Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).
Ijob 37
1Darüber erzittert mein Herz und bebt von seiner Stelle. 2Höret, o höret seine Stimme voll des Schreckens, den Schall, der aus seinem Munde hervorgeht. 3Unter alle Himmel hin schweift sein Blick und sein Leuchten zieht über die Grenzen der Erde hin. 4Hinter ihm her brüllt der Schall, er donnert mit der Stimme seiner Hoheit und er wird nicht gefunden, ob man wohl seine Stimme hört. 5Gott donnert mit seiner Stimme wunderbar, er, der Großes tut und Unbegreifliches; 6er gebietet dem Schnee, dass er zur Erde falle, und dem Winterregen und dem Gußregen seiner Macht; 7in aller Menschen Hand drückt er sein Siegel, dass alle seine Werke kennen. 8Dann geht das Wild in sein Versteck und weilt in seiner Höhle. 9Aus dem innern Lande kommt der Sturm und aus dem Norden die Kälte. 10Durch den Hauch Gottes friert das Eis zusammen und wieder fließen die Wasser dann sehr breit dahin. 11Die Frucht verlangt nach den Wolken und die Wolken streuen ihr Licht aus. 12Sie ziehen ringsumher, wohin sie nur des Herrschers Wille führt, zu allem, was er ihnen gebietet auf dem ganzen Erdenkreise, 13bald für einen einzigen Stamm, bald für seine Erde, bald für jeglichen Ort seiner Barmherzigkeit, wo er sie will finden lassen. 14Vernimm dies, Job! stehe still und betrachte die Wunder Gottes! 15Weißt du, wann Gott dem Regen gebot, dass er das Licht seiner Wolken strahlen lasse? 16Kennst du die weiten Wege der Wolken und hast du vollkommenes Wissen? 17Sind nicht deine Kleider heiß, wenn der Südwind durch das Land weht? 18Hast du vielleicht mit ihm die Himmel gebaut, die gar fest sind, als wären sie aus Erz gegossen? 19Tue uns kund, was wir ihm sagen sollen, denn wir sind von Finsternissen umhüllt. 20Wer möchte ihm berichten, was ich sage? Auch wenn ein Mensch nur redete, er würde verschlungen! 21Aber jetzt sieht man das Licht nicht, plötzlich wird die Luft in Wolken geballt, doch ein Wind fährt daher und zerstreut sie. 22Von Norden her kommt das Gold und ehrfurchtsvoller Lobgesang zu Gott hin. 23Würdig können wir ihn nicht auffinden, ihn, der groß an Kraft und Recht und Gerechtigkeit und unaussprechlich ist. 24Darum fürchten ihn die Männer und keiner von allen denen, die sich bedünken, weise zu sein, wagt es, ihn zu ergründen.
Ijob 38
1Da antwortete der Herr Job aus einem Wettersturm und sprach: 2Wer ist jener, der mit Reden ohne Einsicht den Ratschluss in Dunkelheit hüllt? 3Gürte wie ein Mann deine Lenden; ich will dich fragen, und du antworte mir! 4Wo warst du, als ich den Grund der Erde legte? Sage mir das, wenn du Einsicht hast! 5Wer hat ihre Masse bestimmt, wenn du es weißt? oder wer hat die Messschnur über sie gespannt? 6Worauf sind ihre Grundmauern gestützt oder wer hat ihren Eckstein eingesenkt, 7als mich die Morgensterne allzumal lobten und alle Kinder Gottes jauchzten? 8Wer umschloss mit Schranken das Meer, als es hervorbrach, wie aus Mutterschoß hervorgehend, 9als ich ihm Wolken zum Kleide gab und es in Dunkel hüllte wie in der Kindheit Windeln? 10Mit meinen Schranken umgab ich es und setzte ihm Riegel und Tore 11und sprach: Bis hierher darfst du kommen und nicht weiter dringen und hier sollst du deine schäumenden Wogen brechen. 12Hast du, seitdem du geboren, dem Morgen geboten und der Morgenröte ihren Ort gewiesen? 13Und hast du rüttelnd die Säume der Erde gefasst und die Gottlosen von ihr weggeschüttelt? 14Wie Siegelton wird sie Gestalt annehmen und dastehen wie ein Prachtkleid, 15doch den Gottlosen wird ihr Licht genommen und der starke Arm zerschmettert werden. 16Bist du bis zu den Tiefen des Meeres gelangt und gewandelt im untersten Abgrund? 17Haben sich dir die Pforten des Todes geöffnet und hast du die finstern Tore gesehen? 