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Die Bibel in einem Jahr · Tag 20 von 365

Exodus 1–4

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Exodus 1

1Dies sind die Namen der Söhne Israels, die mit Jakob in Ägypten einzogen; ein jeder zog mit seiner Familie ein: 2Ruben, Simeon, Levi, Judas, 3Issachar, Zabulon, Benjamin, 4Dan, Nephthali, Gad, Aser. 5Und es waren alle die Seelen, die hervorgingen aus den Lenden Jakobs, zusammen siebzig; Joseph aber war in Ägypten. 6Hierauf starb er, und alle seine Brüder, und jenes ganze Geschlecht. 7Und die Söhne Israels wuchsen und mehrten sich, als sprossten sie aus der Erde hervor, und wurden überaus zahlreich, und erfüllten das Land. 8Unterdessen stand ein neuer König in Ägypten auf, der von Joseph nichts wissen wollte; 9der sprach zu seinem Volke: Sehet, das Volk der Söhne Israels ist zahlreich und stärker als wir. 10Wohlan, wir wollen es mit weisem Vorbedacht unterdrücken, dass es sich nicht allzu sehr mehre und, wenn ein Krieg gegen uns entstände, sich zu unsern Feinden schlage und, wenn wir besiegt werden, aus dem Lande wegziehe. 11Er setzte also Fronvögte über sie, um sie mit schweren Arbeiten nieder zu halten, und sie erbauten dem Pharao die Vorratsstädte Phithom und Ramesses. 12Aber je mehr jene sie bedrückten, desto mehr nahmen sie zu und wuchsen. 13Und die Ägypter hassten die Söhne Israel, und quälten sie, und höhnten sie, 14und verbitterten ihnen das Leben durch harte Arbeit in Lehm und Ziegeln, und durch allerlei Frondienste, mit denen sie dieselben auf dem Felde belasteten. 15Der König von Ägypten aber sprach zu den Hebammen der Hebräer, von denen eine Sephora, die andere Phua hieß, 16und gebot ihnen: Wenn ihr den Hebräerinnen beisteht und die Zeit der Geburt kommt, so tötet das Kind, wenn es ein Knabe ist; ist es aber ein Mädchen, so lasset es am Leben. 17Die Hebammen aber fürchteten Gott und taten nicht nach dem Befehle des Königs von Ägypten, sondern ließen auch die Knaben am Leben. 18Da ließ der König sie zu sich rufen und sprach: Was habt ihr getan, dass ihr die Knaben am Leben gelassen habt? 19Sie antworteten: Die Hebräerinnen sind nicht wie die ägyptischen Frauen, denn sie verstehen sich auf die Geburtshilfe und gebären, ehe wir zu ihnen kommen. 20Darum ließ Gott es den Hebammen wohl ergehen, und das Volk wuchs und ward sehr stark. 21Und weil die Hebammen Gott fürchteten, so gab er ihnen Nachkommenschaft. 22Da gebot Pharao seinem gesamten Volke und sprach: Alle Knaben, welche geboren werden, werfet in den Fluß; alle Mädchen lasset am Leben.

