Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).
Ijob 21
1Job antwortete und sprach: 2Höret doch meine Reden und tuet Buße! 3Ertraget mich, und ich will reden, und wenn es euch gut scheint, spottet nach meinen Worten. 4Ist denn mein Rechten wider einen Menschen gerichtet, dass ich nicht billig betrübt sein sollte? 5Merket auf mich und entsetzet euch und leget den Finger auf euern Mund! 6Auch ich, wenn ich daran denke, schaudere und Zittern erfasst mein Fleisch. 7Warum bleiben denn die Gottlosen am Leben und kommen empor und erstarken durch Reichtum? 8Ihre Nachkommen bleiben vor ihnen, der Verwandten und Enkel Schar vor ihren Augen. 9Ihre Häuser sind ungefährdet und in Frieden und die Rute Gottes kommt nicht über sie. 10Ihr Rind empfängt und verwirft nicht, die Kuh kalbt und verliert ihre Frucht nicht. 11Ihre Kleinen ziehen aus wie eine Herde und ihre Kinder hüpfen in frohem Spiele. 12Sie halten Pauken und Zithern und freuen sich beim Klange der Schalmeien. 13Sie bringen ihre Tage im Wohlleben zu und fahren zur Unterwelt in einem Augenblick. 14Und das sind jene, die zu Gott sprachen: Weiche von uns, und die Kenntnis deiner Wege wollen wir nicht! 15Wer ist der Allmächtige, dass wir ihm dienen sollen, und was nützt es uns, wenn wir zu ihm beten? 16Doch weil ihr Glück nicht in ihren Händen ist, so sei der Gottlosen Gesinnung fern von mir! 17Wie oft wird die Leuchte der Gottlosen erlöschen und wird über sie eine Wasserflut hereinbrechen! Und wie oft wird Gott die Schmerzen seines Grimmes ihnen zuteilen! 18Sie werden wie Spreu vor dem Winde sein und wie Asche, die der Sturmwind zerstreut. 19Gott spart des Vaters Schmerzen für seine Kinder auf; und wenn er ihm vergolten, wird er es inne werden. 20Seine Augen werden seinen Untergang schauen und er wird vom Grimme des Allmächtigen trinken. 21Denn was kümmert ihn sein Haus nach seinem Tode, und dass die Zahl seiner Monde abgekürzt ist? 22Wird etwa jemand Gott Weisheit lehren, ihn, der die Höchsten richtet? 23Dieser stirbt stark und gesund, reich und glücklich, 24seine Eingeweide sind voll des Fettes und seine Gebeine sind getränkt mit Mark. 25Ein anderer aber stirbt in der Bitterkeit der Seele, von allem Reichtum entblößt, 26Und doch werden sie gleicherweise im Staube ruhen und die Würmer werden beide bedecken. 27Wahrlich, ich kenne eure Gedanken und die ungerechten Urteile wider mich! 28Denn ihr sagt: Wo ist das Haus des Fürsten? und wo sind die Gezelte der Gottlosen? 29Fraget jeden Wanderer, so werdet ihr erfahren, dass er das nämliche einsieht, 30dass der Böse auf den Tag des Verderbens aufbehalten und dem Tage des Grimmes entgegengeführt wird. 31Wer wird ihm seinen Wandel ins Angesicht rügen? Und wer wird ihm vergelten, was er getan? 32Er wird zu Grabe geführt und wacht unter der Schar der Toten. 33Süß war er den Kieseln des Kocytus, er zieht alle Menschen nach sich und Unzählbare sind, die vor ihm waren. 34Wie mögt ihr mich also so eitel trösten, da sich eure Antwort als der Wahrheit widerstrebend erwiesen hat?
