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Die Bibel in einem Jahr · Tag 141 von 365

Ijob 17–20

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Ijob 17

1Mein Geist wird kraftlos, meine Tage gehen zu Ende und einzig das Grab ist mir übrig. 2Ich habe nicht gesündigt, doch auf Bitterkeiten weilt mein Auge. 3Befreie mich, Herr! und stelle mich neben dich, dann mag wider mich eines jeden Hand streiten. 4Ihr Herz hast du der Einsicht verschlossen, darum werden sie nicht obsiegen. 5Er verheißt seinen Genossen Beute, aber die Augen seiner Kinder werden dahinschmachten. 6Man hat mich zu einem Gespötte des Volkes hingestellt und ein Beispiel bin ich vor ihnen. 7Mein Auge ist dunkel geworden vor Gram und meine Glieder sind wie vernichtet. 8Darüber werden die Gerechten staunen und der Unschuldige sich wider den Heuchler erheben. 9Und der Gerechte wird seinen Weg einhalten und reine Hände werden neue Kraft gewinnen. 10Darum wendet euch immer wieder her, ihr alle, und kommet; doch einen Weisen werde ich unter euch nicht finden. 11Meine Tage sind vorübergegangen, meine Pläne sind vereitelt und martern mein Herz. 12Sie haben die Nacht zum Tag gewandelt und ich soll nach der Finsternis wieder Licht hoffen. 13Wenn ich auch ausharre, ist doch die Unterwelt mein Haus und in der Finsternis habe ich mein Lager aufgeschlagen. 14Zur Fäulnis sprach ich: Mein Vater bist du! Mutter und Schwester seid ihr mir! Zu den Würmern. 15Wo ist denn also nun mein Harren und wer achtet auf meine Geduld? 16In der Unterwelt tiefste Tiefen wird all das Meine hinunterfahren, werde ich wohl da wenigstens Ruhe haben?

Ijob 18

1Baldad, der Suhiter, antworte und sprach: 2Bis wie lange noch werdet ihr solche Worte ausstoßen? Werdet zuerst einsichtig, und dann wollen wir reden! 3Warum werden wir gleich dem Vieh geachtet und sind vor euch verächtlich? 4Der du dich in deinem Grimme aufreibst, soll deinethalben die Erde öde sein und die Felsen von ihrer Stelle gerückt werden? 5Wird nicht das Licht des Gottlosen ausgelöscht und die Flamme seines Feuers nicht mehr leuchten? 6Das Licht wird in seinem Zelte der Dunkelheit weichen und die Leuchte über ihm wird erlöschen. 7Es werden die Schritte seiner Kraft eingeengt und sein eigener Anschlag wird ihn zu Falle bringen, 8denn er hat seine Füße in das Netz verwickelt und wandelt in dessen Schlingen. 9Es fasst seine Ferse der Fallstrick und Durst entbrennt wider ihn. 10Verborgen ist auf der Erde die Fußfessel für ihn und die Falle für ihn auf dem Pfade. 11Rings ängstigen ihn Schrecknisse und umstricken seine Füße. 12Geschwächt werde durch Hunger seine Kraft und Abzehrung überfalle seine Rippen. 13Des Todes Erstgeborener möge die Schönheit seiner Hand verschlingen und seine Arme fressen. 14Es werde aus seinem Zelte sein Vertrauen losgerissen und das Verderben trete auf ihn wie ein König. 15In seinem Zelte mögen, wenn er nicht mehr ist, seine Genossen wohnen, auf seine Wohnstätte werde Schwefel gestreut. 16Unten mögen seine Wurzeln verdorren, oben aber seine Ernte zertreten werden. 17Sein Gedächtnis möge verschwinden von der Erde und sein Name nicht gerühmt werden auf den Versammlungsplätzen. 18Er wird ihn aus dem Lichte in die Finsternis verstoßen und ihn aus der Welt hinwegraffen. 19Nicht wird ihm Nachwuchs bleiben noch Nachkommenschaft in seinem Volke oder irgend ein Überlebender in seinem Bereiche. 20Ob seines Gerichtstages werden die Späteren sich entsetzen und Schrecken wird die Früheren überfallen. 21Das fürwahr sind die Wohnungen der Gottlosen und das ist die Stätte desjenigen, der Gott nicht kennen will.

