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Die Bibel in einem Jahr · Tag 138 von 365

Ijob 5–8

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Ijob 5

1So rufe denn, ob jemand ist, der dir antworte, und wende dich an irgend einen unter den Heiligen! 2Wahrlich! Den Toren tötet sein Unmut, und den Einfältigen bringt sein Eifern um. 3Ich sah den Toren fest gewurzelt, aber alsbald nannte ich seine Schönheit unselig. 4Fern vom Wohlergehen blieben seine Kinder und wurden im Tore zertreten und keiner war, der sie rettete. 5Seine Ernte aß der Hungrige, ihn selbst schleppte der Gewappnete hinweg und seine Reichtümer schlürften die Durstigen ein. 6Denn nichts geschieht auf Erden ohne Ursache und nicht wächst der Schmerz aus dem Boden hervor. 7Der Mensch ist zur Mühseligkeit geboren und der Vogel zum Fluge. 8Darum wollte ich zu dem Herrn flehen und an Gott meine Rede richten, 9der große und unerforschliche Dinge tut und Wunderbares ohne Zahl, 10der über den Erdboden hin Regen gibt und auf alles Wasser strömen lässt, 11der die Gebeugten hoch erhebt und die Trauernden zum Heile erhöht, 12der die Anschläge der Boshaften zunichte macht, das ihre Hände nicht auszuführen vermögen, was sie begonnen, 13der die Klugen in ihrer eigenen List fängt und den Ratschluss der Verschlagenen vereitelt. 14Bei Tage fallen sie in Finsternis und wie zur Nachtzeit, so tappen sie am Mittag. 15Doch er wird den Dürstigen vor dem Schwerte ihres Mundes retten und den Armen aus der Hand der Gewaltigen, 16Und der Dürstige wird Hoffnung hegen, die Bosheit aber ihren Mund schließen. 17Glückselig der Mensch, den Gott züchtigt! Darum verschmähe die Ahndung des Herrn nicht. 18Denn er verwundet, aber heilt auch; er schlägt und seine Hände machen heil. 19Aus sechs Drangsalen wird er dich erretten und in der siebenten wird dich nichts Böses treffen. 20In Hungersnot wird er dich vom Tode erretten und im Kriege vom Streiche des Schwertes. 21Vor der Geißel der Zunge wirst du geborgen sein und das Elend nicht fürchten, wenn es naht. 22Bei Verwüstung und Hungersnot wirst du lachen und die wilden Tiere der Erde nicht fürchten, 23sondern mit den Steinen des Landes wirst du im Bunde sein und die wilden Tiere der Erde werden mit dir Frieden halten. 24Und du wirst erfahren, dass dein Zelt Frieden hat, und wirst deinen Wohlstand mustern und dich nicht versündigen. 25Und du wirst erfahren, dass deine Nachkommenschaft zahlreich wird und deine Sprößlinge wie das Gras der Erde. 26In voller Reife wirst du in das Grab steigen, wie Weizengarben zu ihrer Zeit eingebracht werden. 27Siehe, wie wir es erforscht, so ist es; was du gehört hast, erwäge im Herzen!

