Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).
Sprichwörter 29
1Über einen Mann, der hartnäckig den verachtet, der ihn warnt, kommt plötzliches Verderben und es wird ihm nicht mehr zu helfen sein. 2Wenn die Gerechten zahlreich werden, freut sich das Volk; wenn die Gottlosen zur Herrschaft gelangen, seufzt das Volk. 3Ein Mann, der Weisheit liebt, erfreut seinen Vater; wer aber Buhldirnen unterhält, kommt um sein Vermögen. 4Ein gerechter König bringt das Land empor, ein habsüchtiger Mann richtet es zugrunde. 5Ein Mensch, der mit schmeichelnden und falschen Worten zu seinem Nächsten redet, breitet ein Netz vor dessen Füßen aus. 6Um den bösen Menschen, der sündigt, schlingt sich ein Fallstrick; aber der Gerechte darf lobsingen und sich freuen. 7Der Gerechte kennt die Sache der Armen, der Gottlose weiß nichts von Einsicht. 8Verworfene Menschen bringen die Stadt in Gährung, Weise dagegen wenden den Grimm ab. 9Wenn ein Weiser mit einem Toren rechtet, findet er keine Ruhe, er mag zürnen oder lachen. 10Blutgierige Menschen hassen den Unschuldigen, aber die Gerechten nehmen sich seiner Seele an. 11Der Tor macht seinen Unmut Luft, der Weise verzeiht und hält für die Zukunft zurück. 12Ein Herrscher, der gern auf Lügenworte hört, hat lauter gottlose Diener. 13Der Arme und der Gläubiger begegnen einander, beide erleuchtet der Herr. 14Ein König, der den Armen nach Wahrheit Recht schafft, dessen Thron wird immerdar feststehen. 15Rute und Rüge geben Weisheit; der Knabe aber, dem sein Wille gelassen wird, macht seiner Mutter Schande. 16Wenn die Gottlosen sich mehren, mehren sich die Vergehungen; die Gerechten aber werden deren Fall sehen. 17Unterweise deinen Sohn, so wird er dir Freude bereiten und Wonne deiner Seele gewähren. 18Wenn die Weissagung aufhört, wird ein Volk zuchtlos; wer aber das Gesetz beobachtet, ist glückselig. 19Ein Knecht lässt sich durch Worte nicht bessern, denn er versteht, was du sagst, aber verschmäht es zu erwidern. 20Hast du einen Menschen gesehen, der voreilig im Reden ist? Von einem solchen ist eher Torheit als Besserung zu erwarten. 21Wer seinen Knecht von Jugend auf verzärtelt, wird ihn nachher widerspenstig finden. 22Ein zornmütiger Mann erregt Streit, und wer leicht unwillig wird, sündigt auch leicht. 23Dem Hochmütigen folgt Erniedrigung; wer aber demütigen Geistes ist, erlangt Ehre. 24Wer mit einem Diebe teilt, hasst seine Seele; er hört die Beschwörung und zeigt nichts an. 25Wer Menschen fürchtet, wird schnell zu Falle kommen; wer auf den Herrn hofft, wird erhöht werden. 26Viele suchen das Angesicht des Herrschers, aber der Herr übt Gericht über alle. 27Die Gerechten verabscheuen den Gottlosen und die Gottlosen verabscheuen die, welche auf rechtem Wege wandeln. Der Sohn, welcher das Gesetz beobachtet, wird frei vom Verderben sein.
Sprichwörter 30
1Worte des Sammlers, Sohnes des Spenders. Gesicht, welches der Mann aussprach, mit dem Gott ist, und der, durch Gottes Beistand gestärkt, spricht: 2Ich bin der unwissendste unter den Männern und die Weisheit der Menschen besitze ich nicht. 3Ich habe die Weisheit nicht gelernt und ich kenne die Wissenschaft der Heiligen nicht. 4Wer ist zum Himmel aufgefahren und herabgekommen? Wer hat den Wind in seiner Hand gehalten? Wer hat die Wasser wie in ein Kleid eingebunden? Wer hat alle Grenzen der Erde festgesetzt? Welches ist sein Name und welches ist der Name seines Sohnes, wenn du es weißt? 5Alle Worte Gottes sind durch Feuer bewährt, ein Schild ist er denen, die auf ihn vertrauen. 6Tue zu seinen Worten nichts hinzu, damit du nicht zur Rechenschaft gezogen und als Lügner erfunden werdest. 7Um zwei Dinge bitte ich dich, verschlage sie mir nicht, bevor ich sterbe. 8Eitelkeit und Lügenreden lass fern von mir sein. Armut und Reichtum gib mir nicht; gewähre mir nur, wessen ich zu meinem Unterhalte bedarf, 9dass ich nicht etwa gesättigt und zur Verleugnung verlockt werde und sage: Wer ist der Herr? oder dass ich, durch Armut getrieben, stehle und falsch schwöre bei dem Namen meines Gottes. 10Verklage einen Knecht nicht bei seinem Herrn, dass er dir nicht etwa fluche und du zu Falle kommest. 11Ein Geschlecht, das seinem Vater flucht und seine Mutter nicht segnet; 12ein Geschlecht, das sich rein dünkt und doch nicht abgewaschen ist von seinem Schmutze; 13ein Geschlecht, das die Augen hoch empor erhebt und seine Brauen hoch zieht; 14ein Geschlecht, das statt der Zähne Schwerter hat und das mit seinen Backenzähnen kaut, um die Dürftigen von der Erde und die Armen aus der Mitte der Menschen wegzufressen. 