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Die Bibel in einem Jahr · Tag 129 von 365

Ester 9–10

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Ester 9

1Im zwölften Monate also, welchen man Adar nennt, wie schon oben gesagt, am dreizehnten Tage, an dem alle Juden ermordet werden sollten und ihre Feinde nach ihrem Blut dürsteten, erlangten umgekehrt die Juden die Oberhand und fingen an, an ihren Feinden Rache zu nehmen. 2Sie versammelten sich in allen Städten, Flecken und Ortschaften, um an ihre Feinde und Verfolger Hand zu legen. Und niemand wagte Widerstand zu leisten, denn alle Völker hatte Furcht vor ihrer Größe erfasst. 3Denn auch die Richter der Länder und die Fürsten und die Statthalter und alle Würdenträger, die an der Spitze jedes Ortes und Geschäftes standen, unterstützten die Juden aus Furcht vor Mardochäus, 4von dem sie gehört hatten, dass er der Erste im Palaste sei und sehr viel vermöge; auch wuchs der Ruf seines Namens täglich und flog bei allen von Mund zu Mund. 5Die Juden also richteten unter ihren Feinden eine große Niederlage an und töteten sie und vergalten ihnen, was jene an ihnen zu tun sich gerüstet hatten. 6so dass sie selbst in Susan fünfhundert Männer töteten, außer den zehn Söhnen Amans, des Agagiters, des Feindes der Juden, deren Namen diese auch sind: 7Pharsandatha, Delphon, Esphata, 8Phoratha, Adalia, Aridatha, 9Phermesta, Arisai, Aridai, Jezatha. 10Diese erschlugen sie, wollten aber ihre Güter nicht als Beute berühren. 11Alsbald war die Zahl derer, welche in Susan erschlagen waren, dem Könige gemeldet. 12Dieser sprach zur Königin: In der Stadt Susan haben die Juden fünfhundert Menschen und außerdem die zehn Söhne Amans getötet, welch große Niederlage werden sie wohl in allen Landschaften anrichten? Was begehrst du mehr und was willst du, dass ich geschehen lassen soll? 13Sie antwortete ihm: Gefällt es dem Könige, so gestatte man den Juden, auch morgen zu tun, wie sie heute in Susan getan haben; und die zehn Söhne Amans mögen am Galgen gehängt werden. 14Da befahl der König, dass man also tun solle. Alsbald ward der Befehl in Susan angeschlagen und die zehn Söhne Amans wurden gehängt. 15Am vierzehnten Tage des Monats Adar versammelten sich die Juden und töteten in Susan dreihundert Mann, doch wurden deren Güter nicht von ihnen geplündert. 16Aber auch in allen Landschaften, welche unter des Königs Herrschaft waren, verteidigten die Juden ihr Leben und töteten ihre Feinde und Verfolger, so dass die Zahl der Getöteten im ganzen auf fünfundsiebzigtausend kam; aber von ihrer Habe rührte keiner etwas an. 17Der dreizehnte Tag des Monats Adar war der erste des Tötens bei allen und am vierzehnten Tage hörten sie auf zu töten; diesen bestimmten sie denn zu einem Festtage, dass sie an demselben sich hinfort für immer Gastmahlen, der Freude und Festlichkeiten überlassen sollten. 18Die aber, welche in der Stadt Susan das Morden geübt hatten, brachten den dreizehnten und vierzehnten Tag desselben Monats mit Töten zu und hörten erst am fünfzehnten Tage damit auf. Darum setzten sie diesen Tag als einen Festtag der Festmahle und der Freude an. 19Jene Juden hingegen, welche in Städten ohne Mauern und in Dörfern wohnten, bestimmten den vierzehnten Tag des Monats Adar zum Gastmahle und zur Freude, so dass sie an demselben fröhlich sind und sich gegenseitig von ihren Freudenmahlen und Speisen etwas zuschicken. 20Dieses alles beschrieb Mardochäus und sandte es schriftlich an die Juden, die in allen Ländern des Königs, in den nahegelegenen wie in den fernen, wohnten, 21damit sie den vierzehnten und fünfzehnten Tag des Monats Adar als Feiertage annehmen und nach Umlauf jedes Jahres immer festlich begehen sollten, 22weil die Juden sich an diesen Tagen an ihren Feinden gerächt und Schmerz und Traurigkeit sich in Fröhlichkeit und Freude umgewandelt hatten; und darum sollten es Tage der Festmahle und der Freude sein und sie sich gegenseitig etwas von den Speisen schicken und den Armen Geschenke geben. 23Und die Juden nahmen alles, was sie damals angefangen zu tun und was Mardochäus durch sein Schreiben befohlen, als feststehenden Brauch an. 24Denn Aman, der Sohn Amadathis, vom Geschlechte Agag, der Feind und Widersacher der Juden, hatte auf Böses wider sie gesonnen, um sie zu töten und zu vernichten, und warf das Phur, das in unserer Sprache Los bedeutet. 25Hierauf ging Esther zu dem Könige und bat, dass sein Anschlag durch Schreiben des Königs vereitelt würde und dass das Böse, das er wider die Juden ausgedacht, auf sein Haupt zurückfallen sollte. Endlich schlugen sie ihn und seine Söhne an das Kreuz. 26Seit dieser Zeit nannte man diese Tage Phurim, das ist Tage der Lose, weil das Phur, das ist Los, in die Urne gelegt ward. Und alles, was sich zugetragen, ist in dem Schreiben, das ist in diesem Buche, enthalten, 27sowohl alles, was sie gelitten, wie das, was hierauf geändert worden ist. Die Juden übernahmen für sich und ihre Nachkommen, sowie für alle, die sich ihrer Religion anschließen wollten, die Verpflichtung, dass es niemand von denen, für welche diese Schrift Zeugnis gibt, erlaubt sein sollte, diese zwei Tage in dem Kreislauf der Jahre ohne Feier zuzubringen, wie es die Zeiten fordern. 28Dies sind die Tage, welche durch keine Vergessenheit je ausgetilgt, sondern alle Geschlechter hindurch in allen Ländern des Erdkreises gefeiert werden sollen; auch ist keine Stadt, in welcher die Tage der Phurim, das ist der Lose, von den Juden und ihren Nachkommen, die zu diesen Gebräuchen verpflichtet sind, nicht gehalten werden. 29Auch schrieben die Königin Esther, die Tochter Abihails und Mardochäus, der Jude, noch einen zweiten Brief, damit dieser Tag mit allem Eifer für die Zukunft als Festtag bestimmt blieb, 30und sie sandten an alle Juden, welche in den hundertsiebenundzwanzig Landschaften des Königs Assuerus wohnten, dass sie in Frieden bleiben, die Wahrheit annehmen, 31die Tage der Lose beobachten und sie mit Freuden zu ihrer Zeit feiern sollten, so wie Mardochäus und Esther es festgesetzt. Und jene übernahmen es für sich und ihre Nachkommen, das Fasten und Weheklagen und die Tage der Lose zu beobachten 32und alles, was in der Geschichte dieses Buches, welches Esther genannt wird, enthalten ist.