Ijob 22
1Eliphaz, der Themaniter, antwortete und sprach: 2Kann etwa der Mensch mit Gott sich vergleichen, auch wenn er vollkommene Wissenschaft besitzt? 3Was nützt es Gott, wenn du gerecht bist? Oder was verschaffst du ihm, wenn dein Wandel unbefleckt ist? 4Wird er etwa aus Furcht mit dir rechten und ins Gericht mit dir kommen 5und nicht um deiner vielen Bosheit und um deiner grenzenlosen Missetaten willen? 6Denn du nahmst das Pfand deiner Brüder ohne Ursache weg und zogst den Halbnackten die Kleider aus, 7du gabst dem Müden nicht Wasser und verweigertest dem Hungrigen das Brot 8durch die Stärke deines Armes nahmst du das Land in Besitz und behieltest es als der Mächtigste, 9die Witwen ließest du leer fortgehen und zerbrachest die Stützen der Waisen. 10Darum bist du mit Schlingen umgeben und plötzlicher Schrecken überfällt dich, 11und du meintest, du würdest die Finsternis nicht sehen und von der Gewalt der überströmenden Fluten nicht überwältigt werden? 12Bedenkst du nicht, dass Gott höher ist als der Himmel und erhaben über den Gipfel der Sterne? 13Und du sprichst: Was weiß denn Gott? und wie durch Wolkendunkel hält er Gericht. 14Wolken sind seine Hülle und er achtet nicht, was uns angeht, und durchwandert den Umkreis des Himmels! 15Willst du den Pfad der Vorwelt schreiten, den die Männer des Frevels gewandelt sind? 16Sie wurden hinweggerafft vor ihrer Zeit, denn ein Strom unterwühlte ihren Grund. 17sie sprachen zu Gott: Weiche von uns! Und als ob der Allmächtige nichts tun könnte, achteten sie ihn, 18während er doch ihre Häuser mit Gütern gefüllt hatte; ja deren Gesinnung sei ferne von mir! 19Die Gerechten werden es sehen und sich freuen und der Unschuldige wird ihrer spotten. 20Ward nicht ihre Hoffart gefällt, fraß nicht das Feuer, was von ihnen übrig war? 21So füge dich ihm denn und ergib dich darin in Ruhe, und das wird dir die besten Früchte bringen! 22Nimm aus seinem Munde Belehrung an und nimm seine Aussprüche in dein Herz auf. 23Wenn du umkehrst zu dem Allmächtigen, wirst du aufgebaut werden und wirst das Unrecht von deinem Zelte fernhalten. 24Er wird statt Erde Kiesel geben und statt der Kiesel Gold wie in Bächen. 25Und der Allmächtige wird wider deine Feinde stehen und das Silber wird sich dir häufen. 26Alsdann wirst du am Allmächtigen deine Wonne finden und dein Angesicht zu Gott erheben. 27Du wirst zu ihm beten und er wird dich erhören und du wirst deine Gelübde erfüllen. 28Beschließest du eine Sache, so wird sie dir gelingen und Licht wird auf deinen Wegen leuchten. 29Denn wer sich demütigt, wird in Herrlichkeit sein; und wer die Augen niederschlägt, dem wird Rettung werden. 30Der Unschuldige wird gerettet werden, aber gerettet durch die Reinheit seiner Hände.
Ijob 23
1Job antwortete und sprach: 2Auch jetzt ist meine Rede bitter und meiner Plage Wucht drückt schwerer als mein Seufzen. 3Wer möchte mir geben, dass ich ihn erkenne und finde und bis an seinen Thron gelange? 4So wollte ich ihm meinen Rechtshandel vorstellen und meinen Mund mit Beweisgründen füllen, 5dass ich die Worte erfahre, die er mir antworten würde, und erkenne, was er zu mir sagen möchte! 6Doch nicht streite er mit mir in großer Kraft noch drücke er mich nieder mit dem Gewicht seiner Größe! 7Billigkeit setze er mir entgegen und mein Recht erhalte den Sieg. 8Doch gehe ich gegen Aufgang, so lässt er sich nicht sehen; gehe ich gegen Niedergang, so gewahre ich ihn nicht. 9Gehe ich zur Linken, was soll ich tun? Ich erreiche ihn nicht; wende ich mich zur Rechten, ich erblicke ihn nicht! 10Er aber kennt meinen Wandel und hat mich wie Gold geprüft, das durchs Feuer hindurch geht. 11Seinen Spuren folgte mein Fuß, auf seinen Wegen hatte ich acht und wich davon nicht ab. 12Von den Geboten seiner Lippen bin ich nicht abgewichen und im tiefsten Herzen barg ich die Worte seines Mundes. 13Denn er ist der Alleinige und niemand kann seinen Ratschluss abwenden; und was immer sein Herz wollte, das hat er getan. 14Wenn er seinen Willen an mir vollzogen, so ist noch vieles andere dergleichen ihm zur Hand. 15Darum bin ich bestürzt vor seinem Angesichte, und wenn ich ihn betrachte, bin ich von Furcht beklommen! 16Gott hat mein Herz verzagt gemacht und der Allmächtige hat mich in Bestürzung versetzt, 17denn nicht wegen der andringenden Finsternis kam ich um noch bedeckte Dunkel mein Antlitz.
