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Die Bibel in einem Jahr · Tag 119 von 365

Tobit 1–4

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Tobit 1

1Tobias war aus dem Stamme und der Stadt Nephthali (welche in dem oberen Teile von Galiläa liegt, oberhalb Naasson, hinter dem Wege, der nach Westen führt und zur Linken die Stadt Sephet hat). 2Er war in den Tagen Salmanasars, des Königs von Assyrien, gefangen fortgeführt, aber auch in der Gefangenschaft verließ er den Weg der Wahrheit nicht, 3so dass er alles, was in seinem Vermögen war, täglich seinen mitgefangenen Brüdern, welche aus seinem Geschlechte waren, mitteilte. 4Und obgleich er der jüngste unter allen im Stamme Nephthali war, so zeigte er doch nichts Kindisches in seiner Handlungsweise. 5Als nämlich alle zu den goldenen Kälbern gingen, welche Jeroboam, der König von Israel, gemacht hatte, mied er allein die Gemeinschaft aller 6und ging vielmehr nach Jerusalem zu dem Tempel des Herrn und betete daselbst den Herrn, den Gott Israels, an und brachte alle seine Erstlinge und seine Zehnten treulich dar, 7so dass er im dritten Jahre den Fremdlingen und Ankömmlingen alle Zehnten darreichte. 8Dieses und ähnliches beobachtete er nach dem Gesetze Gottes schon in seiner Jugend. 9Nachdem er aber ein Mann geworden war, nahm er Anna aus seinem Stamme zum Weibe und zeugte mit ihr einen Sohn, dem er seinen Namen gab. 10Diesen lehrte er von Kindheit auf Gott fürchten und alle Sünde meiden. 11Er kam also mit seinem Weibe und seinem Sohne in die Gefangenschaft nach der Stadt Ninive, zugleich mit seinem ganzen Stamme. 12Während aber alle von den Speisen der Heiden aßen, bewahrte er seine Seele und verunreinigte sich niemals durch die Speisen derselben. 13Und weil er des Herrn von ganzem Herzen eingedenk war, ließ Gott ihn vor dem Angesichte des Königs Salmanasar Gnade finden 14und dieser gab ihm Erlaubnis, zu gehen, wohin er immer wollte, und es stand ihm frei, alles zu tun, was er wünschte. 15So ging er zu allen, die in der Gefangenschaft waren, und gab ihnen heilsame Ermahnungen. 16Als er nun nach Rages, einer Stadt der Meder, gekommen war, und von dem, womit er von dem König beschenkt worden war, noch zehn Talente Silber hatte, 17sah er unter der Menge seines Volksgenossen Gabel darben, der aus deinem Stamme war, und gab ihm gegen eine Handschrift das erwähnte Gewicht Silber. 18Als aber nach langer Zeit der König Salmanasar gestorben und sein Sohn Sennacherib an seiner Statt König geworden war, dem die Söhne Israels verhasst waren, 19ging Tobias täglich bei allen seinen Verwandten umher, tröstete sie und teilte einem jeden von seinem Vermögen mit, so viel er konnte; 20die Hungernden speiste er, den Nackten reichte er Kleider und den Toten und Erschlagenen verschaffte er voller Sorgfalt das Begräbnis. 21So auch, als der König Sennacherib aus Judäa zurückgekommen war, nach der Niederlage fliehend, welche Gott um seiner Lästerung willen über ihn gesandt hatte, und er in seinem Grimm hierüber viele von den Söhnen Israels tötete, begrub Tobias ihre Leichen. 22Als dies aber dem Könige berichtet ward, befahl er, ihn zu töten, und nahm ihm sein ganzes Vermögen weg. 23Da floh Tobias mit seinem Sohne und seinem Weibe und hielt sich, von allem entblößt, verborgen; denn viele hatten ihn lieb. 24Nach fünfundvierzig Tagen aber ward der König von seinen eigenen Söhnen getötet 25und Tobias kehrte wieder in sein Haus zurück und sein ganzes Vermögen ward ihm wieder zurückgegeben.

