Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).
Sprichwörter 25
1Auch dies sind Sprüche Salomons, welche Männer des Ezechias, des Königs von Juda, gesammelt haben. 2Gottes Ehre ist es, eine Sache zu verbergen, und der Könige Ehre, eine Sache zu erforschen. 3Wie die Höhe des Himmels und die Tiefe der Erde, so ist das Herz der Könige unerforschlich. 4Scheide die Schlacken vom Silber, so wird das lauterste Silber hervorgehen. 5Entferne die Gottlosigkeit aus der Gegenwart des Königs, so wird sein Thron durch Gerechtigkeit gefestigt. 6Prunke nicht vor dem Könige und stelle dich nicht an den Platz der Großen. 7Denn besser ist es, man sagt dir: Rücke hinauf! Als dass du vor den Fürsten erniedrigt werdest. 8Was deine Augen gesehen, bringe nicht alsbald im Streit vor; du möchtest es etwa nachher nicht wieder gutmachen können, wenn du deinen Freund entehrt hast. 9Verhandle deine Streitsache mit deinem Freunde und offenbare keinen Fremden Geheimes, 10dass er dich nicht etwa beschimpft, wenn er es hört, und nicht aufhöre, dir Vorwürfe zu machen. Gunst und Freundschaft machen frei; erhalte sie dir, dass du ohne Vorwurf bleibest. 11Wie goldene Äpfel auf silbernen Prachtschalen, so ist, wer ein Wort redet zu rechter Zeit. 12Wie ein goldenes Ohrgehäng und eine glänzende Perle, so ist der, welcher den Weisen und den warnt, der ein gelehriges Ohr schenkt. 13Wie kühlender Schnee an einem Erntetag, so ist ein treuer Bote für den, der ihn gesendet; er beruhigt dessen Seele. 14Wie Wolken und Wind, die keinen Regen bringen, so ist ein prahlerischer Mensch, der sein Versprechen nicht hält. 15Durch Gelassenheit lässt sich der Herrscher besänftigen und eine sanfte Zunge bricht, was hart ist. 16Findest du Honig, so iss, was dir genügt, damit du seiner nicht etwa übersatt werdest und ihn wieder von dir gebest. 17Halte deinen Fuß vom Hause deines Nächsten zurück, dass er deiner nicht satt und dir abgeneigt werde. 18Ein Wurfspieß und ein Schwert und ein spitziger Pfeil, so ist ein Mann, der falsches Zeugnis wider seinen Nächsten redet. 19Wie ein morscher Zahn und ein müder Fuß, so ist die Hoffnung auf einen Treubrüchigen am Tage der Not, 20und wie wenn jemand an einem Wintertage den Mantel verliert. Wie Essig auf Laugensalz ist der, welcher einem betrübten Herzen Lieder singt. Wie die Motte dem Kleide und der Wurm dem Holze, so schadet die Traurigkeit dem Herzen des Mannes. 21Wenn deinen Feind hungert, so speise ihn; wenn ihn dürstet, so gib ihm Wasser zu trinken; 22denn so wirst du glühende Kohlen auf sein Haupt sammeln und der Herr wird es dir vergelten. 23Der Nordwind vertreibt den Regen und ein finsteres Gesicht eine verleumderische Zunge. 24Besser ist es, auf der Zinne eines Daches zu sitzen, als bei einem zänkischen Weibe zu sein und in gemeinsamem Hause. 25Frisches Wasser für eine durstige Seele ist eine gute Botschaft aus fernem Lande. 26Wie eine Quelle, die ein Fuß trübt, und ein verderbter Brunnen, so ist der Gerechte, der vor dem Gottlosen erliegt. 27Wie es nicht gut bekommt, wenn jemand zu viel Honig isst, so wird der, welcher die Majestät erforschen will, von der Herrlichkeit überwältigt. 28Wie eine durchbrochene Stadt ohne Ringmauern, so ist ein Mann, der seinen Geist beim Reden nicht zu mäßigen vermag.
