimal gefragt wirst, so nehme deine Antwort ihren Anfang. 12In vielen Dingen sei wie ein Unwissender, höre schweigend und fragend zu. 13Bist du unter Vornehmen, so sei nicht vorlaut; und wo Greise sind, rede nicht viel. 14Dem Hagel geht der Blitz voraus, so geht vor dem Bescheidenen Anmut einher und durch Sittsamkeit erwirbst du dir viel Wohlgefallen. 15Ist die Stunde des Aufstehens da, so zögere nicht; eile aber als erster nach Haus, begib dich dorthin, dort magst du spielen 16und tun, was dir beliebt; aber hüte dich vor Sünden und übermütigen Reden. 17Und überdies preise den Herrn, der dich erschaffen hat und der dich so reichlich mit allen seinen Gütern labt. 18Wer den Herrn fürchtet, nimmt seine Zucht an und die sich zu ihm wenden, erlangen Segen. 19Wer auf das Gesetz achtet, erhält die Fülle von demselben; aber wer mit Hinterlist handelt, dem wird es zum Anstoß gereichen. 20Die den Herrn fürchten, werden das Rechte finden und die Gerechtigkeit wie ein Licht leuchten lassen. 21Ein sündiger Mensch weicht der Zurechtweisung aus und findet Ausreden, wie er sie wünscht. 22Ein Mann von Überlegung verwirft klugen Rat nicht; der, welcher fremd und übermütig ist, fürchtet auch das nicht, was zu fürchten ist. 23Ein solcher erfährt, nachdem er ohne Rat eigenwillig gehandelt, ob seiner eigenen Anschläge Rüge. 24Mein Sohn! Tue nichts ohne Rat, so wirst du nach der Tat nichts zu bereuen haben. 25Gehe nicht auf gefahrvollem Wege, so wirst du an keinen Stein stoßen; auch dem beschwerlichen Wege vertraue dich nicht an, damit du dein Leben nicht dem Anstoße preisgebest. 26Sei auf der Hut selbst vor deinen Kindern und vor deinen Hausgenossen nimm dich in acht. 27In allem deinem Tun vertraue gläubig deinem Gewissen, den das heißt in Gottes Geboten wandeln. 28Wer Gott glaubt, achtet auf die Gebote, und wer auf ihn vertraut, wird an nichts Mangel haben.

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