Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).
Judit 1
1Arpharad also, König der Meder, hatte viele Völker unter seine Herrschaft gebracht und baute eine sehr mächtige Stadt, welche er Ekbatanis nannte, 2aus Quadern und behauenen Steinen; die Mauern derselben machte er siebzig Ellen breit und dreißig Ellen hoch und führte Türme darauf auf, hundert Ellen hoch. 3Ins Gevierte aber dehnten sich die Seiten derselben über eine Fläche von zwanzig Fuß aus, und die Stadttore machte er so hoch wie die Türme 4und er rühmte sich als ein Machthaber der Macht seines Heeres und der Herrlichkeit seiner Wagen. 5Im zwölften Jahre seiner Herrschaft nun kämpfte Nabuchodonosor, der König von Assyrien, welcher in der großen Stadt Ninive herrschte, mit Arpharad und überwand ihn 6auf dem großen Gefilde, welches Ragau heißt, am Euphrat, Tigris und Jadason, in der Ebene Eriochs, des Könige der Eliker. 7Da ward die Herrschaft Nabuchodonosors noch mehr erhöht und sein Herz überhob sich und er sandte an alle, welche in Cilicien, in Damaskus und an dem Libanon wohnten, 8und an die Völker, welche auf dem Karmel und in Kedar sind, und zu den Bewohnern von Galiläa in der großen Ebene Esdrelon. 9und an alle, welche in Samaria waren und jenseits des Flusses Jordan bis nach Jerusalem, und an das ganze Land Jesse, bis man an die Grenzen von Äthiopien kommt. 10An diese alle sandte Nabuchodonosor, der König von Assyrien, Gesandte. 11Aber alle gaben einmütig abweisende Antwort und sandten sie leer fort und wiesen sie ohne Ehrenbezeigung ab. 12Da ergrimmte der König Nabuchodonosor über dieses ganze Land und schwor bei seinem Throne und seinem Reiche, er werde an allen diesen Ländern Rache nehmen.
Judit 2
1Im dreizehnten Jahre des Königs Nabuchodonosor, am zweiundzwanzigsten Tage des ersten Monats, ward im Hause Nabuchodonosors, des Königs von Assyrien, der Beschluß gefasst, dass er sich rächen wolle. 2Und er berief alle Ältesten und alle Anführer und seine Krieger und hielt mit ihnen seinen geheimen Rat 3und sagte, dass seine Absicht dahin gehe, jedes Land seiner Herrschaft zu unterwerfen. 4Da nun dieser Ausspruch allen gefiel, rief der König Nabuchodonosor Holofernes, den Führer seines Heeres, 5und sprach zu ihm: Ziehe aus gegen alle Reiche des Abendlandes und vorzüglich wider die, welche meinen Befehl verachtet haben. 6Dein Auge schone seines Reiches und jede feste Stadt unterwirf mir. 7Da berief Holofernes die Führer und Obersten der Heeeresmacht der Assyrier und musterte die Mannschaften zum Feldzuge, wie ihm der König geboten hatte, hundertundzwanzigtausend Krieger zu Fuß und zwölftausend Bogenschützen zu Pferd. 8Seinem ganzen Heerzuge ließ er eine unzählbare Menge von Kamelen vorausgehen mit reichem Vorrat für das Heer, ebenso Herden von Rindern und Schafen, die nicht zu zählen waren. 9Auch ließ er aus ganz Syrien Getreide für seinen Durchzug bereit halten. 10Gold und Silber aber nahm er aus dem Hause des Königs in großer Menge mit. 11So zog er aus mit dem ganzen Heere, mit Wagen und Reitern und Bogenschützen, welche gleich Heuschrecken den Erdboden bedeckten. 12Nachdem er die Grenzen von Assyrien überschritten hatte, kam er an das große Gebirge Ange, das auf der linken Seite von Cilicien ist, und nahm alle ihre Schlösser ein und eroberte alle Festungen. 13Auch die berühmte Stadt Melothi erstürmte er und plünderte alle Söhne von Tharsis und die Söhne Ismaels, welche gegen die Wüste zu und südlich von dem Lande Cellon waren. 14Dann zog er über den Euphrat und kam nach Mesopotamien und zerstörte alle hohen Städte, welche daselbst waren, vom Flusse Mambre an bis man an das Meer kommt, 15und besetzte dessen Grenzen von Cilicien bis an die Grenze von Japheth, die gegen Süden liegt. 16Und er führte alle Söhne Madians gefangen hinweg und raubte alle ihre Reichtümer und tötete alle, die ihm Widerstand leisteten, mit der Schärfe des Schwertes. 17Hierauf zog er in den Tagen der Ernte hinab in die Fluren von Damaskus und brannte alle Saaten nieder und ließ alle Bäume und Weinberge umhauen. 18Und Furcht vor ihm befiel alle Bewohner der Erde.
