Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).
Ijob 33
1So höre denn, Job, meine Worte und merke auf alle meine Reden! 2Siehe, ich habe meinen Mund aufgetan, meine Zunge soll in meinem Gaumen reden. 3Aus aufrichtigem Herzen sollen meine Reden kommen und meine Lippen lautere Meinung sprechen! 4Der Geist Gottes hat mich geschaffen, der Odem des Allmächtigen mir das Leben gegeben. 5Wenn du vermagst, so antworte mir und halte stand wider mein Angesicht! 6Siehe, mich wie dich hat Gott gemacht und aus demselben Lehme bin auch ich gebildet. 7Aber Staunen über mich schrecke dich nicht und meine Beredsamkeit falle dir nicht schwer! 8So hast du denn vor meinen Ohren geredet und ich hörte den Laut deiner Worte: 9Ich bin rein und ohne Sünde, unbefleckt, und keine Ungerechtigkeit ist an mir! 10Weil er Anklage wider mich gefunden hat, darum erachtete er mich für seinen Feind. 11Er legte meine Füße in den Block, beobachtete alle meine Wege. 12Das ist´s also, worin du nicht Recht hast. Ich werde dir antworten, denn Gott ist größer als der Mensch. 13Du rechtest mit ihm, dass er dir nicht auf alle Worte antwortet? 14Einmal redet Gott und zum zweiten Male wiederholt er nicht das Gleiche. 15Im Traume, im nächtlichen Gesichte, wenn tiefer Schlaf auf die Menschen fällt und sie auf ihrem Lager schlummern, 16dann erschließt er die Ohren der Menschen und lehrt sie und unterweist durch Warnung, 17dass er den Menschen von dem abwende, was er tut, und ihn von dem Übermut befreie 18und seine Seele dem Verderben entreiße und sein Leben, dass er nicht ins Schwert falle. 19Auch züchtigt er ihn mit Schmerzen auf seinem Lager und lässt alle seine Gebeine verdorren. 20Zum Ekel wird ihm das Brot in seinem Leben und seiner Seele die zuvor ersehnte Speise. 21Sein Fleisch schwindet dahin und sein Gebein, das bedeckt war, liegt entblößt da. 22Seine Seele naht dem Verderben und sein Leben tödlichen Übeln. 23Wenn dann ein Bote Gottes, einer aus tausenden, für ihn Fürbitte einlegt, dass er des Menschen Gerechtigkeit verkünde, 24so wird er sich seiner erbarmen und sagen: Befreie ihn, damit er nicht hinabfahre zum Verderben; ich habe gefunden, wodurch ich ihm versöhnt werde. 25Sein Fleisch ist von Qualen verzehrt, lass ihn zu den Tagen seiner Jugend wieder zurückkehren. 26Er wird zu Gott flehen und dieser wird ihm gnädig sein und ihn sein Angesicht in Jubel schauen lassen und dem Menschen seine Gerechtigkeit wiedergeben. 27Er wird auf die Menschen blicken und sprechen: Ich habe gesündigt und wahrhaftig gefehlt, aber nicht empfangen, wie ich es verdiente. 28Er rettete seine Seele, dass sie nicht zum Verderben hinfuhr, sondern im Leben das Licht schaute. 29Sehet, dies alles tut Gott dreimal mit einem jeden, 30dass er ihre Seelen von dem Verderben zurückbringe und sie mit dem Lichte der Lebenden erleuchte. 31Merke auf, Job! und höre mich und schweige, während ich rede. 32Hast du aber dann etwas zu sagen, so antworte mir, rede, denn ich wünsche, dass du als gerecht erscheinest! 33Hast du aber nichts, so höre mich, schweige, und ich werde dich Weisheit lehren!