Ijob 19

1Job antwortete und sprach: 2Wie lange wollt ihr meine Seele betrüben und mich zermalmen mit Reden? 3Sehet, zehnmal schon habt ihr mich gehöhnt und schämt euch nicht, mich zu erdrücken. 4Und wenn ich auch geirrt habe, so bleibt mir mein Irrtum. 5Allein ihr erhebt euch wider mich und schuldigt mich an mit meiner Schmach. 6Erkennet doch wenigstens nun, dass Gott nicht nach verdientem Urteile mich mit Leiden heimgesucht und mit seinen Geißeln mich umstrickt hat. 7Sehet, ich rufe, da ich Gewalt erleide, aber niemand hört mich; ich schreie laut, aber keiner ist, der Recht schafft. 8Er hat meinen Pfad umzäumt und ich kann nicht hinüber, und er hat Finsternis auf meinen Steig gebreitet. 9Er hat mich meiner Herrlichkeit beraubt und mir die Krone vom Haupte genommen. 10Er hat mich um und um vernichtet und ich gehe zugrunde, und wie einem ausgerissenen Baume hat er mir die Hoffnung genommen. 11Sein Grimm entbrannte wider mich und er hielt mich seinem Feinde gleich. 12Allzumal rückten seine Scharen an und bahnten sich den Weg zu mir und lagerten sich rings um mein Zelt. 13Meine Brüder hat er von mir entfernt und meine Bekannten haben sich von mir zurückgezogen wie Fremde. 14Meine Verwandten haben mich verlassen, und die mich kannten, haben meiner vergessen. 15Meine Hausgenossen und meine Mägde haben mich wie einen Unbekannten gehalten und ich bin in ihren Augen ein Fremdling geworden. 16Ich rief meinen Knecht und er antwortete nicht, mit eigenem Mund flehte ich ihn an. 17Vor meinem Atem hatte mein Weib Abscheu und an die Kinder meiner Mutter richtete ich mein Flehen. 18Selbst Toren verachteten mich, und als ich mich von ihnen zurückzog, verhöhnten sie mich. 19Die einst meine Vertrauten waren, verabscheuten mich, und den ich am meisten liebte, der wandte sich von mir ab. 20An meiner Haut hängt mein Gebein, denn das Fleisch ist verzehrt, und nur die Lippen und meine Zähne sind übriggeblieben. 21Erbarmet euch meiner, erbarmet euch meiner, wenigstens ihr, meine Freunde! denn die Hand des Herrn hat mich getroffen. 22Warum verfolgt ihr mich, wie Gott, und ersättigt euch an meinem Fleische? 23Wer gewährte mir, dass meine Worte aufgeschrieben werden? Wer gewährte mir, dass sie in ein Buch verzeichnet werden 24mit eisernem Griffel und auf Tafeln von Blei, oder mit dem Meißel in den Felsen eingehauen werden? 25Denn ich weiß, dass mein Erlöser lebt und ich am jüngsten Tage von der Erde auferstehen werde, 26und ich werde wieder umgeben werden von meiner Haut und werde in meinem Fleische meinen Gott schauen. 27Ich selbst werde ihn schauen und meine Augen werden ihn sehen und kein anderer, dieses mein Hoffen ruht in meinem Busen. 28Warum also sagt ihr nun: Lasset uns ihn verfolgen und einen Grund zur Anklage wider ihn finden? 29Darum fliehet vor dem Schwerte, denn ein Rächer der Missetat ist das Schwert, und wisset, dass es ein Gericht gibt.

Ijob 20

1Sophar, der Naamathiter, antwortete und sprach: 2Darum folgen einander in mir wechselnd die Gedanken und hierhin und dorthin wird mein Geist getragen. 3Ich will die Lehre hören, mit der du mich zurechtweisest, und der Geist meiner Einsicht wird mir Antwort eingeben. 4Das weiß ich von Anfang her, seitdem der Mensch auf die Erde gesetzt ward, 5dass der Ruhm der Gottlosen kurz ist und die Freude des Heuchlers wie ein Augenblick. 6Wenn auch sein Hochmut sich bis zum Himmel erhebt, und sein Haupt die Wolken berührt, 7so wird er zuletzt wie ein Misthaufen verkommen, und die ihn zuvor gesehen, werden sagen: Wo ist er? 8Wie ein Traum versiegt, wird er nicht gefunden werden, wird entschwinden wie ein Nachtgesicht. 9Das Auge, das ihn sah, wird ihn nicht mehr erblicken noch ihn weiter seine Stätte schauen. 10Seine Söhne werden von Armut aufgerieben und seine Hände werden ihm seinen Schmerz einbringen. 11Sein Gebein wird von den Lastern seiner Jugend erfüllt sein und sie werden mit ihm im Staube schlafen. 12Denn weil das Böse seinem Munde süß ist, verbirgt er es unter seiner Zunge. 13Er spart es und lässt es nicht fahren und verbirgt es in seiner Kehle. 14Seine Speise wandelt sich in seinem Innern in Natterngalle. 15Die Reichtümer, welche er verschlungen, muss er ausspeien und aus seinem Leibe treibt Gott sie heraus. 16Er saugt an Natternköpfen und der Otter Zunge tötet ihn. 17(Nicht schaue er Wasserbäche, Ströme von Honig und Butter.) 18Alles, was er getan, muss er büßen und gleichwohl wird er nicht vertilgt; soviel er ersonnen, soviel muss er leiden. 19Denn er zertrat und entblößte die Armen; riss Häuser an sich, die er nicht gebaut. 20Und sein Bauch ward nicht satt, und wenn er hat, wonach ihn gelüstete, vermag er es doch nicht zu behalten. 21Von seiner Speise blieb nichts übrig und darum hat nichts Dauer von seinen Gütern. 22Bei seinem Überflusse wird ihm eng und heiß und jeder Schmerz bricht über ihn herein. 23Möchte doch sein Bauch voll werden, dass er seinen grimmigen Zorn über ihn sende und seinen Krieg auf ihn regnen lasse. 24Flieht er vor den eisernen Waffen, so wird er in den ehernen Bogen rennen. 25Er ist herausgezogen und geht aus seiner Umhüllung hervor und blitzt in seiner Erbitterung, es schreiten heran und kommen über ihn die Schrecken. 26Alle Finsternis ist verborgen in seinen Heimlichkeiten; ein Feuer verzehrt ihn, das nicht angezündet wird; wer übrigbleibt in seinem Zelte, dem wird es übel ergehen. 27Die Himmel werden seine Missetat aufdecken und die Erde wird sich wider ihn erheben. 28Der Sprosse seines Hauses wird ungeschützt sein, wird niedergebeugt werden am Tage des Zornes Gottes. 29Das ist der Anteil eines gottlosen Menschen von Seiten Gottes und das von dem Herrn für seine Taten zugewiesene Erbe.

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