Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).
Psalmen 73
1Eine Unterweisung Asaphs. Warum, o Gott! hast du uns auf immer verworfen und ist dein Zorn wider die Schafe deiner Weide entbrannt? 2Gedenke deiner Gemeinde, welche dein Eigentum ist von Anfang her. Du hast sie als den Anteil deines Erbes erlöst; es ist der Berg Sion, auf dem du wohnst. 3Erhebe beständig deine Hände gegen ihre maßlos stolzen Taten. Wieviel Böses hat der Feind im Heiligtume verübt! 4Es prahlten, die dich hassen, in der Mitte deiner Feste. Sie stellten ihre Zeichen auf als Siegeszeichen 5und handelten vernunftlos wie in den Toren, so auf den Zinnen des Tempels. Wie im Walde hieben sie 6mit Äxten seine Tore insgesamt aus, mit Beil und Axt stürzten sie die heilige Wohnung nieder. 7Sie steckten dein Heiligtum in Brand, entweihten die Wohnung deines Namens, sie dem Boden gleichmachend. 8Sie dachten in ihrem Sinne, ihr ganzes Geschlecht allzumal: Lasset uns alle Festtage Gottes im Lande abschaffen! 9Unsere Zeichen sehen wir nicht, kein Prophet ist mehr da, und Er kennt uns nicht mehr! 10Wie lange o Gott! soll der Feind lästern, soll der Widersacher deinen Namen beständig erbittern? 11Warum ziehst du deine Hand und deine Rechte zurück von deines Busens Mitte ganz und gar? 12Gott ist ja unser König von jeher, hat Heil gewirkt inmitten der Erde. 13Du hast in deiner Kraft das Meer festgestellt, hast der Drachen Köpfe in den Wassern zerschmettert. 14Du hast der Drachen Köpfe zerschmettert, sie den Völkern Äthiopiens zum Fraß gegeben. 15Du ließest Quellen und Ströme hervorbrechen, du ließest die Flüsse Ethans versiegen. 16Dein ist der Tag und dein ist die Nacht, du hast das Morgenrot und die Sonne geschaffen. 17Du stelltest alle Grenzen der Erde fest, Sommer und Frühling hast du geschaffen. 18Sei dessen eingedenk: der Feind schmäht den Herrn und ein törichtes Volk reizt deinen Namen. 19Gib nicht den Raubtieren die Seelen derer, die dich bekennen, preis und die Seelen deiner Armen vergiss nicht auf immer. 20Schaue hin auf deinen Bund, denn die in Finsternis dahinlebenden Bewohner des Landes haben Überfluss an Wohnungen der Ungerechtigkeit. 21Lass den Unterdrückten nicht mit Schanden abgewiesen werden, der Arme und Hilflose werden deinen Namen preisen. 22Erhebe dich, o Gott! entscheide deine Sache, gedenke der Schmach, die dir die Toren unaufhörlich zufügen. 23Vergiss nicht das Geschrei deiner Feinde, der Hochmut derer, die dich hassen, steigt fort und fort.
Psalmen 74
1Zum Ende, verdirb nicht! ein Psalmlied Asaphs. 2Wir preisen dich, o Gott! wir preisen und rufen deinen Namen an, wir verkünden deine Wunder. 3Wenn ich die geeignete Zeit gekommen sehe, werde ich gerechtes Gericht halten. 4Wenn die Erde vor Furcht vergeht und alle ihre Bewohner, ich festige ihre Säulen. 5Darum spreche ich zu den Gottlosen: Handelt nicht gottlos, und zu den Sündern: Hebet das Horn nicht in die Höhe! 6Traget nicht euer Herz hoch, redet nicht Böses wider Gott! 7Denn weder vom Aufgang noch vom Untergang noch von den Bergen der Wüste her, 8sondern Gott ist Richter. Diesen erniedrigt und jenen erhöht er, 9denn ein Becher reinen Weines, voll von Gemischtem, ist in des Herren Hand; er neigt ihn von dieser Seite zu jener, aber noch ist er nicht geleert, seine Hefe ist noch darin und fortwährend sollen davon alle Sünder der Erde trinken. 10Doch ich will es ewiglich verkünden, will dem Gotte Jakobs lobsingen 11und alle Hörner der Sünder will ich zerbrechen, aber das Horn der Gerechten soll erhöht werden.