Sprichwörter 26
1Wie Schnee im Sommer und wie Regen in der Ernte, so unpassend ist für den Toren Ehre. 2Wie der Vogel hierhin und dorthin fliegt und der Sperling nach seinem Gefallen herumflattert, so trifft niemanden ein ohne Ursache ausgesprochener Fluch. 3Die Geißel gebührt dem Pferde, der Zaum dem Esel und die Rute dem Rücken der Toren. 4Antworte dem Toren nicht nach seiner Torheit, damit du ihm nicht gleich werdest. 5Antworte dem Toren nach seiner Torheit, damit er sich nicht weise dünke. 6Lahm an Füßen ist und Unrecht schluckt, wer seine Aufträge durch einen törichten Boten sendet. 7So wie der Lahme vergeblich schöne Beine hat, ja so wenig steht ein weiser Spruch dem Munde der Toren an. 8Wie der, welcher einen Stein auf Merkurs Steinhaufen wirft, so ist derjenige, der einem Toren Ehre erweist. 9Wie ein Dorn, der in der Hand des Trunkenen aufschießt, so ist ein weiser Spruch im Munde der Toren. 10Ein Rechtsspruch entscheidet Streithändel und wer einem Toren Stillschweigen auferlegt, besänftigt Erbitterung. 11Wie ein Hund, der zu dem, was er gespieen, zurückkehrt, so ist der Tor, der seine Torheit wiederholt. 12Siehst du einen Menschen, der sich für weise hält? Für einen Toren ist mehr Hoffnung als für ihn! 13Der Faule spricht: Ein Löwe ist auf dem Wege, eine Löwin auf den Straßen! 14Wie die Tür sich in ihren Angeln dreht, so der Faule auf seinem Bette. 15Der Faule verbirgt die Hand unter seiner Achsel und es kostet ihm Mühe, sie an seinen Mund zu bringen. 16Der Faule dünkt sich weiser als sieben Männer, die Sprüche reden. 17Wie einer, der einen Hund bei den Ohren packt, so ist der, der unbeteiligt an Zankenden vorübergeht und sich in ihren Zank einmischt. 18Wie der Schaden bringt, der todbringende Pfeile und Spieße entsendet, 19so ist der Mann, der tückisch seinem Nächsten schadet und, wenn er ertappt wird, spricht: Ich habe es im Scherz getan! 20Wenn kein Holz mehr da ist, erlischt das Feuer; so haben, ist der Ohrenbläser entfernt, die Zänkereien ein Ende. 21Wie Kohlen zur Glut und Holz zum Feuer gehören, so schürt ein zorniger Mensch Streit an. 22Die Worte des Ohrenbläsers scheinen arglos, aber sie dringen bis ins tiefste Innere. 23Wie ein irdenes Gefäß, das man mit Silberschaum zieren wollte, sind aufgeblasene Lippen, vereint mit einem bösen Herzen. 24Den Feind erkennt man an seinen Lippen, wenn er in seinem Herzen mit Trug umgeht. 25Redet er auch demütig, so traue ihm doch nicht, denn siebenfache Bosheit ist in seinem Herzen. 26Wer den Hass listig verbirgt, dessen Bosheit wird in der Versammlung aufgedeckt werden. 27Wer eine Grube gräbt, fällt selbst in dieselbe; und wer einen Stein wälzt, auf den rollt er zurück. 28Eine trügerische Zunge liebt die Wahrheit nicht und ein glatter Mund richtet Verderben an.
Sprichwörter 27
1Rühme dich nicht des morgenden Tages, denn du weißt nicht, was der kommende Tag mit sich bringt. 2Ein anderer mag dich loben und nicht dein eigener Mund, ein Fremder und nicht deine eigenen Lippen. 3Der Stein ist schwer und der Sand hat Gewicht, aber der Zorn des Toren ist schwerer als beide. 4Der Zorn kennt kein Erbarmen noch der ausbrechende Grimm, und wer kann den Ungestüm eines Aufgebrachten ertragen? 5Besser ist offener Tadel als geheim gehaltene Liebe. 6Besser sind Wunden seitens des Liebenden als trügerische Küsse vom Hasser. 7Ist die Seele satt, so tritt sie den Honig mit Füßen, und ist die Seele hungrig, so nimmt sie auch Bitteres für süß. 8Wie ein Vogel, der von seinem Neste wegfliegt, so ist ein Mann, der sein Heim verlässt. 9An Salben und allerlei Wohlgerüchen erfreut sich das Herz und süß sind der Seele die guten Ratschläge eines Freundes. 10Deinen Freund und den Freund deines Vaters verlass nicht und betritt nicht das Haus deines Bruders am Tage deiner Trübsal. Besser ist ein Freund in der Nähe als ein Bruder in der Ferne. 11Strebe nach Weisheit, mein Sohn! Und erfreue mein Herz, dass du dem, der dir Vorwürfe macht, Rede stehen könnest. 12Der Kluge verbirgt sich, wenn er Unheil sieht, die Einfältigen gehen voran und leiden Schaden. 13Nimm dem das Kleid, der sich für einen Fremden verbürgt hat, und statt von dem Fremden nimm von ihm ein Pfand. 14Wer früh aufsteht und seinen Nächsten mit lauten Segenswünschen grüßt, gleicht dem, der ihm flucht. 15Eine Dachtraufe zur Winterszeit und ein zänkisches Weib gleichen einander; 16wer ihr Einhalt tun will, ist dem ähnlich, der den Wind halten und Öl in seiner Rechten fassen will. 17Eisen wird durch Eisen geschärft und der Mensch schärft den Blick seines Nächsten. 18Wer den Feigenbaum zieht, wird von seinen Früchten essen; und wer für seinen Herrn Sorge trägt, wird geehrt werden. 19Wie im Wasser das Gesicht derjenigen wiederscheint, die in dasselbe schauen, so sind die Menschenherzen vor den Klugen aufgedeckt. 20Unterwelt und Abgrund werden nie ausgefüllt, ebenso sind auch die Augen der Menschen unersättlich. 21Wie das Silber im Schmelztiegel und das Gold im Ofen erprobt wird, so wird ein Mann durch den Mund dessen, der ihn lobt, erprobt. Das Herz des Ungerechten strebt nach Bösem, aber ein rechtschaffenes Herz strebt nach Weisheit. 22Zerstießest du auch den Toren im Mörser, wie man Grütze mit dem Stößel zerstößt, so würde seine Torheit doch nicht von ihm genommen. 23Schaue fleißig nach, wie dein Vieh aussieht, und gib auf deine Herde acht; 24denn Wohlstand bleibt dir nicht immer, oder wird die Krone von Geschlecht zu Geschlecht verliehen? 25Werden die Fluren frei, so erscheint frisches Grün und Gras wird von den Bergen gesammelt. 26Die Lämmer sind da zu deiner Bekleidung und des Ackers Kaufpreis Böcke. 27Lass dir Ziegenmilch zu deiner Nahrung genügen, zum Bedarf für dein Haus und zur Nahrung für deine Mägde.