18Hast du der Erde Breite überschaut? Sage mir alles das an, wenn du es weißt, 19welches der Weg ist, wo das Licht wohnt, und welches die Stätte der Finsternis; 20damit du ein jedes an seine Grenze führest und die Pfade kennest zu seiner Wohnung. 21Wusstest du damals, dass du geboren werden solltest und kanntest du die Zahl deiner Tage? 22Bist du zu den Schatzkammern des Schnees gelangt oder hast du die Speicher des Hagels geschaut, 23die ich bereitet habe für Feindes Zeiten, für den Tag des Kampfes und des Krieges? 24Auf welchem Wege zerteilt sich das Licht, wie verbreitet sich die Hitze auf Erden? 25Wer hat dem heftigsten Gussregen den Lauf und dem rollenden Donner den Weg gewiesen, 26dass es auf menschenleeres Land in der Wüste regnet, wo kein Sterblicher wohnt, 27um die Öde und die Wildnis zu sättigen und grünende Pflanzen hervorzubringen? 28Wer ist des Regens Vater? Oder wer hat des Taues Tropfen erzeugt? 29Aus wessen Schoße ist das Eis hervorgegangen und wer hat den Reif vom Himmel geboren? 30Dem Steine gleich verhärten sich die Wasser und die Fläche der Tiefe zieht sich zusammen. 31Kannst du das Glanzgestirn, die Plejaden, verbunden halten oder kannst du den Kreislauf des Wagens unterbrechen? 32Führst du den Morgenstern zu seiner Zeit hervor und lässest du den Abendstern über die Kinder der Erde heraufkommen? 33Kennst du die Ordnung des Himmels und bestimmst du ihm das Verhältnis zur Erde? 34Erhebst du in der Wolke deine Stimme und wird der Wasser Gewalt dich bedecken? 35Entsendest du die Blitze, dass sie hingehen, und sagen sie, zu dir zurückkehrend: Wir sind da? 36Wer hat Weisheit in des Menschen Inneres gelegt oder wer dem Hahne Einsicht gegeben? 37Wer erzählt die Ordnung des Himmels und wer wird den Einklang der Himmel in Schlaf singen? 38Wann floss der Staub auf der Erde zusammen und klebten die Schollen aneinander? 39Wirst du etwa Beute für die Löwin erjagen und die Gier ihrer Jungen sättigen, 40wenn sie in den Höhlen lagern und im Dickicht auf der Lauer liegen? 41Wer bereitet dem Raben seine Speise, wenn seine Jungen zu Gott schreien und umherirren, weil sie keine Nahrung haben?
Ijob 39
1Kennst du die Zeit der Geburt der Steinböcke auf den Felsen oder hast du acht gehabt auf die gebärenden Hirschkühe? 2Hast du die Monde seit ihrer Empfängnis gezählt und weißt du die Zeit ihres Gebärens? 3Sie krümmen sich zum Gebären, werfen Junge und stoßen Gestöhn aus. 4Ihre Jungen sondern sich ab und gehen hin auf die Weide, sie laufen davon und kehren nicht wieder zu ihnen zurück. 5Wer hat den wilden Esel freigegeben und wer hat seine Bande gelöst, 6dem ich die Wüste zur Behausung gab und das salzige Land zu seinem Zelte? 7Er verachtet das Getümmel der Stadt und hört nicht das Geschrei des Treibers. 8Er sieht sich rings die Berge zur Weide aus und spurt nach jedem Grün. 9Wird wohl das Nashorn dir dienen wollen oder an deiner Krippe weilen? 10Kannst du das Nashorn zum Pflügen an dein Seil spannen? Oder wird es hinter dir her der Furchen Schollen brechen? 11Setzest du etwa auf seine große Stärke dein Vertrauen und überlässest du ihm deine Arbeit? 12Traust du ihm zu, dass es dir die Saat einbringt und sie auf deine Tenne sammelt? 13Des Straußes Fittich gleicht den Schwingen des Storches und des Habichts. 14Wenn er seine Eier der Erde überlässt, erwärmst du sie etwa im Sande? 15Er vergisst, dass sie der Fuß zertreten oder das Wild des Feldes zerstampfen kann. 16Er ist hart gegen seine Jungen, als wären sie nicht die seinigen; ob er sich umsonst gemüht, darüber hat er kein Bangen. 17Denn Gott hat ihm die Klugheit versagt und hat ihm keine Einsicht gegeben. 18Wenn aber seine Zeit kommt, richtet er seine Flügel empor; er lacht des Rosses und seines Reiters. 