Exodus 2

1Nach diesen Begebenheiten ging ein Mann vom Hause Levi aus und nahm ein Weib aus seinem Stamme. 2Diese empfing und gebar einen Sohn; und da sie sah, dass er schön war, hielt sie ihn drei Monate lang verborgen. 3Als sie ihn nun nicht länger verbergen konnte, nahm sie ein Körbchen von Schilf, und verklebte es mit Harz und Pech, legte das Kind hinein, und setzte es aus im Geröhr am Ufer des Flusses. 4Indessen stand seine Schwester von ferne, um zu erfahren, welchen Ausgang die Sache nehmen werde. 5Siehe, da kam die Tochter Pharaos herab, um sich im Flusse zu baden; und ihre Jungfrauen gingen am Ufer des Stromes entlang. Als diese das Körbchen im Röhrichte sah, sandte sie eine von ihren Dienerinnen hin und ließ es holen. 6Als sie es nun öffnete und darin ein weinendes Kind sah, fühlte sie Mitleid mit ihm und sprach: Dieses ist eines von den Kindern der Hebräer! 7Da sprach die Schwester des Knaben zu ihr: Soll ich hingehen und dir ein hebräisches Weib rufen, welches das Kind nähren könne? 8Sie antwortete: Gehe hin! Und das Mädchen ging hin und rief seine Mutter. 9Da sprach die Tochter Pharaos zu ihr: Nimm diesen Knaben und nähre ihn mir, ich werde dir deinen Lohn geben. Und das Weib nahm den Knaben und zog ihn auf; und als er groß war, brachte sie ihn der Tochter Pharaos. 10Diese nahm ihn an Sohnes Statt an und gab ihm den Namen Moses: denn, sprach sie, ich habe ihn aus dem Wasser gezogen. 11Zu jener Zeit, als Moses herangewachsen war, ging er zu seinen Brüdern und er sah ihr Leiden, und wie ein Ägypter einen von den Hebräern, seinen Brüdern, schlug. 12Da sah er rings um sich, und als er sah, dass kein Mensch zugegen war, erschlug er den Ägypter und verbarg ihn im Sande. 13Am andern Tage ging er wieder hinaus und sah zwei Hebräer im Streite. Da sprach er zu dem, der Unrecht hatte: Warum schlägst du deinen Nächsten? 14Dieser antwortete: Wer hat dich zum Gebieter und Richter über uns gesetzt? Willst du mich etwa auch erschlagen, wie du gestern den Ägypter erschlagen hast? Da erschrak Moses und sprach: Wie ist diese Sache sichtbar geworden? 15Auch Pharao hörte davon und trachtete darnach, Moses zu töten; er aber floh von dem Angesichte Pharaos, und nahm seinen Aufenthalt im Lande Madian, und wohnte an dem Brunnen. 16Ein Priester von Madian aber hatte sieben Töchter; diese kamen und wollten Wasser schöpfen und die Tränkrinnen füllen, um ihres Vaters Herden zu tränken. 17Da kamen die Hirten herzu und trieben sie hinweg. Und Moses erhob sich, und schützte die Mädchen, und tränkte ihre Schafe. 18Als sie nun zu Raguel, ihrem Vater, zurückkamen, sprach er zu ihnen: warum seid ihr früher gekommen, als gewöhnlich? 19Sie antworteten: Ein Mann aus Ägypten machte uns von der Hand der Hirten frei, und half uns auch Wasser schöpfen, und gab den Schafen zu trinken. 20Da sprach er: Wo ist er? Warum habt ihr den Mann dort stehen lassen? Rufet ihn, dass er mit uns esse. 21Da schwur Moses, dass er bei ihm wohnen wolle; und er erhielt Sephora, die Tochter desselben, zum Weibe. 22Diese gebar ihm einen Sohn, den er Gersam nannte, indem er sprach: Ein Fremdling war ich in einem fremden Lande. Und sie gebar einen zweiten, den nannte er Eliezer; denn, sprach er, der Gott meines Vaters, mein Helfer, hat mich aus der Hand Pharaos errettet. 23Nach langer Zeit aber starb der König von Ägypten, und die Söhne Israels seufzten über die schwere Arbeit und schrieen laut; und ihr Geschrei stieg zu Gott auf von ihrer Arbeit. 24Und er hörte ihr Seufzen und gedachte an den Bund, welchen er mit Abraham, Isaak und Jakob geschlossen. 25Und der Herr schaute auf die Söhne Israels und erkannte sie.