Tobit 2

1Als aber nach diesen Ereignissen einmal ein Festtag des Herrn war und ein gutes Mahl im Hause des Tobias bereitet war, 2sprach er zu seinem Sohne: Gehe hin und führe einige aus unserm Stamme herbei, die gottesfürchtig sind, damit sie mit uns speisen. 3Dieser ging hin, und als er zurückkehrte, teilte er ihm mit, dass einer von den Söhnen Israels getötet auf der Straße liege. Sogleich sprang er von seinem Platze auf, verließ das Mahl und ging nüchtern zu der Leiche, 4hob sie auf und trug sie heimlich in sein Haus, um sie, wenn die Sonne untergegangen wäre, unbemerkt zu begraben. 5Nachdem er nun den Leichnam versteckt hatte, aß er sein Brot mit Trauern und Bangen, 6jenes Wortes gedenkend, welches der Herr durch den Propheten Amos gesprochen: Eure Festtage werden in Klagen und Trauer verwandelt werden. 7Als aber die Sonne untergegangen war, ging er hin und begrub ihn. 8Da tadelten ihn alle seine Nachbarn und sprachen: Schon einmal ist um dieser Sache willen der Befehl gegeben worden, dich zu töten, und kaum bist du dem Todesurteil entronnen, so begräbst du schon wieder die Toten! 9Aber Tobias fürchtete Gott mehr als den König, nahm die Leichname der Getöteten weg, verbarg sie in seinem Hause und begrub sie während der Nacht. 10Es geschah aber, dass er eines Tages, da er müde vom Begraben nach Hause kam, sich an der Wand niederlegte und einschlief; 11und da er schlief, fiel ihm aus einem Schwalbenneste warmer Kot auf die Augen, und er ward blind. 12Diese Prüfung aber ließ der Herr darum über ihn kommen, damit er den späteren Geschlechtern ein Beispiel seiner Geduld gäbe, wie auch der heilige Job. 13Denn da er von seiner Kindheit an allezeit Gott gefürchtet hatte, so beklagte er sich nicht gegen Gott, dass dies Unglück der Blindheit über ihn gekommen war, 14sondern beharrte unerschütterlich in der Furcht Gottes, Gott alle Tage seines Lebens Dank sagend. 15Denn wie Könige den seligen Job beschimpften, so spotteten auch seine Verwandten und Bekannten über sein Leben und sprachen: 16Wo ist deine Hoffnung, um derentwillen du Almosen gabest und Tote begrubest? 17Tobias aber schalt sie und sprach: Redet nicht also! 18Denn wir sind Kinder der Heiligen und erwarten jenes Leben, welches Gott denen geben wird, die ihre Treue gegen ihn niemals ändern. 19Anna aber, sein Weib, ging täglich zum Weben aus und brachte, was sie mit der Arbeit ihrer Hände zum Unterhalte gewinnen konnte, nach Hause. 20So geschah es, dass sie einen Ziegenbock erhielt und nach Hause brachte. 21Als nun ihr Mann denselben meckern hörte, sprach er: Sehet zu, dass er nicht etwa gestohlen sei! Gebet ihn seinen Herren zurück, denn etwas Gestohlenes dürfen wir weder essen noch anrühren! 22Darauf antwortete sein Weib erzürnt: Offenbar ist deine Hoffnung nichtig geworden, und was dein Almosengeben nützte, zeigt sich jetzt. 23Mit diesen und andern dergleichen Worten machte sie ihm Vorwürfe.

Tobit 3

1Da seufzte Tobias und fing an, unter Tränen zu beten, 2und sprach: Du bist gerecht, o Herr! und alle deine Gerichte sind gerecht und alle deine Wege sind Barmherzigkeit und Wahrheit und Recht. 3Und nun, Herr! gedenke meiner und nimm keine Rache wegen meiner Sünden und gedenke nicht meiner Vergehen oder derer meiner Eltern. 4Denn wir haben deinen Geboten nicht gehorcht, darum sind wir der Beraubung hingegeben worden, der Gefangenschaft, dem Tode, dem Spotte und dem Hohne aller Völker, unter welche du uns zerstreut hast. 5Und nun, o Herr! groß sind deine Gerichte, weil wir nicht nach deinen Geboten getan haben und nicht aufrichtig vor dir gewandelt sind. 6So tue nun, Herr! mit mir nach deinem Willen und lass meinen Geist in Frieden aufgenommen werden, denn es ist mir besser, zu sterben als zu leben. 7An demselben Tage begab es sich, dass auch Sara, die Tochter Raguels, in Rages, einer Stadt der Meder, eine Beschimpfung von Seiten einer der Mägde ihres Vaters erfuhr; 8denn sie war sieben Männern gegeben worden und ein böser Geist, mit Namen Asmodäus, hatte diese getötet, sobald sie zu ihr gegangen waren. 9Da sie also der Magd wegen einer Verschuldung einen Verweis gab, antwortete ihr diese und sprach: Möchten wir doch nimmermehr einen Sohn oder eine Tochter von dir auf Erden sehen, du Mörderin deiner Männer! 10Willst du auch mich töten, wie du schon sieben Männer getötet hast? Auf diese Rede hin ging sie in das Obergemach ihres Hauses und aß und trank nicht drei Tage und drei Nächte hindurch, 11sondern verharrte im Gebete und flehte zu Gott unter Tränen, dass er sie von diesem Schimpfe befreien möchte. 12Am dritten Tage aber, als sie ihr Gebet beschloss, pries sie Gott 13und sprach: Gepriesen sei dein Name, du Gott unserer Väter! Der du, nachdem du zuvor gezürnt, Barmherzigkeit übest und zur Zeit der Trübsal die Sünden denen nachlässest, welche dich anrufen. 14Zu dir, o Herr! wende ich mein Angesicht, zu dir erhebe ich meine Augen. 15Ich bitte dich, o Herr! du wollest mich von der Fessel dieses Schimpfes freimachen oder mich wenigstens von der Erde wegnehmen. 16Du weißt, Herr! dass ich niemals nach einem Manne verlangt und meine Seele rein bewahrt habe von aller Begierlichkeit. 17Niemals habe ich mich unter die Mutwilligen gemischt, und mich zu denen gesellt, welche in Leichtfertigkeit wandeln. 18Einen Mann aber zu nehmen, habe ich eingewilligt aus Furcht vor dir, nicht aus meiner Lust, 19und entweder war ich ihrer unwürdig oder sie sind vielleicht meiner nicht wert gewesen, weil du mich vielleicht einem andern Manne vorbehalten hast. 20Denn dein Ratschluss steht nicht in des Menschen Gewalt. 21Das aber halt jeder für gewiss, der dich verehrt, dass sein Leben, wenn er erprobt ist, gekrönt werden wird, und dass er, wenn er der Züchtigung unterworfen gewesen, zu deiner Barmherzigkeit wird kommen dürfen. 22Du hast ja kein Gefallen an unserm Verderben, denn nach dem Sturme schaffst du Stille und nach dem Weinen und Wehklagen flößest du uns Frohlocken ein. 23Dein Name, o Gott Israels, sei gepriesen in Ewigkeit! 24Zu jener Zeit ward das Gebet beider vor der Herrlichkeit des allerhöchsten Gottes erhört 25und ein Engel des Herrn, der heilige Raphael, ward gesandt, beide zu heilen, deren Gebet zu einer Zeit vor das Angesicht Gottes gebracht ward.