Ijob 6

1Job antwortete und sprach: 2O! würden doch meine Sünden, mit denen ich den Zorn verdient habe, und das Elend, das ich dulde, auf der Waage gewogen. 3Gleich dem Sande des Meeres würde es schwerer erscheinen, darum sind auch meine Worte voll des Schmerzes. 4Denn die Pfeile des Herrn haften in mir, ihr Grimm zehrt meinen Geist auf und die Schrecknisse des Herrn kämpfen wider mich. 5Schreit wohl der wilde Esel, wenn er grüne Weide hat? Oder brüllt der Ochse, wenn er vor voller Krippe steht? 6Oder kann man Fades essen, wenn es nicht mit Salz gewürzt ist? Oder mag jemand kosten, was durch deinen Genuss den Tod bringt? 7Was meine Seele vordem nicht anrühren mochte, das ist nun vor Trübsal meine Speise. 8Wer möchte mir geben, dass meine Bitte erfüllt werde und dass mir Gott gewährt, was ich erwarte? 9Wie er begonnen, so möge er mich zermalmen, er strecke seine Hand aus und haue mich um! 10Und das sei mein Trost, dass, obschon er mich mit Schrecken ohne Verschonen peinigt, ich dennoch nicht den Worten des Heiligen widerspreche. 11Aber was ist meine Kraft, dass ich aushalten, oder was mein Ende, dass ich geduldig bleiben soll? 12meine Kraft ist nicht Felsenkraft, mein Fleisch nicht von Erz. 13Siehe, ich habe keine Hilfe in mir selbst und auch meine Freunde haben sich von mir zurückgezogen. 14Wer seinem Freunde das Erbarmen entzieht, verlässt die Furcht des Herrn. 15Meine Brüder sind an mir vorübergegangen wie ein Bergstrom, der reißend durch die Täler dahinschießt. 16Sie starren von Reif und Schnee wird auf sie fallen. 17Wenn sie sich weiter ausbreiten, werden sie versiegen und, wenn es heiß geworden, verschwinden von ihrer Stätte. 18Ihres Laufes Pfade sind verschlungen, sie verrinnen in das Leere und gehen zugrunde. 19Schauet hin auf die Pfade Themas, auf die Wanderungen Sabas und wartet ein wenig! 20Sie wurden zuschanden, weil ich gehofft; sie kamen auch bis zu mir und sind mit Scham bedeckt worden. 21Jetzt seid ihr gekommen, und da ihr nun meine Plage sehet, scheut ihr zurück. 22Habe ich etwa gesagt: Bringet mir her und beschenket mich von eurem Vermögen? 23Oder: Befreiet mich aus der Hand des Feindes und aus der Gewalt der Starken rettet mich? 24Belehret mich, so will ich schweigen; und ist etwas, worin ich gefehlt habe, so unterweiset mich! 25Warum verkümmert ihr die Worte der Wahrheit, da doch keiner unter euch ist, der mich überweisen kann? 26Ihr sinnet nur auf Worte, um Verweise zu geben, und redet Worte in den Wind. 27Ihr fallet über einen Verwaisten her und suchet euern Freund zu stürzen. 28Doch endet, was ihr begonnen; schenket mir Gehör und sehet, ob ich lüge! 29Antwortet, ich bitte, ohne Zank, redet und urteilet, was Recht ist; 30so werdet ihr auf meiner Zunge kein Unrecht finden, noch wird aus meinem Munde Torheit tönen.

