25. Oktober 2026 · Sonntag
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung – Ex 22,20-26
Mit der Ankunft am Sinai beginnt im Buch Exodus die sogenannte Sinaiperikope. Sie endet mit dem Aufbruch vom Sinai. Enthalten ist in dieser Perikope das „Bundesbuch“ als frühestes Zeugnis der jüdischen Gesetzgebung. Es beinhaltet zentrale humanitäre bzw. soziale Haltungen, geschuldet der eigenen Vergangenheit des Volkes Israel während der Sklaverei in Ägypten. Die dort erlittene Unterdrückungssituation soll nun zur Grundlage des eigenen Handelns werden. Wiederholt heißt es dazu in der Tora: „Denk daran: Du bist in Ägypten Sklave gewesen“ (Dtn 24,22). D.h., in der künftig in Kanaa sesshaften Gesellschaft Israel darf sich solches nicht wiederholen. Sozial Schwache dürfen nicht ausgenutzt werden, sie dürfen nicht das Gefühl des Abhängigseins erlangen. Unterdrückung ist verboten; für den Umgang mit Fremden gilt es, Milde und Rücksicht walten zu lassen; Witwen und Waisen darf man nicht zum eigenen Vorteil ausnutzen. Alle, die sich in der Gesellschaft nicht selbst helfen können, müssen besonders geschützt werden. Mit den sozialen und humanitären Vorschriften im Bundesbuch soll Israel sensibel im Umgang mit den Nächsten gemacht und zum Helfen angeregt werden. Wie selbstverständlich klingen doch diese Vorschriften, aber wie oft ertappen wir uns selbst dabei, auf unseren eigenen Vorteil bedacht zu sein und anders zu handeln.
Evangelium – Mt 22,34-40
Im heutigen Evangelium fragt ein Gesetzeslehrer Jesus, welches das wichtigste Gebot sei. Jesus antwortet ihm darauf: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Mit dieser Antwort entgeht Jesus der Falle, die ihm gestellt worden war, denn sein Gesprächspartner hatte versucht, ihn in eine Aussage über die Hierarchie der Vorschriften zu verwickeln. Jesus erklärt in seiner Antwort, dass alle Gebote in Beziehung zur Gottes- und Nächstenliebe stehen. Dabei drückt sich die Liebe zu Gott im Gebet aus, insbesondere in der Anbetung. Und die Nächstenliebe besteht aus Nähe zum Nächsten, aus Zuhören, Teilen und Fürsorge. Die beiden wichtigsten Gebote weisen also auf die Notwendigkeit der Gemeinschaft hin: Die Gemeinschaft mit Gott und unseren Nächsten. Diese Gemeinschaft müssen wir Tag für Tag pflegen, damit wir nicht in Abhängigkeit von den uns selbst geschaffenen Götzen geraten, die uns in Wahrheit keinen Nutzen bringen. Um dauerhaft in der Gemeinschaft mit Gott und unseren Nächsten zu bleiben, bedarf es auch unserer besonderen Anstrengungen mit einer wachsamen Lebensführung, Selbsterkenntnis und steten Bereitschaft zur Umkehr. Und der beste Beweis dafür, dass wir Gott lieben, ist, dass wir unseren Nächsten lieben. Lieben wir nur Gott, aber unseren Nächsten nicht, dann stimmt etwas nicht.