Ester 10

1Der König Assuerus aber legte dem ganzen Lande und allen Inseln des Meeres einen Tribut auf. 2Seine Macht und Herrschaft und die Würde und Hoheit, zu welcher er Mardochäus erhoben, sind in den Büchern der Meder und Perser beschrieben; 3und wie Mardochäus aus dem Geschlechte der Juden der Zweite nach dem Könige Assuerus war und bei den Juden in hohen Ansehen stand und bei dem Volke seiner Brüder beliebt war, weil er das Beste seines Volkes suchte und das redete, was seinem Geschlechte zum Frieden diente. Was sich im Hebräischen findet, habe ich vollkommen treu übersetzt. Das aber, was folgt, habe ich in der gemein üblichen Ausgabe in griechischer Sprache und Schrift gefunden. Einstweilen ward dieses Kapitel an das Ende des Buches gesetzt und ich habe meiner Gewohnheit nach einem Obelus (†), das ist ein christliches Zeichen, davor gesetzt. 4Und Mardochäus sprach: Gott hat dies alles getan. 5Ich erinnere mich eines Traumes, den ich hatte, der ebendies vorbedeutete, und es ist nichts davon unerfüllt geblieben. 6Der kleine Quell, welcher zum Strome anwuchs und sich in ein Licht, in die Sonne, verwandelte und in sehr viele Gewässer ergoss, ist Esther, welche der König zur Gemahlin nahm und zur Königin machte. 7Die zwei Drachen aber, das bin ich und Aman. 8Die Völker, welche zusammenkamen, sind die, welche den Namen der Juden zu vertilgen trachteten. 9Mein Volk aber, Israel, rief zu dem Herrn und der Herr rettete sein Volk und befreite uns von allen Übeln und tat große Zeichen und Wunder unter den Völkern. 10Und er befahl, dass zwei Lose sein sollten, das eine für das Volk Gottes und das andere für alle Völker. 11Und beide Lose trafen auf den schon von jener Zeit an vor Gott für alle Völker bestimmten Tag. 12Und der Herr gedachte seines Volkes und erbarmte sich seines Erbes. 13Diese Tage sollen im Monate Adar, am vierzehnten und fünfzehnten dieses Monats, gefeiert werden, das ganze Volk soll sich mit allem Eifer und mit Freude versammeln durch alle nachfolgenden Geschlechter des Volkes Israel.

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