Ijob 7

1Ein Kampf ist des Menschen Leben auf Erden und den Tagen des Tagelöhners gleichen seine Tage! 2Wie der Knecht sich nach dem Schatten sehnt und wie ein Tagelöhner nach dem Ende seiner Arbeit verlangt, 3so habe auch ich ruhelose Monde gehabt und kummervolle Nächte mir abgezählt. 4Wenn ich mich niederlege, sage ich: Wann werde ich aufstehen? Und ich warte wieder auf den Abend und bin mit Schmerzen erfüllt, bis die Finsternis wiederkehrt. 5Mein Fleisch kleidet sich in Fäulnis und Moder des Staubes, meine Haut verdorrt und schrumpft. 6Meine Tage sind schneller dahingegangen, als der Weber den Faden bricht und sind hoffnungslos dahingeschwunden. 7Gedenke, dass mein Leben nur ein Hauch ist und mein Auge nie wieder das Glück schauen wird. 8Keines Menschen Auge wird mich mehr erblicken; blickst du nach mir, so bin ich nicht mehr. 9Wie die Wolke verschwindet und dahinfährt, so kehrt nicht wieder empor, wer in die Unterwelt hinabsteigt. 10Nie kehrt er wieder in sein Haus zurück noch kennt ihn ferner seine Stätte. 11Darum will auch ich meinem Munde nicht wehren, will reden in der Drangsal meines Geistes, will klagen in der Bitterkeit meiner Seele. 12Bin ich denn ein Meer oder ein Meerungeheuer, dass du mich ringsum wie in einen Kerker einschließest? 13Wenn ich denke: Mein Bett soll mir Trost gewähren, ich will mich erholen, mit mir auf meinem Lager redend, 14so schreckst du mich durch Träume und jagst mir Grauen ein durch Gesichte. 15Deshalb ist meiner Seele lieber, wenn ich erwürgt und meinen Gebeinen der Tod zuteil wird. 16Ich habe die Hoffnung aufgegeben, nicht will ich fernerhin mehr leben; schone meiner, denn meine Tage sind ein Nichts! 17Was ist der Mensch, dass du ihn so hoch achtest? oder warum hast du acht auf ihn? 18Du suchst ihn am frühen Morgen heim und prüfst ihn jeden Augenblick. 19Wie lange noch wirst du gegen mich schonungslos sein und lässest mich nicht einmal in Ruhe meinen Speichel verschlucken? 20Habe ich gesündigt, was kann ich dir antun, du Menschenhüter? Warum hast du mich dir zum Gegner gesetzt, so dass ich mir selbst zur Last geworden bin? 21Warum nimmst du nicht meine Sünde hinweg und warum tilgst du meine Missetat nicht? Siehe, nun werde ich im Staube schlafen, und wenn du mich am Morgen suchst, bin ich nicht mehr!

Ijob 8

1Da antwortete der Suhiter Baldad und sprach: 2Wie lange wirst du solches reden und werden die Reden deines Mundes wie ein heftiger Wind sein? 3Beugt etwa Gott das Recht oder stößt der Allmächtige um, was Recht ist? 4Wenn auch deine Kinder sich gegen ihn versündigt haben und er sie der Gewalt ihrer Missetat überlassen hat, 5wenn du indes dich früh zu Gott aufmachst und zu dem Allmächtigen flehst, 6wenn du lauter und recht wandelst, so wird er alsbald über dich wachen und der Wohnung deiner Gerechtigkeit Frieden verleihen; 7so wird, wenn auch dein Anfang klein gewesen, dein Nachmaliges überaus groß werden. 8Denn befrage nur das frühere Geschlecht und forsche fleißig im Andenken der Väter. 9(Wir sind ja von gestern und wissen nichts, weil unsere Tage auf Erden wie ein Schatten sind.) 10Sie werden dich lehren und zu dir reden und Sinnsprüche aus ihrem Herzen bringen. 11Kann denn die Binse grünen ohne Feuchtigkeit oder das Riedgras wachsen ohne Wasser? 12Wenn es noch in Blüte steht und noch nicht von einer Hand gebrochen ist, verdorrt es vor allen Gräsern; 13so sind die Wege aller, die Gottes vergessen, und die Hoffnung des Heuchlers geht zugrunde. 14Nicht frommt ihm seine törichte Hoffnung und einem Spinnengewebe ist sein Vertrauen gleich. 15Er baut auf sein Haus und es hält nicht stand, er stützt es und es will nicht aufrecht bleiben. 16Er scheint saftig, ehe die Sonne kommt, und wenn sie aufgegangen ist, breiten sich seine Zweige aus; 17über den Felsen hin verflechten sich seine Wurzeln und zwischen steinigem Grunde weilt er. 18Aber reißt er ihn von seiner Stätte, so verleugnet diese ihn und spricht: Ich kenne dich nicht! 19Denn dies ist die Freude seines Weges, dass aus der Erde wieder andere sprossen. 20Gott verwirft nicht den Aufrichtigen und reicht den Bösen nicht die Hand, 21bis dein Mund mit Lachen erfüllt wird und deine Lippen mit Jubel. 22Die dich hassen, werden mit Schande bedeckt werden und der Gottlosen Zelt wird verschwinden.

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