19Kannst du etwa dem Rosse Stärke geben und Wiehern seinem Hals verleihen? 20Kannst du es aufspringen lassen wie die Heuschrecken? Sein prächtiges Schnauben, wie furchtbar! 21Er scharrt den Boden mit dem Hufe, steigt mutig empor, sprengt den Gewappneten entgegen, 22er verachtet die Furcht und weicht dem Schwerte nicht aus. 23Auf ihm klirrt der Köcher, blitzt Lanze und Schild. 24Schäumend und tobend schlürft es den Boden und achtet es nicht, wenn der Posaune Schmettern erklingt. 25Kaum hört er die Trompete, so ruft es: Hui! Aus der ferne wittert es den Kampf, der Führer Rufen und des Heeres Schlachtgeschrei! 26Fiedert sich durch deine Weisheit der Habicht, wenn er seine Flügel nach dem Süden zu ausbreitet? 27Erhebt sich auf dein Geheiß der Adler und baut sein Nest in steiler Höhe? 28Auf Felsen wohnt er und weilt auf jähen Spitzen und auf unzugänglichen Klippen. 29Von dort späht er nach Fraß aus und in die Ferne schauen seine Augen. 30Seine Jungen schlürfen Blut, und wo nur ein Leichnam ist, da ist er alsbald. 31Und der Herr redete weiter und sprach zu Job: 32Ist, der mit Gott rechtet, so leicht zum Schweigen gebracht? Wahrlich! wer Gott tadelt, soll ihm auch antworten. 33Da antwortete Job dem Herrn und sprach: 34Da ich leichtfertig geredet, was will ich antworten? Ich will meine Hand auf meinen Mund legen. 35Eines habe ich geredet, o hätte ich es doch nicht gesagt, und ein zweites; zu diesem will ich nichts hinzutun.
Ijob 40
1Der Herr aber antwortet dem Job aus dem Wetterturme und sprach: 2Gürte als ein Mann deine Lenden, ich will dich fragen, und du sage mir an! 3Wirst du mein Gericht zunichte machen und mich verdammen, damit du Recht behaltest? 4Hast du denn einen Arm wie Gott und donnerst du mit gleichem Schalle? 5Umkleide dich mit Schmuck, erhebe dich hoch, sei herrlich und lege schöne Gewänder an! 6Zerstreue die Stolzen in deinem Grimme und demütige alle Hoffärtigen mit einem Blicke! 7Blick alle Stolzen an und mache sie zuschanden und zermalme die Gottlosen an ihrer Stätte! 8Birg sie im Staube allzumal, und versenke ihr Angesicht in die Grube. 9Alsdann will ich bekennen, dass deine Rechte dich zu retten vermag. 10Siehe, der Behemoth, den ich gemacht wie dich, frißt Gras wie ein Rind. 11Seine Kraft ist in seinen Lenden und seine Stärke in den Sehnen seines Leibes. 12Er streckt seinen Schwanz gleich der Zeder aus, die Nerven seiner Weichen sind verschlungen. 13Seine Knochen sind wie Röhren von Erz, sein Knorpelwerk wie Eisenstäbe. 14Er ist der Erstling der Wege Gottes; der ihn gemacht hat, passt ihm sein Schwert an. 15Ihm tragen die Berge Futter, alle Tiere des Feldes spielen daselbst. 16Im Schatten schläft er im Rohrversteck und an sumpfigen Orten. 17Schattige Plätze bieten ihm Schatten, des Stromes Weiden umgeben ihn. 18Siehe, er schlürft einen Fluß und staunt nicht und bleibt ruhig, wenn ein Jordan in seinen Mund flutet. 19Vor seinen Augen fängt man ihn wie mit der Angel und mit Sprenkeln durchbohrt man seine Nase. 20Kannst du den Leviathan mit der Angel herausziehen und mit dem Stricke seine Zunge binden? 21Kannst du einen Ring in seine Nase legen oder mit einem Haken seine Backen durchbohren? 22Wird er an dich viele Bitten richten oder dir sanfte Worte geben? 23Wird er einen Bund mit dir schließen, dass du ihn für immer zum Knechte nehmest? 24Wirst du mit ihm spielen wie mit einem Vogel oder ihn anbinden für deine Mädchen? 25Werden Freunde ihn zerschneiden, Kaufleute ihn verteilen? 26Kannst du das Netz mit seiner Haut füllen und den Fischbehälter mit seinem Kopfe? 27Lege deine Hand an ihn! Denke aber an den Kampf, du wirst ihn nicht wieder herausfordern. 28Siehe, seine Hoffnung täuscht ihn und vor aller Augen liegt er hingestreckt.