Sprichwörter 28
1Der Böse flieht, wenn ihn auch niemand verfolgt, der Gerechte aber ist unverzagt und unerschrocken wie ein Löwe. 2Wenn ein Land sündigt, werden seiner Herrscher viele; aber wenn die Menschen weise sind und das verstehen, was man ihnen sagt, wird des Fürsten Leben verlängert. 3Ein armer Mann, der die Armen bedrückt, ist einem heftigen Regen gleich, der Hungersnot bringt. 4Die, welche das Gesetz übertreten, loben den Bösen; die es halten, ereifern sich wider ihn. 5Böse Menschen denken nicht an das Gericht; die aber den Herrn suchen, merken auf alles. 6Besser ist ein Armer, der in seiner Unschuld wandelt, als ein Reicher auf verkehrten Wegen. 7Wer das Gesetz beobachtet, ist ein weiser Sohn; wer aber Schlemmer nährt, macht seinem Vater Schande. 8Wer durch Wucher und Zins Reichtum anhäuft, sammelt ihn für einen, der gegen die Armen freigiebig ist. 9Wer sein Ohr abwendet, um das Gesetz nicht zu hören, dessen Gebet wird ein Greuel. 10Wer Gerechte irre führt auf bösem Wege, wird in sein eigenes Verderben stürzen; die Schuldlosen aber werden sein Gut in Besitz nehmen. 11Der Reiche dünkt sich weise, aber der Arme, der einsichtsvoll ist, forscht ihn aus. 12Wenn die Gerechten frohlocken, so ist der Ruhm groß; wenn die Gottlosen herrschen, gehen die Menschen zugrunde. 13Wer seine Vergehungen verheimlicht, wird kein Gelingen haben; wer sie aber bekennt und aufgibt, wird Barmherzigkeit erlangen. 14Glückselig der Mensch, der allezeit furchtsam ist; wer aber harten Gemütes ist, wird in Unglück stürzen. 15Wie ein brüllender Löwe und ein hungriger Bär ist ein gottloser Herrscher über ein armes Volk. 16Ein Fürst, dem es an Einsicht fehlt, wird viele mit Gewalt unterdrücken; wer aber die Habsucht haßt, wird lange leben. 17Einen Menschen, der mit Menschenblut belastet ist, stützt niemand, bis seine Flucht im Grabe endet. 18Wer in Unschuld wandelt, dem wird Heil widerfahren; wer auf verkehrten Wegen geht, wird auf einmal stürzen. 19Wer seinen Acker bebaut, wird Brot genug haben; wer aber dem Müßiggange ergeben ist, wird Armut in Fülle haben. 20Ein verlässlicher Mann wird viel gerühmt; wer aber hastig reich werden will, bleibt nicht ohne Schuld. 21Wer im Gerichte parteiisch ist, tut nicht gut; ein solcher wird auch für einen Bissen Brot die Wahrheit verlassen. 22Ein Mann, der mit Hast reich werden will und andere beneidet, weiß nicht, dass Mangel ihn überfallen wird. 23Wer einen Menschen tadelt, wird hernach mehr Dank bei ihm finden, als der, welcher ihn durch Schmeichelreden betrügt. 24Wer seinem Vater oder seiner Mutter etwas entzieht und sagt, dies sei keine Sünde, macht sich zum Genossen der Mörder. 25Wer groß tut und sich breit macht, richtet Streit an; wer aber auf den Herrn hofft, wird genesen. 26Wer auf seine eigene Einsicht vertraut, ist ein Tor; wer aber in Weisheit wandelt, wird Heil erlangen. 27Wer dem Armen gibt, dem wird nichts mangeln; wer aber von einem Bittenden wegsieht, wird Mangel leiden. 28Wenn die Gottlosen emporkommen, verbergen sich die Menschen; wenn jene aber zugrunde gehen, mehren sich die Gerechten.