Ijob 34
1Eliu fuhr also fort und sprach folgendermaßen: 2Höret, ihr Weisen! meine Worte und ihr Verständigen, merket auf mich! 3denn das Ohr prüft die Worte und der Gaumen unterscheidet die Speisen nach dem Geschmacke. 4Lasset uns das Rechte erwählen und gemeinsam ersehen, was besser ist! 5Job hat gesagt: Ich bin gerecht und Gott hat mein Recht verkehrt, 6denn auf Lüge stützt sich das Urteil gegen mich, mich traf ein harter Pfeil, ohne dass ich mich versündigt hatte. 7Wer ist ein Mann, wie Job ist, der Lästerung wie Wasser trinkt? 8Der mit den Übeltätern umgeht und mit den Gottlosen wandelt? 9Denn er sprach: Nicht ist der Mensch Gott genehm, selbst wenn er mit Eifer vor Gott wandelte. 10Darum, Männer von Einsicht, höret mich! fern sei von Gott Bosheit und von dem Allmächtigen Unrecht. 11Denn nach des Menschen Tun vergilt er ihm und gibt jedem zurück nach seinem Wandel. 12Denn wahrlich! Gott verdammt nicht ohne Grund und der Allmächtige verkehrt das Recht nicht. 13Welchen andern hat er über die Erde gesetzt? Oder wen hat er über das Erdenrund gestellt, das er geschaffen hat? 14Wenn er seinen Sinn auf ihn richtete, dessen Geist und Odem an sich zöge, 15so würde alles Fleisch zusamt vergehen und der Mensch würde wieder zu Staub werden! 16Wenn du also Einsicht hast, so höre, was gesagt wird, und merke auf die Stimme meiner Rede! 17Kann wohl der, welcher das Recht nicht liebt, Heilung finden? Und wie magst du den, der gerecht ist, so sehr verdammen? 18Ihn, der zum Könige spricht: Abtrünniger! der die Fürsten Frevler nennt, 19der die Hoheit der Fürsten nicht ansieht und den Gewaltherrscher nicht kennt, wenn er mit dem Armen im Streite liegt; denn alle sind seiner Hände Werk. 20Jählings sterben sie und mitten in der Nacht werden die Völker aufgeschreckt und fahren dahin und der Gewalttätige wird hinweggenommen ohne Menschenhand. 21Denn seine Augen schauen auf die Wege der Menschen und er hat acht auf alle ihre Schritte. 22Es gibt keine Finsternis und keinen Todesschatten, in welchen sich die Übeltäter verbergen könnten. 23Denn nicht weiter steht es in des Menschen Gewalt, ob er zu Gott ins Gericht kommen will. 24Er zerschmettert viele, ja unzählige, und setzt andere an ihre Stelle; 25denn er kennt ihre Werke und darum führt er die Nacht herbei und sie werden zermalmt. 26Als Gottlose schlug er sie an einem Orte, wo alle es sahen, 27jene, die wie mit Vorbedacht von ihm abgewichen sind und alle seine Wege nicht verstehen wollten, 28so dass sie das Geschrei des Notleidenden zu ihm kommen machten und er die Stimme der Armen hörte. 29Denn wenn er Frieden gewährt, wer könnte verdammen? Wenn er sein Antlitz verbirgt gegen Völker oder gegen alle Menschen, wer kann ihn schauen? 30Ja, er lässt um der Sünden des Volkes willen einen Heuchler herrschen. 31Weil ich nun vor Gott geredet habe, so will ich auch dir nicht wehren! 32Habe ich geirrt, so belehre mich; habe ich unrecht geredet, so will ich von nun an es nicht mehr tun! 33Fordert etwa Gott es von dir, weil es dir missfallen hat? Du hast ja angefangen zu reden und nicht ich; wenn du etwas besser weißt, so sprich! 34Einsichtige Männer mögen zu mir reden und ein weiser Mann mich hören, 35Job aber hat töricht geredet und seine Worte künden keine Klugheit. 36Mein Vater! Möchte Job fort und fort geprüft werden, lass nicht ab von dem Manne des Unrechts! 37Denn er fügt zu seinen Sünden die Lästerung hinzu, er werde einstweilen von uns in die Enge getrieben; alsdann mag er Gott mit seinen Reden zur Entscheidung herausfordern.
Ijob 35
1Eliu redete abermals also: 2Scheint dir etwa dein Gedanke berechtigt, dass du sagtest: Ich bin gerechter als Gott? 3Denn du sprachst: Es gefällt dir nicht, was Recht ist; oder was tut es dir, wenn ich sündige? 4Darum will ich antworten auf deine Reden und deinen Freunden und dir Antwort geben. 5Schaue zum Himmel auf und siehe und betrachte den Luftkreis, wie sie höher sind als du! 6Wenn du sündigst, was schadest du ihm? Und wenn sich deine Missetaten noch so sehr häufen, was tust du ihm an? 7Und wenn du recht tust, was schenkst du ihm oder was empfängt er aus deiner Hand? 8Dem Menschen, der deinesgleichen ist, schadet deine Bosheit und einem Menschenkinde hilft deine Gerechtigkeit. 9Sie schreien ob der Menge der Bedrücker und weinen überlaut ob des gewalttätigen Armes der Tyrannen, 10doch keiner sagt: Wo ist Gott, der mich geschaffen, der Lobgesänge schenkte in der Nacht, 11der uns belehrt vor den Tieren der Erde und uns Weisheit gibt vor den Vögeln des Himmels? 12Dort schreien sie und er erhört nicht ob des Übermutes der Bösen. 13Darum wird Gott leeres Rufen nicht hören und der Allmächtige die Sache eines jeden prüfen. 14Magst du auch sprechen: Er hat nicht acht: so richte dich doch vor ihm und harre seiner. 15Denn jetzt verhängt er nicht seinen Grimm noch rächt er den Frevel streng. 16Darum öffnet Job seinen Mund ohne Grund und macht viele Worte ohne Einsicht.
