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22. Oktober 2026 · Donnerstag

Auf den Punkt.

Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.

Lesung · Eph 3,14-21Evangelium · Lk 12,49-53

Erste Lesung – Eph 3,14-21

Der erste Teil des Briefes an die Epheser schließt mit einem feierlichen Gebet, einer Fürbitte des Autors für seine Leser. Sie richtet sich auf die Festigung des „inneren Menschen“ (V.16), wobei der Hauptakzent auf die notwendige Erkenntnis Gottes gelegt wird. Der Mensch, die Gemeinde, müssen in dieser Erkenntnis wachsen, damit es zu einer Ahnung von der Größe Gottes und der Liebe Christi komme. Durch die Gotteserkenntnis, die Glaube und Liebe zugleich ist, wohnt Christus im Herzen der Menschen, in jener tiefen Mitte, aus der alles Erkennen und Lieben hervorquellen. Fehlt die Gotteserkenntnis, herrschen Sünde und Laster. Erst diese Erkenntnis ist der Weg zur Erlösung und zum Heil. Mit der Erkenntnis können wir auch, wie in Vers 18 dargestellt, die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe, mit der Christus uns liebt, erahnen. Dies bleibt aber ein lebenslanges Unterfangen, denn Gott in seiner Ganzheit erkennen werden wir vielleicht erst nach unserer eigenen Auferweckung. Ein guter Weg, um in der Erkenntnis zu wachsen, ist die Nächstenliebe, die Zuwendung zu unseren Nächsten. Und wenn sich unser Nächster uns selbst zuwendet, können wir erahnen und fühlen, wie Gott uns liebt.

Evangelium – Lk 12,49-53

Jesus ist nicht gekommen, um den Frieden, sondern Feuer auf die Erde zu werfen und damit Spaltung zu bringen, so sagt es uns das heutige Evangelium. Diese Aussage ist nicht leicht zu verstehen, denn Feuer und Schwert waren nicht der Weg Jesu. Das Feuer, das Jesus auf die Erde wirft, ist sein Geist, der Menschen bewegt und „befeuert“: Der Heilige Geist. Er ist das Feuer der Liebe, der Gerechtigkeit, der Vergebung und der Barmherzigkeit. Wer auch immer sich für dieses Feuer einsetzt, weiß, dass es oft auf Widerstand und Spaltung stößt. Die zwölf Apostel und ihre Nachfolger haben dieses Feuer bereits bis an die Enden der Erde getragen. Sie haben damit eine neue Lichtspur Gottes durch die Welt gezogen und mit dieser heiligen Flamme die Erde verändert. Das Feuer, das sie brachten, war aber keine Brandfackel, wie sie die Eroberer, Machthaber oder Diktatoren in die Welt hineinschleudern. Gottes Feuer, das Feuer des Heiligen Geistes, ist anders. Es ist das Feuer des Dornbusches, das brennt, aber nicht verbrennt. Dieses Feuer zerstört nicht, sondern legt in uns die verdeckte Wahrheit und die verschüttete Liebe frei und macht uns zu dem, der wir sein sollten. Dieses Feuer befreit uns von allem Übel in und an uns. Brennt dieses Feuer, die Flamme des Glaubens, bereits in dir? Sie wurde in dir entzündet, wenn in dir die Freude am Glauben lebt und wenn du, Tag für Tag, in großer Geduld und Demut, Güte und Beständigkeit deinem vielleicht oft schweren Leben standhältst. Hast du diese Flamme in dir, so lass sie lebendiger und mächtiger werden, indem du sie an andere weitergibst. (Nach einer Predigt von Joseph Ratzinger, Pfingsten 1995