Tobit 4

1Da nun Tobias glaubte, sein Gebet, sterben zu können, werde erhört, rief er seinen Sohn Tobias zu sich 2und sprach zu ihm: Höre, mein Sohn! die Worte meines Mundes und lege sie als Grundfeste in dein Herz. 3Wenn Gott meine Seele zu sich genommen hat, so begrabe meinen Leib und halte deine Mutter alle Tage ihres Lebens in Ehren; 4denn du musst eingedenk sein, welche und wie große Gefahren sie um deinetwillen in ihrem Mutterleibe erduldet hat. 5Wenn aber auch sie die Zeit ihres Lebens vollendet hat, so begrabe sie neben mir. 6Alle Tage deines Lebens habe Gott im Herzen und hüte dich, jemals in eine Sünde einzuwilligen und die Gebote des Herrn, unseres Gottes, außer acht zu lassen. 7Gib von deinem Vermögen Almosen und wende dein Auge von keinem Armen ab, denn so wird es geschehen, dass sich auch von dir des Herrn Angesicht nicht abwendet. 8Soweit du nur vermagst, sei barmherzig. 9Wenn du viel hast, so gib reichlich; wenn du wenig hast, so suche auch das wenige gerne mitzuteilen. 10Denn du sammelst dir einen guten Lohn für den Tag der Not. 11Das Almosen befreit ja von aller Sünde und vom Tode und lässt nicht zu, dass die Seele in die Finsternis komme. 12Eine große Zuversicht gibt das Almosen vor Gott dem Höchsten allen, die es geben. 13Hüte dich, mein Sohn! vor aller Unzucht, begnüge dich mit deinem Weibe und gestatte dir nie etwas Lasterhaftes. 14Lass den Stolz niemals in deinem Sinne oder in deinem Worte herrschen, denn von ihm hat alles Verderben seinen Anfang genommen. 15Wer für dich etwas arbeitet, dem gib alsbald seinen Lohn, und der Lohn deines Arbeiters bleibe ja nicht bei dir. 16Siehe zu, dass du niemals das, was du nicht willst, dass dir von einem andern widerfahre, einem andern tuest. 17Iss dein Brot mit den Hungernden und Dürstigen und mit deinen Kleidern bedecke die Nackten. 18Dein Brot und deinen Wein verwende auf das Begräbnis des Gerechten und iss und trink davon nicht mit den Sündern. 19Suche allezeit bei einem Weisen Rat. 20Preise Gott zu aller Zeit und bitte ihn, dass er deine Wege lenke und dass alle deine Pläne in ihm verbleiben. 21Auch teile ich dir mit, mein Sohn, dass ich, als du noch ein kleines Kind warst, dem Gabel in Rages, der Stadt der Meder, zehn Talente Silber gegeben und eine Verschreibung von ihm bei mir habe. 22Deswegen trachte darnach, zu ihm zu gelangen und das oben erwähnte Gewicht Silber wieder von ihm zu erlangen und ihm seine Verschreibung zurückzustellen. 23Fürchte dich nicht, mein Sohn! Wir führen zwar ein armes Leben, aber wir werden viel Gutes erhalten, wenn wir Gott fürchten und alle Sünden meiden und Gutes tun.

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