Ijob 36
1Weiter fuhr Eliu fort und sprach also: 2Habe noch ein wenig Geduld mit mir, so will ich es dir zeigen, denn noch habe ich für Gott zu reden. 3Vom Ursprunge her hole ich meine Weisheit und werde meinen Schöpfer als gerecht erweisen. 4Denn wahrlich! ohne Trug sind meine Reden und vollkommene Einsicht wird sich dir erproben. 5Gott verwirft die Mächtigen nicht, da er auch selbst mächtig ist; 6aber die Gottlosen rettet er nicht und den Armen schafft er Recht. 7Er wendet von den Gerechten seine Augen nicht ab und setzt sie wie Könige auf ewig auf den Thron und sie werden erhöht. 8Und wenn sie in Ketten sind und gefesselt mit Banden der Armut, 9so tut er ihnen ihre Werke kund und ihre Laster, weil sie Gewalttat verübt, 10und öffnet ihr Ohr, sie zu mahnen, und redet zu ihnen, dass sie umkehren von der Bosheit. 11Wenn sie hören und sich unterwerfen, so werden sie ihre Tage im Glücke vollenden und ihre Jahre in Herrlichkeit. 12Hören sie aber nicht, so werden sie in das Schwert fallen und durch ihre Torheit hinsinken. 13Heuchler und Arglistige fordern den Zorn Gottes heraus; sie rufen nicht, wenn sie gefesselt sind. 14Es stirbt im Ungewitter ihre Seele und ihr Leben unter Lustbuben. 15Aber den Armen rettet er aus seiner Bedrängnis und erschließt sein Ohr in der Trübsal. 16So wird er denn aus dem Rachen der Not, der keinen Boden unter sich hat, dich ins Weite retten und dein Tisch wird friedlich und voll des Fettes sein. 17Deine Sache ist abgeurteilt wie die eines Gottlosen, Spruch und Urteil wirst du erhalten. 18Soweit übermanne dich also nicht der Zorn, dass du jemanden unterdrückst, noch beuge dich die Menge der Sühnegaben. 19Entsage deiner Größe ohne Heimsuchung und allen, welche durch die Stärke mächtig sind. 20Ziehe die Nacht nicht herbei, da in ihr Volk um Volk dahingeht. 21Hüte dich, zum Unrecht dich hinzuneigen; denn ihm hast du begonnen nachzugehen, seitdem du im Elende bist. 22Siehe, Gott ist erhaben in seiner Macht und keiner ist ihm gleich unter den Gesetzgebern. 23Wer könnte seine Wege erforschen oder wer kann zu ihm sagen: Du hast Unrecht getan? 24Bedenke, dass du sein Werk nicht kennst, von dem die Männer gesungen haben. 25Alle Menschen sehen ihn, ein jeder schaut von ferne. 26Siehe, Gott ist groß und ist erhaben über unser Wissen, die Zahl seiner Jahre ist nicht zu schätzen. 27Er zieht die Wassertropfen hinauf und gießt Gußregen wie Ströme herab, 28die aus den Wolken niederfließen, welche alles von oben her bedecken. 29Will er die Wolken ausspannen wie sein Gezelt 30und von oben her das Licht seiner Blitze leuchten lassen, so bedeckt er auch die äußersten Enden des Meeres. 31Denn dadurch richtet er die Völker und gibt Speise den vielen Sterblichen. 32In seinen Händen verbirgt er das Licht und gebietet ihm, dass es wieder scheine. 33Seinem Freunde gibt er Kunde davon, dass es sein eigen ist und dass er zu demselben aufsteigen kann.