Ijob 24
1Vor dem Allmächtigen sind die Zeiten nicht verborgen; aber die ihn kennen, wissen seine Tage nicht. 2Die einen verrücken die Grenzen, rauben die Herden und weiden sie; 3sie treiben den Esel der Waisen weg und nehmen das Kind der Witwe als Pfand fort; 4sie verkehren den Weg der Armen und unterdrücken gleicherweise die Ruhigen des Landes. 5Andere gehen zu ihrem Werke aus, wie der wilde Esel in er Wüste, lauern auf Raub, den Kindern Brot zu schaffen. 6Den Acker, der nicht der ihre ist, mähe sie ab, und den Weinberg dessen, den sie mit Gewalt unterdrückt, lesen sie ab. 7Sie nehmen die Kleider und lassen die Leute nackt gehen, welche keine Bedeckung haben in der Kälte, 8welche der Regen der Berge durchnässt, die, weil sie keine Hülle haben, sich an die Felsen schmiegen. 9Sie üben Gewalt, berauben die Waisen und plündern das arme Volk. 10Den Nackten und denen, die ohne Bekleidung einhergehen, und den Hungernden nehmen sie die Ähren. 11Sie halten Mittag unter den Scharen derer, die Durst leiden, nachdem sie die Kelter getreten. 12Die Männer aus den Städten machen sie ächzen und die Seele der Verwundeten schreit, und lässt es Gott nicht ungerächt durchgehen? 13Sie lehnen sich auf wider das Licht, nicht kennen sie dessen Wege und wenden nicht um zu dessen Pfaden. 14Am frühesten Morgen erhebt sich der Mörder, tötet den Dürstigen und Armen und wird des Nachts dem Diebe gleich. 15Das Auge des Ehebrechers wartet auf das Dunkel und er spricht: Kein Auge wird mich sehen, und er verhüllt sein Antlitz. 16Er bricht in der Finsternis in die Häuser ein, wie sie sich am Tage verabredet, und sie wollen nichts wissen vom Lichte. 17Erscheint plötzlich das Morgenrot, so gilt er ihnen als Todesschatten; und sie wandeln so in der Finsternis, als wäre es Licht. 18Er ist leichter als des Wassers Schaum. Verflucht sei sein Anteil auf Erden und nicht wandle er durch der Weinberge Pfad! 19Aus Schneewasser komme er in die größte Hitze und bis zur Unterwelt gehe seine Sünde! 20Die Barmherzigkeit vergesse seiner, seine Süßigkeit seien die Würmer; nicht bleibe er im Andenken, sondern wie ein unfruchtbarer Baum werde er zerbrochen! 21Denn er hat die Unfruchtbare beraubt, die nicht gebärt, und der Witwe Böses getan, 22hat Mächtige durch seine Kraft niedergerissen; und wenn er sich erhebt, ist er seines Lebens nicht sicher. 23Gott gab ihm Raum zu Buße und er missbrauchte es zum Übermut, und doch wachen Gottes Augen über seinen Wegen. 24Sie sind hoch erhoben und sterben schnell und sinken hin wie alles übrige und werden weggerafft und wie Ährenspitzen zerrieben. 25Ist dem nicht so? wer kann mich Lügen strafen und meine Worte vor Gott bringen?