15Der Blutsauger hat zwei Töchter, die immer sagen: Gib her, gib her! Drei Dinge sind unersättlich und das vierte sagt niemals: Es ist genug! 16Die Unterwelt, ein geiles Weib, die Erde, die des Wassers nie satt wird; das Feuer aber sagt niemals: Genug! 17Ein Auge, das des Vaters spottet und die Geburt seiner Mutter verachtet, das sollen die Raben des Baches aushacken und die jungen Adler fressen. 18Drei Dinge sind mir zu schwer und das vierte verstehe ich gänzlich nicht. 19Den Weg des Adlers am Himmel, den Weg der Schlange über den Felsen, den Weg eines Schiffes inmitten des Meeres und den Weg des Mannes in der Jugend. 20So ist der Weg einer Ehebrecherin; sie isst und wischt sich den Mund und spricht: Ich habe nichts Böses getan! 21Durch drei Dinge wird die Erde erschüttert und das vierte kann sie nicht ertragen: 22durch einen Knecht, wenn er zur Herrschaft kommt; durch einen Toren, wenn er sich satt gegessen; 23durch eine gehässige Frau, wenn sie zur Ehe genommen wird; und durch eine Magd, wenn sie Erbin ihrer Herrin wird. 24Vier sind die geringsten auf Erden und doch weiser als die Weisen: 25Die Ameisen, ein schwaches Volk, und doch bereitet es sich in der Ernte Speise; 26die Kaninchen, ein kraftvolles Volk, und doch baut es sein Lager in Felsen; 27die Heuschrecken, die keinen König haben und doch in Scharen zusammen ausziehen; 28die Eidechsen, die auf ihren Händen gehen und doch sich in den Palästen der Könige finden. 29Drei sind staatlichen Schrittes und das vierte schreitet mit Glück einher: 30Der Löwe, das stärkste unter den Tieren, er erschreckt vor niemandes Begegnung; 31der Hahn mit gegürteten Lenden, der Widder; auch ist kein König, der ihm widersteht. 32Wenn ein Tor emporkommt, sieht man, dass er ein Tor ist; denn hätte er Verstand gehabt, so würde er die Hand auf seinen Mund gelegt haben. 33Wer die Euter stark drückt, um Milch herauszubringen, drückt Butter heraus; und wer sich stark schneuzt, bringt Blut hervor; und wer zum Zorn reizt, erregt Zwietracht.
Sprichwörter 31
1Worte des Königs Lamuel. Ein Gesicht, mit dem ihn seine Mutter belehrte. 2Was? mein Geliebter! Was? Geliebter meines Leibes, was? Geliebter meiner Gelübde! 3Gib dein Vermögen nicht an Frauen hin noch deinen Reichtum denen, welche Könige zugrunde richten. 4Gib Königen, o Lamuel! Gib Königen keinen Wein; denn wo Trunkenheit herrscht, gibt es kein Geheimnis. 5Sie möchten sonst trinken und des Rechts vergessen und die Sache der Armen verkehren. 6Gebet starkes Getränk den Traurigen und Wein solchen, deren Herz betrübt ist. 7Sie mögen trinken und ihrer Armut vergessen und ihres Schmerzes nicht ferner gedenken. 8Öffne deinen Mund für den Stummen und für die Sache aller Menschen, die dahingehen. 9Tue deinen Mund auf und entscheide, was gerecht ist, und schaffe dem Dürftigen und Armen Recht. 10Wer wird ein starkmütiges Weib finden? Ihr Wert ist wie der der Dinge, die weit von den äußersten Enden herkommen. 11Auf sie verlässt sich das Herz ihres Mannes und es wird ihm nicht an Gewinn fehlen. 12Sie erweist ihm Liebes und nicht Böses ihr ganzes Leben hindurch. 13Sie sorgt für Wolle und Flachs und arbeitet mit kunstfertigen Händen. 14Sie ist gleich einem Kaufmannsschiffe, von fernher holt sie ihre Nahrung. 15Sie erhebt sich am frühen Morgen und gibt das Erworbene ihren Hausleuten und Zehrung ihren Mägden. 16Sie besichtigt einen Acker und kauft ihn, von dem Gewinn ihrer Hände pflanzt sie einen Weinberg. 17Sie umgürtet ihre Lenden mit Kraft und regt rüstig ihre Arme. 18Sie fühlt und sieht, dass ihre Geschäftigkeit gut ist, und ihre Leuchte erlischt des Nachts nicht. 19Sie legt ihre Hand an große Dinge und ihre Finger erfassen die Spindel. 20Sie öffnet ihre Hand dem Armen und streckt ihre Hände dem Dürftigen entgegen. 21Sie fürchtet nicht für ihr Haus des Schnees Kälte, denn alle ihre Hausgenossen sind doppelt gekleidet. 22Sie fertigt sich Decken, feine Leinwand und Purpur ist ihr Gewand. 23Angesehen ist in der Torhalle ihr Mann, wenn er bei den Ältesten des Landes sitzt. 24Sie macht feines Linnen und verkauft es und liefert dem Chananiter Gürtel. 25Kraft und Anmut ist ihr Gewand und sie lacht am letzten Tage. 26Ihren Mund öffnet sie zur Weisheit und liebreiche Weisung ist auf ihrer Zunge. 27Sie hat acht auf den Wandel ihres Hauses und isst ihr Brot nicht müßig. 28Ihre Söhne treten auf und preisen sie glückselig, ihr Mann lobt sie: 29Viele Töchter haben sich Reichtümer gesammelt, doch du hast sie alle übertroffen! 30Trügerisch ist die Anmut und eitel die Schönheit; eine Frau, die den Herrn fürchtet, soll gepriesen werden. 31Gebet ihr von dem Ertrage ihrer Hände und in den Torhallen mögen ihre Werke ihr Lob verkünden!