Exodus 3

1Moses aber weidete die Schafe Jethros, seines Schwiegervaters, des Priesters von Madian; und als er einst die Herde tiefer in die Wüste trieb, kam er an den Berg Gottes Horeb. 2Da erschien ihm der Herr in einer Feuerflamme, die aus einem Dornbusche hervorschlug, und er sah, dass der Dornbusch brenne und nicht verbrenne. 3Und Moses sprach: Ich will doch hingehen und dieses große Gesicht schauen, warum der Dornbusch nicht verbrennt! 4Als aber der Herr sah, dass er hinging, um zu schauen, rief er ihm aus dem Dornbusche zu und sprach: Moses, Moses! Er antwortete: Hier bin ich! 5Der Herr aber sprach: Tritt nicht näher heran! Ziehe deine Schuhe von deinen Füßen, denn der Ort, auf dem du stehst, ist geheiligter Boden. 6Dann sprach er: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, und der Gott Jakobs. Da verhüllte Moses sein Angesicht; denn er wagte nicht aufzuschauen gegen Gott. 7Und der Herr sprach zu ihm: Ich habe die Bedrängnis meines Volkes in Ägypten gesehen, und ihre Klagen über die Härte derjenigen gehört, die über die Arbeiten gesetzt sind; 8und weil ich seinen Jammer kenne, bin ich herabgekommen, es aus der Gewalt der Ägypter zu erretten und es wegzuführen aus diesem Lande in ein treffliches und weit ausgedehntes Land, in ein Land, das von Milch und Honig fließt, an die Wohnsitze der Chananiter, Hethiter, Amorrhiter, Phereziter, Heviter, und Jebusiter. 9So ist also das Klagegeschrei der Söhne Israels zu mir gedrungen, und ich habe ihre Bedrängnis, welche sie von den Ägyptern erdulden, gesehen. 10So komm denn, ich will dich zu Pharao senden, dass du mein Volk, die Söhne Israels, aus Ägypten wegführest. 11Moses sprach zu Gott: Wer bin ich, dass ich zu Pharao hingehen und die Söhne Israels aus Ägypten wegführen soll? 12Da sprach er zu ihm: Ich werde mit dir sein: und dies sei dir das Zeichen, dass ich dich sende: Wenn du mein Volk aus Ägypten weggeführt hast, wirst du Gott auf diesem Berge Opfer bringen. 13Moses entgegnete Gott: Siehe, ich soll zu den Söhnen Israels gehen und zu ihnen sagen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesendet. Wenn sie nun zu mir sagen werden: Welches ist sein Name? Was soll ich ihnen antworten? 14Da antwortete Gott Moses: Ich bin, der ich bin. Und er sprach: So sollst du zu den Söhnen Israels sagen: Der da ist, hat mich zu euch gesendet. 15Und ferner sprach Gott zu Moses: Dies sollst du den Söhnen Israels sagen: Der Herr, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, und der Gott Jakobs hat mich zu euch gesendet; das ist mein Name in Ewigkeit, und so gedenke man meiner von Geschlecht zu Geschlecht. 16Gehe hin, und versammle die Ältesten von Israel, und sprich zu ihnen: Der Herr, der Gott eurer Väter, ist mir erschienen, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, und der Gott Jakobs, und hat gesagt: Ich habe euch in Gnaden heimgesucht und alles gesehen, was euch in Ägypten widerfahren ist; 17und ich habe beschlossen, euch aus der Bedrückung Ägyptens wegzuführen, in das Land der Chananiter, Hethiter, Amorrhiter, Phereziter, Heviter, und Jebusiter, in ein Land, das von Milch und Honig fließt. 18Und sie werden auf deine Stimme hören; dann gehe mit den Ältesten Israels hinein vor den König von Ägypten und sage zu ihm: Der Herr, der Gott der Hebräer, hat uns gerufen; wir werden drei Tagereisen weit in die Wüste ziehen, um dem Herrn, unserm Gott, Opfer darzubringen. 19Aber ich weiß, dass der König von Ägypten euch nicht ziehen lassen wird, es sei denn durch starke Hand. 20So werde ich dann meine Hand ausstrecken und Ägypten schlagen mit allen meinen Wundern, welche ich unter ihnen tun werde; darauf wird er euch ziehen lassen. 21Und dieses Volk werde ich bei den Ägyptern Gnade finden lassen; und wenn ihr auszieht, werdet ihr nicht mit leeren Händen weggehen; 22sondern jedes Weib soll von ihrer Nachbarin und Hausgenossin silberne und goldene Geräte und Kleider fordern; diese sollt ihr euren Söhnen und Töchtern übergeben und so Ägypten berauben.