Psalmen 75
1Zum Ende, unter den Lobliedern, ein Psalm Asaphs. Ein Lied auf die Assyrier. 2Bekannt ist Gott in Judäa, in Israel ist sein Name groß. 3Im Frieden ist seine Stätte bereitet und seine Wohnung auf Sion. 4Dort zerbrach er die Macht der Bogen, Schild, Schwert und Krieg. 5Als du wunderbar erglänztest von den ewigen Bergen her, 6erschraken alle Herzensbetörten. Sie sanken in Todesschlaf und nichts mehr fanden die Männer des Reichtums in ihren Händen. 7Von deinem Dräuen, o Gott Jakobs! entschliefen, die Rosse bestiegen. 8Du bist furchtbar, und wer vermag dir zu widerstehen, sobald du zürnst? 9Vom Himmel ließest du das Urteil vernehmen, die Erde erbebte und ward still, 10als sich Gott zum Gerichte erhob, um allen Sanftmütigen des Landes zu helfen. 11Denn des Menschen Denken muss dich preisen und seine übrigen Gedanken dich feiern. 12Gelobet und löset dem Herrn, euerm Gott, eure Gelübde, ihr alle, ringsum ihn, bringet Gaben dem Furchtbaren dar und dem, 13der die Fürsten ihres Mutes beraubt, der furchtbar ist für die Könige der Erde.
Psalmen 76
1Zum Ende, für Idithun, ein Psalm Asaphs. 2Ich rufe mit meiner Stimme zu dem Herrn, mit meiner Stimme zu Gott, dass er auf mich merke. 3Am Tage meiner Drangsal suche ich Gott, strecke meine Hände des Nachts nach ihm aus und täusche mich nicht; meine Seele will sich nicht trösten lassen! 4Ich gedenke an Gott und freue mich; mühe ich mich sorgend, so verzagt mein Geist. 5Meine Augen blicken die ganze Nacht hindurch nach Hilfe aus, ich bin voller Unruhe und kann nicht reden. 6Ich überdenke die Tage der Vorzeit und die längst entschwundenen Jahre erwäge ich 7und sinne des Nachts in meinem Herzen und sinne beständig nach und härme meinen Geist ab. 8Wird denn Gott auf ewig verwerfen oder nicht ferner mehr gnädig sein? 9Oder wird er auf immer sein Erbarmen entziehen von Geschlecht zu Geschlecht? 10Oder wird Gott vergessen, gnädig zu sein, und in seinem Zorn seine Erbarmungen zurückhalten? 11Da sprach ich: Nun beginne ich! Diese Änderung kommt von der Rechten des Allerhöchsten! 12Ich will der Taten des Herrn gedenken, denn ich habe deine Wundertaten im Gedächtnis vom Anfang her, 13und nachsinnen will ich über all dein Tun und mich vertiefen in deine Taten. 14O Gott! in Heiligkeit ist dein Weg. Wo ist ein Gott so groß wie unser Gott? 15Du bist Gott allein, der du Wunder tust; du hast unter allen Völkern deine Macht kund werden lassen. 16Du hast durch deinen Arm dein Volk erlöst, die Söhne Jakobs und Josephs. 17Es sahen dich die Wasser, o Gott es sahen dich die Wasser und gerieten in Furcht, erschüttert wurden die Tiefen. 18Gewaltig war das Rauschen der Wasser. Die Wolken donnerten und deine Pfeile fuhren hernieder. 19Der Schall deines Donners rollte daher, deine Blitze leuchteten über den Erdkreis, es bebte und erzitterte die Erde. 20Durch das Meer ging dein Weg und dein Pfad durch große Wasser und deine Spuren erkannte man nicht. 21Du führtest dein Volk wie Schafe durch Moses und Aaron.