Judit 3
1Da sandten die Könige und Fürsten aller Städte und Länder, nämlich von Mesopotamien-Syrien, Sobal in Syrien, Libyen und Cilicien, gesandte, welche zu Holofernes kamen und sprachen: 2Möge dein Grimm gegen uns ablassen, denn es ist besser, dass wir am Leben bleiben und dem großen Könige Nabuchodonosor dienen und dir untertan seien, als dass wir sterben und mit unserm Untergange noch den Schaden unserer Dienstbarkeit leiden. 3Alle unsere Städte und alle Besitzungen, alle Berge und Hügel und Ebenen, die Rinderherden und die Herden von Schafen und Ziegen, Pferden und Kamelen und alle unsere Güter und unsere Familien sind vor deinem Angesichte; 4alles, was uns zugehört, soll deinen Anordnungen unterworfen sein. 5Wir und unsere Kinder sind deine Knechte. 6Komme zu uns in Frieden als Gebieter und mache Gebrauch von unserem Dienste, wie es dir gefällig ist! 7Da zog er mit der Reiterei von den Bergen in großer Heeresmacht herab und bemächtigte sich aller Städte und aller Einwohner des Landes. 8Aus allen Städten aber nahm er sich starke und auserlesene Hilfstruppen zum Kriege. 9Und ein so großer Schrecken fiel auf jene Länder, dass die Einwohner aller Städte, die Ersten und Angesehensten, zugleich mit dem gemeinen Volke, ihm, wenn er kam, entgegenzogen 10und ihn mit Kränzen und Fackeln empfingen und Reigentänze aufführten mit Pauken und Flöten. 11Aber obwohl sie dies taten, konnten sie doch die Wildheit seines Herzens nicht besänftigen, 12denn er zerstörte ihre Städte und hieb ihre Haine um. 13Der König Nabuchodonosor hatte ihm nämlich befohlen, alle Götter der Erde auszurotten, damit er allein von jenen Völkern Gott genannt würde, welche durch Holofernes Macht unterjocht werden könnten. 14Er durchzog aber Sobal in Syrien, ganz Apamea und ganz Mesopotamien und kam zu den Idumäern in das Land Gabaa, 15nahm ihre Städte ein, rastete daselbst dreißig Tage und ließ während dieser seine ganze Heeresmacht sich sammeln.
Judit 4
1Als die Söhne Israels, welche im Lande Juda wohnten, dies vernahmen, fürchteten sie sich sehr vor ihm. 2Schrecken und Grauen überfiel ihr Herz, er möchte Jerusalem und dem Tempel des Herrn dasselbe tun, was er den übrigen Städten und deren Tempeln getan. 3Und sie sandten nach ganz Samaria ringsumher bis nach Jericho und besetzten alle Berghöhen im Voraus, 4umgaben ihre Ortschaften mit Mauern und sammelten Getreide, um zum Kampfe bereit zu sein. 5Auch schrieb der Priester Eliachim an alle, die gegen Esdrelon zu wohnten, das in der Nähe von Dothain vor der großen Ebene liegt, und an alle, durch deren Gebiete ein Zugang möglich war, 6sie sollten die Pässe in den Gebirgen besetzen, durch welche man nach Jerusalem gelangen konnte, und da Wache halten, wo zwischen den Bergen ein Engpass sei. 7Die Söhne Israels taten demgemäß, was der Priester des Herrn, Eliachim, ihnen geboten hatte. 8Und das ganze Volk, Männer und Frauen, schrie zu dem Herrn mit großer Inständigkeit und sie demütigten sich samt ihren Frauen mit Fasten und Beten. 9Auch legten die Priester härene Kleider an und ließen die Kinder sich niederwerfen vor dem Tempel des Herrn und bedeckten den Altar des Herrn mit einem Trauertuche. 10Und sie riefen einmütig zu dem Herrn, dem Gott Israels, es möchten ihre Kinder nicht als Beute hingegeben werden, noch ihre Frauen zur Verteilung, noch ihre Städte dem Untergange und ihr Heiligtum der Entweihung, noch sie zum Gespötte werden für die Heiden. 11Dann zog Eliachim, der Hohepriester des Herrn, in ganz Israel umher und redete zu ihnen 12und sprach: Wisset, dass der Herr eure Gebete erhören wird, wenn ihr beharrlich bleibt im Fasten und Beten vor dem Angesichte des Herrn. 13Seid Moses, des Dieners des Herrn, eingedenk, der Amalek nicht im Kampfe durch das Schwert, sondern durch heiliges Flehen im Gebete überwand, als dieser und seine Stärke und seine Macht, auf sein Heer und seine Schilde, auf seine Wagen und Reiter sein Vertrauen setzte. 14So wird es allen Feinden Israels ergehen, wenn ihr ausharrt in diesem Werke, das ihr begonnen habt. 15Auf diese seine Ermahnung also verharrten sie vor dem Angesichte des Herrn, zu dem Herrn stehend, 16so dass auch die, welche dem Herrn Brandopfer darbrachten, mit härenen Gewändern angetan und Asche auf ihren Häuptern die Opfer dem Herrn darbrachten. 17Und alle baten Gott von ganzem Herzen, er möge sein Volk Israel in Gnaden heimsuchen.