Exodus 4

1Moses antwortete und sprach: Sie werden mir nicht glauben und auf meine Stimme nicht hören, sondern sagen: Der Herr ist dir nicht erschienen. 2Da sprach er zu ihm: Was hältst du da in deiner Hand? Er antwortete: Einen Stab. 3Da sprach der Herr: Wirf ihn hin auf die Erde! Er warf ihn hin, da ward er in eine Schlange verwandelt, so dass Moses die Flucht ergriff. 4Und der Herr sprach: Strecke deine Hand aus und ergreife sie beim Schweife! Da streckte er seine Hand aus und erfasste sie, und sie ward wieder zum Stabe. 5Damit sie glauben, sprach er, dass dir der Herr, der Gott ihrer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs erschienen ist. 6Und abermals sprach der Herr: Stecke deine Hand in deinen Busen! Als er sie nun in den Busen steckte und wieder herauszog, war sie aussätzig geworden und weiß wie Schnee. 7Und er sprach: Stecke deine Hand nochmals in deinen Busen! Da steckte er sie hinein, und als er sie wieder herauszog, war sie dem andern Fleische gleich. 8Wenn sie dir nicht glauben, sprach er, und auf das erste Wunderzeichen nicht folgen sollten, so werden sie auf das andere Wunderzeichen hin glauben. 9Wenn sie aber auch auf diese beiden Wunderzeichen hin nicht glauben und auf deine Stimme nicht hören, so nimm Wasser aus dem Strome und gieß es auf den Boden, so wird alles, was du aus dem Strome schöpfest, sich in Blut verwandeln. 10Da sprach Moses: Ich bitte, Herr, ich bin von jeher unberedt; und seit du zu deinem Knechte geredet hast, ist meine Zunge noch ungelenker und schwerfälliger geworden. 11Da sprach der Herr zu ihm: Wer hat den Mund des Menschen geschaffen? Oder wer hat den Stummen und Tauben, Sehenden und Blinden gemacht? Bin nicht ich es? 12So gehe also hin, ich werde mit deinem Munde sein und dich lehren, was du sagen sollst. 13Er aber sprach: Ich bitte, Herr, sende, den du senden willst. 14Da ward der Herr über Moses zornig und sprach: Aaron, dein Bruder, der Levit, ist, wie ich weiß, beredt, siehe, er kommt dir entgegen und wird sich von Herzen freuen, wenn er dich erblickt. 15Rede mit ihm und lege meine Worte in seinen Mund: und ich werde mit deinem Mund und seinem Munde sein und werde euch zeigen, was ihr tun sollt. 16So soll denn er statt deiner zu dem Volke reden und dein Mund sein; du aber sollst ihn in dem leiten, was Gottes Sache ist. 17Nimm auch diesen Stab da in deine Hand, mit ihm sollst du die Wunderzeichen tun. 18Da ging Moses hin, und kehrte zu Jethro, seinem Schwiegervater, zurück, und sprach zu ihm: Ich will hinziehen und zu meinen Brüdern nach Ägypten zurückkehren, um zu sehen, ob sie noch am Leben sind. Jethro sprach zu ihm: Ziehe hin in Frieden! 19Und der Herr sprach zu Moses in Madian: Mache dich auf und kehre nach Ägypten zurück; denn alle, die dir nach dem Leben trachteten, sind gestorben. 20Alsobald nahm Moses sein Weib und seine Söhne, setzte sie auf einen Esel, du zog nach Ägypten zurück, den Stab Gottes in seiner Hand tragend. 21Und der Herr sprach zu ihm, als er nach Ägypten zurückzog: Siehe zu, dass du alle Wundertaten, welche ich in deine Hand gegeben habe, vor Pharao tuest; ich werde sein Herz verstocken, und er wird das Volk nicht ziehen lassen. 22Sage zu ihm: Dies spricht der Herr: Israel ist mein erstgeborener Sohn. 23Habe ich dir befohlen: Lass meinen Sohn ziehen, dass er mir diene, und du willst ihn nicht ziehen lassen, siehe, so töte ich deinen erstgeborenen Sohn. 24Als er nun auf der Reise war, trat ihm der Herr an der Stätte der Rast entgegen und wollte ihn töten. 25Da nahm Sephora alsbald einen scharfen Stein, und beschnitt damit die Vorhaut ihres Sohnes, und berührte seine Füße, und sprach: Ein Blutbräutigam bist du mir! 26Und er ließ von ihm ab, nachdem sie gesagt hatte: Ein Blutbräutigam, um der Beschneidung willen. 27Der Herr aber sprach zu Aaron: Gehe Moses entgegen in die Wüste! Da ging er ihm an den Berg Gottes entgegen und küsste ihn. 28Und Moses erzählte dem Aaron alle Worte des Herrn, mit denen er ihn gesandt, und die Wunderzeichen, welche er ihm anbefohlen hatte. 29Hierauf gingen sie miteinander hin und versammelten alle Ältesten der Söhne Israels. 30Und Aaron verkündete alle Worte, die der Herr zu Moses geredet hatte; und dieser tat die Wunderzeichen vor dem Volke, 31und das Volk glaubte. Und da sie hörten, dass der Herr die Söhne Israels heimgesucht und ihr Elend angesehen habe, warfen sie sich zur Erde und beteten an.

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